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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-20 · Heft 34 (20.8.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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v* -i v 5'^^.^>;i' '?r'• .1; j ■*;i 61. Jahrgang. Nr. 34. Berlin. 20. August 1897. Wöikage zur „Aktgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. DrutschLan-. 22 Berlin, 16. August. Die Lehrabtheilung des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes hat in Erfüllung des ihr von dem letzten Gemeindetage gewordenen Auftrages die Berathung der Lehrpläne für den jüdischen Religionsunterricht an den nichtjüdischen Volksschulen, höheren Mädchenschulen und höheren Schulen für die männliche Jugend sowie zur Vorbildung akademisch" gebildeter Religionslehrer und von Religionslehrerinnen beendet. Bon einem Lehrplan zur Vorbildung von seminaristisch gebildeten Religionslehrern wurde abgesehen, da die bereits vorhandenen jüdischen Lehrerseminare dem Bedürfnisse durchaus genügen. Inzwischen hat sich der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes mit den Kuratorien und Lehrerkollegien der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums und des (Hildesheimer'schen) Rabbinerseminars zu Berlin sowie des Rabbinerseminars in Breslau (Fränkel'sche Stiftung) über die Einrichtung von Vorlesungen für akademisch gebildete Lehrer (Kandidaten des höheren Schulamts und pro kaeultate doeendi geprüfte Herren) in Verbindung gesetzt. Von allen diesen Anstalten sind erfreulicher- und dankenswerther Weise zustimmende Antworten eingelaufen, die eventuell eine Eröffnung solcher Vorlesungen schon für das nächste Wintersemester in Aussicht stellen. Die Einführung jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan höherer Schulen findet bekanntlich in immer weiterem Umfange statt; es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß die im Januar dieses Jahres vom D.-J. G.-B. bei dem preußischen Herrn Kultusminister eingereichte Petition um allgemeine Einrichtung solchen Religionsunterrichts an sämmtlichen öffentlichen Schulen eine günstige Erledigung findet. Voraussichtlich wird sich also für die nächste Zukunft ein starker Bedarf auch an akademisch gebildeten Lehrern jüdischen Glaubens Herausstellen und sich damit für zahlreiche jüdische Kandidaten des höheren Schulamts der Weg zur Anstellung eröffnen. Im sachlichen wie im persönlichen Interesse möchte es sich empfehlen, daß recht zahlreiche israelitische Kandidaten sich zu den betreffenden Vorlesungen an einer der oben genannten drei Anstalten einschreiben lassen. , 22 Berlin, 18. August. Größere Zuwendungen sind der Stadtgemeinde Berlin nach dem Bericht der städtischen Stiftungsdeputation im abgelausenen Geschäftsjahre fünf gemacht und durch königl. Kabinetsordre bestätigt worden. Davon sind drei von Juden, und zwar für interkonfessionelle Zwecke, eine nur für Christen bestimmt. Es sind dies : Die testamentarische Zuwendung der Kom.-Rath Moritz Gerson'schen Eheleute, bestehend in dem Grundstück Thiergartenstraße 4a, von dessen Erlöse ein Zehntel den christlichen Armen Berlins und 18 000 Mark dem jüdischen Krankenhause zu gute kommen sollten. Nach Beendigung eines langwierigen Erbschaftsstreites ist der ersterwähnte Theil des Vermächtnisses mit 139 600 Mark (139 599,25 Mark) der Stadtgemeinde endlich ausgezahlt worden. Aus den Zinsen dieses Kapitals sollen alleinstehenden Damen der gebildeten Stände, die christlichen Glaubens sind, ohne Rücksicht auf Alter und Personenstand jährliche Beihilfen von 400 Mark gewährt werden. Die Therese Philipp- Stiftung im Betrage von 26 000 Mark, aus deren Zinsen hilfsbedürftige, vaterlose, unbescholtene Töchter der gebildeten Stände, die mindestens das 30. Lebensjahr erreicht. Haben müssen, jährliche Unterstützungen . vott ein- bis dreihundert Mark erhalten sollen. Endlich die Rentier Louis Bier-Stiftung im Betrage von 30 000 Mark, deren Revenuen in jährlichen Raten von mindestens 120 Mark an solche Handwerkslehrlinge vertheilt werden sollen, welche die städtische Handwerkerschule oder'Baugewerksschule Hierselbst besuchen und vom Kuratorium dieser Anstalten als die würdigsten empfohlen werden. Berlin, 17, August. Die deutsche Wissenschaft hat durch den Tod des berühmten' Chemikers Geheimrath Victor Meyer in Heidelberg einen unersetzlichen Verlust erlitten. Meyer war der Sohn des Berliner Kattunfabrikanten Jaques Meyer, welcher sich neben seiner Frau Bertha durch -humanitäre Bestrebungen, unter anderem die bekannten „Meyer-Häuser", ein ehrenvolles Gedächtniß gesichert hat; er studirte in seiner Vaterstadt und in Heidelberg und trat dann zum Christenthum über. Er starb im besten Mannesalter, im rüstigsten Schaffen, und der Vergleich mit Heinrich Hertz in Bonn liegt so nahe, daß er auch allenthalben angestellt wurde. Beide Forscher von Weltruf gehörten ursprünglich dem Judenthum an; beide haben es später, verlassen. Sie gehören also in zweifacher Weise in unsere Verlustliste, und wir registriren diesen Verlust, einmal, um unseren Gegnern zu beweisen, was diese semitische Rasse ans dem Gebiete der exakten Wissenschaft geleistet hat und zu leisten vermag, sodann aber, um Denen in unserem eigenen Lager, welche optimistisch die Theorie von den welken Blättern predigen, die man ruhig abfallen lassen könne, zu zeigen, wie viel Intelligenz und Wissen durch die Judentaufen schon verloren gegangen und leider noch immer verloren geht. §2 Berlin, 15. August. Die „Deutsche medizinische Wochenschrift" veröffentlicht eine sehr scharfe und humoristische Abfertigung eines medizinischen Reklame-Mittels, des sogenannten elektrischen Volta-Kreuzes, das ein Professor Hoskier in den Zeitungen zur „Lebensverjüngung" anpreist. Nun fürchtet aber der gute Mann, daß etwa orthodoxe Juden an dem Volta-Kreuz Anstoß nehmen könnten, . und er verwandelte es für diese in einen „Mögen Dovid“. Das geht nämlich aus der folgenden Mittheilung in Nr. 33 der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" hervor: „Mit Bezug auf unseren Artikel über das Volta-Kreuz (Nr. 32, S. 520) geht uns von gefälliger Seite die Mittheilnng zu, daß der ingeniöse Erfinder dieses Universalmittels es auch möglich gemacht hat, seine Erfindung denjenigen unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen, die gegen die Kreuzesform etwa konfessionelle Bedenken hegen könnten, zugänglich zu machen. Diese können das Heilmittel nämlich in „Sternform", und zwar als „Mogen- Dovid", d. h. Stern Davids, mit einigen hebräischen Zeichen geschmückt, auf ihre Brust pflanzen. In Reklameankündigungen wird das Mittel so ausdrücklich „für jüdische Familien in Sternform" empfohlen. Das hebräische Wort mögen oder wagen bedeutet aber nicht Stern, sondern Schild, Wappen, und magen - david heißt also: „Schild (Wappen)' Davids". Mit einem „Stern" hat das bekannte Hexagramm gar nichts zu thun. 22 Berlin, 16. August. Ein allerliebstes Sommer-Idyll aus dem Großstadtleben enthüllt die nachfolgende Gerichtsverhandlung: „Der Buchhalter Alfred Löwinsohn ist Stellvertreter des Direktors einer hiesigen Schneider-Akademie, wo auch ein Fräulein Margarethe Maul als Lehretin thätig war. Am 19. Juni sang Fräulein Maul mehreren Kolleginnen das Lied von „Emma, dem Mauseschwänzchen" vor. Löwinsohn schien keinen Gefallen daran zu finden, denn er untersagte ihr das Singen. Sie wollte sich diese Belehrung aber „von einem Juden" nicht gefallen, lassen, und als sich Löwinsohn einen derartigen Ausdruck verbat, sagte sie: „Sie sind ja doch ein Jude!" Darauf erfolgte eine Ohrfeige, und diese zog Herrn Löwinsohn eine Anklage zu. Gr wurde zu'30 Mark Geldstrafe verurtheilt." 2. Heringsdorf, 10. August. Gegenüber der änerkennenswerthen Veröffentlichung derjenigen Badeplätze, in denen sich nicht nur die Israeliten, sondern alle Menschenfreunde wegen des abscheulichen Antisemitismus unheimlich fühlen müssen, bin ich in der Lage, Ihnen aus 'persönlicher Wahrnehmung die erfreuliche Mittheilung zu Machen, daß /unsere Ostseeperle Bad Heringsdorf von jener Epidemie gänzlich siefreit ist. Die Direktion, die permanent Ansässigen und hauptsächlich ■bie zur. Kräftigung hier weilenden Kurgäste wetteifern förmlich, jene i leider weit verbrettete Giftpflanze im Entkeimen zu unterdrücken. —! Herzerhebend gestaltete sich der gestrige Abend, an welchem Herr!Apotheker Hans Sachs aus Berlin einWohlthätigkeitskonzert für die

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