Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-13 · Heft 33 (13.8.1897) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228236--53923-3267874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

61. Jahrgang. Ur. 33. Werkage AEV is. ÄuM m zur „ALtgernsinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenten und Nachrichten. Drutschland. L2 Berlin, 10. August. Wie man uns mittheilt, hat Herr Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" eine Spende im Betrage von 15OO0 Mark zur Begründung eines Penstonsfonds für die Dozenten der ^Anstalt überwiesen, und zwar in Erinnerung an den Mitbegründer der Hochschule, seinen unvergeßlichen Vater Dr. Ludwig Philippson. Mit aufrichtiger Genugthuung konstatiren wir diese Mittheilung. Einmal um der Sache selbst willen, weil die Begründung eines Pensionsfonds für die Lehranstalt ein mehr als dringendes Bedürfniß ist, sodann aber und hauptsächlich um des guten Beispiels willen, und weil wir die feste Zuversicht hegen, daß dieses Beispiel aneifernd auf unsere Großen und Reichen wirken und der Lehranstalt die Theilnahme weiter Kreise zuwenden wird, deren sie bedarf, und die sie wahrlich in hohem Grade verdient. Zu lange schon ist die Wissenschaft des Judenthums seitens unserer Reichen „ungeschätzt und ungeehrt" geblieben; es ist hohe Zeit, daß man sich ihrer und ihrer Pfleger annehme. Denn die Folgen jener Vernachlässigung oder Mißachtung haben sich in der traurigen Periode des Antisemitismus nur zu deutlich gezeigt. Heute gilt, wie vor SO Jahren, das Wort von Leopold Zunz„Die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben kann nur aus der Gleichstellung der Wissenschaft des Judenthums hervorgehen". Mögen alle Diejenigen, die in der Lage sind, diese Gleichstellung mit ihren Mitteln zu fördern, dies Wort des Altmeisters im Gedächtniß behalten. 8. Berlin, 9. August. Wie wir erfahren, wird der für dieses Jahr zum ersten Male geplante Jugendgottesdienst am 1. und 2. Tage Vormittag des Roschhaschonah-Festes sowie am Vor- und Nachmittag des Bersöhnungstags, und zwar in zwei Lokalen, stattfinden, in dem Saale .des Vereins junger Kaufleute, Beuthstraße 20, und in der Aula der Gemeindeknabenschule Gr. Hamburgerstraße 27. Zugelassen werden Kinder im Alter von 8-14 Jahren; die Begleitung derselben durch Erwachsene ist nicht gestattet, da für eine genügende Beaufsichtigung durch Lehrer und Lehrerinnen der Gemeindeschulen Sorge getragen werden wird. Der Eintritt zum Jugendgottesdienst ist unentgeltlich, jedoch nur gegen Karten, die zu einer noch durch die Zeitungen zu veröffentlichenden Zeit im Büreau der jüdischen Gemeinde zur Verausgabung ^gelangen werden. Jedem Kinde, das den Gottesdienst besucht, wird jedoch der Besitz einer Agende, deren Drucklegung bereits begonnen hat,, zur Pflicht gemacht. Es ist diese Anordnung getroffen worden, um Störungen zu vermeiden, welche leicht dadurch entstehen könnten, daß mehrere Kinder ein und dasselbe Buch benutzen, oder einzelne überhaupt kein solches haben. Die Ansprachen an die Kinder werden beim Jugendgottesdienste von einer Reihe hiesiger jüdischer Pädagogen gehalten werden. Es ist dies ein Vorschlag, der zuerst an dieser Stelle gemacht wurde, und wir freuen uns, daß derselbe nunmehr Annahme gefunden hat.. L2 Berlin, 18. August. An dem verhängnißvollen letzten Sonntag, also am Tischebeaw, ist wieder in der Synagoge des Religionsvereins Adath Jeschurun, Alte Schönhauserstraße, in der Nacht eingebrochen worden. Ein werthvoller silberner Becher sowie mehrere Gebetmäntel sind gestohlen worden. Es muß also wirklich eine Diebsgesellschaft hier existiren,. die es hauptsächlich aus die kleineren Synagogen abgesehen hat, und Vorsicht erscheint dringend geboten. o. Posen, 10. August. In der Nacht zum 6. d. Mts. ist in Harzburg plötzlich verschieden Frau Bertha Jaffö, geb. Pincus- Sie war die Wittwe des vor zwölf Jahren verstorbenen Geheimen Kommerzienraths Bernhard Jaffö, langjährigen Stadtverordnetenvorstehers und Vorsitzenden der Handelskammer. Namentlich in früheren Jahren hat sie auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit mannigfach und mit Erfolg gewirkt. Sie war das älteste Mitglied des Vorstandes des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins und Dame des Louisenordens. Gleich ausgezeichnet durch Gaben des Herzens wie des Geistes, war sie stets von warmem Eifer für alles Große und Edle erfüllt. In dem Vorstand der Ritsche-Flatau'schen Waisenerziehungsanstalt für Mädchen hat sie 24 Jahre lang unermüdlich gewirkt und durch ihre hingebende Mitarbeit zum Wachsthum und zur Fortentwickelung des Instituts beigetragen. Ein Sohn der Verstorbenen ist der bekannte dramatische Schriftsteller Dr. Richard Jaffs in Berlin, ein. Schwiegersohn der dem Vorstände der dortigen jüdischen Gemeinde angehörende Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs. Das Leichenbegängniß fand am 9. d. Mts. unter allgemeiner Theilnahme statt. Friede dem Andenken der edlen Frau. X. Lissa i. P., 4. August. Heute starb hier im Alter von 72 Jahren der weithin bekannte und geschätzte Gymnastal-Oberlehrer a. D. Herr Professor Julius Toeplitz nach kurzem Krankenlager. Der Verblichene war 47 Jahre am hiesigen königlichen Gymnasium thätig und hat sich in diesem langen Zeitraum in selten hohem Maße den Ruf eines hochbegabten, allezeit gerechten und liebenswürdigen Lehrers zu erwerben gewußt. Wie groß die Dankbarkeit seiner zahlreichen ehemaligen Schüler war, kam bei der vor ca. drei Jahren, erfolgten Gründung einer Toeplitz-Stiftung zum. sinnigsten Ausdruck. Der Entschlafene gehörte durch zwei Jahrzehnte dem Synagogenvorstande an und stellte damit sein reiches Wissen auch in den. Dienst seiner Heimathgemeinde. Auch der Stadtverordnetenversammlung hat er lange Zeit als Mitglied angehört. Von der Regierung war er durch Verleihung des Rothen Adlerordens vierter Klasse ausgezeichnet worden. Sein Andenken wird in hohen Ehren bleiben. Das Leichenbegängniß des allseitig wegen seiner Bescheidenheit, Menschenfreundlichkeit und wegen seines tiefen Wissens geschätzten Mannes nahm einen überaus erhebenden Verlauf. Denn in seltener Einmüthigkeit sah man die Spitzen der Behörden, die höheren Gerichtsbeamten, die Beamten der Stadt, Offiziere, Gymnasiallehrer u. s. w. der Bahre folgen, und Herr Rabbiner Dr. Bäck konnte in seiner tiefempfundenen Leichenrede vor einer Corona von Christen und Juden sprechen, wie sie hier selten sich zu Ehren eines Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhofe in solcher Zahl und in so hoher Repräsentation vereinigt. Mit Recht hob er, als er ein Bild von dem Leben des Verstorbenen entwarf, hervor, daß es ein Leben nicht nur von Arbeit und Mühe, dessen Früchte freilich die schönsten waren, gewesen, sondern auch von Kämpfen und Sorgen, und daß es jahrelangen Ringens bedurfte, ehe es ihm vergönnt war, das Ziel, seines Strebens zu erreichen. In der That hatte der Verblichene unendliche Schwierigkeiten zÄ überwinden, ehe er seine Anstellung erreichen konnte. Immer und immer wieder wurde ihm der Bescheid, daß ein Jude an einer „christlichen Schule" keine Anstellung erhalten könne. Er ließ jedoch nicht nach in seinen Bemühungen, und hatte dann auch schließlich die Genugthuung, nicht nur, daß er als Lehrer an dem königlichen Gymnasium in Lissa bestätigt wurde, sondern auch, daß ihm die frühere Zeit angerechnet wurde, so daß er baldigst zum Oberlehrer und weiterhin auch zum Professor ernannt wurde. An seinen Söhnen, von denen der eine Gymnasialprofessor in Breslau, der andere Amtsgerichtsrath in Bromberg ist, hatte er die Freude, zu sehen, daß es der jüngeren Generation doch Nicht mehr so schwer gemacht wird, als.es der älteren dereinst beschieden war. Möge der wackere, ehrenwerthe Mann, eine Zierde Lisfas und seiner Gemeinde, in Frieden ruhen. L. Hannover, im August. Der uns vorliegende Rechenschafts- Bericht über die Verwaltung des Wohlthätigkeits-Vereins der Synagogen-Gemeinde im 135. Jahre seines Bestehens vom 1. Januar bis 31. Dezember 1896 weist eine Einnahme von 17 298,73 Mark und eine Ausgabe von 12 902,23 Mark aufso daß sich ein Ueberschuß von 4396,50 Mark ergiebt. Es wurden in dem abgelaufenen Vereinsjahre auf unserem Friedhofe 20 Männer, 17 Frauen, 8 Knaben und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.