Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228233--53868-3267816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
357 MMWM MW Kosten tragen. Der Streit wogt volle 36 Jahre her und hin, zu wiederholten - Malen wird die Hilfe und Entscheidung des Königs Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. angerufen,, der sich für die Angelegenheit zu interessiren scheint, die Sache prüft, Untersucht und auch darüber endgiltig entscheidet. Wie der Streit geführt und wie er endlich geschlichtet wird, darüber sollen uns die amtlichen Schriftstücke belehren, deren Abschriften im Archiv der hiesigen Synagogengemeinde aufbewahrt sind. 1. Abschrift. Friedrich Wilhelm p. p. Unsere p. p. die Juden Altesten zu Jnowrazlaw haben sich Namens der dortigen ganzen Juden Gemeinde unterm 8t. d. M. bei uns beschwert, daß von den daselbst vorhandenen sechs öffentlichen Brunnen nur der. eine auf dem Markte befindliche Brunnen im Stande gehalten werde; wegen Instandsetzung der anderen fünf aber, die zwar im Bezirk der Judenschaft belegen wären, aber doch ^auch von Christen wenn sich etwas Wasser finde genutzt keine Anstalten getroffen werden, so wie ihre deßhalb dem Magistrat gemachten Vorstellungen fruchtlos blieben und man die Reparatur der Judenschaft aufbürden wolle. Zugleich haben sie gebeten, den Magistrat zur baldigen Instandsetzung der erwähnten Brunnen anhalten zu lassen, da die Reparatur durch längeren Aufschub kostbarer werde, und die Stadt Wassermangel litte, woraus bei etwaiger Feuergefahr großer Nachtheil für die Stadt entstehen könnte, fie sich aber auf keine Weise zur Instandsetzung verpflichtet hielten. Wir tragen Euch daher auf, sofort die nöthigen Anstalten zu. treffen, daß die schadhaften Brunnen zur Abstellung des angeblich vorhandenen Wassermangels ohne Aufschub repariert werden und bis zum 28. Februar a. c. bei 1 Rthaler Strafe anzuzeigen, was Ihr zur Sache bis dahin gethan habet. Sind p. p. Bromberg, 21. Januar 1793. Königliche Westpreußische Kriegs und Domänen Kammer Deputation '* Subsr. Deput. Cäme.a. An den Kriegs und.Steuer Rath Pleka . Nr. 753. 2. Jnsonders hochzuehrender Krieges und Steuer Rath! Euer Wohlgeboren werden sich ja auch zu erinnern belieben, daß schon längst eine Hohe Cammer-Verfügung d. d. Bromberg 21t. Januar an derselben erlaßen wurden wegen sofort in Standesetzung der 5. öfentlichen Brunnen die in der Judenstrasse Hierselbst belegen sind Anstalten zu treffen. Da bis Dato aber solches nicht geschehen ist, der Wassermangel aber sehr groß ist, so wollen wir hochdieselbest nochmahls daran erinnern, damit ein für alle mahl diesem Wassermangel abgeholfen werde, und wir nicht nötig haben dieserhalb noch einmal bei einer hohen Cammer Beschwerde zu führen, und sind mit aller Ergebenheit Euer Wohlgeboren ganz ergebenst die Juden Aeltesten Hierselbst. Jnowrazlaw-, d. 24. May 1793. . v David Jsaac. . Moses Michal.. Abschrift 3. Friedrich Wilhelm p. p. Unsere p. p. Wenn auch nach Eurem Bericht vom 1t. d. M. das Wasser in denen 5 Brunnen so unter den Juden belegen sind, nicht sehr gut ist, so müssen selbige dennoch reparirt werden, indeßen kann die Judenschaft wenn nicht ihre Verbindlichkeit zu deren Reparatur besonders nachgewiesen werden kann, nicht zu den diesfälligen Kosten angehalten werden. Die Kämmerei wird daher die Kosten tragen müssen und habt Ihr daher die Anschläge fertigenzu lassen und dieserhalb Vorschläge zu machen. Sind p. p. gegeben. > . -Bromberg den 13. September 1797. Koenigl. Westpreußische Krieges und Domänen Kammer - Deputation. ' Subsciptio Deputationis Camerae. An den Krieges und Steuer Rath Plaeka. - .^ ' Nr. 400. 4. Seine König!. Majestät von Preußen p. laßen denen Juden Aeltesten auf Ihr wegen der reparatur der unter der Judenschaft belegenen 5 Brunnen unter den 4t. July c. übergebenes Borstellen zur Resolution errheilen : daß, da nach der Höchstdemselben gewordenen Anzeige diese Brunnen von der Judenschaft ohne alle appröbation, blos zu ihrem Bedarf erbaut und övn ihnen .stets unterhalten worden, dies auch ferner von ihnen geschehen müsse und der Cämmerei die Reparatur Kosten diese Brunnen nicht zur Last gelegt werden können, da schon durch Unterhaltung der übrigen öffentlichen Brunnen immer zu sehr belästiget wird. Bromberg den 9t. Decbr. 1797. König!. Westpreußische Kriegs und Domänen Cammer Deputation j.... Schüler. An die Juden Aeltesten zu Jnowrazlaw. - (Forts, folgt.) -I!-II- FEUILLETON -II—ll- Flatterentchen. Von I. Zangwill. III. Flucht. Die Gans flog hin und flog dann her Und füllt das tzaus mit Lä^Uen. Tennyson: „Die Gans". Mterentchen konnte sich nicht helfen. Sie mußte ins Zimmer stürzen, um die Prachtvolle Gans zu zeigen, die sie einem Manne auf der Straße abgekauft hatte. Es war ein höchst wunderbarer Kauf. Warum sollten sie nicht Gänsebraten haben, obwohl es Mittwoch war? Die hohe Saison stand auf der Höhe, und der Winter versprach bitter kalt zu werden. Sie konnten es also erschwingen. „Nu, nu, in unserer Religion giebt es ohnehin genug Feste," brummte ihr Gatte, den die Ueberfülle an Arbeit und der Mangel an Gehilfen trotz seines trockenen Hustens an den Arbeitstisch getrieben hatten. . " .. f1 „Es ist beinahe eine so große Gans wie sie selbst," flüsterte Emanuel Lefkowitsch seinem Kreise zu. Er hatte Frieden mit feiner Frau geschloffen und war wieder der Mittelpunkt der Heiterkeit m"der Werkstätte geworden. „Ein großartiger Kauf," sagte er laut, indem er bewundernd mit der Zunge schnalzte. Und Flatterentchen, dadurch über die Kritik ihres Gatten getröstet, eilte wieder hinweg, um ihren Kauf durch den Schlächter tödten zu lassen. Als sie gekränkt und empört zurückkehrte, brachte sie die . Gans im Korbe wieder mit und dazu die Nachricht, daß der Funktionär ihr eine jüdische Hinrichtung verweigert und die Gans aus irgend einem unbedeutenden rituellen Grunde für trepha (unrein) erklärt hatte; aber sie brach ihre Schmähungen des Verkäufers ab, denn sie bemerkte plötzlich, daß sich in ihrer Abwesenheit ein noch größeres Unglück ereignet habe. ' „Nu, nu," sagte Ludwig, als sie in ihrem Geschwätz inuehielt, „Gott will entschieden nicht, daß wir heute feiern. Selbst Du mußt arbeiten." '' ' „Ich?" stammelte Flatterentchen. Nun erfuhr sie, daß Emanuel Lefkowitsch, den sie in so munterer Laune verlassen, plötzlich heftige Schmerzen bekömmenund nach Hause hatte gehest muffen. Die Arbeit aber drängte, und Flatterentchen mußte ihn in allen ihren freien Augenblicken ersetzen. Me war darüber schrecklich ärgerlich, hatte sie doch abgemacht, an diesem