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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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Sprertzfaat. Hochgeehrter Herr Redakteurs ~ * gestatten Sie mir folgende Bemerkungen: 1. „Feibisch" dürfte doch eher von tpoißoq (leuchtend), abgeleitet werden als von Fabius. Für diese Erklärung spricht schon der Umstand, daß sämmtliche Träger des Namens „Feibisch" (Feibel, Feisel u. s.w.) den hebräischen Namen tfjmy (Licht) führen. (WW persischen Ursprungs, bedeutet eigentlich Ampel.) 2. Die Etymologie von „Kaulisch" - ^3 scheint wenig für sich zu haben. Hier zu Lande spricht man „Kauletsch", aus. 3. Der Ableitung des Wortes „Schlemihl" vom deutschen „schlimm" — so weit ich mich erinnere, macht bereits Tendlau einen ähnlichen Versuch — dürfte immer noch die von dem Namen biOteblP vorgezogen werden. Die Erklärung hierzu findet sich in Heines „Jehuda ben Halevy". Nachdem daselbst der biblische Bericht über die Tödtung des Simri durch Pinchas angeführt, heißt es weiter: Aber mündlich überliefert Sondern, daß der Blinderzürnte 3 Hat im Volke sich die Sage, Statt des Sünders unversehens Daß es nicht der Simri war. Einen ganz Unschuldigen traf. Den des Pinchas Speer getroffen. Den Schlemihl den Zuri Schedday- Unter „Sage" bei Heine ist gewiß der Midrasch zu verstehen. Allerdings sagt der Midrasch, daß der eigentliche Name des Simri geweftn sei, aber weiter nichts. Vielleicht weiß einer der Herr Kollegen Näheres über die Quelle der Heineschen „Sage" anzugeben. 4. Schlim-Massel. Dieses Wort ist wahrscheinlich nicht als eine Zusammensetzung vom deutschen „schlimm" und dem hebräischen zu erklären, sondern — Beweis dafür könnte die Aussprache Schlamassel oder Schlemassel sein. Lauterberg i. E.. 20. Juni. Dr. I. Levy, Rabbiner,, * Hochgeehrter Herr Redakteur.' ^^err S. Dubowsky in Berlin war so freundlich, in Nr. 25 dieser (vfjö Zeitung wider Willen meine auf die „Jüdischen Melodien" gemachten Aeußerungen zu bestätigen. — Er ist zwar in einem Ton des Mißbehagens der, Meinung, daß ich mich im Jrrthum befinde, alleineinen Beweis hierfür hat Herr Dubowsky nicht erbracht. - Also, meine■ auf Forschung und Geschichte fußenden Darlegungen bleiben vollständig aufrecht erhalten. — Ich habe in meinem Aufsatz u. a. betont, daß diejenigen polnischen Kantoren in Deutschland, welche sich unterziehen, unsere echt traditionellen, altehrwürdigen Weisen zu erlernen und zu kultiviren, willkommen sind, wiewohl sie sich schwer amalgamiren und nicht selten bei ihnen manch' anstößige Eigenheiten im Benehmen, sowie sangliche Unarten mit in den Kauf zu nehmen sind. — Es liegt mir fern, ein persönliches Animo gegen den gebildeten Slaven zu haben, und weiß ich sehr wohl, daß hinsichtlich des ehrlichen Charakters und der Biederkeit man ebenso gutwerthige wie minderwerthige auf allen Seiten findet, und namentlich unter den Deutschen auch nicht lauter Engel vorhanden sind. — Allein was Chasonos anbelangt, vermag der in unserer Liturgie unbewanderte Pole nicht zu urtheilen, und ist es kühn, von jener Seite,, über „altjüdische" Melodien zu sprechen, die vielleicht das Dowidle, der Eifik, der Schmul und der Boruch re. erfunden haben. Daß die dortigen Kantoren „anderem Geschmack und anderen Anforderungen zu entsprechen haben, als wir hierorts," glaube ich sehr gern. .Ich aber stelle nach jeder Richtung hin die höchsten Ansprüche an einen gebildeten Kantor sowohl in stimmlicher, sanglicher, wissenschaftlicher als gesellschaftlicher Beziehung. Diese Kardinaltugenden eines vollendeten; Kultusbeamten resp. Kantors, die geeignet sind, unfern Stand zu heben r und ihm Hochachtung, abzugewinnen, sind bei den aus dem Norden-und Osten hierherkommenden nur selten zu beobachten. Man müßte es als eine höchst bedauernswerthe Erscheinung bezeichnen, wenn, wie Herr Dubowsky behauptet, 99 pCt. der jetzt in Deutschland existirenden Kantoren slavischen Ursprungs seien. So schlimm ist es aber noch nicht . und wird es auch nicht werden, wenn das deutsche Judenthum aus . seiner kulturellen Indifferenz erwacht und auf die tüchtigen, .gutdeutschen Kantoren aus der Vorhälfte und Mitte dieses Jahrhunderts r — worunter ich auch Sulzer rechne — zurückblickt. — Wenn Herr D. meint: „Die ganze Angelegenheit ist mit ein Beweis dafür, wie sehr - Recht Herr Professor Steinthal hat, daß es höchste Zeit ist, diese Melodien zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen," so stellt er die Sache geradezu auf den Kopf.- — Diese Erörterungen beweisen im Gegentheil, daß es in fraglicher Hinsicht noch sehr der Klärung bedarf. Nürnberg, 24. Juni 1897. M. Rosenhaupt, Oberkantor der ifr. Kultusgemeinde Nürnberg. Geehrter Herr Doktor! fu dem heutigen Artikel „Robert Koch und der Talmud" unter MisceÜen der Zeitung des Judenthums bemerke ich ganz ergebenst, daß die^ talmudische Jmmunisirung des Menschen gegen Hundswuth durch den Genuß der Leber eines tollwuthigen Thieres noch Heutzutage praktisch geübt wird, und zwar nach einer Mittheilung der „Daily News" in der irländischen Grafschaft Cork. Der Irländer (ein Gegner des Maulkorbzwangs) heißt es da: leaves the matter to „the Will 0' God‘, and consoles himself with the reflection that if he is bitten he can avert evil consequences by eating the liver of the dog that bit.him (vertraut auf den Willen Gottes und tröstet sich mit dem Gedanken, daß er die üblen Folgen eines Hundebisses abwenden kann durch den Genuß der Leber des hundswuthigen Thieres). Berlins 1. Juli 1897. , Ihr hochachtungsvoll ergebener Dr. Benno Holz. <&u dem Vorschlag des Herrn Dubowski, Kantor der Adaß-Jsroel- Gemeinde Hierselbst, möchte ich mir erlauben, einige Erläuterungen zu geben. Herr D. will einen Verein gründen nach Art des Mekizze nirdomim, den die jüdischen Gelehrten aller Länder zur Erhaltung der hebräischen Sprache gegründet haben. Ein solcher Verein soll zur Veröffentlichung altjüdischer Gesänge und zur Erweckung altjüdischer Musik dienen; derselbe verfehlt aber sicherlich seinen Zweck, wenn er sich nur auf Deutschland erstreckt, nicht aber auf alle Länder der Welt, wo Juden zu finden sind. Nur erst dann kann der Verein einen Schatz altjüdischer Musik hervorbringen. Es ist einem Jeden bekannt, daß in Deutschland allein schon die Liturgie-Gesänge sehr verschieden sind. So weichen vor Allem die süddeutschen Liturgien von den norddeutschen vielfach ab, doch sind beide aus uralter Zeit überliefert und in Bezug auf ihren musikalischen Gehalt von hohem Werth. Ebenso sind in Frankreich, England, Schweden, Oesterreich - Ungarn, Rußland, Portugal und Italien und weiter auch im Orient vorzügliche Gesänge anzutreffen, die aber von einander völlig abweichen. Was die zu wählende Sachverständigen-Kommission anbetrifft, die sich aus jüdischen und nichtjüdischen Musikgelehrten und Forschern aller Länder zusammensetzen soll, so würde das doch eine äußerst schwierige Aufgabe sein, denn wohl nicht in allen Ländern sind solche Sachverständigen zu finden. Die Kantoren allein sind hierzu nicht geeignet, da sie nur zu leicht geneigt sind, die moderne weltliche Musik der antiken vorzuziehen. Zur Bestreitung der Unkosten müßten alle Gemeinden ohne Ausnahme das Ihrige beitragen. Haben wir nicht ein Gebot, den Gottesdienst mit Gesang und Musik zu verherrlichen? Auch wäre es sicherlich eine dankenswerthe Beschäftigung aller jüdischen Litteratur- und Gesangvereine, die altjüdische Musik zu pflegen. Der Einzelne als solcher wird wohl kaum im Stande sein, im Interesse dieser guten Sache zu wirken, einmal, weil er nicht oie erforderlichen Geldmittel hierauf verwenden kann, dann aber auch, weil ihm die nöthige musikalische Ausbildung fehlt, um die alte Musik in ihrer ganzen Bedeutung zu erfassen. Zum Schluffe wollte ich nochmals wiederholen, daß die altjüdischen Liturgien überall vorzüglich sind, wenn sie auch starke Abweichungen von einander zeigen. Mögen die Herren Kantoren aufhören mit gegenseitigem Tadeln und Kritisiren, denn das kann nur der Sache schaden; mögen sie lieber ihre Kraft dazu vereinigen, dahin zu wirken, daß die Vorsteher aller Gemeinden und Vereine sich dieser Sache annehmen! Berlin, im Juli. X. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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