Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Ziel gerichtet, es soll ohne alle Rücksicht auf wirthschaftliche Erfolge lediglich ethischen Zwecken dienstbar sein. Die hiesigen Bürger, die in . . dieser Absicht im vorigen Jahre zusammentratenwandten sich an ihre: hiesigen Stammesgenossen und können nunmehr darauf Hinweisen, daß! Letztere mib reger Theilnahme und'Bereitwilligkeit die Mittel zur Durch-! führung des Werkes zur Verfügung stellten. Es gelang unter energisches ' Mitwirkung einiger um die Sache besonders verdienter Herren sowie; durch die Munificenz eines Gönners, dann der hiesigen Gemeinde- Verwaltung, mehrerer Vereinigungen u. s. w. die Aufstellung des, Gebäudes/ die Herstellung des Dioramas, die Unterhaltungskosten, über-! Haupt alles Erforderliche zu beschaffen. Rechts vom Eingänge befindet? . sich ein Garten, der in höchst anschaulicher Weise uns den Gärten eines' dortigen Kolonisten zeigt und mit lebenden Bäumen, wie Granaten/ Datteln,-Oliven und Palmen, angepfla'nzt ist, außerdem befindet sich; hier ein Diorama, das auf Veranlassung des Komitees von einem! ' renommirten Künstler hergestellt ist und in höchst anschaulicher Weise die Wohnsitze der palästinensischen Bauern darstellt. Zu beiden Seiten befinden sich zwei sehr hübsch ausgestattete Räume, in denen die Erzeugnisse der verschiedenen Kolonien sowie die Produkte der Hand-! werkerwie Holzschnitzereien, Baumwollgewebe, Nosenwasser, Parfumes re./ ausgestellt sind. Was hier gezeigt wird, ist eine wesentlich vollständigeres Sammlung, als was bisher aus den Siedelungen am Jordan -nus! europäischen Boden gebracht werden konnte. Die Ausstellung umfaßt? nicht nur die verschiedenen Weine, Weizen, Gerste, Sesam, Durrah/ ' Lupinen, Erbsen, Bohnen, Linsen, Kartoffeln rc., den Honig, die Süd-? früchte, Coeons, Seide u. s. w., sondern zum ersten Male werden die; lebenden Pflanzen — Bäume in vollem Blnthenschmuck — vorgeführt.: Die Absicht, auch die wunderbaren Traubenstöcke zur Ausstellung zu; bringen, konnte deshalb nicht verwirklicht werden, weil mit der Türkei keine Konvention in Betreff der Vorbeugungsmaßregeln gegen die Reblaus besteht. Die Uebersührung der großen lebenden Bäume, von denen leider die allergrößten auf dem Transport durch Seewasser littenaus den. Kolonien bis zur Küste, die Verschiffung von Jaffa nach Alexandrien, von dort nach Hamburg, vor allem aber die Verladungs-? schwierigkeiten und widrigen Witteryngsverhältnisse sind der Eröffnung? der Ausstellung besonders ungünstig gewesen. Aber wenn auch ver-? spätst, ist das Komitee doch auf dem Platze erschienen, um innerhalb? des großartigen Gesammt-Unternehmens seinen Platz würdig auszufüllen.! Die Fürsorge des mit der Hauptsendung hierher gekommenen Gärtners,? des Herrn Glückmann aus der Kolonie Maskereth - Bathjoch (Ekron),? ölöve äs l'eeols ogrieulture äs M^vsli-äsrasl, hat hierzu wesentlich bei-1 getragen. Unter seiner Obhut werden Bäume und Pflanzen sowie die während der Ausstellung erfolgenden Nachsendungen verbleiben. Wir; behalten uns noch vor, auf die einzelnen Ausstellungsobjekte wie die Geschichte der Kolonien näher einzugehen und bemerken nochmals,! daß die Allgemeine Gartenbau-Ausstellung, die schon so viel, des Herrlichen? und Wunderbaren in sich vereint, um eine neue Sehenswürdigkeit bereichert worden ist. 8. Köthen, 8. Juli. Zu Ehren des scheidenden ersten Vorstehers der hiesigen Gemeinde, Herrn Kommerzienrath E.-Meyer, der seinen? Wohnsitz nach Görlitz verlegt,' fand eine würdige Abschiedsfeier statt. r Kommerzienrath Meyer hatte das Vorsteheramt seit 1863 inne. Durch seinen thatkräftigen Eifer, durch seine Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit und namentlich durch,seinen energischen Willen gelang es ihm, die Ge-, meinde auf ein solches Niveau zu heben, daß sie in jeder Beziehung als Mustergemeinde dasteht. Sein Wegzug von hier wird nicht nur von der Gemeinde aufs Tiefste bedauert, sondern auch von den Bürgern der Stadt, wo er in Gemeinschaft mit seiner edlen Gattin zahlreiche Saaten der Humanität und Menschenliebe ausgestreut hat. Eingeleitet wurde die Feier durch die Ueberreichung eines Diploms, worin er zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt wurde. Ein zweites Ehrengeschenk in Form eines Pokals wurde ihm überreicht von dem Verein „Freundschaft" und : dem „Verein für Geschichte und Litteratur des Judenthums" in Aberkennung seiner Verdienste als Vorsteher derselben. - Den Schluß bildete1 ein Festessen, an welchem sich der größte Theil der Gemeinde betheiligte.: Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Seligkowitz, in welcher er Ge-, legenheit nahm, die Aufgaben eines jüdischen Vorstehers in der Gegen-, wart zu kennzeichnen. Das Festessen gestaltete sich unter verschiedenen? herzlichen Ansprachen zu einer wahrhaft rührenden und dem Wesen des; Scheidenden am besten entsprechenden Feier. Dem Scheidenden wird gewiß ick Herzen/ der Gemeinde ein geistiges Denkmal errichtet werden. 0. Frankfurt a. 9. Juli. Dem 23. Jahresbericht der Israelitischen Waisen anstatt entnehmen , wir, .daß von den 34 Zöglingen der Knabenabtheilung, die am Schluß des vorigen Jahres sich in der Anstalt befanden, zu Ostern fünf entlassen wurden; einer davon wurde Gärtner, die anderen kamen in Geschäfte in die Lehre. Im Herbst verließ ein Zögling die Anstalt, um, mit dem Maturitätszeugniß versehen, sich dem Studium der Medizin zu widmen. Neu ausgenommen wurden fünf. Die vier Lehrlinge blieben auf Kosten der Schiff-Stiftung in der Anstalt. Die Mädchenabtheilung zählte 19 Zöglinge, welche die Schule besuchen; zwei der Schule entwachsene Mädchen besuchen die Handelsschule auf Kosten der Dreyfus-Stiftung. Die Knabenabtheilung, deren Räume bereits unzulänglich geworden sind, erhielt an Geschenken 15 345 Mark, darunter 6500 Mark von Freifrau v. Rothschild, 1000 Mark von N. N. und 600 Mark von Frau Herm. .Rothschild; für bestimmte Zöglinge wurden 3205 Mark gegeben. Die Jahresbeiträge betrugen 5318 Mark. Im Ganzen betrugen die Einnahmen 31356 Mark, die Ausgaben 30 750 Mark. Die Schiff-Stiftung erhielt an Geschenken,, Vergütungen und Zinsen 2490 Mark und verausgabtefür Unterstützung an neun Zöglinge 3950 Mark; sie besitzt 51413 Mark Vermögen. Die Spanier-Stiftung. besitzt 17 000 Mark, die Goldschmidt-Stiftung. für Knaben 5000 Mark, der Nenbaufonds'5220 Mark, die Oppenheimer-Prinssche Stiftung 7200 Mark. Das Vermögen der Knabenabtheilung beträgt 110 000 Mark und das Grundstück. Die Mädchenabtheilung erhielt an Geschenken 6517 Mark, darunter von N. N. 2000 Mark, an /Jahresbeiträgen 2482 Mark, für bestimmte Zöglinge 1203 Mark; im Ganzen betrug die Einnahme 13 832 Mark, die Ausgabe 13 410 Mark, das Vermögen 82290 Mark und das Haus. Die Dreyfus-Stiftung hatte 3400 Mark Einnahmen und 600 Mark Ausgaben; ihr Vermögen beträgt 35 070 Mark. Die Goldschmidt-Stiftung für Mädchen besitzt 15 000 Mark. Der besondere Fonds für die Unterstützung von zur Aufnahme ungeeigneter Waisen gab 100 Mark aus und besitzt 6170 Mark. a. Frankfurt a. M. 13. Juli. Der Jahresbericht der Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus pro 1896 weist .neue Fortschritte in erfreulicher Weise auf. Von Jahr zu Jahr schreitet die Kuranstalt in ihrer Entwickelung fort und immer größer werden die Anforderungen, welche an sie herantreten. Am deutlichsten erhellt dies aus der Zahl der Heilung suchenden Kranken, welche diesmal mit der stattlichen Höhe von 226 die bis jetzt größte Ziffer erreicht hat. Als eine erfreuliche, für die Anstalt sehr wichtige Thatsache wollen wir vor allem erwähnen, daß dem Verein die Rechte einer juristischen Person verliehen worden sind. Durch die hochherzige Gabe von 8000 Mark, welche von Frau Baronin v. Hirsch in Paris zur Verfügung gestellt wurde, ward es ermöglicht, 27 Patienten mehr wie im Vorjahr aufnehmen zu können. Der langjährige Verwaltungs-Delegirte, Herr David Wolff in Berlin, hat wegen überhäufter Arbeitslast sein Amt niedergelegt. An Stelle desselben hat sich Herr Eugen Rosenstiel in Berlin bereit erklärt, das Amt eines Delegirten und Vertrauensmannes zu übernehmen. Durch die sich fortgesetzt steigernde Frequenz der Anstalt hat sich das Bedürfniß herausgestellt/zur Erleichterung der Arbeitslast des dirigirenden Arztes/Herrn Dr. med. Hughes, welcher sich seiner schwierigen Aufgabe mit großer Liebe und Hingebung widmet, einen Assistenzarzt zu engagiren, der, in der Anstalt wohnend, den Kranken jederzeit zur Verfügung steht, ihnen mit Rath, und That an die Hand geht und ihr Befinden überwacht. Diese Stelle wurde Herrn Dr. med. Gustav Stiebe! aus Straßburg in Westpreüßen übertragen, der dieselbe mit lobenswertstem Eifer und großer Pflichttreue versieht. Die Verwaltung der Kuranstalt besteht aus den Herren Dr. med. Rosenbaum,. Vorsitzender; Mich. Mos. Mainz, stellvertr. Vorsitzender; Lismann Fürth, Kassirer; Daniel Aug. Worms, Oekonom; Bernhard Frenkel, Manfred S. Goldschmidt, Heinrich Wisloch in Frankfurt a. M.' Die Bilanz pro 1896 weist an Einnahmen 96 979,50 Mark, an Ausgaben 86 872,67 Mark aus. X Worms, 6. Juli. Die Jubiläumsfeier des Herrn Lehrer S. Rothschild verlief in schönster Weise. Nach der Feier in der Synagoge überbrachten ihm der Vorstand und die Beamten der Gemeinde ihre Glückwünsche und überreichten ihm neben einer künstlerisch ausgestatteten Adresse werthvolle Geschenke. Außerdem wurden ihm