Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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gemachte Mann ist erst der rechte Mann," schaltete er ernst ein, „ich möchte nicht, daß Sie Ihre Kräfte zersplittern. Ich verspreche mir - viel von Ihnen. Noch ein ähnliches Werk wie das erste, und eineB Professur ist Ihnen gewiß. Ich bin reich — aber mein Reichthum erscheint mir nur deshalb als ein Segen, weil er mir das Glück gewährt, meinen vom Glück nicht begünstigten Mitmenschen helfen - zu können. Also weg mit dem sogenannten Stolze! Bedürfen Sie materiellen Beistandes, so sagen Sie es nur ungenirt. Uebrigens, wie wäre es, wollen Sie meinem Schwager Louis beim Studium etwas unter die Arme greifen? Ich glaube. Sie haben das Zeug dazu, aus dem Bummler einen arbeitsamen Menschen zu machen. Kommen Sie bald zu mir. Ich möchte einige mich iilteressirende Fragen in Betreff Ihres Werkes an Sie stellen. Zu Manchem fehlen mir die Kommentare." „Besuchen Sie mich, Klein," bat Louis Vernauer. „Ich habe eine reizende Bude. An gutem Wein und Cigarren rc. soll es nicht fehlen. Wozu hat nlan denn einen Millionär zum Vater?!" „Wir werden uns frenen, Sie bei uns begrüßen zu können," flüsterte Eva Bernauer ihm zu. „Sie sollen mir' erzählen, wie man es macht, so gelehrt zu werden, wie Sie es sind. O, ich habe strebsame Männer so gern; sie flößen mir große Achtung ein, und deshalb ärgere ich mich über Louis, der ein guter, aber entsetzlich träger Mensch, ist."' Herr Bernauer sen. vermied es, mit dem jungen Manne, der im Laufe des Abends der Mittelpunkt des Interesses der Anwesenden geworden war, in Berührung zu kommen. Seine Anwesenheit war ihm fatal; der ernste Blick der braunen Augen, die farblosen Wangen, der gramvolle Zug in dem Antlitz des jungen Mannes, der so deutlich von harten Entbehrungen sprach, genirten ihn; die herben Linien um den wohlgeformten Mund, die dürftige Gestalt mahnten ihn an eine Schuld, die er in dem Egoismus des Reichthums und der damit verknüpften Macht begangen hatte. Ein Glücksgefühl, wie er es bisher noch nie empfunden, hatte sich Kleins bemächtigt. Der Rausch des Erfolges-! Als er seinen Heimweg antrat, lag ein Ausdruck des Stolzes; des Triumphes auf seinen fieberhaft gerötheten Wangen. Seine Gedanken irrten aber dennoch bald fort von den glänzenden Gestalten, die heute vor ihm aufgetaucht, die ihn Anfangs geblendet, fast bezaubert hatten, um zu den beiden Freunden hinzuirren, die jetzt längst, von des Tages Last ermüdet, die Ruhe aufgesucht, die ihn mit ihren liebevollen Wünschen begleitet, denen er gewissermaßen diesen ersten, ihn so überraschenden Erfolg mit zu danken hatte. „Gott segne sie, Mutter und Tochter," flüsterte er vor sich hin, als er den heißen Kopf, in dem die Gedanken nicht zur Ruhe kommen wollten, in die Kissen seines Lagers drückte. - (Forts, folgt.) Sprechfaul. Prüfungen werden erfolgen, sobald die Hinderungsgründe, -wie Krankheit rc., wegfallen. r Die Mitgliederbeiträge pro 1896/97 mit ca. 2050 Mark sind bis auf ca. 43 Mark prompt eingezogen. Das Inkasso der Beiträge pro 1897/98 kann selbstverständlich erst nach Abhaltung der Generalversammlung. erfolgen. Die nothleidenden Gemeinden des Verbandes sind wie bisher aus der Verbandskasse unterstützt. Eine aufgelöste Gemeinde ist einzig und allein durch Anregung und Unterstützung des Verbandes wieder ins Leben gerufen. Hochachtungsvoll Der Ausschuß des Verbandes der Synagogen - Gemeinden Ostpreußens. I. Eichelbaum, Verbandsvorsteher, ' Sehr geehrter Herr Doktor! <MN meinem Aufsatz „Gegen den Zionismus" bitte ich Folgendes zu £53 berichtigen: Statt „Nationalitäten" muß es heißen Nationaljuden, statt des zweiten „Bar Cochba“, Bar Cosiba, statt „Menschenkenntniß" Gotteserkenntniß. Die in Nummer 27 von Herrn Rechtsanwalt Dr. Meyer-Hannover ebenfalls angeregte Resolution beweist die Nothwendigkeit der raschen Ausführung meiner Thesen; ob man aber die Tagung der Zionisten abwarten soll und um dessentwillen in Berlin eine Art Notablen-Kongreß anberaumen, das wäre nach meinem Dafürhalten weder nöthig noch zweckdienlich. Jedenfalls aber sollte der Gemeindebund wirksam eingreifen. Hamburg, 2. Juli. Dr. Leimdörfer. * Geehrter Herr! ^lch erlaube mir einen kleinen Beitrag zu bringen zur Lösung der von £53 $errn L. Geiger aufgeworfenen Frage über die Anwendung der Worte. Jude und Israelit. Seine Frage ist für Deutschland, meine Antwort ist für Frankreich, kann aber auch interessiren. Am Anfang der Emanzipation wollten unsere Religionsgenossen nicht mehr Juif genannt fein! Das Wort erinnerte zu viel an das Galuth, an das Hepp-Hepp, an die rouelle, den gelben Fleck, an alten Nischuß, übrigens war das Wort im weiteren Sinne gleichbedeutend mit Wucherer, Betrüger. Israelit schien aristokratischer, vornehmer, höflicher, galanter. Kam aber die Zeit der Ueberlegung, und einsichtsvolle Jehudim haben gerathen, den Namen lulk zu Ehren zu bringen, zu rehabilitiren. Sowohl der große Cremieux als der große Zadoc Kahn haben in öffentlichen Reden gerathen, uns Juif zu nennen und dadurch zu zeigen, daß dieser Name groß und ehrbar ist, und daß wir alles Recht haben, darauf stolz zu sein, Schirrhofen, 4. Juli. Ergebenst Simon Levy, Rabbiner. * Sehr geehrte Redaktion! Nr. 27 Ihres werthen Blattes wird das Wort Schlemiel verschiedenartig gedeutet. Ich erlaube mir an dieser Stelle folgendes zu äußern: Das Wort Schlemiel stammt weder von schlimm, noch von seblv inoil ab, sondern ursprünglich von den Namen Schlumiel den Zurischadai, der in der Bibel bezeichnet ist. Bekanntlich war Schlumiel Nässt des Stammes Schimon. Dieser besaß früher 59 800 Seelen, hatte aber das Pech, so viele Mannschaften zu verlieren, daß zuletzt nur 22 000 blieben, während die anderen Stämme sich vergrößerten. S. Bamidbar, Kapitel 1, Vers 23 und Pinchas Kapitel 26, Vers 14. Daher wird Derjenige, der Pech hat, Schlemiel bezeichnet. Ergebenst Lobsens, 4. Juli. David Baumstein, Kantor. * Geehrte Redaktion! Sn Nr. 26 Ihrer Zeitung befindet sich ein Bericht des Herrn Prediger Moritz Scherbel, Gumbinnen, über den Verband , der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens. Dieser Bericht entbehrt indeß der thatsächlichen Begründung. Die Herren Schulinspektoren des Verbandes haben in Ausführung der von ihnen übernommenen ehrenamtlichen Pflichten im laufenden Geschäftsjahr 18 Religionsschulen des Verbandes geprüft; weitere Briefkasten der Redaktion. C. St. in F. Ist uns nicht bekannt. Giebt es jüdische Wohlthätigkeitsanstalten, die deutsche und ausländische Briefmarken verwerthen möchten? Wir bitten um Auskunft. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin.' .Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.