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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-23 · Heft 30 (23.7.1897) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 30 (23.7.1897)
Date
1897-07-23
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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3H3 Gebiet, eine Anregung, die weiter auszubauen berufen sei. Dazu wären aber in erster Reibe die jüdischen Seminardirektoren verpflichtet. Redner betonte dabei, daß es leider der jüdischen Lehrerschaft noch immer an einer geeigneten pädagogischen Führung fehle. Es sei zu bedauern, daß die jüdischen Lehrer-Seminare immer mehr sich zu Versorgungsanstalten für jüngere, stellenlose Theologen gestalteten. Nach einem Schlußworte des Referenten wyrde die Debatte geschlossen und in die. Besprechung verschiedener interner Vereinsangelegenheiten eingetreten. Aus derselben ist hervorzuheben, daß zwecks Propaganda fiir die Vereinssache Vertrauensmänner in den einzelnen Landestheilen ernannt werden. Die hierzu Gewählten nahmen die Wahl an. II. Sitzung am 27. Mai y29 Uhr. Tagesordnung: 1. Lehrprobe: Der Sündenfall (Frank-Halle). 2. Vortrag: Der Gesinnungsunterricht in den ersten Schuljahren (Röthler-Gotha). 3. Verbandsthema: Nochmals die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, und: Wie soll sich die Wittwen- und Wäisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine gestalten? (Steinhardt-Magdeburg). Uhr begann die Lehrprobe, welcher die Versammlung mit größtem Interesse folgte. Nach Beendigung der Lektion wurde in die Tagesordnung eingetreten. Steinhardt-Magdeburg übernahm den Vorsitz und sprach dem Kollegen Frank den Dank des Vereins aus für die Lehrprobe, als einen der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung der Konferenz, und soll solches für die Zukunft im Auge behalten werden. Es wurde sodann in eine Besprechung der Lehrprobe eingetreten, die den Mitgliedern reiche Belehrung bot. Kollege G old schm id t-Geisa referirte über die Lehrprobein sachlicher Weise; die Ausführungen desselben fanden ungetheilten Beifall. Än der weiteren Debatte über diesen Gegenstand betheiligten sich noch die Herren: Dr. Spanier-Heilbrunn, Dr. Salzer, Moch- Mühlhausen i. Th., Steinhardt, Sommerfeld-Chemnitz, Horwitz- Dessau, Stern-Schönebeck, Hofmann-Meiningen. Im Anschluß an die Debatte schlug Steinhardt als Vortragsthema für die nächste Konferenz „Methodik des biblischen Geschichtsunterrichts" vor. Als Referent ward auf Vorschlag des Kollegen Hofmann-Meiningen der Kollege Mü hlfelder-Hildburghausen, welcher sich zur Uebernahme eines Referats bezw. einer praktischen Lehrübnng erboten, in Aussicht genommen. Nach einer kurzen Pause erhielt Kollege Röthler-Gotha das Wort zu seinem Vortrage: „Der Gesinnungsunterricht in den ersten Schuljahren". , Gute Gesinnungen, so etwa führte der Referent u. a. aus, sind der werthvollste Schatz, den die Eltern ihren Kindern . zu j,geben vermögen; sittlich-religiöse Gesinnungen zu wecken und zu festigen sei auch das höchste Ziel des Religionsunterrichts. Der Religionsunterricht habe ein doppeltes Ziel: I. die Unterweisung der Kinder in der Religion und 2. die Bildung des Herzens für jüdische Gesinnung und jüdisches Leben. Gesinnungsbildung sei der Mittelpunkt und das Ziel aller Erziehungsthätigkeit, das Fundament wahrer Gesinnungsbildung aber die Gotteserkenntniß. Unter den Unterrichtsgegenständen der Religionsschule bringe vornehmlich die biblische Geschichte die Gesinnungsverhältnisse zur Darstellung. Daher soll der Unterricht in dieser Disziplin im weiteren Sinne zugleich Gesinnungsunterricht sein und als solcher die Veredelung der Gesinnungen erstreben. Doch nur ein guter Unterricht kann ein solches Ziel erreichen. Daher kommt es vor allem auf die rechte Auswahl des Stoffes und die methodische Behandlung desselben an. Als Hilfsmittel für den biblischen Geschichtsunterricht empfiehlt Referent die Darbietung geeigneter Erzählungen aus Talmud und Midrasch. Der allgemein fesselnde Vortrag wurde mit größtem Beifall ausgenommen und erntete der Vortragende reiche Anerkennung, welcher der Vorsitzende, Herr Dr. Salzer Ausdruck gab. Darauf wurde die Debatte über den Vortrag eröffnet, welche längeres Zeit andaüerte und sich sehr lebhaft gestaltete. In derselben wurden verschiedene wichtige Unterrichtsfragen erörtert. Im Verlaufe nder Debatte wurde auch die sogenannte Bibelfrage gestreift und dabei den Lehrern angelegentlichst das Lesen in der Bibel, den Kindern dagegen die Auerbachsche Schulbibel empfohlen. Die Herren Dr. Salzer und Goldschmidt-Geisa theilten interessante, auf das Heferat bezügliche Erinnerungen aus ihrer Schulpraxis mit Die Debatte wurde alsdann geschlossen. Als Konferenzort für das nächste Jahr wurden Magdeburg bezw. Eisenach vorgeschlagen; ein endgiltiger Beschluß in dieser Hinsicht ist jedoch aus mancherlei Gründen erst im nächsten Halbjahre möglich. Referate übernahmen die Herren Mühlfelder - Hildburghausen, Horwitz- Dessau (Fibelsrage), Steinhardt - Magdeburg und Dr. Salzer. Nunmehr referirte Kollege Steinhardt über das Berbandsthema. Redner fiihrte aus, daß unser Verein das in Frage stehende Thema im. vergangenen Jahre in derart erschöpfender Weise behandelt habe, daß er Neues darüber nicht vorzubringen vermöge. Die Mittel und Wege die er zur Herbeiführung der definitiven Anstellung empfohlen, hätten auch eine weitgehende Beachtung der betheiligten Kreise, gesunden, und wenn er irgendwie noch im Zweifel darüber gewesen, daß unser Standpunkt der richtige sei, so hätten ihn die giftgeschwollenen Auslassungen eines Anonymus im Mainzer Israelit von der Richtigkeit überzeugt. Es gäbe eben so manche Kreise, denen ein freier, in sich geschlossener, unabhängiger Lehrerstand ein Dorn im Auge sei. Es sei an der Zeit, daß die jüdischen Lehrervereine sich von dem Einflüsse solcher Herren, deren Bestrebungen dem wahren Interesse der Lehrerschaft diametral entgegenständen, endgiltig befreiten. Redner schlug sodann folgende Resolution vor, welche die Zustimmung der Versammlung fand: „Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands empfiehlt dem Vorstande des Verbandes die weitere Berücksichtigung der von ihm im vorigen Jahre gestellten Anträge." Bezüglich der zweiten Frage, die Errichtung einer Wittwen- und Waisenkasse betreffend, führte Redner aus, daß diese Frage noch nicht spruchreif sei, man müsse erst das Ergebniß der Statistik, welche der Vorstand des Verbandes veranlaßt habe, abwarten. Soll eine solche Kasse nachhaltig wirken, so müsse sie in absehbarer Zeit an Unterstützungen jährlich, nach ungefährer Berechnung, ca. y4 Million Mark aufbringen. Um jemals zu einem solchen Resultate , zu gelangen, wäre ein Grundfond von mindestens einer Million nöthig; die Lehrer sMW jährlich 10-20 Mark, die Gemeinden 2pCt. der Gehälter' an ßie Kasse zahlen. Dieselbe dürfe aber keineswegs nur eine Wittwen- und Waisenkasse sein, sondern müsse in erster Linie den Ansprüchen dienstunfähig gewordener Lehrer gerecht werden. Eine Vereinigung aller bereits vorhandenen Kassen, zum Mindesten ein Han> in Hand gehen mit denselben, müsse erstrebt werden; um etwaige Ansprüche, welchen bestehende Kassen genügen müßten, mit übernehmen zu können, soll der Verband nach dem Inkrafttreten des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches Korporationsrechte erwerben. Bestimmte Anträge behält Redner sich zur nächstjährigen Versammlung vor; bis dahin könne er seinen Ausführungen hoffentlich die Ergebnisse des statistischen Berichtes zu Grunde legen. Reicher Beifall folgte dem fesselnden, wohldurchdachten Referate des bewährten Verbandsdelegirten des Vereins. Außerdem kleidete Horwitz - Dessau den Dank der Anwesenden in herzliche Worte. Ueber ^einzelne Punkte des Referates entstand eine zum Theil erregte Debatte, an welcher sich besonders die Kollegen Horwitz, Maier - Eisenach, .Heilbrunn betheiligten, die ihre Ansichten über eine beschleunigte .Gründung der Kasse sowie die Mittel zur Erreichung derselben zum Ausdruck brachten. Nach einem Schlußworte des Referenten jedoch, in welchem er die Kollegen vor übereilten Schritten warnte und Hy bat, die ganze Angelegenheit dem Verbände anzuvertrauen, gelangte W .obige, vom Referenten gestellte Resolution zur Annahme. Damit ist die Tagesordnung erledigt. , Der Herr Vorsitzende faßte den Verlauf der Verhandlungen, die viel des Anregenden und Interessanten geboten haben, nochmals in kurzen Worten zusammen. Herr Dr. Salzer richtete Dankesworte an den Vorstand der Gemeinde Gotha und die einzelnen Mitglieder derselben sür die den Konferenzbesuchern erwiesene Gastfreundschaft und brachte ein Hoch aus auf den Landesherrn Herzog Alfred von Sachsen- Koburg und Gotha. Die Versammlung, welche sich von ihren Plätzen erhoben hatte, stimmte dreimal begeistert ein. Kollege Dr. Spanier- Magdeburg dankte dem Herrn Vorsitzenden sür die umsichtige Leitung der Verhandlungen und forderte die Mitglieder auf, sich zum Zeichen dieses: ^Dankes von den Plätzen zu erheben, was allseitig geschah. -Nachdem noch Steinhardt den Vereinsmitgliedern das Interesse für den Verein ans Herz gelegt mnd ein mit größter Begeisterung aufgenommems Hoch auf die Zukunft des jüdischen Lehrerstandes ausgebracht hatte, schloß der Herr Vorsitzende die Konferenz 12'/, Uhr Mittags 'mit dem Wunsche: Gesundes Wiedersehen. . ... S. Sommerfeld - Chemnitz. 'V c£fgk-v - -

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