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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-06 · Heft 32 (6.8.1897) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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Tr".'W " •< 'vS"L^' •- .384 ‘- ‘ durch die Palästina das Kultur- und Handelscentrum des ganzeff Orients werden könnte, zuckte er mit den Achseln. Ja, einmal wurde er sogar böse,' was ihm sonst selten pässirt; als einer der jüngeren^ Herren gar zu abenteuerliche Zukunftspaläste aufführte und ihm selbst^ die Versicherung gab, daß er, Schimme, in. drei Jahren anders^ denken werde, antwortete er mit folgendem Witz: Zwei Chassidirr? unterhalten sich über ihre- Rebbes.' 'Der Eine sagt: „Weißt Dü,^ Boruch, unser Rebbe ist größer. Alles, was er sagt, trefft ein." Darauf fragt der Andere : „Wieso?" Und Boruch antwortet: „Neulich gehe ich mit ihm Schabbes aus der Schul, im großen Garten treffen wir einen jüdischen Jung, was'eine Cigarre raucht. Ich bin vor Wuth außer mir und schrei: , „Jung, die Mauer soll über Dir Zusammenstürzen!" — Da sagt der Rebbe : „Die Mauer wird nischt über ihm Zusammenstürzen!" Und was soll ich Ihnen weiter verzählen, genau so, wie er gesagt hat, ist es geschehen. Die Mauer ist richtig nischt über ihm! züsammengestürzt." Die Anwendung auf unsere zionistische Unterhaltung-möchte ich mir ersparen und die eifervollen Herren in jenem Lager bitten, wenn sie etwas schreiben, immer zu bedenken, daß es mein Freund Schimme Grünblatt gewesen ist, der all'das gesagt hat. G. K. — . Dum 9. Av. Nach Salomo ben Gabirol von Dr. I. Weiß, Advokat in Brüx. Snsagbar herben Schmerz verkünden Samarias laute Klagetöne: „Mich überkommen meine Sünden, Und von mir gingen meine Söhne!" „Verbrannt sind Tempel und Paläste," — Klagt Juda — ,,öd' sind meine Straßen;" Und Zion'spricht, die alte Veste: ,>Weh'mir! Denn mich hat Gott verlassen!" „Was klagst du, Juda? Kann sich messen Dein Schmerz, dein Leiden mit dem meinen? Mir läßt der Augen Naß erpressen Viel größ'rer Jammer; ich muß weinen. Ich ging auf sündig bösen Pfaden, Hartnäckig blieb mein Sinn verschlossen: Drum hat mich Gott der Herr verstoßen, Drum , ist mein Busen leidbeladen. Es kam die Zeit, ich ward gerichtet: Was meinem Schooße war entsprossen. Mein Krimmer Todfeind hat's vernichtet. Mein festlich Kleid w ar sein Verlangen, Mein Schmuck war seine beste Beute, Mein Gut ist lodernd aufgegangen. Und im Exile schwache ich heute. . . Drum schweige, trockne deine Zähren, Und deine Klage töne nimmer! Lang durften deine Freuden währen. Wie kurz, ach, war mein Glückesschimmer!" Doch Juda: „Ich, gleich dir, muß klagen. Ich habe, Samäria, mich vergangen An ihm, den ich in Jugendtagen Voll Lust als Bräutigam empfangend Nicht kann ich wehren dem Gefühle, Nicht nagenden Gewissensbissen; . Nur einmal zogst du zum Exils, Wie oft mußt' ich die Heimath missen? Hat mich nicht zweimal schon geknechtet Chaldäas Hand, die-schwer mich drückte Und mich, geschändet-und geächtet, In Babels ödes Eleyd schickte? Brach nicht entzwei äll- Mein Geschmeide? Sank nicht mein Haus in Staub zusammen? Ward nicht, was Ruhm mir, Stolz und Freude, Ward nicht mein Tempel Raub der Flammen? Und als nach 70 Schmerzensjahren' Der Herr mich in die Heimath führte. Kaum, daß vergessen die Gefahren, Kaum, daß der Tempel Zion zierte, — Da naht des Titus Schlachtengrauen. Wie schnell, ach, war mein Glück verloren. Die Kinder fern, die ich geboren. Zerstreut, zerstreut in alle Gauen! O Gott da droben, voll Erbarmen, 'Der Mitleid hat mit allen Wesen, O nimm Dich gütig an der Armen, Laß Deine Engel sie erlösen. Laß ab vom Groll, denk' nicht der Sünden, Nur ihre Buße sollst Du sehen; Mach' wahr, was Deine Frommen künden: Jerusalem wird auferstehen! Sprechfaul. Geehrte Redaktion! f ie von dem Vorstand des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Ihrer Wochenschrfft vom 23. v. Mts. veröffentlichte Erklärung veranlaßt mich. Sie um Aufnahme folgender Berichtigung resp. Erwiederung zu ersuchen. 1. Der betreffende Aufruf an die Gemeindemitglieder ist nicht allein von mir, sondern auch von zwanzig anderen in der Gemeinde wohlbekannten Herren unterzeichnet worden. 2. Obgleich der Vorstand des Liberalen Vereins, wie aus seiner eigenen Erklärung, und noch mehr aus der über diese Angelegenheit vorliegenden Korrespondenz hervorgeht, mit dem- Inhalt des Aufrufs sachlich einverstanden ist, so verdankt derselbe allerdings doch in keiner Weise der Initiative oder der Mitwirkung dieses .Vorstands seinen Ursprung. 3. Der Aufruf geschieht im Interesse des gemeinsamen Glaubens, der uns eint, und nicht im Interesse einzelner Parteien oder Richtungen, die uns trennen. Er wendet sich unmittelbar an die Mitglieder der Gemeinde in der Ueberzeugung, daß diese in erster Reihe berufen sind, ihre Meinung abzugeben, ob sie es für richtig oder wünschenswerth halten, daß der großen Mehrheit unserer Glaubensgenossen, die heute verhindert sind, am Sonnabend die Synagoge zu besuchen, Gelegenheit geboten werde, an dem einzigen Tage der Woche, an dem sie ruhen können, in derselben einem Gottesdienste beizuwohnen. Billa Haefke Heringsdorf^ 26. Juli. G. Levinstein. Sehr geehrter Herr Redakteur! gestatten Sie, wenn ich mir erlaube Folgendes zu bemerken. Aus der Heine'schen Sage ist zu verstehen, daß Simri und Schlumiel zwei verschiedene Personen gewesen sind, indem er den Simri als Sünder und den Schlumiel als Unschuldigen schildert. .Der Midrasch sagt aber, daß diese Namen in einer Person waren, es ist daher daraus zu entnehmen, daß diese Sage mit dem Midrasch gar nicht in Verbindung steht. Sollte vielleicht Heine auf den Talmud in Sp Bezug genommen haben? indem es da heißt: Simri wäre niemals zum' Tode verurtheilt worden, wenn nicht Pinchas ihn eigenmächtig getödtet hätte. Im Gegentheil, es hätte den Simri keine Strafe getroffen, wenn er den Pinchas tödtete, da Pinchas sein Verfolger war. Weiter heißt es aber, wie schon Raschi ausdrücklich bemerkt, daß der Simri Schlumiel war, Rabbi Jochanan eitirt nämlich, daß Schlumiel wegen seiner schlechten Eigenschaften mehrere Namen hatte. Es ist mithin nach talmudischer Erklärung gar nicht zu zweifeln, daß der richtige Name des Simri Schlumiel Ben Zurischadoj gewesen ist, und widerspricht es sich vollständig mit der Sage von Heine. Gleichzeitig erlaube ich mir noch hinzuzufügen, daß der allgemeine Ausdruck Schlemihl unbedingt von Schlumiel Ben Zurischadoj herstammt, weil es diesem in jeder Sache mißlungenist.: Ergebenst Lobsens, 12. Juli. D. Bäumstein. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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