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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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26 Anstalten vertheilt. Das Ministerialreskript vom 1. Februar 1873 bezüglich der rituellen.Beköstigung ist so außer Kraft gesetzt. Da .durch die Vertheilung außerdem die Seelsorge erschwert wird, beabsichtigt ein Theil der Rabbiner Preußens, an das Ministerium eine Petition um Aufhebung des Erlasses zu richten. — Die in der letzten Nummer der Allg. Zeitung des Judenthums gebrachte Mittheilung von der Abdankung Pros. Rosenthals in Erlangen ist nicht richtig. ' Allerdings trug sich Prof. Rosenthal mit dem Gedanken, sein Amt niederzulegen. Jetzt aber, wo die Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung wegen Gotteslästerung eingeleitet hat, würde nach der Meinung Prof. Rosenthals das Aufgeben des Amtes feige Fahnenflucht und stillschweigendes Eingeständniß seiner Schuld bedeuten. 0. Sondershausen, 6. Juli. Ein Antrag des Abg. Kortum und Genossen, daß beim Schlachten aller Thiere, mit Ausnahme des Federviehs, der Blutentziehung die Betäubung vorausgehen muß, kam im Landtag zur Verhandlung. Der Antragsteller verwahrte sich dagegen, daß sein Antrag antisemitischer Tendenz sei, doch sei es selbstverständlich, daß die Schächtfrage mit erörtert werden müsse. Während von diesen Seiten Autoritäten angeführt werden, die sich für das Schächtverbot aussprechen, wird von der Negierung der von Birchow und Pettenkofer vertretene gegentheilige Standpunkt ins Feld geführt. Der Antragsteller bemerkt weiter, daß es nicht richtig sei, religiöse Bedenken für das Schächten anzuführen, da in den Büchern Mosis auch nicht eine Stelle enthalten sei, welche das Schächten vorschreibe. Uebrigens geschähen täglich Verstöße, besonders von Reisenden, die Fleisch von ungeschächteten Thieren äßen. Wenn das Königreich Sachsen ein Verbot erlassen könnte, so könne es jeder andere Bundesstaat auch. Abg. Toelle hielt das Betäuben der Thiere vor dem Schlachten wünschenswerth, bedauerlich sei, daß im Verlause der Ausführungen des Antragstellers die antisemitische Tendenz des Antrags hervorgetreten sei, die jüdischen Mitbürger hätten zu fordern, daß man ihr Gewissen nicht bedränge. Geh. Staatsrath Drechsler giebt die Versicherung, daß der Polizei Instruktion ertheilt werden würde, jede zur Kenntniß gelangte Rohheit beim Schlachten zur Anzeige zu bringen. Die Frage, welche Art der Schlachtung für die Thiere am schmerzlosesten sei, sei noch nicht geklärt; da die Sache auch den Reichstag beschäftige, möge man das Resultat abwarten. Es wird schließlich ein Antrag der Deputation, die Staatsrögierung zu ersuchen, durch geeignete Polizeimaßregeln der Thierquälerei beim Schlachten entgegenzutreten, angenommen. ,o. Siegen i. Westfalen, 5. Juli. Am 28. v. M. wurde Herr Lehrer S. Grünwald als Nachfolger des nach Steele versetzten Herrn Lilienfels feierlich als Lehrer an der hiesigen staatlichen Schule in sein Amt eingeführt und von dem Bürgermeister Delius in Gegenwart des Schulvorstandes und der Schulkinder vereidigt. Nach Beendigung dieses Aktes sprach der Herr Bürgermeister über die Pflichten des Lehrers und die Aufgabe der Schule und wünschte der Arbeit des Lehrers einen glücklichen Erfolg. Herr Grünwald sagte darauf für diesen freundlichen Wunsch herzlichen Dank und versicherte, all seine Kräfte seinem Berufe zu widmen, zur gewissenhaften Erfüllung seiner Amtspflichten. — Zum Schluffe erbat er sich das gütige Interesse der Vorgesetzten Behörde, unter der Begründung, daß die Arbeit des Lehrers am besten gedeihe, wenn er ein solches Interesse über sich wisse, worauf der Herr Bürgermeister ihn desselben lebhaft versicherte. (D Frankfurt a. M., 28. Juni. Der Verein Lemaan Zion (Palästinensischer Hilfsverein) hielt gestern dahier unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Heinemann seine Generalversammlung ab. In der Berichtsperiode, 1893 -1896, behandelte der Vereinsarzt in Jerusalem ca. 52 000 Kranke, in der. Sprechstunde und machte ca. 8000 Krankenbesuche. Die Kosten für den Arzt und die-Apotheke beliefen sich auf 53 500 Fr., wovon 30 250 Fr. wieder eingingen. An 125 Personen wurden Darlehen in Höhe von, 10 320 Fr. gegeben; die Rückzahlungen beliefen sich in diesem Zeitraum, auf 9155 Fr. Für kleine Unterstützungen wurden 1475 Fr. ausgegeben und jungen Leuten zur Ausbildung in Europa 1860 Fr. gewährt. In Posten von 40 und 60 Fr. wurden Lehrgelder für. Handwerkslehrlinge in Höhe von 3800 Fr. bewilligt. Dem arabischen Unterricht in der Talmud-Thora der Sephardim und der Moghrabim in Jerusalem sowie in Hebron waren 3270 Fr. gewidmet. Für den Unterhalt von Lehrer und Schächter in Ramleh, Schochan und Lud sowie für Errichtung und Erhaltung der Gemeinde- Institutionen daselbst wurden 3800 Fr. ausgegeben. Zur Unterstützung des-Arztes in Gaza dienten 125 Fr., des Arztes in . Hebron 375 Fr., des Arztes in Liberias 200 Fr. Dem Krankenhilfsverein Linath.Zedek in Jerusalem wurden Instrumente im Werthe von 368 Fr. gesandt.. Während der Winter wurden den Unbemittelten Kohlen unter dem Einkaufspreis überlassen, was 500 Fr. Kosten verursachte. Den Handwerkslehrlingen in Jerusalem und Hebron wurde Thora-Unterricht ertheilt und hierfür 1175 Fr. bezahlt. Im Ganzen betrugen die Ausgaben 63 700 Fr. Seit Bestehen des Vereins bis Ende 1895 sind von den Darlehen infolge Todes oder Auswanderung der Schuldner nur 2150 Fr. verloren gegangen. — Die turnusmäßig ausscheidenden Verwaltungsräthe Rabbiner Dr. Hildesheimer-Berlin, Dr. Heinemann, Alfred Geiger, Wilh. Posen, Hermann Cramer-Frankfurt, Emanuel Baumgarten-Wien und Sir Samuel Montage Bart-London wurden auf 9 Jahre wieder¬ und statt des ausgetretenen Benjamin Feuchtwanger-Fürth Sally Goldschrnidt-Frankfurt neu gewählt. Einige andere durch Tod und Austritt entstandene Lücken wurden durch die Wahl der Herren Rabbiner Dr. Stein- Schweinfurt, Rabbiner Dr. Cohn-Ansbach, Rabbiner Dr. Cohn-Jchenhausen, Sigm. Fränkel-München, Herm. S. Cramer-Fürth und M. Goldberg-Karlsruhe ergänzt. H Aus der Pfalz, 3O.Juni. Der neue Regierungs-Präsident, Freiherr v. Welver, der sein neues Amt angetreten, hat gelegentlich seines Besuches der ihm nun unterstellten Provinz es sich nicht nehmen lassen, überall, wo in den jüdischen Gemeinden eine sehenswerthe Synagoge sich befindet, dieselbe zu besichtigen. So berichtet die „Pfälz. Presse":. „In der Synagoge zu Kaiserslautern wurde der Herr Reg.-Präsident am Portal vom Bez.-Rabbiner Dr. Landsberg und dem Synagogen-Ausschusse feierlichst empfangen. Der Herr Rabbiner begrüßte den hohen Gast mit den Worten: „Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn" — als der Vertreter Sr. König!. Hoheit in der Pfalz, und schloß mit Worten des Segens für den Letzteren. Der Herr Rabbiner geleitete dm hohen Gast in die Synagoge, die derselbe mit lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Besonders machte die erleuchtete „heilige Lade" einen tiefen Eindruck auf ihn. Mit wiederholten Dankesworten empfahl sich der Herr Regierungs-Präsident von dem Herrn Rabbiner und den Herren des Ausschusses." Es versieht sich, daß bei der offiziellen Beamtenvorstellung auch die Rabbiner der Pfalz alle beordert waren. Wir registriren diesen Umstand, um die Stellung der Rabbiner in der Pfalz und in Baiern zu charakterisiren. K. Fritzlar, 2. Juli. Am 30. v. M. fand hier die Einweihung der neu erbauten Synagoge statt. Schon früh hatte sich eine sehr große Anzahl Fremder eingefunden, um an der Feier theilzunehmen. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Prager aus- Kassel einige Abschiedsworte in der alten Synagoge gesprochen, fand um 1 Uhr der Festzug statt. Unter dem Vorantritt des Musik- und Synagogenchores bewegte sich der Zug mit den Thorarollen durch die mit Flaggen, Guirlanden und Tannenbäumen geschmückten Straßen nach der neuen Synagoge. Die ganze Stadt hatte Guirlanden und Flaggenschmuck angelegt, ein Beweis, welche Eintracht zwischen den verschiedenen Konfessionen hier herrscht. In der nmen Synagoge angelangt, hielt Herr Landrabbiner Dr. Prager eine meisterhafte Weiherede, in welcher er aus die Bestimmung des Gotteshauses hinwies. Auf jämmtliche Theilnehmer machte die Rede einen tiefen Eindruck. Nachmittags fand ein Mahl statt, an welchem außer einer Anzahl von Gemeinde-Mitgliedern der Bürgermeister, der Stadtrath u. v. A. theilnahmen. Der Herr Regierungspräsident Graf Clairon de Houssonville, welcher sein Erscheinen zugesagt hatte, mußte in letzter Stunde wegen dienstlicher Verhinderung abtelegraphiren. Den Schluß des Festes bildete ein Festball, welcher die Theilnehmer bis zum frühen Morgen vereinigte. Orstrrrrich-Ungarn. L^Wien, 5. Juli. Die Hoffnung, daß Dr. Lueger als Bürgermeister von Wien auf seine agitatorischen Bestrebungen verzichten werde, hat sich nicht erfüllt, im Gegentheil: es wird weiter agitirt; so kam Lueger auch nach Preßburg, wo er sich aber keines sehr freundlichen Willkommens zu erfreuen hatte, was er aber in seiner bekannt witzigen Manier damit motivirte, daß er sich in die Judengasse verirrte. Das verschlägt ihm aber nichts, er hofft dennoch, einst die Ungarn zu gewinnen; man sieht, Dr. Lueger hofft auf eine lange Lebensdauer. — Z L

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