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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-20 · Heft 34 (20.8.1897) · p. Seite 405

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
Seite 405 (sequence 9)
Language
German
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405 Gesammtkultur der Menschheit. Nicht auf den nackten Bergen Palästinas, des engen, verheerten Landes, allenthalben stünde, da geistigühr Tempel aus seinen Trümmern empor; alle Nationen verehrten mit ihnen, sie mit allen Nationen verehrten den Weltschöpfer, indem sie sein Bild, Vernunft und Weisheit, Großmuth und Wohlthätigkeit im Menschengeschlecht ausbildeten und erhüben. Nicht durch Einräumung neuer merkantilischer Vortheile führt man sie der Ehre und Sittlichkeit zu, sie heben sich selbst dahin durch rein menschliche, wissenschaftliche und bürgerliche Verdienste. Ihr Palästina ist sodann da, wo sie leben und edel wirken, allenthalben." MkMWM L V <--1 —-II dl.—II- FEUILLETON Meder Glück noch Stern. Novelle von O. Bach. VIII. ^ür Dr. Klein war eine aufregende Zeit hereingebrochen. Die vielen Besprechungen seines Werkes, — hier begeisterte Anerkennung, dort bitterer Tadel, die Vorschläge, welche ihm nicht nur von Professor Wendemann, sondern auch von anderer Seite gemacht wurden, um ihm den Weg zu Ruhni und Ehren zu bahnen, versetzten den jungen Gelehrten in einen fieberhaften Zustand. So lange in fast völliger Abgeschiedenheit gelebt, nur mit seiner Arbeit beschäftigt, die einzige Erholung bei den Damen Milde suchend und findend, war er gar nicht dazu gekommen, so recht über sich und seine Zukunft nachzudenken. Auf einen so großen Erfolg hatte er nie zu hoffen gewagt; seine kühnsten Träume hatten ihm nicht jene verlockenden Bilder vorgemalt, welche besonders Wendemcmn als leicht zu verkörpern hinstellte. Die Universitätskarriere einzuschlagen, Dozent zu werden rieth man ihm, und die Schwierigkeiten, die sich ihm, dem mittellosen Manne, entgegenstellten, sollten schnell beseitigt werden. Es hatte den Anschein, als sollten die trüben Schatten, die bis dahin auf seinem Dasein gelegen, weichen; allein, so willig auch der Geist war, der Körper war' den neuen Eindrücken nicht mehr gewachsen. Die lange Zeit des Darbens, alle jene in Sorgen, Gram und Kummer verlebten Jahre waren nicht ohne Einfluß auf seine Gesundheit geblieben. Er selbst schien dies nicht zu bemerken. In seiner hoffnungsreichen Stimmung fühlte er es wohl auch in der That nicht, wie schwach er war. Die Augen der Liebe und der Freundschaft sahen, was er selbst nicht sehen wollte, was auch die ihm Fernerstehenden nicht bemerken konnten. Daß er ein ausgezeichneter Lehrer war, hatte er au Louis Bernauer bewiesen. ' Er hatte den jungen Mann so weit gebracht, daß er den „Doktor", sogar mit Auszeichnung, gemacht hatte. Was es ihm für Mühe gekostet, den flatterhaften, von Natur trägen Menschen zur Arbeit zu zwingen; ihm für die Zeit des ernsten Studiums all die thörichten Abschweifungen, die ihm Lebensbedingung geworden, abzugewöhnen, wußte nur er selbst, Louis, und die Damen Milde, bei denen er sich von der Herkulesarbeit ausruhte. . . Mit Eva Bernauer war er bei ihrem Schwager mehrmals zusammengetroffen. Sie bevorzugte ihn sichtlich, und Professor .Wendemann schien seine Freude daran zu haben, seine schöne Schwägerin so oft als thunlich mit.seinem Protegee zusammenzuführen. Sie.hatte an dem Tage des glücklich bestandenen Examens ihres sBruders, das dieser mit einem solennen Doktorschmause feierte, bei dem auch Klein nicht fehlen durfte, diesem auch eine zarte Auf" -merksamkeit erwiesen. Ein prachtvolles Bouquet, in dem eine von ihrer Hand gestickte -Brieftasche verborgen war, sollte als Zeichen ihrer Dankbarkeit dienen, und mit Genugthuung hatte Klein die wenigen Zeilen, die dem -Geschenke beigefügt waren, gelesen. . „Sie haben sich als Meister gezeigt, das schier Unmögliche .möglich .gemacht," stand in zierlicher Schrift auf dem feinen, duftigen .Velin-Papier. „Wenn ich mich jetzt so recht von Herzen meiner Liebe zu dem. einzigen Bruder erfreuen kann, ohne mich seiner, In gewisser Beziehung zu schämen, so tragen Sie das Verdienst. Seien Sie der größten Hochachtung versichert von Ihrer dankbaren Eva." Er war ihm beim Lesen dieser Zeilen warm ums Herz geworden. .Die Schreiberin trat in ihrem ganzen Liebreiz vyr ihn hin; gleich darauf hatte er aber das zierliche Briefchen bei Seite gelegt, wie er die kostbaren Blumen, die so gar nicht für das ärmliche -Zimmer passend erschienen, bei Seite geschoben hatte, nachdem er die schönste Rose herausgenommen, um sie, sorgsam umhüllt, Sophie Milde, welche Rosen leidenschaftlich liebte, zu bringen.; Dasselbe Gefühl, welches ihm das duftende, kostbare Geschenk bereitete, bemächtigte sich seiner, wenn er in den glänzenden Räumen bei Wendemanns an der Seite des schönen, in reichster Toilette - prangenden Mädchens saß. Wie er die kunstvoll zusammengestellten -.Blumen bewunderte, ebenso flößte ihm auch Eva Bewunderung ein.; aber so wenig diese Blumen in sein ödes Gelehrtenzimmerchen spaßten, ebenso wenig, paßte er in.den glänzenden Rahmen, der für Eva der einzig richtige schien. Heimisch fühlte er sich nur in der traulichen Stube bei Mildes; ' dort war er zu Hause; dort traf er den richtigen Ton, dort wurde . er immer verstanden, selbst wenn er sich selbst nicht ganz zu ver- . stehen vermochte. ~ Die Worte Evas, die sie ihm beim letzten. Beisammensein mit einem sehr reizenden, verheißungsvollen Lächeln zugeraunt, die Worte: : „Sie sehen ein wenig bleich aus, Doktor. Sie bedürfen weiblicher Fürsorge. Schauen Sie sich nur um unter den Töchtern des Landes. Oder haben Sie bereits Ihr Herz und Ihre Hand verpfändet?" hatten ihm eine ganz neue Perspektive eröffnet. Er war zu wenig eitel, um dabei an eine Absicht Evas zu denken. Eva Bernauer, die Tochter eines hochmütigen, geldstolzen -Mannes, in dessen Augen nur Gold Werth gab, und er, der arme Gelehrte, der in den. Augen jenes Mannes wohl immer und ewig der „Tischlerjunge" blieb, und wenn auch die ganze übrige Welt seine Vorzüge anerkannte. Der Gedanke an den Vater Evas, hatte stets etwas Bedrückendes für Klein und auch seinem Wesen ihr und der Professorin Wendemann gegenüber die Signatur aufgedrückt. Vielleicht hatte gerade das etwas ablehnende, reservirte Wesen Kleins dazu beigetragen, Evas Interesse für ihn zu steigern. Ihr Wunsch war es, ebenso wie ühre Schwester die Gattin eines Gelehrten zu werden. Auf Vermögen/zu sehen, hatte sie nicht

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