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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-20 · Heft 34 (20.8.1897) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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399 auch wir haben in früheren Zeiten oft Grund genug zu solcher Klage gehabt. Die mehr als ungenügende Ausrede solcher Parlamentarier, sie seien Abgeordnete des ganzen Volkes, nicht aber einzelner Gruppen oder Konfessionen, widerlegt sich von selbst. Mit Recht weist mau in Frankreich auf das Beispiel jenes protestantischen Pastors hin, der mit gerechtem Eifer für seine von Georges Thiebaud und Anderen angegriffenen Glaubensgenoffen in der Kammer eingetreten. Und in Deutschland kann man wohl auf das Vorbild des Centrums Hinweisen, das ja in erster Reihe diesem Zweck seine Entstehung verdankt. Mit voller Anerkennung muß es hier gesagt werden, daß Dr. Bloch in Wien, so lange er im Reichstage war, mit einem Mannesmllthe für die Rechte der Juden eintrat, wie noch kein Abgeordneter vor ihm. Solche Betrachtungen erscheinen heute vielleicht akademisch, 1 da wires ja glücklich so weit gebracht, überhaupt keinen Vertreter unserer Rechte im Reichstage mehr zu haben. Aber es könnte doch auch eine Zeit und eine Gelegenheit kommen, wo Erwägungen dieser Art recht aktuell werden könnten. Und für eine solche Gelegenheit wird es gut sein, sich die geschichtliche Reminisceuz über das Verhalten jüdischer Abgeordneter in Deutschland wie in Oesterreich und in Frankreich wohl zu merken. * Die Verfolgungen, welchen die Inden in Persien ausgesetzt sind, haben, wie bereits gemeldet, die Intervention Frankreichs und Englands hervorgerufen. Darauf ist wohl auch die folgende Ordonnanz des Schahs von Persien zurückzuführen, welche die Sicherheit seinen israelitischen Unterthanen garantirt. „Damit die verschiedenen dem Szepter des Schahs unterworfenen Nationen in Frieden mit einander leben, wird den Muselmännern verordnet, daß sie ihre Verfolgungen gegen die Juden aufgeben und diesen kein unterscheidendes Zeichen anheften. Alle Diejenigen sollen streng bestraft werden, welche sich Mißhandlungen gegen unsere nichtmuselmännischen Unterthanen erlauben oder welche Schranken aufrichten wollen zwischen Tiefen und Jenen. Alle Gouverneure sind angewiesen, diese aus der höchsten Autorität hervorgegangene Ordonnanz zu veröffentlichen, damit Jeder den Schutz des Gesetzes genieße. Denn ein Jeder hat sich dem edlen Herzen und dem souveränen Willen des Schahs zu unterwerfen." Das Centralkomitee der Alliance ist außerdem bereits benachrichtigt worden, daß die persische Negierung mit voller Energie für die Sicherheit der Israeliten von Teheran, welche durch die Anhänger des Mollah Nihan Allah bedrängt werden, eintreten und erforderlichen Falls das jüdische Quartier durch ihre Truppen schützen werde. Es ist natürlich, daß das Centralkomitee der Alliance sich beeilt hat, sofort nach Empfang dieser Nachrichten ein von innigem Dank erfülltes Telegramm an den Schah von Persien zu richten. Aber die Freude über den Erfolg war nur eine kurze. Denn unmittelbar daraus erhielt es von seinem Korrespondenten aus Bagdad folgende Informationen: In Hamadan, wo eine große jüdische Gemeinde existirt, hat die Ordonnanz des Schahs den wilden Haß der Mollahs nur noch mehr geschürt. Durch Anschläge in den Moscheen haben sie die Getreuen aufgereizt, am 10 Moharem die Juden der Stadt niederzumetzeln. Diese Letzteren haben vorläufig den Haß ihrer Gegner dadurch beruhigt, daß sie ihren Priestern diegeforderte Summe von 1500 Mk. bezahlt haben. In Kirmandschah sind unsere Glaubensgenossen noch nicht sehr beunruhigt worden. Sie sind klugerweise während der drei großen Trauertage des Moharem in ihren Häusern verblieben. Der Fanatismus der Schiiten wurde durch die Ermordung einiger Sunniten befriedigt. Es geht das Gerücht, daß in Schiras die Muselmänner zwanzig Israeliten ermordet und drei Synagogen angezündet hätten. Unsere Glaubensgenossen sind in beständiger Angst. Mollah Rihan Allah, welcher der Anstifter der neuen Anschläge gegen die Juden war, hat in alle Provinzen Befehle geschickt, daß man seine ersten Entscheidungen aufrecht erhalten und die Ausführungen des Dekrets des Schah womöglich verhindern soll. In Hamadan sind, die Gemüther noch sehr erregt, und die Juden fürchten für ihr Leben. Und nun komme Einer noch und sage, daß die Geschichten der Esther-Magillah erdichtet seien! Protokolle dev Versammlung des Vereins israelitischer Fehrer in Schlesien und Pasen und deren NnterstühnngsKasse am 9. Juni im Restaurant „zum weißen Storch" in Breslau. (Schluß.) fr. Badt-Breslau stimmt dem Vorredner in seiner Forderung nicht nur jüdischer Volks-, sondern auch höherer Schulen bei, und zwar nicht blos des Sabbathes. sondern auch der Festtage wegen, die den jüdischen Schülern der höheren Schulen ganz verloren gingen, wenn er auch vor extravaganten Urtheilen gegen die bestehenden Staatsanstalten warnen wolle. Auch sei es der Vorstand, der einer Befreiung der jüdischen Schüler vom Schulunterricht an den Feiertagen sich entgegen gestellt hätte. Dr. Samuelsohn-Breslau stellt dem gegenüber fest, daß das Haupthinderniß bei dem Fernbleiben der jüdischen Schüler vom Unterrichte an den Feiertagen in der Familie liege. Dies bestätigt auch Ellguther-Neisse, der nachweist, daß gerade das Elternhaus Schwierigkeiten bereite, wenn es sich um die Befreiung der Kinder vom Unterrichte an den Feiertagen handelt. Grünfeld-Schwersenz ergänzt die Erklärung des Vorredners durch die Bemerkung, daß zu ihm vor den Festen der Schulinspektor komme, um zu erfahren, wann frei gegeben werden solle, und nach seinen Angaben fielen die betreffenden Stunden für die jüdischen Kinder aus. Dennoch erscheinen diese am Feste vollzählig in der Schule. Petzal-Zabrze bemerkt, daß die Forderung wegen Begründung jüdischer Schulen eine reaktionäre sei, da die jüdischen Schulen in den meisten Städten schlecht seien. Das Unterrichtsmaterial sei schlecht, die Schule einklassig, und noch andere Mißstände seien in ihr vorhanden. Bernhardt-Tarnowitz hätte vieles auf dasjenige zu entgegnen, was bei dieser These vorgebracht worden wäre, wolle sich jedoch nur auf einige Bemerkungen beschränken. Zunächst verwahre er sich gegen den Verdacht, als ob er alle Rabbiner als Gegner der Volksschule hätte bezeichnen wollen. Dann bemerkt er, daß es vor etwa zwanzig Jahren eine Stimmung für Simultanschulen gegeben habe. Damals hätten Gemeinden ihre Schulen aufgelöst, aber die dabei gemachten Erfahrungen wären sehr trübe gewesen. Nicht allein die jüdische Jugend sei in ihrem Wissen zurückgegangen, sondern das ganze Judenthum hätte dadurch gelitten. Daher könne er nur für die jüdische Volksschule eintreten. Die Einwendungen Petzals könnten ihn nicht überzeugen, wenn er auch zugeben müßte, daß infolge des Dranges der Juden nach höherer Bildung die besten Elemente der Volksschule entzogen würden. Aehnlich ergehe es auch der christlichen Volksschule. Er weise daher Petzal zurück, wenn dieser behaupte, die jüdische Volksschule leiste nichts. Hierauf wird auch die II. These unverändert angenommen. Zu These III, welche lautet: „Der Religionsunterricht an den von den Synagogen-Gemeinden unterhaltenen Religionsschulen ist nur staatlich geprüften Lehrern anzuvertrauen, welche für den Religionsunterricht vorgebildet sind und die Befähigung zur Ertheilung desselben besonders Nachweisen", bemerkt zunächst Bern h ard t - Tarnowitz: Es liegt im Kultus- Ministerum das Projekt vor, aus Rabbinern und Religionslehrern eine Kommission zu bilden, der die Prüfung jüdischer Religionslehrer obliegen soll. Hierauf bemängelt Dr. B rann -Breslau den Ausdruck „staatlich geprüft" und wünscht den Wegfall dieser Worte, da sonst der größte Theil der jetzt im Amte befindlichen Religionslehrer ausgeschlossen würde. Außerdem beständen bis jetzt nur in Hannover und Kassel Veranstaltungen zur Prüfung von Religionslehrern. Selbst die Rabbiner wären vom Religionsunterrichte ausgeschlossen. Brock- Hirschberg bemerkt, daß nach einer Verfügung des Kultusministers Falk eine Kommission zur Feststellung der Befähigung für den jüdischen Religionsunterricht bestanden habe,

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