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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-06 · Heft 32 (6.8.1897) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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— m hoffen, daß Sie die arme Bevölkerung dem Vertreter -Frankreichs! in Teheran empfohlen und ihn gebeten haben, ihre Sache bei der Regierung des Schah-zu führen. . . Heute schickt uns aus Teheran selbst ein Jude, der aus Bägdatz stammt und dort mehrere Jahre unsere Hauptschule besucht hat, eine Nachricht. Seinem Brief zufolge scheint die Sicherheit und selbst daß Leben unserer Glaubensbrüder in der Hauptstadt und sogar im ganzen Reiche in großer Gefahr zu stehen; wir erlauben uns. Ihnen eine Abk schrift des Briefes zu schicken. Wenn man die Juden zwingt, ein Abzeichen zu tragen und. die Haare besonders zu schneiden, so ist dies nicht nur eine unserer Zeit unwürdige Schmach, sondern man bezeichnet sie als Juden dem Haß und Fanatismus des verblendeten Vo.lkes und setzt sie den schwersten Gefahren aus. Da die Regierung des Schah die Vop stellung, die der französische Vertreter in dieser Frage machen würdä nicht unbeachtet lassen kann, so wenden wir uns an Ihr Wohlwollen mit der Bitte, die Angelegenheit dem französischen Vertreter in Teheran mitzutheilen. - ' . . , ,!> 42. Iatsresversammlmrg des Vereins israelitischer Elementar-Lehrrr für Nheinland nnd Westfalen in Lippstadt am 8. und 9. Juni 1897. : f ie Hauptkonferenz des Vereins, bei welcher zugleich für die Mitglieder der Unterstützungskasse desselben die statutenmäßige Generalversammlung abgehalten wurde, eröffnete der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen, am ersten Sitzungstage Nachmittags gegen 3 Uhr mit. herzlichen Begrüßungsworten. Er konstatirte das Blühen des Vereins und seiner Kasse. Dies zeige sich vorzugsweise in der Zunahme der Mitgliederzahl, in den wiederbelebten Bezirkskonferenzen, welche gern besucht werden, sowie in den wachsenden Einnahmen der Unterstützungskasse. Er gedenkt ferner in warmen Worten der Herreü Rabbiner Dr. Frank-Köln und Dr. Samuel-Essen, die stets und überall die Ziele und Zwecke unseres Vereins thatkräftig unterstützen und fördern. Herr Rabbiner Dr. Cohn-Bonn sendet im Namen des rheinischen Rabbiner-Verbandes ein Begrüßungstelegramm. Des Unterrichtsministers Exzellenz Dr. Bosse wird durch eine Depesche seitens des Vereins gedacht. Vor Eintritt in die Tagesordnung wünscht ein Mitglied der Versammlung', dem offiziellen Jahresbericht auch den Bericht über die Konferenz beigefügt zu sehen, welche Anregung zum Beschluß erhoben wird. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Kassenbericht, der ein glänzendest Bild des Standes der Kasse giebt. Warmer Dank gebührt Herrn Graf, der es durch rastlose Thätigkeit verstanden hat, in der verhältnißmäßig! kurzen Zeit von % Jahren, in der er die Geschäfte des Vereins führt, rund 10 000 Mark dem Fonds der Unterstützungskasse zuzuführen. Am 5. Juni 1897 betrug das Vermögen 91955,65 Mark. Seitens der neuen israelitischen Gemeinde in Lippstadt, deren Vorstandsmitglieder mit großem Interesse den Berathungen folgten, wurde der Kasse der Betrag von 100 Mark überwiesen, wofür auch an dieser Stelle herzlichst gedankt sei. Der D.-J. L.-B. hatte wieder 150 Mark als Beitrag zu den Reisespesen der Konferenz überwiesen. Der VI. Nachtrag zu den Statuten des Vereins israel. Elementar- Lehrer, wonach jedes Mitglied außer dem Eintrittsgelds von 15 Mark einen Jahresbeitrag von 6 Mark zahlt, unabhängig davon, ob es bei seinem Eintritt unter oder über 30 Jahre alt ist, erhielt unterm 8. März l. I. die ministerielle Genehmigung. Möchten doch alle Lehrer für die , Kasse arbeiten und die Gemeindemitglieder für dieselbe interessiren! Den wichtigsten Theil der Berathung bildete Punkt 2 der Tagesordnung: Bericht der Einigungskommission über die Verhandlungen mit der Kommission des Kölner Vereins. Liepmannssohn-Minden referirte über die in Elberfeld gepflogenen Verhandlungen und gab in längerer, kerniger Ausführung ein Bild derselben. Brausender VeiM. lohnte den Redner. An der sich nun über die Einigung entspinnenden Debatte nahmen Herren aus beiden Lagern das Wort. Alle betonten immer und immer wieder ihre Friedensliebe, Alle wünschten sehnlichst eine Bereinigung des Essener mit dem Kölner Verein. Auf Antrag des Kollegen Levi-Neuß wurde deshalb eine Kommission ernannt und in dieselbe für den Kölner Verein die Herren Gut-Köln, Spier-Bocholt und Spier-Weselfür den Essener Verein die Herren Graf-Essen, Goldstein- Grevenbroich Und Liepmannssohn- Minden, sowie, als Unparteiischer Herr Rabbiner - Dr. Samuel - Essen - und als. dessen .Stellvertreter Herx Baum-Rheine delegirt. _ Die genannten Herren traten nach -Schluff, dex Versammlung des ersten Tages.zur Berathung: zusammen. Nach einer halbstündigen Pause ergriff Herr Dr. Samuel das Wort zu seinem Vortrage: Die Behandlung der biblischen Wunder im Religionsunterricht. Reichen Beifall zollten die Hörer dem Redner für seine glänzenden Ausführungen. Bon. einer Debatte wurde mit .Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit abgesehen. Herr Dr. Samuelwird jedoch einem Wunsche der Konferenz zufolge den Bortrag durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich machen. Nachdem noch Aachen als Ort und der zweite und dritte Pfingsttag 1898 als Zeit der nächsten Konferenz bestimmt wurden, schloß der Vorsitzende die Versammlung des ersten Tages. Der Abend vereinigte alle Konferenztheilnehmer und zahlreiche Lippstädter Damen und Herren zu einem fröhlichen, geselligen Mahle, bei dem noch manches gute Wort gesprochen wurde. Am 2. Tage begannen die Verhandlungen Morgens ^9 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbat sich Spier-Bocholt das Wort, um die Erklärung abzugeben, daß er mit mehreren Konferenzmitgliedern den von Herrn Dr. Samuel in seinem Vortrage vertretenen Standpunkt nicht theilen könne. Baum-Rheine erstattete alsdann den Bericht über die Verhandlungen der schon erwähnten Einigungskommission. Die Ausführungen des Referenten, der die einstimmige Annahme der Emigungsvorschläge seitens aller Kommisstonsmitglieder besonders hervorhob, erweckten den lauten Jubel der Versammlung. Ist doch.dadurch jener unerquickliche Streit, der beinahe drei Jahre gedauert, endgiltig beseitigt. Die Versammlung nahm einstimmig die Kommisstonsvorschläge an. Hoffentlich wird die nächste Versammlung des Kölner Vereins dem Friedenswerke dadurch die Krone aufsetzen, daß auch sie, gleich der Lippstädter Versammlung, den Vorschlägen rückhaltlos zustimmt. Punkt 4: „Ergänzungswahl des Vorstandes", vom ersten muf den zweiten Verhandlungstag verschoben, entfesselte eine längere Debatte. Aus . der.Urne gingen als wiedergewählt die Herren Goldstein-Grevenbroich und Levi-Neuß, als neugewählt Liepmannssohn-Minden und als Stellvertreter die Herren Hermanns-Köln, Wetzstein-Elberfeld und Baum- Rheine hervor. Treu-Münster wurde per Akklamation zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Aus der Debatte über „die Anstellung^ Pensionirung und Versorgung der Hinterbliebenen der Lehrer" (auf Wunsch des Verbandsvorstandes) ging hervor, daß es am zweckmäßigsten wäre, wenn der Verband dahin wirken würde, daß die jüdischen Privatschulen in öffentliche umgewandelt werden könnten, denn alsdann sorgt der Staat für feste Anstellung, Pensionirung und Versorgung der Hinterbliebenen der Lehrer. In Rheinland und Westfalen — so berichtet Kollege Spier- Bocholt — sind unter 231 Stellen 107 Religionslehrerstellen, 46 öffentliche Schulen, 35 Privatschulen mit weniger als 15 und 43 mit mehr als 15. Kindern; also nur etwa 20pCt. der angestellten Lehrer wirken an öffentlichen Schulen. Es ist aber eine Ehrenpflicht jeder Gemeinde, ihren Lehrer für alle Fälle vor Noth und Entbehrung zu schützen, sei es durch Einkauf in eine Lebens- oder Rentenversicherung, wozu sowohl Gemeinde als auch Lehrer einen Theil der Kosten tragen könnten, oder sei es durch Pensionirung seitens der Gemeinde; hier müßte der-Lehrerverbandsvorstand die Hebel einsetzen. Erwähnt sei noch der Vorschlag des Kollegen Fröhlich-M.-Gladbach, der vorhandene Fonds der Lachmannschen Erben solle möglichst erhöht, unter staatliche Garantie gestellt und von den Zinsen desselben die nicht genügend leistungsfähigen Gemeinden in die Lage gebracht werden, das sogenannte Grundgehalt nach dem Gesetz vom 3. März 1897 besser zahlen zu können. Bei demWohlwollen der Regierung wird es. nicht schwer fallen, auf diese Weise, die Privatschulen eher in öffentliche zu verwandeln. Kollege Nußbaum--Viersen erfreute alsdann die Versammlung durch seinen kurzen, gediegenen' Bortrag : Der Gesinnungsünterricht in der jüdischen Schulender mit lautem Beifall ausgenommen wurde. Nachdem die Vorträge für die nächstjährige Konferenz festgestellt waren, nämlich 1. der Religionsunterricht an den höheren Schulen, Referent Eichgrün-Wolfenbüttel, Korreferent Goldschmidt-Brakel; 2. über

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