Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- f,.\y gebracht/ wo die Butter und der Käse fabrizirt wird. Zuerst hatten die deutschen Kolonisten die Butter selbst fabrizirt. Aber der Verkauf war schwer, und die Kunden waren daran gewöhnt, mit den Juden zu thun zu haben. Die Kolonisten haben darauf mit den Juden über den Verkauf der Milch verhandelt, und so ist die Butterfabrikation eine Art Privilegium der Juden geworden. Zytomir ist der Mittelpunkt dieses Handels und hat in der letzten Zeit sich bedeutend ausgedehnt. Ebenso ist es mit der Geflügelzucht und dem Geflügelhandel. Das Geflügel wird auf eine besondere Art gestopft und genährt, und wenn es recht fleischig ist, bringen es die Bauern in die Depots, wo die Juden große Mengen für die Märkte der großen Städte sammeln. Ebenso werden Millionen von Thieren in die Depots gebracht, um in gleicher Weise verschickt zu werden. In vielen Dörfern bildet diese Industrie die Haupteinnahme der Bauern. Die Anstellung der Juden für die ländliche Arbeit hat dieses Jahr einen ungewöhnlichen Aufschwung genonunen. In Veßarcibien, Podolien und anderen Gegenden des Territoriums ziehen die Grundbesitzer jüdische Arbeiter direkt vor, weil ihre Arbeit in vielen Beziehungen die bessere ist. In der Provinz von Cherson haben die größten Grundbesitzer (Grafen Jgnatief, Dnponier. Kouris, Ezitzki rcZ ganze Züge von jüdischen Landarbeitern gebildet. Leider verbietet ihnen die Polizei immer noch, auf dem Felde oder in den Dörfern zu übernachten, so das; sie Morgens lind Abends große Strecken zurücklegen müssen, um zur Arbeit und nach Haus zu gelangen. Die traurige Lage der Juden in Persien, über die wir bereits in der vorigen Nummer berichteten, wird durch den hier folgenden Brief aus dem letzten Monatsbericht der ^.Uiunee Isinelite Universelle in erschreckender Weise beleuchtet. In Persien ist Folgendes dauernd zu beobachten. Sobald ein Priester sich als frommer Mann hervorthun will, predigt er den Krieg gegen die Juden. Dies ist soeben in Teheran geschehen. Seyed Rihan Allah, gestern noch von Niemand gekannt, hat sich durch seinen Fanatismus auf einen Schlag volksthümlich gemacht. Er beklagte sich, daß die Juden von Teheran sich durch kein äußeres Abzeichen von ihren muselmanischen Mitbürgern unterschieden, und veranlaßte einen Erlaß, eine Fetwa, nach welcher unsere Glaubensbrüder in der Hauptstadt ein Abzeichen auf der Brust tragen und sich die Haare schneiden müssen zum Unterschied von den Mohamedanern, deren Hals von reichem Haarwuchs bedeckt ist. Die Juden protestirten gegen diesen Erlaß und beklagten sich beim Herrscher. Aber was vermochte die'Schwäche des Monarchen gegen den kühnen Fanatismus der Mollahs? Diese blieben unerbittlich. Und auf alle Vorsiellungen des Schah und seiner Minister antworteten sie, daß dies in nichts die Civilbehörden anginge und nur Neligionssache sei. Bon den Behörden verlassen, ließen sich jedoch die Juden diese Demüthigung nicht gefallen und erregten durch ihren Widerstand den höchsten Zorn ihrer Feinde. Rihan Allah befahl seinen Anhängern, den Erlaß mit Gewalt auszuführen. Am 14. Jjar umringte eine Schaar Fanatiker die Häuser der Juden, erstürmte sie und zwang die Bewohner, das schmachvolle Abzeichen zu tragen. Am Abend desselben Tages hatte sich der Sohn eines Said in dem jüdischen Viertel verspätet. Seine Eltern suchten ihn hier. Sie fanden ihn fast nackt. Sie klagten die Israeliten an, ihn beraubt zu haben, um ihn dann zu ermorden. Sogleich fingen sie an zu schreien und forderten die Mohamedaner auf, den vermeintlichen Mordversuch zu rächen. Der erregte Pöbel wollte einen regelrechten Sturm gegen unsere armen Glaubensbrüder unternehmen, als eine hohe Persönlichkeit dazwischen trat, den Kläger beruhigte und ihm sein Recht und Bestrafung der Schuldigen versprach. Nach diesen traurigen Auftritten in Teheran ist zu befürchten, daß der Fanatismus noch mehr in den Provinzen entzündet und zu noch schrecklicheren Thaten führen wird. Protokolle der Versammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen und deren Nnterstüchnngskasse am 9. Juni im Restaurant „zum weißen Storch" in Breslau. nwesend waren: a) als Mitglieder: Alexander-Breslau, Alexander-Militsch, Bach-Myslowitz, Professor Dr. Badt- Breslau, Waisenhausinspektor Boß-Jnowrazlaw, Bernhard- Tarnowitz, Dozent Dr. Brann-Breslau, Brock-Hirschberg, Dr. Doctor- Breslau, Cand. phil. Elbogen - Breslau, Inspektor Graf- Breölau, Grünfelr -Schwersenz, Rabbiner Dr. Guttmann-Breskau, Gutmann-Ohlau, Haller-Haynau, Herbst-Lissa, Hirsch-Grünberg, Krolik-Kosel, Ksinski- Kempen, Löwenthal-Gr. Wartenberg, Löwenstein-Glatz, Löwy-Lublinitz, Petzal - Zabrze, Fräulein Peiser - Breslau, Rabbiner Dr. Rosenthal^ Breslau, Dr. Samter-Breslau, Dr. Samuelsohn-Breslau, Steiner- Groß Strehlitz, Tintner-Bunzlau, Translateur-Carlsruhe O.-S; b) als Gäste: Th. Oschinski-Lreslau, Delegirter des D. I. G.-B, Rabbiner Dr. Chodowski-Oels, Prediger Ellguther-Neisse. Vormittags 9 Uhr fand die Generalversammlung der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen statt. Der Vorsitzende berichtet über den Stand der Kasse, und der erschienene Revisor Herr Moritz Baruch verliest den Bericht der Revisions-Kommission. Er beantragt hierauf Entlastung der Kassenführung, die auch ertheilt wird. Hierauf wird in eine Diskussion über den Antrag Herbst-Badt eingetreten, über welchen Steiner-Gr. Strehlitz Bericht erstattet. Dr. Brann-Breslau macht jedoch darauf aufmerksam, daß die Mittheilung über eine beabsichtigte Statutenänderung den Mitgliedern nicht rechtzeitig zugegangen sei. Er ist auch gegen den Antrag, welcher lautet: Zu § 25 der Statuten ist folgender Zusatz hinzuzufügen : Uebersteigt nach Auszahlung der Unterstützungen eines Jahres der Ueberschuß aus Kapitalzinsen und Jahresbeiträgen 1000 Mark, so wird derselbe nicht zum Kapital geschlagen, sondern zu den Unterstützungen des nächsten Jahres verwendet. Herr,Hamburger-Breslau beantragt, mit Rücksicht auf die formalen Bedenken des Herrn Dr. Braun, die Absetzung des Antrages von der Tagesordnung und Berathung desselben in der nächsten Generalversammlung. Dieser Antrag wird angenommen. — In der darauf folgenden Wahl des Vorstandes wurden einstimmig oder mit überwiegender Stimmenmehrheit die Herren Dr. Samuelsohn, Professor Dr. Badt, Stadtrath Pringsheim, Hamburger, sämmtlich zu Breslau, Blumenfeld-Schweidnitz, Herbst-Lissa, Tintner-Bunzlau, Steiner-Gr. Strehlitz wiedergewählt. Ebenso fand durch Zuruf eine Wiederwahl der Revisoren, der Herren Geh. Justizrath Freund, Kaufmann Moritz Baruch und Fabrikbesitzer. Simon Pfeffer statt, und die Sitzung wurde um 93/4 Uhr geschlossen. Um 10V4 Uhr begann die 19. Versammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. 1. Der Vorsitzende begrüßt die Versammlung, giebt seiner Befriedigung über die rege Betheiligung Ausdruck und ertheilt den Jahresbericht. Nach demselben hat der Verein 30 Mitglieder durch Austritt und Ausschluß und ein Mitglied durch den Tod verloren, während, ein Mitglied neu hinzugetreten ist, und es stellt sich hiernach die gesammte Mitgliederzahl auf 104, während sie im verflossenen Jahre 134 betrug. In Bezug auf die Geschäftslage des Vereins bemerkt der Vorsitzende, daß es in diesem Jahre besonders darauf ankam, eine korrektere ^Mitgliederliste herzustellen, nachdem der Verein durch seinen Anschluß an den Verband der israelitischen Lehrervereiye im Deutschen Reiche finanzielle Verpflichtungen für jedes seiner Mitglieder übernommen hat. Diese Aufgabe habe außer drei Rundschreiben auch sonst viele Mühe und Arbeit verursacht. Der Geschäftskreis des Vereins habe sich auch durch den Verkehr mit dem Verbandsvorstande erweitert, und vor allem habe die von dem Verbände zu begründende Pensions- und Reliktenkasse den gegenseitigen Wechsel einer größeren Anzahl von Schriftstücken veranlaßt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Versammlung auch die" erfreuliche Mittheilung gemacht, daß von den Joseph Lachmannschen Erben zu Berlin als Grundstock zu dieser Kasse in hochherziger Weise die Summe von 145000 Mark geschenkt worden sei. 2. Der Schriftführer Dr. Samter giebt den Kassenbericht, nach welchem die. Einnahmen 162,10 Mark betragen, während die Ausgaben, einschließlich eines Fehlbetrages aus dem vorigen Geschäftsjahre, von