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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-13 · Heft 33 (13.8.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 6 Mädchen, im Ganzen 51 Personen beerdigt, außerdem 6 Todtgeborene. Von den Verstorbenen gehörten 9 Männer dem Verein als Mitglieder an; auf Kosten des Vereins wurden 14 Leichen bestattet. In der israelitischen Krankenstation sind 44, in dem städtischen Krankenhause 4, in Heilanstalten für Geisteskranke 3 Personen untergebracht und verpflegt worden; unterstützt wurden regelmäßig 12 hiesige Kranke und 34 je nach Bedürfniß. Der Verein zählt gegenwärtig 357 Mitglieder und 43 beitragende Frauen; 20 Mitglieder wurden im abgelaufenen Jahre neu ausgenommen. — Die Platzfrage für den Bau des Krankenhauses ist nun endgiltig entschieden, und die Aufführung eines allen Anforderungen entsprechenden Gebäudes dürfte in nächster Zeit erfolgen. — Herr Amtsrichter Hammerschlag ist als Landrichter nach hier versetzt worden. — In letzter Zeit sind die farbigen Glasfenster der Synagoge in Lüneburg, eines nach den .Plänen des Stadtbaumeisters Kampf errichteten, der Stadt zur Zierde gereichenden Bauwerks, verschiedentlich durch Steinwürfe zertrümmert. Die durch diese Zerstörung manifestirte Rohheit der Gesinnung ist in christlichen wie in jüdischen Kreisen gleich hart verurtheilt; leider haben bisher die Uebelthäter nicht ermittelt werden können. Der Vorsteher der Synagogengemeinde hat deshalb eine Belohnung von 20 Mark für Denjenigen ausgesetzt, welcher einen der Frevler mit der Wirkung, daß dessen gerichtliche Bestrafung erfolgen kann, zur Anzeige bringt. L. Hannover, 5. August. Auf einer am 1. d. M. in Verden stattgefundenen Konferenz konstituirte sich unter reger Betheiligung eine „Freie Vereinigung der jüd. Lehrer von Hannover-Bremen". Dieselbe bezweckt, durch häufigere Zusammenkünfte Fortbildung, Kollegialität und Standesbewußtsein zu fördern. In den Vorstand wurden gewählt: Spanier-Stolzenau 1. Vorsitzender, Levy-Hannover 2. Vorsitzender, Levisohn-Hannover, Schriftführer. Kollege Hofmann-Twistringen hielt eine Lehrprobe über das Thema: Die Einsetzung Josuas und seine erste Thätigkeit. An diese knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Zum Schluffe sprach der Vorsitzende dem Referenten den Dank der Versammlung aus. Die nächste Versammlung soll am 2. September in Wimstorf stattfinden. Die Lehrprobe übernimmt Levy-Hannover, den Vortrag Hofmann-Twistringen. F. Münster, 8. August. Am 1. d. fand Hierselbst die Konferenz des Bezirksvereins Münster (Sektion des Vereins der israelitischen Lehrer Rheilands und Westfalens, Korporationssitz in Essen) statt. Tagesordnung war: 1. Bericht des Vorsitzenden Herrn Baum-Rheine, über eine Kommissionssitzung, welche zum Zwecke der Vereinigung des südwestdeutschen Vereins mit dem sogenannten „Essener" zu Köln abgehalten wurde. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Verhandlungen zwar noch schweben, daß aber gegründete Aussicht auf das Zustandekommerl der Vereinigung bestehe. 2. Referat des Herrn Seminardirigenten Dr. Gutmann über die „Methodik des israelitischen Religionsunterrichtes" des Herrn Rabbiner Dr. Maybaum. An dieses kurze, aber wohldurchdachte Referat schloß sich eine sehr anregende, eingehende Debatte, aus welcher wir den vielfach geäußerten Wunsch hervorheben, daß auf dem von Dr. Maybaum eingefchlagenen Wege wacker fortgeschritten werden möchte. Als beständiger Versammlungsort wurde Münster vorgeschlagen und angenommen. Auch wurde beschlossen, daß die Konferenz nicht drei-, sondern nur zweimal jährlich stattfinden soll. Für die nächste Konferenz übernahm Feinstein-Münster ein Referat. © Köln, 6. August. Das israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache versendet seinen Bericht über das Jahr 1896. Mit aufrichtiger Befriedigung sehen die Leiter auch diesmal wieder auf die Thätigkeit im verflossenen Berichtsjahre zurück. Zeigt sich doch auch darin das stets anwachsende Vertrauen, das aus den weitesten Kreisen der Anstalt entgegengebracht wird. Aber mit diesem erhebenden Gefühl verbindet sich das tiefe Bedauern, daß sie den Wünschen und Ansprüchen, die an sie herantraten, nur in bescheidenem Maße gerecht werden konnten. Zwar konnten bei voller Ausnutzung der verfügbaren Betten 64 Kranke rnehr ausgenommen werden als im vorletzten Berichtsjahre, 410 statt 346, allein den vielen Aufnahmegesuchen Altersschwacher stand der Vorstand bei oft voller Anerkennung ihrer Dringlichkeit meist machtlos gegenüber. Die innere Verwaltung lag in der bewährten Hand der Schwester-Oberin Frieda Brüll. Sie wie auch die Stationsschwestern Julie Strauß und Sophie Meyer haben sich die Liebe und die Anerkennung aller Pfleglinge des Hauses in reichem Maße erworben. In der Poliklinik des Asyls suchten in diesem Jahre 7741 Kranke Hilfe. Diese entstammen zum größten Theil der Fabrikbevölkerung des südlichen Stadttheils, zum anderen Theil den übrigen Stadtbezirken und den Vororten. Auch für die Poliklinik sind die vorhandenen Räume dem Andrang leider nicht entsprechend. Das Kuratorium besteht aus den Herren Carl Eltzbacher, Vorsitzender; Jacob de Jonge, stellvertretender Vorsitzender; Louis Rothschild; Simon Simon; Abrah. Callmann; Rabbiner Dr. Frank; Heinr. Frank; Phil. Neckarsulmer; Dr. Fritz Eltzbacher; Dr. B. Auerbach, dirig. Arzt der Anstalt. Vermächtnisse und Stiftungen erhielt die Anstalt in diesem Jahre nur die beiden folgenden: Legat August Löb, Köln, 600 Mark; Kinder des Herrn Eduard Löwenstein, zum Andenken an ihren Vater 500 Mark, Summa 1000 Mark. An Jahresbeiträgen kamen ein Mark 7556,73, an Spenden für die Poliklinik Mark 744.—. Die Betriebsrechnung pro 1696 weist auf an Einnahmen Mk. 48 866,57, an Ausgaben Mk. 44 021,97. Von den 410 Kranken gehörten 150 dem Judenthum zu, 260 den christlichen Bekenntnissen an, das beste Zeichen des Vertrauens, das man auch in nichtjüdischen Kreisen der Anstalt entgegenbringt. <J\> Frankfurt a. M., 8. August. Das Deutsch-Israelitische Kinderheim, das in Diez seinen Sitz hat, dessen Verwaltung aber nach Frankfurt gravitirt, wo von den elf Vorstandsmitgliedern sechs wohnen, hatte im Schuljahre 1896/97 39 Zöglinge, die bis auf vier die Volksschule in Diez besuchen. Drei sind bei Meistern in der Lehre, einer ist in der Erziehungsanstalt in Ahlem untergebracht. Mitten im Schuljahr, im Oktober, trat ein Zögling aus, um in die Höchberger Präparandenschule zu gehen. Mit Schluß des Schuljahres wurden sechs Zöglinge entlassen, von denen drei sich dem Kaufmannsstande widmeten, während je einer zu einem Seifensieder, Sattler und Bäcker in die Lehre trat. An Geschenken und Jahresbeiträgen gingen Mk. 29 572 ein. Die Ausgaben erforderten Mk. 22 392. Die Anstalt zeigt sich in gedeihlicher Entwickelung. »fr# Straßburg, 8. August. Die „Straßburger Post", also kein semitisches, sondern vielmehr ein urdeutsches Blatt, schreibt: Der Fall Dreyfus wird wieder einmal aus der Vergessenheit, in die er nachgerade zu versinken beginnt, in das volle Licht des Tages gestellt. Herr Henri Strauß, der ehemalige Präsident der französischen Liga gegen den Antisemitismus und Direktor der „Alliance nationale" in Paris, hat im Verlage von Joses Singer in Straßburg gleichzeitig in deutscher und französischer Sprache eine Broschüre erscheinen lassen („Une infamie judiciaire“ heißt der Titel der französischen, „Ein infames Urtheil" der der deutschen Ausgabe), in welcher er das gesammte Material, welches sich allmälig angehäuft hat, noch einmal zusammenträgt und den Nachweis führt, daß der Kapitän Dreyfus einerseits das Verbrechen, dessen man ihn beschuldigt, gar nicht begangen haben kann, andererseits vom Kriegsgericht auch thatsächlich auf Grund falscher Angaben verurtheilt worden ist. Wir haben uns mit dem seltsamen Falle, der die eigenthümlichsten Berichte des „Neuen Pitaval" noch übertrifft, im Laufe der Jahre so oft und so ausführlich beschäftigt, daß wir nicht nöthig haben, an dieser Stelle noch einmal auf den Prozeß zurückzukommen. Wir können nur sagen, daß die Veröffentlichung des Herrn Strauß uns in dem Glauben an die Schuldlosigkeit des verurtheilten Dreyfus, dem wir von Anfang an Ausdruck gegeben haben, nur noch bestärkt hat. Herr Henri Strauß hat den Kapitän Dreyfus und dessen Familie persönlich gekannt; Herr Henri Strauß ist Franzose und hat seit Jahren in Frankreich und Algerien durch Schrift und Wort gegen den Antisemitismus gekämpft. Das alles muß man bedenken, um seine Schrift richtig zu würdigen. Dieselbe enthält viele neue Angaben. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 9. August. Das nachstehende kleine Sittenbild kann Ihnen unsere sozialen Verhältnisse besser illustriren als die umständlichsten Berichte und Kommentare. Der bei dem Badener antisemitischen Baumeister F oll er bedienstete Ferdinand Ramberger, welcher den zehnjährigen Sohn Edgar des Kurgastes I. Dröllinger mit einem Steinwurfe die Hirnschale zerschmetterte, hatte sich wegen des Verbrechens der schweren körperlichen Verletzung zu verantworten. Aus die Frage des Richters Adjunkt Dr. Weinlich, warum er den Knaben verletzt habe, antwortete Ersterer: „Ich Hab' auf ihn in der Vöslauerstraße

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