Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 noch von vielen anderen,Seiten Zeichen der Liebe und Verehrung dargebracht, so von seinen- Schülern in der - Stadtschule, von vielen Gemeindemitgliedern und von vielen auswärtigen Freunden und Bekannten. Mit' einem Feste, das der Chorverein seinem langjährigen, ehemaligen Präsidenten veranstaltete, und bei welchem demselben zur Anerkennung seiner Verdienste um den Verein eine kostbare Ehrengabe überreicht wurde, schloß die Feier des.Tages aufs Würdigste.ab.; § Bruchsal, 11. Juli. Der neunte Jahresbericht des Landesvereins, zur Erz iehung israelitischer Waisen im Großherzogthum 'Baden berichtet zunächst über die vierte ordentliche Generalversammlung am 21. Juni 1896 in dem vom SyNagogenrathe in Baden sreundlichst zur > Verfügung gestellten Saale im Hotel „zum goldenen Ritter", die von Bezirksrabbiner Dr. B. Mayer in Bühl - geleitet wurde. Als Schriftführer fungirten die Herren Carl Haberer aus Offenburg und Louis Marx aus Bruchsal. Zum - Beginn der Verhandlungen widmete Herr Rabbiner Dr. Mayer dem verstorbenen Bezirksältesten D. M.^ Wertheimer in Bühl, der seine warme Theilnahme für den Verein noch durch eine letztwillige Verfügung bekundet hatte, Worte dankbarer Anerkennung, denen die Versammlung vollen Herzens zustimmte. Der hierauf erstattete Rechenschaftsbericht wurde gutgeheißen, die seitherigen Mitglieder des Vorstandes wurden auf vier Jahre, diejenigen der Prüfungskommission für die Rechnungen statutengemäß auf zwei Jahre wiedergew'ählt und zum Orte der nächsten GeneralVersammlung Bruchsal bestimmt. Von den 91 Kindern, die zu Beginn des vorigen Jahres sich in der Fürsorge des Vereins befanden, wurden im Laufe desselben 12 entlassen, davon eines infolge der gebesserten Vermögensverhältnisse seiner Mutter. Von den übrigen aus der Schule entlassenen Waisen werden acht Mädchen weiterhin von ihren Verwandten - versorgt, eines nahm eine Stelle als Dienstmädchen an, zwei Knaben gingen mit Vereins-Unterstützung zu ihren Angehörigen nach Amerika. Zur Ausbildung in weiblichen Handarbeiten erhielten fünf Mädchen weitere Unterstützung, ein Knabe wurde als Bäckerlehrling untergebracht. Ferner leistete der Verein Zuschüsse für "einen Knaben , der unter der gütigen Fürsorge des Vereins zur Beförderung des Handwerks und der technischen Berufsarten in Karlsruhe die Photographie, und einen, der . unter derjenigen des gleichen Zwecken dienenden Vereins in Freiburg das Sattlerhandwerk erlernt. Neu ausgenommen wurden 18 Kinder. . Von den insgesammt 97 jetzt in Fürsorge befindlichen (48 Knaben und 49 Mädchen) find 25 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, 71 befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bezw. Zuschüssen bei Verwandten oder ihren Lehrherren, Die ausgebreitete Thätigkeit, welche der Verein in allen Theilen Badens entfaltet, fand, abgesehen von den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder, auch durch zahlreiche größere und kleinere Spenden bei freudigen Veranlassungen, insbesondere, aber durch drei neue letztwillige Vermächtnisse und zwei Stiftungen zum Andenken an Verstorbene freundliche Anerkennung. Ein Vermächtniß, welches der am 8. Juli 1895 in Weinheim verstorbene Aron Kaufmann zum- Andenken an seinen am 4. September 1868 in Lützelsachsen verstorbenen Vater Moses hinterlassen hat, ist noch nicht rechtskräftig geworden. Der am 16. März d. I. in Lahr verstorbene Herr Salomon Schnurmann hat in seinem Testamente den Verein mit 20 000 Mark bedacht. Der Vorstand besteht aus den Herren: Rabbiner Dr. I. Eschelbacher, Vorsitzender, Moritz Marx, Stellvertreter desselben, .Louis Marx, Schriftführer, Nathan Katz, Rechner, Ludwig Groß, Alexander Dreifuß, Dr. I. Kusel, Rabbiner Dr. M. Appel in Karlsruhe, Vorsteher B. Harburger in Gailingen, Vorsteher B. Herzberger in Bretten, Rabbiner Dr. A. Lewin in MiKbach, Rabbiner Dr. L. . Löwenstein in Mosbach, Rabbiner Dr. B. Mayer in Bühl, Bezirksältester I. Nordmann itl Lörrach, Rabbiner Dr. M.-Rawicz in Offenburg, Rabbiner Dr. H. Sondheimer in Heidelberg. Das Vermögen besteht aus 123199,40 Mark. 0 Stuttgart, 11. Juli. Der 66. Bericht der israelitischen Wäisenanstält Wilhelmspflege in Eßlingen liefert den erfreulichen Beweis, daß die von Herrn Oberlehrer Stern geleitete Anstalt auch imf verflossenen Jahre sich allseitiger Gunst zu erfreuen hatte; sowohl vom . königlichen Hause wie auch von den einzelnen Gemeinden und Privaten! sind ganz bedeutende Stiftungen Und Spenden der humanen Anstalt zugegangen, so daß diese ihrer edlen Aufgabe in immer größerem Maße gerecht werden kann. Derzeitiger Vorstand, ist Herr M. H. Goldschmidt; > ün Stuttgart; die Zahl der Zöglinge beträgt 36; die austretenden - Knaben erlernen ein Handwerk. Das Vermögen der Anstalt beläuft sich gegenwärtig auf 376 233,64 Mark. Oesterreich - Ungarn. ... Wien, 12. Juli. Wie ich Ihnen seinerzeit berichtete, haben .die Wiener jüdischen Aerzte Dr. Metall, Dr. Schwarz, Dr. Stern und .Dr. Dornreich unter Leitung des Dr. Schallt eine Expedition nach Thessalien unternommen, um sich im Kriegsspitale zu Larissa in den - Dienst der Krankenpflege zu stellen. Nachdem sie während eines.ein- : monatlichen Aufenthaltes daselbst ihre Mission erfüllt und den letzten - Krankentransport nach Allars-Sultania begleitet hatten, kehrten sie von dort über Konstantinopel nach Wien zurück, wo sie vorgestern Abend - anlangten. Dr. Schallt erzählt über den Verlauf der Expedition Folr gendes : „Zu Beginn des griechisch-türkischen Krieges erbot ich mich mit „ meinen Kollegen Dr. Metall, Dr. Schwarz, Dr. Stern und Dr. Dorn- - reich dem türkischen Botschafter in Wien, ohne, jedes Entgelt eine Expedition auf den Kriegsschauplatz in Thessalien zu unternehmen, um . dort den Verwundeten unsere ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen. Zu dieser Expedition fühlten wir uns'aus Dank für die großen Wohlthaten, deren sich die Juden im türkischen Reiche erfreuen, verpflichtet. Auf Wunsch des türkischen Botschafters wurde unser- Ansuchen brieflich , formulirt und an den Kriegsminister in Konstantinopel befördert. Ungefähr sieben Wochen später erhielten wir Antwort. Es wurde uns der Dank für unser Anerbieten ausgesprochen und gleichzeitig die Ordre ertheilt, zum Armeekorps nach Janina und Elassona abzugehen." Dr. Schallt schildert die äußerst gefahrvolle Reise von Bagodan bis Jagodina, wo das Räuberunwesen noch herrscht, und die Wege höchst unsicher macht, berichtet über die mannigfachen ^Auszeichnungen, deren sich die Expedition von hohen türkischen Würdenträgern zu erfreuen hatte, und schreibt über ..die Heimreise: „Von Kalais-Sultania reisten wir nach Konstantinopel, wp uns die größten Ehrenbezeugungen zu Theil wurden. Am 1. d. M. § wurden wir vom Kriegsminister Rissa Pascha in Audienz empfangen, . der .uns im Namen des Sultans den wärmsten Dank aussprach und - uns einlud, am nächsten Freitag dem Selamlik beizuwohnen. Bei demselben entbot uns der Sultan durch einen Adjutanten seinen Gruß. In Konstantinopel hatten wir auch Gelegenheit, den Ober-Derwisch der . heulenden Derwische von Skutari zu behandeln." Sämmtliche Mitglieder der Expedition sind Angehörige der „Kadimah" und — Zionisten ersten Ranges. — Dem Regierungsrath Professor Oser wurde das Komthurkreuz zweiter Klasse des württembergischen Friedrichordens verliehen. — Ueber Ausschreitungen gegen die jüdische Einwohnerschaft in Tarnow wird gemeldet: Am Freitag kam es in . den Nachmittagsstunden zwischen einem Soldaten des 57, Infanterieregiments und dem Sohne einer, jüdischen Schnapsschänkerin wegen Nichtbezahlung von Schnaps zu einer Prügelei, wobei der Soldat von seinem Gegner mit seinem eigenen Bajonnet, das ihm der Civilist entriß, verwundet wurde. Aus Rache hierfür, so heißt es, sammelten sich Soldaten dieses Regiments am Sonnabend in den Straßen und attackirten die vorübergehenden Juden. Dasselbe geschah am.Sonntag, an welchem Tage ein jüdischer Kaufmann erheblich verwundet wurde. Auch am Montag wiederholten sich diese Szenen. Infolgedessen wurden auf dem Ringplatze und in den anstoßenden Straßen schon vor 7 Uhr sämmtliche Geschäfte geschlossen, und Alles flüchtete nach Hause. Da ähnliche Ausschreitungen auch fernerhin befürchtet werden, haben die Kleinkrämer auf dem Ringplatze ihre Standplätze geräumt. Bis 6 Uhr Abends war Alles ruhig. Dem „Dziennik Polski" zufolge sollen die jüdischen Bewohner von Tarnow, nachdem die Soldaten einen Schnapsladen demolirt und der Schankwirth durchgeprügelt worden war, zu ihrem Schutze auf Anordnung der Bezirkshauptmännschaft Gendarmerie- Assistenz erhalten haben.' Der Sonnabend verlief ohne ernste Ruhestörung, -erst am Sonntag Abend überfielen Infanteristen die Jüdenhäuser, zertrümmerten die Fensterscheiben in denselben und bewarfen die Synagoge -mit. Ziegeln, in dem entstandenen Straßenkampfe wurde ein Jude erschlagen 'und einem zweiten wurde die Schädeldecke verletzt. Der antisemitische „Glos Narodu" berichtet, der Streit zwischen dem Schnapsschänker und dem Infanteristen habe damit geendet, daß der Erstere dem Infanteristen mit dessen Bajonnet einen derart starken Stich versetzte, daß derselbe bald darauf verschied. Amtlich wurde bisher über diesen Zusammenstoß nichts verlautbärt. — Zu Pr ofessoren an Mittelj >“ .fr» ..\jV -- . i.