Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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pp WWWWMN . '/~Wr . 401 bei Anerkennung der bisherigen Bestrebungen des Verbandes dieser Gegenstand als erster Punkt auf die Tagesordnung der' nächsten Generalversammlung gesetzt werde. Dieser Antrag wird zum Beschluß erhoben . und: Bernhardt-Tarnowitz als Referent für jenen Punkt bestimmt. 7. Dieser PunktZ der Tagesordnung fiel durch eine Behinderung des Referenten aus. , 8. Brock-Hirschberg wünscht, daß die Generalversammlung auch einmal in einer anderen Stadt als Breslau, etwa in Hirschberg, abgehalten würde. Diesem Wunsche tritt jedoch Dr. Badt - Breslau aus seiner Erfahrung entgegen. — Herbst-Lissa richtet die Frage an die Versämmlung, wie sie istch zur allgemeinen, im nächsten Jahre um dieselbe Zeit mit diesem Vereine in Breslau tagenden Deutschen Lehrer- Versammlung verhalten wolle. Die Versammlung beschließt, die Beantwortung dieser Frage dem Vorstände zu überlassen. Nach einem Schlußworte des Vorsitzenden, in dem er den Wunsch ausdrückt, daß, so wichtig auch die Behandlung materieller Fragen für den Lehrerstand sei, auch pädagogische Anregungen durch entsprechende Vorträge, Lehrproben u. s. w. gegeben werden mögen, wird die Versammlung um 2 Uhr geschlossen. Dr. Samter. Schriftführer. Die Nabinnerirersaminlnng in Montreal. Von Prof. Dr. G. Deutsch in Cincinnati. t (Schluß.) on weittragender Bedeutung dürften die Beschlüssedes Komitees zur Schaffung einer jüdisch-wissenschaftlichen Litteratur^sein. In der Absicht, für das immer steigende Bedürfniß englisch redender Juden eine Litteratur zu schaffen, soll zunächst ein<Sammlung vonAufsätzen über die ethischen Anschauungen innerhalb des JUdenthums publizirt werden. Ein sehr bedeutender Beschluß war auch die Ernennung eines Komitees, welches die Herausgabe einer Encyklopädie ' der jüdischen Theologie in Erwägung ziehen soll. Das Werk dieses Jahres soll sich daraus beschränken, einen Plan der Vertheilung des Stoffes zu schaffen, die Mitarbeiter zu sichern und die Deckung der Kosten zu berathen. Das Werk sollnicht in dem Maßstabe von Herzog und Plitt angelegt fein, sondern ein kompendiöses Nachschlagewerk in zwei Bänden werden. Wir hoffen, den Kostenpunkt am leichtesten zu überwinden. Die größte Schwierigkeit liegt in der Beschaffung prompt arbeitender Schriftsteller. Lassen Sie mich durch das Medium dieses weitverbreiteten Blattes erklären, daß Angebotevon vertrauenswürdiger Seite von mir, als Obmann des Komitees, dankbar, entgegengenommen werden. Mit einer Produktion hat die Rabbinerkonferenz entschiedenes Glück gehabt. Ihr Gebetbuch, das Union Prayerbook, ist in 115 Gemeinden eingeführt und in 31000 Exemplaren — während dreier Jahre — vertheilt worden. Der finanzielle Erfolg ist infolge Ungeschicklichkeit in der Verwaltung nicht so groß, als er hätte sein sollen, doch war es schon jetzt möglich, dem Fonds für erwerbsunfähige Mitglieder einen Beitrag zuzuführen. Das ist leider-einer der schwierigsten Punkte im amerikanischen Gemeindeleben, besonders in der jetzigen Uebergangsperiode, welche mit den älteren eingewanderten Rabbinern zu Gunsten eingeborener jüngerer Elemente aufräumt. Gemeinden versorgen ihre in den Ruhestand versetzten Beamten nur in den seltensten Fällen. Die Pflicht fällt den Standesgenossen zu und stellt sie vor eine Aufgabe, die kaum im bescheidensten. Maße zu erfüllen sein dürfte, selbst wenn sie auf die Mitglieder -beschränkt wird. Rabbiner ohne Stelle giebt es hier fortwährend, und zwar rechtschaffene und fähige Menschen, ganz abgesehen von den leider nicht allzu seltenen verbummelten Elementen, die, was ja. auch in Europa vorkommt, den rabbinischen Stand als letzten Nothanker ergreifem Die hiesigen- Gemeinden, nach dem System voll Klubs aus : freiwillig beitragenden Mitgliedern bestehend, haben ihre Berufspolitiker, die ,^Boffe", wie mawhier sagt. Wehe dem Rabbiner, der unvorsichtig genug war, den Zorn eines solchen Boß zu erregen, indem er dessen Söhnchen in der Sonntagsschule disziplinirte, beffeit. Tochter bei der Konfirmationsfeier nicht den. vornehmsteu Platz einräumte, oder auch nur Mangel an Ehrfurcht vor der Macht des Gemeindetyrannen durchblicken ließ. - Solche Unglückliche .Opfer der Willkür vor allen Schicksalsschlägen zu bewahren, zu verhindern, daß sie ein Objekt der öffentlichen Wohlthätigkeit werden. und dadurch in der öffentlichen Meinung sinkenist eine Sysiphusaufaabe, so dankbar es auch ist, wenn sie wenigstens in Angriff genommen wird. - Die schwierigste Aufgabe, welche die Konferenz beschäftigt und wohl noch lange beschäftigen wird, ist die Schaffung eines Katechismus. Jede dogmatische Fixirung des Juden thums scheint auf' .unüberwindliche Hindernisse zu stoßen. An die absolute Autorität der rabbinischen Lehre denken hier auch die Orthodoxesten nicht, mehr. Die Haggada ist auch da aufgegeben, wo man die Kopfbedeckung, deren Nothwendigkeit nur aus ihr bewiesen werden kann, für obligat erklärt. Die Halacha gilt auch unseren ^Konservativen nicht mehr unverbrüchlich, denn die religiöse Ehescheidung läßt sich, in einem Lande mit 45 verschiedenen und zum Theil sehr lockeren Ehegesetzen nicht durchführen. Gleich anderen religiösen Körperschaften hat auch die Rabbinerkonferenz beschlossen, die Erlassung gleichmäßiger Ehegesttze für alle Staaten der Union in Anregung zu bringen., Der Erfolg ist zweifelhaft, da manche Staaten aus der Erleichterung der Ehescheidung ein förmliches Geschäft machen. Das vollständige Aufgeben des rabbinischen Gesichtspunktes wurde vor zwei Jahren auf der Konferenz von Rochester als Karäerthum, das Bestehen auf dem normativen Charakter der Bibel als puritanisch und unjüdisch verschrieen. Ein eifriger Anwalt der Sabbathfeier sagte nelllich in einer Predigt, man dürfe aus seinem Eintreten für den historischen Sabbath nicht ^folgern, daß er die Schöpfungsgeschichte als buchstäbliche Thatsache acceptire. Gegen eine allgemein theistische Auffassung wird eingewendet, daß.dann das Judenthum mit der unitärischen Kirche identisch sei. Auf der anderen Seite -ist die Fassung des Judenthums als einer auf geschichtlicher und nicht auf dogmatischer Basis ruhenden Vereinigung. auch wieder sehr Vielen ungenügend. Das Bedürfniß nach dogmatischer Fixirung be§. Glaubensinhaltes erinnert mich an die Anekdote vom-Schadchen, der-den Eltern einer jungen Dame sein Projekt -auseinandersetzt. Die Eltern sind zufrieden, und nun wird Fräulein Laura gerufen, um ihre Meinung über den jungen Aronsohn abzugeben, „Den. jungen Aronsohn,", ruft sie entrüstet, „mag ich nicht. Der ist doch krumm!" . „Gott, Du Gerechter!" ruft der Schadchen.. „Wie heißt krümmt Stellen Sie sich vor, Sie nehmen einen Menschen, der ist ganz grad^ und er springt herunter von der Pferdebahn und bricht ein Bein. Dann bringt man ihn nach Hause--liegt er acht Wochen im Bett und geht dann erst krumm. So haben Sie doch gleich eine fertige Sache!" So geht es Vielen unter uns.. Aus Furcht, einmal über die Dogmenfraqe zu straucheln, ziehen wires vor, gleich auf Krücken.-zu gehen, und wie es viele brave Gymnasiasten giebt, welche auf der Universität gänzlichverbummeln, giebt es auch im religiösem Leben sehr Viele,; die untergehen, wenn ihnen nicht der Katechismus jede Lektion mit allen Einzelheiten vorschreibt. - - , ' Ein anderer Punkt, welcher eine ziemlich heftige Kontroverse hervorrief, war die Stellung des Rabbiners; im öffentlichen Leben (The rabbi as a public man), besprochen von Rabbiner J..L. Leucht' aus New-Orleans.. Diese Kontroverse kann nur üm'Lichte tL 1 -S-1J-^ -v^-