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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-16 · Heft 29 (16.7.1897) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 sie bei jeder Gelegenheit zu verrichten. So war durch „Hanna" die Lust zum Beten bei meinen Kindern (denn die andereil erhielten ebenfalls das Buch) wieder rege geworden und, der erste Schritt M Religiösität war gemacht. - * $i Einige gute jüdische Erzählungen mit historischer Grundlage wurden „Hannas" Nachfolgerinnen. Die meistens schöne poetisch^ Sprache, das Packende und Spannende der so oft tragischeid Historischen Ereignisse weckten-nach und nach das entschwundene Zvtereffe für jüdisches Wissen;: der Jndifferentismus meiner Töchted für^alles.was jüdisches'Leben betraf, war einem neuen Ausflammen der .Begeisterung für daffelbe gewichen, die wärmste Theilnahme süß unsere ewige Leidensgeschichte war aufs Neue erwacht. Kein Wundert denn die Liebe zu unserem unglücklichen Volke, welche wohl in jedem Kinde Israels unbewußt schlummert, bedarf gewiß oft nur deb geringsten Anregung, um zu neuem Leben zu erwachen. Das letzte Geschenk an meine Töchter (welche sich längst zusammen eine von bestem Erfolge begleitete Existenz gegründet haben) war nun! ein neueres jüdisches Werk, und zwar „Das jüdische Weib" von Nahida Remy, jetzt Ruth Lazarus, welche wohl keiner meiner verehrten Leserinnen, wenigstens dem Namen nach, fremd sein wird.; Es liegt mir fern, meinen Glaubensgenossinnen dieses Buch in empfehlende Erinnerung bringen zu wollen, das haben Berufenere' bereits gethan, und doch kann ich nicht umhin, zu wiederholen, was in der „Allgemeinen Zeitung des Jndenthums" früher darüber gesagtist, nämlich: Es sollte von allen unseren Frauen gelesen werden und in keiner Hausbibliothek fehlen! Meine Tochter aber schrieb mir ungefähr Folgendes über diesesjüngste Geschenk: s „Nicht das.Buch allein, über dessen herrlichen Inhalt ich eitr anderes Mal mit Dir sprechen werde, ist es. liebe Mutter, was mir so große Freude bereitete, sondern das Bewußtsein, daß die Jdee^ mit, welcher Du schon eine Reihe von Jahren uns beschenktest, sich so; schön und gut bewährt hat. Deinen Kindern ist durch dieses Thum das Verständniß für unsere große Vergangenheit, für unsere Ideale,; kurz die Liebe zum Judeuthunr erst recht gekommen, und der Vorwurf, den die hochsinnige Verfasserin des Buches „Das jüdische Weib", der Jüdin der Jetztzeit macht, trifft uns nicht; wir, Deine Kinder,, sind, stolz, dem vielgeschmähten Volke, das der Welt den Gottes-! glauben gebracht, anzugehören, wir werden zu allen Zeiten die „größte Ehre darin suchen, Juden zu sein." — J Und nun zum Schluffe nröchte ich noch erwähnen, daß es mir• fern liegt, unseren Töchtern nur jüdische Lektüre zu empfehlen; nein/) die großen Dichter aller Zeiten und aller Länder sollten nach Möglichkeit ihr geistiges Eigenthum werden, aber unter diesen sollten ebendie Erzeugnisse jüdischer Litteratnr in erster Reihe zu finden sein.- Auf unserem Bücherbrett befinden sich Schiller und Lessing in schönster Harmonie mit Bibel und jüdischer Geschichte, Supermanns „Heimath" und Bernsteins „Vögele der Maggid" sind unzertrennliche, Nachbarinnen. Je ein Exemplar der „Allgemeinen Zeitung des. Judenthums." und von „Ueber Land und Meer" halten den Einzug in unsere Wohnung stets gemeinschaftlich. Aber die jetzige, leider so viel verbreitete Sitte, in einem jüdischen Hause eher alles andere als ein jüdisches Werk, eine jüdische Erzählung zu finden, sollten unsere Mütter durch das Schenken solcher an ihre Töchter umzugestalten? suchen. Selten, dessen bin ich überzeugt, wird ein junges Mädchen sa^ pietätlos sein, das Geschenk der Mutter unbeachtet .zu lassen, Jede wird es lesen und achten, und aus. Achtung erwächst ja gewöhnlich die Liebe. Um nun auch jedem etwaigen Mißverständnisse vorzubengen, möchte ich . nicht unerwähnt lassen, haß mich bei dem Bestreben, > unsere Jugend wieder -mehr der Religion und dem Interesse für Jüdenthum zuzuführen, durchaus Mne nationalen Hintergedanken leiteten. Nein, Israel braucht keineri Staat, keine Nationzu bilden, Israel braucht nur seine Ideale und seinen Gott, mit deren Hilfe es doch noch, trotzdem und alledem, das Menschengeschlecht einigen wird. - Wir aber, wir sind Deutsche, treue Unterthanen unseres Kaisers, was uns aber nicht hindern soll, treue Juden zu sein. Als Bestätigung dieser Worte möchte ich noch die Widmung, welche ich in das „jüdische Weib" neben das Titelblatt schrieb, hier citiren. Sie lautet : Deutsch sei dein Streben, deutsch dein Sinn Und Deutschlands Glück dir Hochgewinn, Bei deutscher Art doch sei und bleib Das glaubenstreue jüdische Weib. E. G. ■ Gdle Frauen. Bon M. Friedeberg. nf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee ist mit einer entsprechenden Feierlichkeit ein Gedenkstein, den verschiedene Berliner Wohlthätigkeitsvereine der durch ihre menschenfreundliche Thätigkeit bekannten Frau Agnes.Blumenfeld errichtet haben, enthüllt worden. Der reich mit Rosen, Palmen und Lorbeer geschmückte Grabstein zeigt auf einer Seite den Spruch: „Wer Liebe säet, erntet Liebe" und ans der Vorderseite die Widmung: „Der Gründerin und Vorsitzenden des Vereins zur Speisung armer Kinder und Nothleideuder, Frau Agnes Blumenfeld, in dankbarer Erinnerung der Vorstand'Und das Komitee des Vereins", darunter: „Der Verein der Volks kindergärten". Nachdem sich die zahlreichen Deputationen, welche Kränze auf dem Blumenfeld'schen Erbbegräbnis niedergelegt, entfernt hatten, wanderte ich noch eine Weile an der Nordwcmd des Friedhofes entlang und bemerkte eine Reihe von sinnreichen, gemütvollen Grabschriften an den Gräbern edler Frauen, die hier von ihrer Erdenwanderung ausruhen. Am häufigsten findet sich natürlich jene unsterbliche Hymne auf das biedere Frauenherz „Esches chajil“, Sprüche Salonn K. '31, V. 10, 11, 26, 29: „Sie streckte ihre Hand den Armen hin und reichte sie den Dürftigen, ihren Mund öffnete sie mit Weisheit, und holdselige Lehre war auf ihren Zügen." An dem Grabe von Henriette Ebers lesen wir: „Harte Prüfungen waren die steten. Begleiter ihres schwer bewegten Lebens, das sie mit Selbstverleugnung der leidenden Menschheit als unermüdete Wohlthäterin weihte." Von dem steten Lieben und Entsagen edler Frauenherzen, die im Wohlthun ihr Lebensglück suchten, von den naschim zidkanioth kündet hier so niancher Grabhügel. Blaue Blumen sprießen auf dem noch frischen Grabe des Justizraths Makower, daneben liegt der weiße Sarkophag, der die sterbliche Hülle von Doris Makower, geb. Ball, birgt. Unweit, ebenfalls in der Ehrenreihe, ragt der Grabstein hervor, dessen Inschrift lautet: Sarah Reichenheim, geb. Prins, geb. in ..Amsterdam, 8. Mai 1815, gest. 26. August 1881. „Sie war der Hort und .Schirm ihrer Familie, die Stütze und Trösterin der Armen und die Mutter hilfloser Waisen." Ueber die Einfriedung des Beth Olam, dieses „Hauses der Ewigkeit", grüßt der Davidsstern auf dem rothen Giebel des nahen Baruch Auerbach'schen. Waisenhauses, an der anderen Seite steht die imposante Front der Mannheimer'schen Altersversorgungsanstalt. Fürwahr, so lange in unserer Mitte noch so gegeben wird, wie es hier die Steine künden, so lange kann man auch sagen: „Iio almon Jissroeh‘. Es ist auch keine leere.Ruhmredigkeit, die hier die Inschriften, predigen, die freist' ke zu K do kli Fi be dil Bi de au Ki de! Vi mj „i de Li ri< gr 1 d sich sen bei wel De ©d übt

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