Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Gegner ein gemeines Pamphlet gegen die. Juden. -Er ließ sich jedoch dadurch nicht einschüchtern, nahm den Fehdehandschuh auf undveröffeutlichte die nachstehende Erklärung: „Nur keine Juden-. emanzipation!" so lautet der Titel eines Aufrufs, der ohne Namen des Verfassers mnd des Druckers hier erschienen und schlechte Hände genug zu seiner Verbreitung gefunden hat. Die Niederträchtigkeit hat sich mit der Feigheit verbunden, um, durch Nacht und Dunkelheit geschützt, ein Verbrechen zu begehen. Könnte das gedruckte Blatt für Euch erröthen, es würde schamroth werden ob Eurer Feigheit und Gemeinheit. Jeder Buchstabe Eurer Schmähschrift ruft Euch zu: Lügner! Verleumder! und brandmarkt Eure-- freche, Stirn. Aus heimlichem Versteck spritzt Ihr Euer Gift über Unschuldige aus. Pfui über solche Schurken! — Euer Machwerk widerlegen, hieße sich versündigen, versündigen an dem Geiste, der unsere christlichen Mitbürger beseelt, versündigen an der Menschheit, welche den Religionshaß und den Fanatismus vergangener Jahrhunderte verabscheut. Solch Gesindel wie Ihr gehört nicht vor das Forum der Kritik, sondern fällt dem strafenden Arm der Kriminal-, justiz anheim." . . . Man sieht, Ring führte eine gar scharfe Klinge! In Berlin trat Max Ring in freundschaftliche Beziehungen zu Gans. Leopold Zunz, Abraham Geiger und anderen Koryphäen des Judenthums. An den Letzteren richtete er 1840 bei Ueberrcichung eines silbernen Ehrenbechers ein Huldigungsgedicht. dessen eine Strophe' also lautet: Tief in Deines Busens Schreine Ruht Dir wohl das beste Erz, Ruht Dein Wort, das kräftig reine. Eingesenkt ins Männerherz, Muthig wie die Schlachttrompete, Wenn es gilt für Recht und Licht, Mild und sanft, wenn beim Gebete Es von Gott und Glauben spricht. Wie schon eines seiner Jugendgedichte, wie wir wissen, einen jüdischen Stoff behandelte, so war auch der Jüngling eifrig bemüht, die Geschichte Israels durch poetische Darstellung zu verklären. So schrieb er ein — unvollendet gebliebenes — Epos über Sabbathai Zewi, diesen jüdischen Messias aus dem 17. Jahrhundert. Gern hätte sich Ring der Universitätslaufbahn gewidmet, aber diese war' ihm als Juden verschlossen — es war dies jene herrliche Zeit, als Herr von Saviguy das Verlangen Bettina von Arnims, die Niederlassung des von ihr protegirten H. B. Oppenheim an der Berliner Universität zu veranlassen, mit den Worten zurückwies: „Ein Jude kann und darf nie Privatdozent und Lehrer an einer preußischen Universität werden!" Was Bettina zu der spöttischen Bemerkung veranlaßte: „Was? nicht einmal Privatdozenten sollen die Juden werden, nicht einmal verhungern dürfen sie?!" Einige Meisterwerke der Erzählungskunst verdankt die jüdische Litteratur der Feder Rings. Da ist z. B. der große geschichtliche Roman: „Das Haus Hillel". Er wählte seinen Helden Rüben aus der Familie des berühmten Hillel, der bekanntlich mit seiner Schule das milde, versöhnliche, wahrhaft religiöse Judenthum vertritt. Die Geschicke des Rüben verwebte der Verfasser sehr geschickt mit denen der schönen Königstocher Berenice, welche den siegreichen Kaiser Titus längere Zeit zu fesseln wußte, sowie denen des Geschichtsschreibers Flavius Josephus und des Kaisers Nero. Wie lebendig, wie packend und Plastisch sind die Schilderungen Rings! Die olympischen Wettkämpfe des Nero, die barbarischen Szenen im Cirkus, die Kämpfe, um Jetapata und Jerusalem, sind Bilder voll Schwung und fascinirender Farbenpracht. Ein warmes Herz für . die einstige Größe Jerusalems und des jüdischen Reiches spricht aus jeder Zeile dieses glänzend geschriebenen Romans. — Auch in dem Roman „Unfehlbar" ist der Stoff dem Judenthum entnommen. Er stellt die engen und komischen Seiten desselben, aber auch die Innigkeit und Treue seines Familienlebens, seine Pietät und die reine Seelenhoheit jüdischer Charaktere dar. Die Helden des Romans, Marcus und Sarah, am Laubhüttenfest in der Laube Nathan den Weisen lesend oder im Wagen des Hauderers nach „Birkenstädtel" fahrend, haben Niemand um höheres Glück oder um reinere Freuden zu beneiden. Der Geist Spinozas spricht aus dieser Schöpfung, und die Morallehren, welche der Dichter hin und wieder in sehr ansprechender, echt poetischer Form niederlegt, sind wahre Edelsteine in reizendster Fassung. — Durch die Güte des Jubisars ist mir der Briefwechsel zwischen ihm und Berthold Auerbach zugänglich gemacht worden, und in diesen Zuschriften des Dichters der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" befindet sich gar manches, was auch für das Judenthum Interesse haben dürfte. Ich lasse zwölf Briefe in nächster Nummer folgern -II-II- - /- . H —Ifc IKUPfTILü*»: tfulßfilfmlti MMMMMMMkMMWWMMuMMMMMMLMWMiMMMM M1MMU MWW « (' i K msum MMM —i g i—i FEUILLETON l--1 jgj 1—I * I-— I Flatterentchen. Bon I. Zangwill. (Fortsetzung.) lötzlich erhob sich Rahel, legte ihre fertige Arbeit nieder Und begab sich ohne ein Wort in ihr Schlafzimmer. Sie hielt ihre schöne Gestalt gerade Md stolz. Ludwig hörte, wie sie den Schlüssel im Schlöffe umdrehte. Die Stunden verstrichen, und sie kehrte nicht wieder. Ihr Vater wollte seine Aengstlichkeit vor den Gehilfen nicht zeigen. Aber er sah sie in Gedarrten vor sich, wie sie irr stumrner Wuth und Beschämurrg auf ihrem Bette lag. Zuletzt schlug es acht Uhr, und Ludwig schlug nicht vor, weiter zu arbeiten, obwohl die Arbeit sehr im Rückstände war, er schickte sogar das Dierrstmädcherr eine Stunde früher fort. Er befand sich in einem Fieber der Ungeduld, aber Zartgefühl hielt ihn ab, vor Fremden den Kummer seiner Tochter zu störerr. Jetzt eilte er zur Thür und klopfte erst schüchtern, dann laut. „Nu, nu, Rachel," rief er mit theilnehmender Strenge, „genug, genug." Aber nur eine eisige Stille antwortete ihm. Er brach die morsche Thür auf und sah eine dunkle Maffe im Schatten des Bettes liegen. Ein zweiter Blick zeigte ihm, daß es nur Kleider waren. Er öffnete die Thür, die zur Jakobsleiter führte und rief ihr nach. Dann untersuchte er bei dem Licht, das aus dem anderen Zimmer hereindrang, eilig den Raum. Offenbar hatte sie ihre besten Kleider angezogen und war fortgegangen. Halb erleichtert kehrte er in das Wohnzimmer zurück, indem er die Thür offen ließ, und sagte sein Abendgebet. Dann begann er sich ein kleines Mahl zu bereiten, indem er sich sagte, daß sie wohl ihrer Gewohnheit gemäß spazieren gegangen sei; vielleicht wollte sie ihre Niedergeschlagenheit in der Musikhalle abschütteln. Nachdem das Abendbrod und das Dankgebet vorüber war, machte er sich wieder an die Arbeit, und als reine Müdigkeit ihn zwang aufzuhöceu, zog er seinen unbequemen, hölzernen Stuhl vor das Küchenfeuer und studü Unte erwer zusar warf noch geschl die k an, 1 Gedc gang mit Kleü wäre wo s Z" si das der, kehre entch von Chio Hau antv hefti mit gabs vor was an daß als gesö ihm vor, mit alte ihre mit er s ihre Kei Sch Hab Jal