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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-20 · Heft 34 (20.8.1897) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
Seite 404 (sequence 8)
Language
German
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'404 sehen wir die Juden NavarraS in dem Statut der Aljama von Tudela im Jahre 1363 ergreifen. ^) Die Anwendung dieses Beschlusses gegen den königlichen Steuerpächter Joseph Pichos in Sevilla, der am 21. August 1379 nach ausdrücklicher Bewilligung des Königs Don Juan I. in seinem Hause enthauptet wurde, ward die Veranlassung, daß den Juden Castiliens die Kriminalgerichtsbarkeit entzogen wurdet). Gleichwohl mußten die Beschlüsse gegen die Delatoren in Kraft bleiben.' Eine - der ersten Maßregeln, zu denen die spanischen Flüchtlinge nach der Verfolgung von 1391 in Nordafrika sich vereinigen mußten, war das geschlossene Vorgehen gegen die Angeber3). Auch die in Nordafrika einheimischen Juden sahen zur selben Zeit zu dem gleichen Beschlüsse sich gedrängt.^) Jsak bar Scheschet, der mit über die Meerenge zu ihnen geflüchtet war, konnte aus seiner Heimath dem Fragestellern in Constantitte versichern, daß in den heiligen Gemeinden Nordspaniens, Aragoniens, Valencias und Cataloniens die Austilgung der Delatoren als eine, fromme Pflicht angesehen wurde3). Ascher b. Jechiel in Toledo besinnt sich daher im Geiste des alten Herkommens keinen Augen-, blick, das Todesurtheil über einen Angeber zu verhängen. °) Ebenso unbedenklich verurtheilt sein Sohn Jakob mit 'dem rabbinischen. Gerichtshöfe von Toledo, mit Josef Jbn Crispins. Josef b. Josef Jbn Nahmias und Mose b. Abraham Jbn Nahmias8) den gefürchteten Angeber Josef b. Samuel, der schon bei Lebzeiten Ascher b. Jechiels dem Henker für verfallen erklärt worden war,9) zur Todesstrafe. -Wenn der Angeber aber auch für vogelfrei erklärt wird, so wurde doch von Fall zu Fall die Zustimmung des Königs eingeholt und die Hinrichtung durch Organe der Landesbehörde vollzogen. So sehen wir in dem Statut, das auf dem von denf Hofrabbiner Abraham Benveniste^) einberufenen Tage von Valladolid 1432 beschlossen wurde, in dem der Angeberei gewidmeten Kapitel ausdrücklich die Bestimmung getroffen, daß ein wiederholt des Verrathes überführter Angeber nach seiner Verurtheilung durch den Hofrabbiner nur durch das Organ der öffentlichen Gerechtigkeit justifizirt werden dürfe"). Und ebenso wie in Castilien ward dH Strenge des Gesetzes gegen die Angeber auch in Nordafrika gehandhabt. Wie Jsak bar Scheschet, der diese Praxis aus Spaniel: 's*? inwn' njnn rbs itt6 is D’“ii?n nnsn stttö1 * "ros ^2 di'dö sinn prten na» irnenbinnnasn vs rnsn “i2TD s’nn nu’üSön nnn n'n'v djöx ■ontmibi rv6npn id-ib ni3’fi>bö2 *6 na» '» bbsb nW>npu 12 rr -bb6 bbob pM 13ÖÖ SS1 K21T- Der Sinn von V'isnni' d« ib. n. n falsch erklärt wird, ist aus Jsak b. Scheschets Responsen Nr. 79, ersichtlich: tbsb .Tn'*ins ■■ D’2i nns nnijs abs wwi nPwn ja n’j’irban ') Kayserling, Die Juden in Navarra S. 76 f. 2) Graez, Geschichte VIII 40 f., Kayserling im Jahrbuch für die Geschichte der Juden IV, 272 f.! 9) Jsak bar Scheschet Responsen Nr. 79: 1b2 NN vnrr pab D^n niD^bn nt rrfenp hs Dnibs iw 4) Ib. ' 5) Ib.: pn*o -new rnwnpn mbnpn pn n\n n$ it wn r6vu mxöi iwftttpi ■nifDraa 6) «rmn ri'w xvi, 1. 7) Zunz, Zur Geschichte S. 424, Kayserling, Jahrbuch IV, 292 S. 2.! 8) Zunz, a. a. O. 430, Neubauer in Jewish Quarterly Review V, 709 ff. . ' 0) )*ra f. 55b.; 10) Kaufmann in n>D^n JT2 eää. Weiß und Friedmann II, 118. /; "- Jahrbuch für die Geschichte der Juden IV, 311, Js. Loeh, Uevue äes etuäes MV68 XIII, 192. mitbrachte^), so sehen wir auch Simeon b.Zemach Duran und selbst noch seinen Sohn Salomon^) mit'unnachsichtiger Entschiedenheit über die Angeber die Todesstrafe verhängen. (Schluß folgte) Fefrfruchte. Von Professor Dr. Ludwig Geiger. ' I.; ' ■ ' Ein Ausspruch Herders. #erders Beziehungen zu Mendelssohn, seine Uebersetzungen und Arbeiten über morgenländische Poesie sind bekannt genug. Weniger bekannt dürfte ein Aufsatz sein unter dem Titel „Zur Bekehrung der Juden", der sich in einem zu Anfang dieses Jahrhunderts herausgekommenen Sammelwerk Adrastea findet. Er zeigt den ganzen Herder: den Sammler und Grübler. Jene Sammelthätigkeit tritt darin hervor, daß dem Aufsatze als Anhänge, Beilagen u. s. w. eine Anzahl Uebersetzungen aus alten und neuen Schriften,, englischen, französischen und jüdischen, beigegeben werden. Die Grüblereigenschaft macht sich darin bemerkbar, daß Herder mit seinen Ansichten nie fertig ist, den Gegenständ von verschiedenen, stets neuen Seiten faßt und sich dadurch naturgemäß in Widersprüche zu verwickeln scheint. Der Aufsatz als Ganzes kann deswegen nicht als allgemein erfreulich gelten. Er spiegelt, wie dies bei Herder so oft geschieht, unwillige Stimmungen ab, und giebt eben Gedachtes, noch nicht recht zur Reife Gekommenes unmittelbar und unvollkommen wieder. Der Aufsatz „Zur Bekehrung der Juden" rathet von den alten Mitteln zur Bekehrung ab und empfiehlt keine neuen; doch betont er mehrmals zwei Dinge, die man nicht gern hört: Erstens, daß die Juden ein Volk seien, keine bloße Religionsgemeinschaft; zweitens, daß sie Fremde seien, die aus Palästina stammten und in ihr Heimathland gehörten. . Aber mit dem Aussprechen dieser Behauptungen that sich Herder nicht genug, und durch das Einfügen, einzelner Sätze aus den Schriften Montesquieus kam er darauf, sich den Einwand zu machen, daß doch wohl nicht die Juden, sondern die Europäer schuld seien an manchen Mißständen, die sich bei jenen fänden. Diese Erkennt«iß führte ihn dazu, die Frage zu erwägen, wie die Europäer thätig sein könnten, „Diejenigen, die durch sie . ehrlos wurden, der Ehre wiederum fähig und werth zu machen". Dies könnte, so führte er, aus, auf dreierlei Weise geschehen: 1. Durch Verstopfen der Quellen ehrlosen Gewinnes bei Christen und Juden. 2. Durch edleres Beispiel der Christen und mildere Gesetze. 3. Durch bessere Erziehung, Moral und Kultus Am Ende dieses letzteren Abschnitts findet sich nun folgender beherzigenswerthe Ausspruch: „Welche Aussicht wäre es, die Juden, ein so scharfsinniges Volk, der Kultur der Wissenschaften, dem Wohle des Staates, der sie schützt, und anderett der Menschheit allgemein nützlichen Zwecken treu ergeben, in ihren Beschäftigungen und ihrer Denkart selbst rein humanisirt zu sehen! Abgelegt die alten stolzen Nationalvorurtheile, weggeworfen die Sitten, die für unsere Zeit und Verfassung, selbst für unser Klima nicht gehören, arbeiteten sie, nicht als Sklaven an einem Kolosseum, wohl aber als Mitbewohner gebildeter Völker am größten und schönsten Kolosseum, dem Bau der Wissenschaften', der 1) Responsen Nr. 234—39. Nr. 177.

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