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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Jahrgang, «r. 28. '^j£X ß«l{«. S. Luli 1897. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Nrutschlltn-. k'. Berlin, 7. Juli. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 26. Juni unter ihrem Vorsitzenden, Herrn Rektor Dr. Adler, eine Sitzung ab. Nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes und Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Diskussion der von Herrn Kollegen Auerbach aufgestellten Thesen über die allgemeine Volksschule fortgesetzt. Dieselbe war eine so umfassende und anregende, daß sie auch in dieser Sitzung noch nicht zu Ende geführt werden konnte. Mit Zustimmung des Referenten wurde um Mitternacht der Abschluß der Debatte auf eine der kommenden Sitzungen vertagt, und muß bis nach derselben der Abdruck der Thesen zurückgestellt werden. — Ein sehr angeregter Meinungsaustausch entstand, als dann noch über die Themata gesprochen wurde, die voraussichtlich im Laufe des Winters zur Verhandlung gelangen werden. — Die. lebhafte Betheiligung an der Diskussion bewies den regen Eifer der zahlreich zur Versammlung erschienenen Mitglieder. — Die Vereinigung tritt jetzt ihre Ferien an; die Mitglieder werden am 15. August einen gemeinschaftlichen Sommerausflug unternehmen und am 21. August in einer außerordentlichen Generalversammlung über die vom Vorstand vorgeschlagene Aenderung der Statuten berathen. — Für den 4. September ist alsdann die nächste ordentliche Sitzung in Aussicht genommen. L2 Berlin, 6. Juli.' Die von dem verstorbenen Geheimen Kömmerzienrath Gerson v. Bleichröder testamentarisch angeordnete, mit einem Kapital von einer Million Mark dotirte milde Stiftung, welche zu Ehren seines Vaters den Namen Samuel Bleichröder- Stiftung führen soll, ist nun endlich ins Leben getreten. In diesen Tagen ist den Testaments-Vollstreckern der Erlaß des Königs vom 12. Mai d. I. zugestellt worden, wonach der Stiftung die Genehmigung ertheilt und derselben auf Grund des Statuts vom 28. November 1896 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Zweck der Stiftung ist: bedürftigen, lungenkranken Personen, die nicht als unheilbar zu erachten sind, ärztliche Behandlung und Pflege in einem eigenen Krankenhause unentgeltlich zu gewähren. Die Zulassung geeigneter Kranker ist weder' durch Alter, Geschlecht noch religiöses Bekenntniß beschränkt. Das Krankenhaus soll allen Anforderungen der Wissenschaft und Erfahrung entsprechend eingerichtet und mustergiltig erhalten werden. Es wird zunächst für 20 Betten bestimmt. Zur Durchführung der Stiftungszwecke haben die Testamentsvollstrecker bereits im Mai 1896 mit dem Berlin-Brandenburger Heilstättenverein für Lungenkranke über die Erbauung und Versorgung des Krankenhauses eine Vereinbarung getroffen, die auch dem Vereine die erste Gelegenheit bietet, eigene Thätigkeit zu entfalten und seine eigenen Aufgaben zu erfüllen. Das Bleichröder-Krankenhaus soll mit Einrichtungen des Vereins räumlich und innerlich derart verbunden sein, daß der Verein die vollständige Verwaltung des Hauses übernehmen kann. Er hat die ärztliche Behandlung und Verpflegung der Kranken zu versehen,, alle Bedürfnisse der Letzteren zu erfüllen und das Personal von Aerzten, Hilfsbeamten, Dienern re. zu stellen und zu kontroliren. Die Behandlung der Kranken soll nach zuverlässigen Erfahrungen der Wissenschaft geschehen und das Krankenhaus von dem Verein als ein Musterinstitut erhalten bleiben.' Als Vergütung zahlt das Kuratorium an den Verein einen jährlichen Beitrag zu den Generalunkosten von 12 000 Mark und für jeden Kranken und jeden Verpflegungstag drei Mark und höchstens 18 000 Mark, wofür bis zu 6600 Verpflegungstage zu gewähren sind. Der Heilstättenverein hat unter Zustimmung der Testamentsvollstrecker ein größeres, schön und gesund gelegenes Waldareal bei der Stadt Belzig erworben, von welchem der Bleichröder-Stiftung ein erheblicher Antheil eigenthümlich überlassen ist. Dort baut das Kuratorium der Samuel Bleichröder- Stiftung-das Krankenhaus selbständig und auf eigene Kosten, und soll sich daran die Errichtung der dem Verein nothwendigen Baulichkeiten anschließen. A. B. Memel, 5. Juli. Die Ausweisung ausländischer Juden aus unserer Stadt dauert noch immer fort und nimmt immer strengere Formen an. In letzter Zeit sind wieder einige Personen in Haft genommen worden. Die Seelenzahl der Ausgewiesenen ist eine bedeutende, darunter auch kränkliche und schwächliche Personen, Greise, von Alter und Schwäche gebeugt, die ohne Gefahr, für ihre Gesundheit die Beschwernisse einer Auswanderung kaum zu ertragen im Stande sein dürften, sowie Männer mit sehr zahlreicher Familie. Im Ganzen haben jetzt 23 Familien mit insgesammt 106 Personen Ausweisungsbefehl erhalten. Man hört von den Unglücklichen nur die eine Frage und Klage: „Wo sollen wir hin und wie uns in einer so kurzen Frist eine neue Heimath gründen V‘ Gewiß wäre es für die Betreffenden viel besser gewesen, wenn ihnen von vornherein ihre Niederlassung an hiesigem Orte überhaupt nicht gestattet worden wäre. Nachdem nun diese Leute hier gastfreundlich ausgenommen, und so viele Jahre hindurch geduldet wurden, sich hier eingelebt und eingebürgert, sogar mit inländischen Personen ehelich verbunden haben, sollen dieselben nun mit einem Male sich ein neues Heim suchen, während sie durch ihren vieljährigen Aufenthalt auf diesseitigem Boden wohl längst ihre Heimathsberechtigung im Auslande verloren haben dürften. Kaum wissen wir, welches eigentlich die Ursache dieser verhängnißvollen Maßregel für die Bedauernswerthen gewesen sein mochte. Soviel uns bekannt, sind die Gemaßregelten übrigens fleißige und ruhige Leute, die sich und deren Angehörige auf redliche Weise zu ernähren bestrebt waren und auch der Armenpflege keineswegs zur Last gefallen sind. Vielmehr hätten dieselben nicht unerhebliche Abgaben und Steuern gezahlt sowie nicht minder auch der hiesigen Bürgerschaft beträchtliche Einnahmen und Einkünste zugeführt, durch Deckung ihres Bedarfs an Lebens- und Nahrungsmitteln, Wohnungen u. s. w. Ohne Zweifel dürfte darum diese Maßregel auch für unsere Stadt von großem Schaden sein, insofern, als die Grundstücke noch mehr entwerthet, das Geschäft erheblich gestört und der hiesige Ort eine Anzahl Steuerzahler verlieren würde. So sehr wir von rein gesetzlichem Standpunkte diese Maßregel an sich billigen müssen, so möchten wir gleichwohl nur wünschen, daß diese Angelegenheit endlich eine günstige Wendung nehmen möge. T. Löbau i. Westpr., 4. Juli. Am 24. v. Mts. feierte unsere Gemeinde das 25jähr. Vorsteher-Jubiläum ihres ersten Vorstehers, Herrn E rnst M ichaelis. Eine Deputation, bestehend aus den beiden Vorstandsmitgliedern und dem Vorsitzenden des Repräsentanten-Kollegiums, überreichte dem Jubilar eine künstlerisch ausgeführte Adresse, zahlreiche Glückwünsche von Nah und Fern trafen zur Feier des Tages ein, und der Abend vereinigte eine große Zahl der Gemeindemitglieder zu einem solennen Festessen im Saale des Lilienthalschen Etablissements. Gleich bei seinem Eintritt wurde der Jubilar von einem seitens des ältesten Repräsentanten, Herrn Moses Hirschfeld, ausgebrachten Hoch begrüßt, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Die Festrede hielt der Repräsentantenvorsitzende, der königliche Kreisphysikus Herr Sanitätsrath Dr. Wolfs. In einer wohlgesetzten Ansprache feierte der Redner die Verdienste und edlen Eigenschaften des Jubilars, hob hervor, wie es auch in der Adresse zum Ausdruck kam, daß dessen verdienstliches und segensreiches Wirken neben einer geradezu idealen Wohlthätigkeitspflege sich nicht allein auf äußere schätzbare Einrichtungen beschränkte, wie die vielfach aus eigenen Mitteln bestrittene Ausschmückung unseres Gotteshauses, seiner Umgebung und des Friedhofes, sondern daß er, ohne die religiösen Gefühle der Alten zu verletzen, es auch.verstanden hat, den Gottesdienst in fortschrittliche, würdige Bahnen zu lenken. In den nun folgenden Reden feierte Herr Kantor Gorodiski den ernsten, aber auch stets nachsichtigen und wohlgesinnten Vorgesetzten, und Herr Kaufmann Heinrich Cohn brachte eine von ihm verfaßte, wohlgelungene poetische Gäbe. Herr Salomon Goldstandt toastete auf die Gattin des Jubilars,

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