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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-23 · Heft 30 (23.7.1897) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 30 (23.7.1897)
Date
1897-07-23
Page
Seite 350 (sequence 2)
Language
German
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schließlich verkaufen, und die Ironie des Schicksals hat dies Terrain in die Hände bulgarischer Juden gebracht, die dort mit Erfolg dem ’ Ackerbau obliegen. , ... . Trotz vereinzelter Mißerfolge sind aber die Herren' von der Mission,mit der Gegenwart sehr zufrieden, und es lohnt sich, den ' schon cilirten de le Roi noch einmal hierüber zu hören. Er sagt im' Nathanael: „Die richtig geübte Jndenmission ist zu keiner Zeit nach dem. Tagen der Apostel weniger erfolglos gewesen als heute. Gerade weil sich die Inden in einem Uebergaugszustaude befinden, wo sie den alten religiösen Halt des Talmudismus immer mehr verlieren und weder in der Reform noch in der Neuorthodoxie einen religiösen Ersatz finden, erweist - sich das Evangelium an vielen Einzelnen." Eine Gegenwirkung befürchtet de le Noi aber von zwei Momenten, erstens von dem Antisemitismus, der die Juden zum.^ engeren Zusammenschluß bringt, dann aber besonders von der jüdisch-nationalen Bewegung innerhalb der Judenheit. „Es will wohl beachtet sein, daß auch diese nationale Bewegung weit davon entfernt ist, die Inden zu religiöser Vertiefung und zur Selbsterkenntniß zu führen. Gerade im Gegentheil ist sie nur die neuefte Form ihres Unglaubens und befestigt sie allein in ihrem sündlichen Stolz." Darum wendet er sich mit aller Entschiedenheit gegen die>,i von einzelnen. Missionären geübte Taktik, dem jüdischen Nationalgesühl Konzessionen zu machen. In dem beregten Artikel im Nathanael weist er nach, da^ alle diese Missionäre die schlechtesten Erfolge mit ihrer Taktik gehabt haben, denn „der nationale Jude halte rpn so fester am Judenthum" und: „Schlimmeres vermag deshalb aber nicht zu geschehen, als wenn man die Juden, welche von Bekehrung nichts wissen wollen, in ihren nationalen Bestrebungen bestärkt und sie so von dem Wege der Buße und Bekehrung ablenkt. Englische Christen, welche den Dr. Herzl unter- . stützen, ja auch Missionskreise in Großbritannien, Deutschland, - Frankreich, Holland und . Amerika, welche vor den Juden der Gegen- wart die nationale Fahne entfalten, tragen mit Schuld daran, * wenn die Juden an dem alleinigen Heile in dem Blute Christi vorübergehen." . . Dieses Urtheil eines Mannes, der auf dem Gebiete der Mission der erste Sachkenner ist, verdient gewiß ernste Beachtung. Ueberhaupt sollten wir der Wirksamkeit der Mission rege Aufmerksamkeit widmen, bannt wir nicht einmal sehr unangenehme Ueberraschungen erleben. Dies gilt besonders von Oesterreich, denn Zustände, wie die von Wien erwähnten,^, oder die Thatsache, Laß in der großen, . reichen Gemeinde in Budapest 260 arme jüdische Kinder die Missionsschule besuchen, lassen , für die Zukunst wenig Gutes erwarten. Hier wäre nn dankbares Feld für die Rabbiner in Oesterreich- Ungarn, . um ihre Thätigkeit zum Schutze der jüdischen Religion zu entfalten. Die Woche. '; . : ' Berlin. 19. Jul!. ' «er Zion istenkongreß findet, also am 29., 30., 31. August in Basel statt. Das Arbeitsprogramm weist 7 funkle aus, ' und zwar die allgemeine Lage der Juden: Max Nordau. Begründuirg des zionistischen Programms: Dr. N.^Birnbanm und^ Dr. D. Farbsteiu. Die zionistische Organisation: Dr.. M. Bodenheimer. Die Kolonisation Palästinas: Dr. M. T. Schwirar. Hebräische Litteratur: Dr. M. Ehrenpreis. 'Bestimmung des nächsten Kongreß- , ortes und Einsetzung eines Bureaus. Kongreßabschied und Resu-r mirung der Beschlüsse. ' In Bingen fand schon am 11. d. eine Vorbesprechung der sogenannten „deutschen Zionisten" ^statt. Es wurde einstimmig beschlossen, sich als national-jüdische Vereinigung für Deutschland zu konstituiren und an dem Weltkongreß der Zionisten offiziell theilzunehmen. Auf Grund der gemachten Vorschläge und eines Entwurfes des Profeffors Dr,. Schapira-Heidelberg soll, ein Programm ausgearbeitet werden. In dieser Vorkonferenz wurde auch eine Erklärung festgestellt, die folgenden Wortlaut hat: Gestatten Sie uns auf die in Ihrem geschätzten Blatt veröffentlichte Erklärung des Deutschen Rabbiner-Verbandes. Folgendes zu erwiedern: 1. Es ist unrichtig, daß die zionistischen Bestrebungen den messianischen Verheißungen des Judenthums widersprechen. Wir verweisen in dieser Hinsicht nur auf das von einer der hervorragendsten rabbinischen Autoritäten, Rabbi Kalischer, unter dem Titel „Drischat Zion" veröffentlichte : Werk, aus dem das Gegentheil unwiderleglich hervorgeht. Mit dem •- Lehrinhalt des Judenthums beschäftigen sich übrigens unsere Bestrebungen überhaupt nicht, sind vielmehr lediglich darauf gerichtet, den anormalen Zustand des jüdischen Volkes zu beseitigen. 2. Den in der Rabbiner-Erklärung durch die gänzlich unmotivirte Hervorhebung ihrer Vaterlandsliebe unterstellten Vorwurf, als ob die zionistische Gesinnung uns an der Betätigung vaterländischer und staatsbürgerlicher Pflichten verhindere, weisen wir als eine jeder Begründung entbehrende Verj; dächtigung ganz entschieden zurück. 3. Daß die „edlen Bestrebungen, die auf die Kolonisation Palästina's durch jüdische Ackerbauer abzielen", mit den unserigen nicht zu identifiziren sind, geben auch wir zu. Wenn ’ wir sie aber von unserm Standpunkte aus ebenfalls unterstützen, so kann dies doch weder uns noch auch diesen Bestrebungen irgendwie zum; Tadel gereichen. Vor dem Kongreß in Basel zu warnen, liegt für Niemanden, am wenigsten für den Deutschen Rabbiner-Verband eine Veranlassung vor. Der Kongreß wird sich hoffentlich zu einer imposanten Kundgebung dafür gestalten, daß das jüdische Volk auch heute ' auf seine nationale Existenz noch nicht verzichtet, sondern gewillt ist, als Volksindividualität Hand in Hand mit den anderen Nationen an dem Fortschritt der menschlichen Kultur zu arbeiten. Bingen, 11. Juli. Die National-Jüdische Vereinigung fürrDeutschland. I. A. Dr. Bodenheim er (Köln), Rechtsanwalt. Dr. Schauer (Bingen), Rechtsanwalt.. . An dieser Erklärung interessirt uns hauptsächlich Punkt 1,. und bei diesem Punkte die große Sicherheit, mit der die Herren erklären, ü es sei unrichtig, daß die zionistischen Bestrebungen den messianischen ^Verheißungen des Judenthums nicht widersprechen. Sieberufen sich " dabei auf ein Buch, . das sie unmöglich selbst gelesen haben können. . Was hätten die Herren Rechtsanwälte wohl gesagt, wenn die Rabbiner, gegen die ihre Erklärung geht, in derselben Weise ihnen in Bezug auf die Pandekten oder auch nur das Allgemeine Landrecht, in gleicher I. Weise widersprochen hätten? * " .* Die konservative Partei in Preußen ist in tausend.Nöthen. ^Antisemiten -und Agrarier haben ihr die Freundschaft gekündigt.. 4 Und doch ist die antisemitische Partei, aus der konservativen Partei Lhervorgegangen uiib konnte nur aus ihr hervorgehen.. Gleichberechtigung der Konfessionen gehört zu dem eisernen Bestand der liberalen ' Ideen; wer Rassenhaß und Klassenhaß hegt, hat zu der liberalen ^Partei kein, inneres Verhältniß. Die Gleichstellung der Juden war leine der Fragen, an. denen sich, schon im vereinigten Landtag die. Parteien schieden.. Dep beredteste Führer der. Konservativen sagte damals,, das aufrechte Ehrgefühl würde ihn verlassen, wenn er sich -einen Juden als Richter denken müsse.. Er hat zu schwarz gesehen, in den vierzig Jahren,. die seitdem verflossen sind, sind viele Juden' zu Richtern ernannt worden, und er selbst hat zu ihrer Ernennung.

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