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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-06 · Heft 32 (6.8.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Nachmittags sich bei dem Aufseher der Synagoge meldete und um die- Erlaübniß bat, das Gotteshaus in Augenschein nehmen zu dürfen. Dies^ wurde ihm auch gestattet. st X Kolberg, 30. Juli. Am 25. d. M. fand die Feier des 23jäh^ rigen Bestehens des hiesigen jüdischen Kurhospitals in Gegenwart^ vieler Gönner und Freunde der weithin segensreich wirkenden Anstaltim Betsaale daselbst statt. Ausgezeichnet war die Feier durch die An-- Wesenheit eines Wohlthäters, der das Komitee zur Herstellung e'ines^ Neubaues durch opferwillige Begeisterung in seinem Bestreben ermuthigt- und unterstützt. Nach einleitenden liturgischen Gesängen betrat Hert" Rabbiner Dr. Goldschmidt die Kanzel. In weihevollen, herzbewegenden? Worten schilderte der Festredner das Entstehen und stetige Wachsen des'' mit kleinen Mitteln begonnenen humanen Werkes und widmete allen-' Wohlthätern nah und fern warme Dankesworte. Klar und deutlich' stellte er die zunächst liegenden Aufgaben fest, zu deren Lösung in nächster^ Zukunft sich schon jetzt alle Kräfte vereinigen müssen. In Anlehnung an Jesaia 54,2: „Verbreitere den Raum deines Zeltes, und weithin sollendie Teppiche deiner Wohnung sich spannen", wies er auf die unbedingte^ Nothwendigkeit hin, an die Stelle des jetzigen, nicht mehr zweckdienlichen- Baues, der dem Verfall entgegeneilt, einen Neubau zu errichten, der allenhygienischen Anforderungen der Gegenwart, insbesondere an Luft und- Licht, entsprechen soll. Wie er mit freudiger Genugthuung das bishervon!edlen Menschenfreunden Geleistete anerkenne, so hege er auch dasvolle Vertrauen, daß das Werk der Barmherzigkeit einer schönen Voll-' endung entgegengeführt werden würde; neue Pflichten werden neue Liebewecken. Fehlendes werde ergänzt werden. Die Bereitwilligkeit hierzu' sei um so sicherer zu erwarten, als dieses Werk der Humanität, wiewohl in seinem unmittelbaren Wirken konfessionell begrenzt, weit über diese Grenzen hinaus vorbildlich anregend und aneifernd gewirkt hat und wirken wird. Es sei darum zugleich ein Werk der Versöhnung und des Friedens, geeignet und berufen, soziale und religiöse Gegensätze auszugleichen und innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft auch bei sonst widerstrebenden Meinungen alle Kräfte zu sammeln. Die mächtige Wirkung der vernommenen Worte auf die andächtig lauschende Versammlung ist begründet wie durch das erhabene Ziel, so durch die Persönlichkeit des Redners, der 34 Jahre seines Lebens vorzugsweise mit' rastloser Arbeit für das Gelingen des nun zur Blüthe gelangten Werkesausgefüllt hat. Möge es dem verehrten Manne wie dem Vorstande und Kuratorium vergönnt sein, auch die so sehr ersehnte Frucht zu pflücken, mit der in zwei Jahren zu begehenden Feier des 25jährigen Bestehens der Anstalt die Eröffnung des im Herbst dieses Jahres zu beginnenden Neubaues verbinden zu können. Xx>. Aus der Provinz Posen, im August. Kürzlich starb in Bojanowo der Kaufmann Louis Landsberg im Alter von 64 Jahren., Der Verstorbene war eine lange Reihe von Jahren Mitglied und zuletzt Vorsteher des dortigen Stadtverordnetenkollegiums und Vorsitzender im Aussichtsrathe des Vorschußvereins daselbst. In diesen Aemtern sowohl als auch als Mitglied des Kuratoriums der Abraham und Henriette Rohr'schen Stiftung zur Förderung des Handwerkes unter den Juden in den Gemeinden Jarotschin und Posen hat er treu und hingebungsvoll gearbeitet. — In Schildberg ist neulich der Getreidekaufmann A. H. Unger von den Stadtverordneten daselbst einstimmig zum Magistratsmitgliede gewählt worden. — In Frey sta dt (Westpreußen) starb kürzlich der Kaufmann A. Hoffnung. Derselbe gehörte ununterbrochen seit etwa 30 Jahren, der dortigen Gemeindevertretung als Vorsitzender des Vorstandes an, welches Amt er mit voller Hingebung und großer Pflichttreue verwaltet, hat. — An Stelle des im Mai er. verstorbenen Lehrers Goldschmidt in Jaratschewo ist der Lehrer Rosenthal aus Behringhause an die israelitische Schule daselbst berufen worden. — In Neustadt i. O. fanden vor einiger Zeit Synagogengemeinde-Nepräsentantenwahlen statt. Auf Veranlassung des Regierungspräsidenten zu Oppeln wurden einige Mitglieder aus der Liste der stimmfähigen Gemeindemitglieder gestrichen, weil sie Ausländer (Oesterreicher) sind. Auf die von einem dieser Mitglieder dagegen eingelegte Beschwerde sowie den gegen die Repräsentantenwahl erhobenen Protest hat nunmehr das Ministerium des Innern dahin entschieden, daß nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Juli 1847 ausländische Juden, welche im Jnlande wohnen, sowohl das aktive wie das passive Wahlrecht erwerben können. Gleichzeitig hat der. Minister angeordnet, die Wahlen für die Repräsentantenversymmlung der Synagogengemeinde nochmals vornehmen zu lassen. — Ende vorigen Monats starb in Sch wetz der Kaufmann M. I. Rosenberg. Derselbe war seit neun Jahren Stadtverordneter und hat seine reichen Kenntnisse und seine große Arbeitskraft mit großem Nutzen der Stadt stets bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Rostock, 27. Juli. Heute Nachmittag erfolgte die Beerdigung des am 24. d. Mts. verstorbenen Kaufmanns Meyer Gimpel. Durch rastlose, unermüdliche Thätigkeit hat derselbe sich aus kleinen Anfängen zu einer hochgeachteten Lebensstellung emporgebracht. Gimpel hat letztwillig in seinem Testament große Summen milden Werken zugewiesen. So ist der hiesigen jüdischen Gemeinde eine ansehnliche Summe zur Errichtung eines Gotteshauses hinterlassen worden und ebenso eine größere Summe dem israelitischen Oberrath zur Anstellung eines Wanderlehrers für die kleinen mecklenburgischen Gemeinden. Ferner ist eine erhebliche Summe der Stadt Rostock für Bedürftige ohne Unterschied der Religion zugewandt. Der Heimgegangene würde als ehemaliger Krieger mit militärischen Ehren zu seiner letzten Ruhestätte auf dem hiesigen israelitischen Kirchhofe bestattet. An der Spitze des Leichenzuges schritt ein Musikkorps, Trauermärsche blasend, dann kam die zur Leichenparade kommandirte Abtheilung Soldaten. Dem Leichenwagen vorauf schritt ein Gefreiter, die Ehrenzeichen des Verewigten auf einem Sammetkiffen tragend. In dem Leichengefolge war der Rath durch mehrere seiner Mitglieder vertreten. Auf dem Friedhofe hielt der Kultusbeamte der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Sawitz, die Grabrede. Dann gaben die Soldaten die drei Ehrensalven ab. r. München, 29. Juli. Am 14. und 15. d. M. tagte dahier in dem seitens der Kultusverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten Sitzungssaale der israelitischen Gemeinde die V. freie Konferenz der baierischen Rabbiner. Erschienen waren die Herren Bamberger- Bad Kissingen, Bamberger-Burgpreppach, Cohn-Jchenhausen, Groß- Augsburg, Kohn-Ansbach, Meyer-Regensburg, Stein-Schweinfurt, Weinburg - Sulzburg und Werner-München. Einige Kollegen waren durch Amtshandlungen am Erscheinen gehindert. Als Gäste wohnten der Versammlung bei die Herren: Dr. Ehrentreu-München, Dr. Tachauer- Würzburg und die Kultusverwaltungsmitglieder Herren Rechtsanwalt Ofner, Kommerzienrath Kirchdörfer, Alb. Landauer und M. Nußbaum- München. Als stellvertretender Vorsitzender des geschäftsführenden Ausschusses eröffnete Herr Dr. Werner-München die Sitzung mit Worten des Grußes, die er an die erschienenen Konferenztheilnehmer und an die Gäste, insbesondere an die Herren der Kultusverwaltung, richtete, und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Se. königliche Hoheit den Prinzregenten aus. An Allerhöchstdenselben wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt, welches durch ein aus der Allerhöchsten Geheimkanzlei während der Nachmittagssitzung eingelaufenes, äußerst huldvolles Telegramm beantwortet wurde. Herr Rechtsanwalt Ofner, erster Vorstand der Gemeinde München, begrüßte in herzlichen Worten die Konferenz Namens der von ihm vertretenen Kultusverwaltung. Bei der hierauf erfolgenden Konstituirung wurde Herr Dr. Werner zum Vorsitzenden, Bamberger-Kissingen zum stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Bamberger-Burgpreppach und Dr. Weinberg zu Schriftführern gewählt. Den größten Theil der zur Verfügung stehenden Zeit nahm wiederum die Besprechung des Normallehrplanes für die Mittelschulen in Anspruch (Referent: Dr. Kohn-Ansbach). Einige Herren berichteten über die in ihren Schulen mit den von der vorjährigen Konferenz geprüften Theilen des Planes gemachten Erfahrungen, es wurden einige diesbezügliche Mittheilungen nichterschienener Herren verlesen und sodann die detaillirte Berathung fortgesetzt. Der zu bewältigende Stoff aus den einzelnen Disziplinen wurde im Großen und Ganzen nach den Kommissionsvorschlägen auf die verschiedenen Klassen vertheilt. Eine genaue Vertheilung der Pensen aus dem Unterricht im Uebersetzen der Bibel unterblieb, nachdem sich der Auswahl einzelner Kapitel für die einzelnen Schuljahre technische Schwierigkeiten entgegenstellten (wie z. B. Verschiedenheiten der Klassenkombinationen u. s. w.) und gegen die Fixirung einer bestimmten Auswahl seitens einiger Herren prinzipielle Bedenken geäußert worden waren. Nach einem eingehenden Referat der Herren Dr. Groß und Werner über die Pensen der Absolventen an Realschulen und Gymnasien stimmte die Versammlung einem Anträge Groß zu, indem sie in einer Resolution die Schaffung eines Lehrbuches als wünschenswert bezeichnete, das den vollen Lehrinhalt des Judenthums im Sinne der

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