Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-30 · Heft 31 (30.7.1897) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 31 (30.7.1897)
Date
1897-07-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228234--53890-3267839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 gerichteten Petition sich angeschlossen hat, in welcher nach sorgfältiger Berathung mit jüdischen Schulmännern folgende Vorschläge unterbreitet worden sind: 1. Die israelitischen Gemeindeverwaltungen sind zu veranlassen, die Ansetzung des jüdischen Religionsunterrichts. an allen Anstalten, an welchen eine ausreichende Zahl jüdischer Schüler ist, als integrirenden Bestandtheil des Lehrplans zu beantragen. 2. Der jüdische Religionsunterricht soll in unmittelbarem Anschluß an r die anderen lehrplanmäßigen Stunden ertheilt werden. Eine Abweichung hiervon darf in keinem Falle durch die anderweitige Beschäftigung des Lehrers veranlaßt sein. 3. Die Lehrer, welchen der Religionsunterricht übertragen wird, sollen entweder dem Lehrkörper als definitiv angestellte Lehrer angehören oder, wo dies nicht angängig ist, Rabbiner, oder staatlich geprüfte Lehrer sein. 4. Die Ausstellung von Zeugnissen in der jüdischen Religion erfolgt nach der Bestimmung der Ministerialverfügung vom 30. April 1875 und erstreckt sich nicht nur auf die Zeugnisse am Schluffe bestimmter Zeitabschnitte, sondern auch auf die Reifezeugnisse. 5. Die Direktoren und Rektoren der Schulen mögen durch die Vorgesetzte Behörde darauf hingewiesen werden, daß sie diesen Unterricht im Sinne der Ministerialverfügung vom 30. April 1875 beaufsichtigen und nur dann von demselben dispensiren, wenn nächgewiesen ist, daß ein anderer ausreichender Unterricht in der Religion den dispensirten Schülern ertheilt wird. Was das vom Verbände unterhaltene Waisenhaus zu Rybnik betrifft, so haben sich die Verhältnisse desselben in sehr erfreulicher Weise weiter entwickelt, und es ist mit hoher Befriedigung festzustellen, daß das Interesse, welches der Anstalt seitens der Behörden und von Privatpersonen entgegengebracht wird, ein immer regeres und ergiebigeres wird. Bei Ablauf des Geschäftsjahres befand sich--» in der Kasse der Anstalt zu Gleiwitz.mn Bestand von 3349,89 Mark und in der Kasse zu Rybnik ein Bestand von 212,86 Mark, ferner sind zur Zeit 42 500 Mark in sicheren zinstragenden Werthpapieren angelegt. o. Hannover, 26. Juli. Bodenkultur und Handwerk, besonders die mit schwerer Arbeit verbundenen, wie die des Zimmermanns, Maurers, Schmieds rc., sind Berufe, in denen die Israeliten noch nicht in gleichem Berhältniß vertreten sind wie die anderen Konfessionen. Sämmtliche einsichtige Juden sind aber wohl darüber einig, daß es aus den verschiedensten Gründen unumgänglich nothwendig ist, einen Theil unserer armen Glaubensgenossen in geeigneter Weise für Bodenkultur und Handwerk heranzuziehen. Aber die Landwirthschaft und die schweren Handwerke verlangen eine größere Körperkraft, .als sie der Jude gewöhnlich in das Jünglingsalter hinüberbringt. Auch ist es die Umgebung, welche auf die Berufswahl Einfluß hat, und sind erst in einem Kreise gewisse Berufe nicht vertreten, so ist es schwer, die Heranwachsende Jugend denselben zuzuführen. Das ist wohl der Grund, warum die seit Jahrzehnten in lobenswerther Weise in den verschiedensten Gemeinden Deutschlands diesbezüglich gemachten Anstrengungen nicht immer von dem gewünschten Erfolg begleitet waren. Die jüdischen Lehrlinge sind in den weitaus meisten Fällen in einer Umgebung ausgewachsen, wo ihnen das Vorbild des mit den verschiedensten Handwerksgeräthen hantirenden Vaters mangelte. Bei dem natürlichen Nachahmungstrieb aller Kinder wird der Sohn eines Handwerkers oder Arbeiters in Nachahmung der zu der Beruftsthätigkeit seiner Angehörigen erforderlichen Hantirungen spielend eine gewisse Handfertigkeit erlangen, welche dem jüdischen Knaben meistens mangelt. Um die Handfertigkeit im Allgemeinen zu erhöhen, ist darum schon in vielen deutschen Volksschulen und selbst in höheren Lehranstalten der von Herrn von Schenkendorf und anderen hervorragenden Männern protegirte Handfertigkeitsunterricht eingeführt; umsomehr sollten jüdische. Lehranstalten, namentlich Waisen- und Erziehungshäuser, auf diesen Unterrichtszweig ganz besonderes Gewicht legen. Während bislang beim Eintritt iw die Lehre aus den angeführten Gründen jüdische Lehrlinge, wenn sie auch sonst intelligent sind, ihren nichtjüdischen Kollegen in manueller Geschicklichkeit meistens nachstehen und, infolgedessen von Meister und Gesellen zurückgesetzt, häufig die Lust am Handwerk verlieren, wird dies aufhören, sobald dieselben von Anfang an infolge richtiger Vorbildung die für das betreffende Handwerk erforderliche Anstelligkeit und Muskelkraft mitbringen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem sich die Aufgabe gestellt, den dort untergebrachten jüdischen Knaben schon während,-der Schuljahre neben dem Unterricht einer guten Volksschule je nach der Jahreszeit und Witterung Unterricht in der Handfertigkeit und leichteren Bodenkultur zu ertheilen und zu gleicher Zeit durch Turnen und andere gymnastische Hebungen ihre Muskelkraft zu stärken, wobei die gesunde Lage der Anstalt, der Aufenthalt in freier Luft am Tage, die geräumigen,- Sommer und Winter gut ventilirten Schlafsäle sowie die einfache, aber kräftige Kost das ihrige dazu beitragen, schwächliche, in engen Räumen ausgewachsene, blaffe Kinder nach verhältnißmäßig kurzer Zeit zu blühenden, robusten Burschen zu gestalten. Diese vortreffliche Anstalt verdient, wie in Ihrem geschätzten Blatte wiederholt mit Recht hervorgehoben wurde, aber nicht genug betont werden kann, weitestgehende Aufmerksamkeit und Förderung aller Kreise des Judenthums. Aber obgleich über dieses Institut seit mehr als vier Jahren so viel Rühmendes geschrieben und gesprochen ist, obgleich mancherlei Anfangs über dasselbe in Umlauf gesetzte Gerüchte nunmehr in wirksamster Weise widerlegt sind, wird dasselbe dennoch nicht in der Weise finanziell unterstützt, überhaupt nicht in jüdischen Kreisen derjenigen Beachtung gewürdigt, welche es in unseren Tagen, wo die ökonomische Lage und die Gesetzgebung den Klein- und Zwischenhandel immer mehr beschränken und das Fortkommen in kaufmännischen und wissenschaftlichen Berufen nur besonders Begabten ermöglichen,, doppelt verdient. Wer über die heilsamen Resultate der Ahlemer Erziehungsmethode noch den geringsten Zweifel hegt, kann sich leicht durch den Besuch der Anstalt, welche von dem Bahnhofe Hannover aus in einer halben Stunde zu erreichen ist, Gewißheit verschaffen. Während der jetzigen Reisezeit wird mancher Glaubensgenosse Hannover berühren oder in die Nähe dieser Stadt kommen, und es ist der innigste Wunsch des Vorstandes und des Kuratoriums der Anstalt, daß alle Diejenigen, welche ein warmes Interesse für die brennendste aller Tagesfragen haben, das Institut Ahlem besuchen mögen, um sich zu überzeugen, wie sehr dasselbe geeignet ist, nach den verschiedensten Richtungen hin für unsere Glaubensgenossen zu wirken. Auskunft wird von den Angestellten sowie von den Mitgliedern des Vorstandes bereitwilligst ertheilt. Das Büreau des Vorsitzenden, Herrn Konsul Simon, ist in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs gelegen. Also nicht ein Opfer an Geld, sondern nur ein Opfer an Zeit, wenige Stunden sind zum Besuch der Anstalt und ihrer gründlichen Prüfung erforderlich. In Jedem, der dies kleine Opfer gebracht, wird sich unter dem wohlthuenden Eindrücke seiner Wahrnehmungen das Interesse für die ausgezeichnete Erziehungsstätte und das Verlangen, zu ^ihrer pekuniären Förderung beizutragen, von selbst regen. 2. Coswig i. Atth., 23. Juli. „Ein allgemein beliebter und geachteter Bürger unserer Stadt, der Kommissionsrath Steinthal, fand heute früh einen plötzlichen Tod. Als er mit seiner ältesten Tochter einen Morgenspaziergang machte, rührte ihn der Schlag, der dem Leben des siebzigjährigen Greises auf der Stelle ein Ziel setzte," so berichtete der „Anhaltische Staatsanzeiger" am letzten Dienstag Abend, und diese Nachricht versetzte viele Anhaltiner Juden und Nichtjuden in gleichem Maße in tiefste Trauer. Unsere Religionsgemeinschaft verliert in dem Heimgegangenen einen ihrer besten Söhne, denn das Leben des Verstorbenen war nach allen Seiten hin vorbildlich; er hatte es gezeigt, wie man alle Tugenden eines Bürgers besitzen kann, ohne sich über, die kleinsten Vorschriften unserer Religion hinwegzusetzen. Mit vollem Rechte kann man daher ihm nachrufen: „Trauere um Den Dahingeschiedenen, solcher wird sobald nicht geboren." Es hieße dem bescheidenen Mann noch im Grabe Unrecht thun,, wollte man all seine Tugenden und Verdienste, die er sich vierzig Jahre lang als Vorsteher der Gemeinde erworben, schildern. Wie nicht anders zu erwarten war, fanden sich zur Beerdigung Freunde und Bekannte aus Nah und Fern ein. Von den Bürgern der Stadt blieb wohl Niemand im Hause, alle waren angetreten, ihrem Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Aus Süddeutschland war Herr Landesrabbiner Dr. Freudenthal herbeigeeilt, den Angehörigen Trost zu spenden und dem Verstorbenen den Nachruf zu halten; er hatte dazu das passende Wort Micha 6, 8 gewählt. — Mit Ergriffenheit verließ die Trauerversammlung den Friedhof, in dem Bewußtsein, dort die sterblichen . Reste eines „ganzen Mannes" gelassen zu haben. tz. Bonn, 23. Juli. Der hiesige „Generalanzeiger" berichtet: Der langjährige Prokurist des Bankhauses Jonas Cahn Hierselbst, Herr Jal Heri die: des Geh unbi Bor Cha sch« des Lag> der ließ. gedr sein! isra hatt Arü Vor gem Ba tele; Ant den Bai Dm Ger über lehr Her Mi grü mm des ver< in! stat in! Fesl wo lan Vo zu «ad der Lar ver die ged bar Ber Pr, die ges Ad, Ko In Hei erst No lich seir dur hal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.