Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228232--53858-3267805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
schulen wurden ernannt' die Herren: Professor Dr. Wilhelm Weinberger, Jakob Hirschler, Dr. Siegfried Lederer; Solomon Mandel u. A. in. — Der Kaiser hat dem Konzertmeister an der Hofoper und Professor am Konservatorium Jakob Grün das goldene Verdienstkreuzmit der Krone, verliehen. — Wie es heißt, soll auch in unserer Gemeindeein Verband der Wohlthätigkeitsvereine nach Art des in Berlingegründeten gebildet werden: Nirgend wäre eine solcheInstitution mehr am Platze als hier. — Eine antisemitische Stilblüthe zum Schluß : Das „Deutsche Volksblatt" schreibt: „Hätten wir nicht die jüdische Presse,, so wäre der Nationalitäten streit in Oesterreich längst beseitigt!" Graf Badeni weiß nun, was er zu thun hat.! , Rußlan-. Odessa, im Juli. Ueber die Errichtung einer jüdischen: Ackerbauschule schreibt die Odessaer Zeitung: Das Landwirthschafts-- ministerium hat, wie verlautet, beschlossen, in der jüdischen Kolonie. Bobrony-Kut, 70 Werst von. Ehersson, eine jüdische Äckerbauschule mit,. einer Musterfarm zu gründen. Zur Anlage der Schule ist bereits ein. r Kapital von 60 600' Rubel vorhanden, aus dem von Baron Hirsch^ ' zur Ausbreitung der Aufklärung unter den Juden gespendeten Kapitals wurden für diesen Zweck 35 000 Rubel bestimmt. Die fehlende Summe, wurde von Baron Günzburg, Wewelberg und B. Brodski gespendet.^ In dieser Schule sollen die Zöglinge auch das Schmiede-, Schlosser-,.. Zimmermanns-, Tischler- und Riemerhandwerk erlernen. In die - Schule sollen Knaben mit einer gewissen Schulbildung in einem Alters von nicht unter 13 Jahren unentgeltlich ausgenommen werden. Dex^ ^ehrkursus ist auf drei Jahre berechnet. . Amerika. G. H. New-Iork, im Juni. Die New-Iorker jüdische W oh'^-' thätigkeitsgesellschaft appellirt von Neuem an das Publikum. Die regelmäßige Vorstandssitzung hatte zu entfallen, da die versügbareM Fonds bis auf zehn Dollars, gesunken waren und Gesuche daher niA erledigt werden konnten. — Die Verbreitung der Juden über di? ' neue Welt wird durch die Zuschrift eines Lesers des American Israelis illustrirt, der in Grassy Narrows, Kanada, im äußersten Nordwesten des Kontinents lebt. Die klimatischen Verhältnisse der Gegend sind sibirisch, und der Mann erhält seine Zeitung mitunter erst nach 8 bis 10 Wochen durch indianische Botengänger. — Es ist wohl in alten Zeiten vorgekommen, daß ein Polizeibeamter sich das Vergnügen machte, mD^ jüdischen Parteien zu mauscheln, aber trotz Ben Akiba ist es am 24. Mach iir Nerv-Iork zum ersten Mal der Fall gewesen, daß der Polizeiö? . 'President Moss an ^die streikenden Schneider eine Ansprache „iE Jiddisch" Hielt. Herr Moss versicherte sie seiner Sympathie und des ' ■ - Schutzes gegen Uebergriffe der Polizeiorgane, so lange sie sich aller . - Gewaltthätigkeiten enthalten würden. — Senator Perkins voü- Kalifornien brachte, wie bereits gemeldet, im Senate den Antrag einfv die russische Regierung zu einer bestimmten Erklärung aufzufordern, ol| - amerikanische Bürger wegen ihrer Religion aus Rußland ausgeschlossen .' seien,-und im Falle, daß es sich so verhielte, die Zurücknahme „dieses - gehässigen Diskrimination" zu erwirken. Anlaß dazu gab der Fall eines ' Herrn Adolph Kutner aus Fresno, Kalifornien, welchem der russisch^ Gesandte die Bisirung seiner Pässe verweigerte. — Im Berichte deA - Sekretärs des Innern der britischen Kolonie Manitoba findet stch^ ' ein abfälliges Urtheil über die jüdischen Kolonien im Nordwesten von^ ' Britisch-Amerika, welche bisher mißglückt sind, während die der deutschen^ Mennoniten und der amerikanischen Mormonen sich in aufblühendem - - Zustande befinden. Der Versuch einer jüdischen Kolonisation soll jedoch ' daselbst wiederholt werden, ebenso besteht Ephraim Deinard auf seinem Kolonisationsprojekte in Kalifornien; obwohl die dortigen führenden- 7 v Kreise es als zwecklos bezeichnen. — Rabbiner Dr. Groß mann in ' ' Detroit hat durch sein geschicktes und mannhaftes Auftreten einem ver- > deckten Manöver zur Konfessionalisirung der Schule'die Spitze ab---^ - gebrochen. Der Schulrath hatte eine Anthologie aus der Bibel als--^ Lesebuch eingeführt. - Dr. Großmann brachte gegen diese Verfügung eine gerichtliche Klage ein, und das Gericht hob die Verfügung als ungesetzlich e aus. — Der kürzlich verstorbene Abraham I. Friedländer aus'.! , Cincinnati hat dem Hebrew Union College und dem Waisenhause in - - Cleveland je 1000 'Dollars, anderen lokalen Wohlthätigkeitsanstalten. Beträge von 300 bis, 500 Dollars vermacht. C Von Nah und Fern. — Der Rentier Berthold Marckwald hat den Kronenorden 4. Klasse erhalten. — Der diesjährige Parteitag der deutschsozialen Reformpartei soll am 10. Oktober in Nordhäufen abgehalten werden. — In Hamburg ist der Agitator Raab als erster Antisemit in die Bürgerschaft gewählt worden. — Aus Anlaß seines 70. Geburtstages hat Kommerzienrath Karl Ladenbürg in Mannheim zu der Wohlthätigkeitsstiftung, die unter dem Namen „Seligmann Julie und Leopold Ladenburgsche. Stiftung": besteht, eine Zustiftung von 60 000 Mark «gemacht. — Die „N. Bad. Landesztg." berichtet, daß aus der M annheimer Freimaurer-Loge „Karl zur Eintracht" 14 hervorragende nichtjüdische. Logen -Mitglieder ihren? Austritt angezeigt haben, - und daß diese Sache einen gewissen antisemitischen Anstrich hat. — Rohling, der „Talmud-Jude"- steht auf dem päpstlichen Index. Wie man aus Roin schreibt, befindet sich in der vom „Osservatore Romano" veröffentlichten Liste der kürzlich auf den Index verbotener Bücher gesetzten Werke auch, die .vom Professor der Exegese an der. Prager . deutschen Universität, Kanonikus Dr. Rohling, 1894 deutsch und lateinisch veröffentlichte Schrift:. „Ter Zukunftsstaat. Ein Trostbüchlein". (Civitas futura. Libellus consolatorius.). — Dr. A. Kaminka, r Prediger am Tempel in Prag, ist zum Oberrabbiner in Essegg gewählt worden. —In dem galizischen Städtchen Dorna?kam es zu einem argen Exzeß gegen die Juden. Infolge eines Wortwechsels mit einem jüdischen Scharckwirth überfielen Soldaten des dortigen Infanterie-, Regiments die jüdischen Häuser und die Synagoge, und in dem sich entspinnenden Kampfe wurde ein Jude getödtet und ein zweiter tödtlich verwundet. Zahlreiche andere Juden wurden verletzt. — Ueber das ' Befinden von Georg Brandes in Kopenhagen treffen leider ungünstige Nachrichten ein. Die Lungenentzündung bessert sich zwar langsam, aber - die Venenentzündung dauert fort, ja, es ist in ihr ein neuer Rückfall eingetreten.Der Zar wird bei Gelegenheit seines Aufenthalts in 'Warschau.eine -Deputation von Vorstehern der israelitischen Kultusgemeinden -derEvüvernementsstädte Russisch - Polens empfangen, welche eine Huldigungsadresse überreichen wollen. — Eine späte Sühne haben die Judenunruhen inKutais nun endlich vor Gericht gefunden. Am 16. und 17. Oktober 1895 griff eine zahlreiche Menge der örtlichen christlichen Bevölkerung, getrieben, wie es in der Anklageschrift heißt, , durch das Gefühl des religiösen und nationalen Hasses, das jüdische Quartier an, zerstörte viel Hab und Gut und verletzte viele Juden mehr oder weniger empfindlich. Erst am 17. Oktober ließ der Militär- , gouverneur. Truppenabtheilyngen eingreifen, da die Polizei sich als zu schwach erwies, Ruhe zu schaffen, wobei mehrere Soldaten durch Steinwürfe verletzt wurden. Es wurden schließlich 39 Haupträdelsführer verhaftet und vor das Kutaiser Bezirksgericht gestellt; von diesen wurden 28 Personen freigesprochen, die übrigen 11 zur Entziehung aller Rechte und zur Ansiedelung in Sibirien verurtheilt.. Die 11 Verurtheilten appellirten an die Gerichtspalate in Tiflis, und auch der Staatsanwalt' legte gegen den Freispruch eines Angeklagten Protest ein. Die Gerichtspalate hat jedoch den Protest des Staatsanwalts zurückgewiesen und für 10 Berurtheilte das Urtheil erster Instanz bestätigt; nur einer erhielt^ eine geringere Strafe, ein Jahr Gefängniß. — In A-lexan drien beabsichtigen einige sephardische Chachamim, eisi arabisches. Wochenblatt in, hebräischen Typen herauszugeben, das dem Volke jüdisches ^Wissen, ein Bild von der Lage des jüdischen Volkes im Mgemtzinen und der jüdischen Kolonisation in Palästina im Besonderen geben soll. — In New-Iork ist im Alter von 67 Jahren der Begründer der Baumwollbörse, Mayer Lehmann, . gestorben. Derselbe war bei Würzburg geboren und kam schon frühe nach Amerika. Mayer Lehmann wurde vielfacher Millionär. „Als Geschäftsmann," sagt die „N.-I. Staats-Ztg.", hatte der Verstorbene kaum seines Gleichen. — Ebenda ist am 2. v. Mts. der Kapitän der Unionsarmee Abraham Cohn, ein geborener Oberschlesier,'im " 65. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Inhaber der Medal of Honor. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin: Verantwortlich für die Redaktion: Max B auch Witz in Berlin.