Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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—— 334 —— wirklichen Gehilfen; aber alles, was sie verdiente, ging auf ihre Festtagskleider auf, die sie auf jeden Fall bekommen haben würde. Da sie dies nicht wußte, war sie froh, die hübschen Kleider zu verdienen, die sie liebte, und das Geschwätz ihrer Mutter machte'sie weniger ungeduldig, wenn Flatterentchen ihr in die Ohren sang, wie hübsch sie darin aussehe. Ach, es steht zu befürchten, daß Ludwig Recht hatte : Flatterentchen war wirklich ein Hohlkopf. Die Jahre, die Flatterentchen Wohlstand brachten, die sie von der persönlichen Theilnahme-am Nähen befreiten und Rahel das eigene, kleine Schlafzimmer bescheerten, brachten keine Weisheit mit. Als Flatterentchens Seligkeit in einem Dienstmädchen gipfelte (wenn es auch außer'Hause schlief), da war sie wie ein Kind, das einen Hampelmann bekommt. Sie ertheilte der Magd Befehle, blos um zu sehen, wie sie Arme und Beine bewegte. Sie blieb auch des Morgens lange im Bette liegen, um sich an dem Anblick zu weiden, wie das Faktotum den Frühstückskaffee kochte, veil sie so lange Jahre für die Gehilfen hatte bereiten müssen. Wie süß schlug der Duft der Cichorie an ihre Nase! Anfangs erhob ihr Gatte Einwände. „Es ist nicht schön," sagte er, „Du mußt aufstehen, ehe die Gehilfen kommen." ' -- Flatterentchen wurde roth vor Aerger. „Wenn ich bin eine Frau, bül ich eine Frau." sagte sie würdevoll. Das wurde eine ihrer Redensarten. Wenn das Dienstmädchen unverschämt lvurde, wie es unter Flatterentchens aufmunternder Vertraulichkeit leicht geschah, nahm Flatterentchen ihre Würde mit einem Ruck wieder auf. „Wenn ich bin eine Frau, bin ich eine Frau," sagte sie, indem sie ihren faselichen Kopf hochmüthig zurückwarf. (Forts, folgt.) Meder Glück noch Ktern. Novelle von O. Bach. IV. waren Wochen, Monate nach diesem Abend vergangen. Das Werk des jungen Philosophen hatte in den gelehrten Kreisen Aufsehen gemacht; man war aufmerksam auf ihll geworden, und die vereiilzelten Stimmeil, die sich unfreundlich über sein Erstlingswerk aussprachen, wurden erdrückt durch die vieleil ehrenden Urtheile, die über dasselbe laut wurden. Materiellen Erfolg hatte ihm das Erscheinen des Buches nur insofern gebracht, als lilan ihn zur Mitarbeiterschaft verschiedener gelehrter Zeitschriften aufforderte, wodurch sein Name mehr und mehr in den maßgebenden Kreisen genannt wurde. Die vielen neuen und großen Gedanken, welche in dem Werke niedergelegt warell, führten zu einer lebhaften Diskussion in verschiedenen Blättern. Die Person des Autors blieb noch im Hintergründe, bis dann eine Einladung einer Autorität in der'Gelehrtenwelt den schüchternen jungen Mann aus seiner engen Klause, in der er ein ärmliches Dasein führte, herauslockte. Sie wirkte wie eine Explosion auf unseren Freund, der viel zu wenig gesellschaftliche Routine hatte, um sich auf dem glänzenden Parket eines Saloils bewegen zu könneil. Allßer der nicht galiz unmotivirten Furcht, der Eindruck, deil sein äußerer Mensch hervorzubringen im Stande sei, könne sich nicht mit dem Eindruck decken, den seine geistige Arbeit gemacht, quälten' ihn noch andere Sorgen, Sorgen, die ihm ehemals kleinlich, läppisch erschienen waren, die ihm aber von Seiten seiner Freundinnen als sehr wichtig geschildert worden waren.! „Glauben Sie ja nicht/ daß' man jetzt'noch in unserem hypereleganten Zeitalter von Aeußerlichkeiten abstrahirt," hätte Frau Milde gewarnt. „Der erste Eindruck ist der entscheidende. Wie Ihr Werk Ihnen Ehre macht, so müssen auch Sie Ihrem Werke Ehre machen, und da hilft es eben nichts, da heißt es, einen tüchtigen Schneider zu Rathe zu ziehen." „Sie lachen, Sie spotten," fuhr sie ungeduldig fort, als ihr Klein das. Lächerliche dieser Denkungsart klar zu machen gesucht, „da hilft Ihnen alles nichts. Wollen Sie einen Erfolg haben, so müssen Sie festen Fuß in der sogenannten Gesellschaft fassen. Das kann aber nur geschehen, wenn Sie auch äußerlich den feinen, gut situirten Mann repräseNtiren. Wen der Bediente schon über die Achsel ansieht, hat sicherlich auch in der Gesellschaft einen schweren Stand. Jetzt dürfen Sie sich nicht von Ihrem gewiß sehr edlen Stolz leiten lassen, sondern von der Klugheit. Nicht wahr, Sie betrachten uns doch als Ihre Freunde? Na, also, dann nehmen Sie Misere Hilfe an. Viel haben wir nicht, daß Gott erbarm, aber um so einem unpraktischen Gelehrten ein wenig unter die Arme greifen zu können, langt es doch. Hier," sie wollte ihm eine kleine gefüllte Börse in die Hand drücken, „das nehmen Sie, und lassen Sie sich einen hübschen Gesellschaftsanzug machen. Sobald Sie können, zahlen Sie es uns zurück." „Ehe ich das annehme," brauste Klein auf, „dann leiste ich lieber Verzicht auf alles! Ich käme mir wie ein Dieb, wie ein Räuber vor, wenn ich Ihr großmüthiges Anerbieten annehmen wollte. Ich weiß ja gar nicht, ob ich Ihnen die Summe je wiedererstatten kann!" „Papperlapapp!" schalt die gütige Frau. „Hier handelt es sich um „Sein oder Nichtsein". In Ihrer Toilette können Sie den Salon des vornehmen Mannes nicht besuchen, — diese Einladung aber dürfen Sie nicht abschlagen, folglich —" „Nimmermehr!" Er , war aus der Stube gerannt. Frau Milde sah ihm kopfschüttelnd nach. „Wir müssen es also auf geschicktere Art anfangen," flüsterte sie nach kurzem Nachdenken. „Stolz und Armuth ist eine gar zu unglückliche Mischung. Ich begreife ihn vollkommen, er ist mir doppelt Werth durch diese Eigenschaft; hier aber hilft es nichts, der Augenblick muß benutzt werden." Als Klein am nächsten Morgen über eine neue Arbeit grübelnd am Schreibtische saß, wurde ihm der Besuch eines Herrn gemeldet, der sich bald darauf als ein Schneidermeister Danzer entpuppte. Wohl oder übel mußte sich Klein, der ganz verdutzt und verstört dreinschaute, den Manipulationen des Maßnehmens unterwerfen, da der gute Mann behauptete, von Klein zu diesem Zwecke bestellt worden zu sein, und erst nachdem sich der Mann mit einem Wortschwall empfohlen hatte, erholte sich Klein von seinem Schreck, der eine fast lähmende Wirkung auf ihn ausgeübt hatte. Der große.Abend rückte heran; mit gepreßtem Herzen stand er vor den beiden Damen Milde, die ihn scharf mustertenehe er sich zu dem Besuche bei Professor Wendemann rüstete. Das freundliche Gesicht der Frau .Milde leuchtete förmlich vor Vergnügen, als sie den jungen Mann vom Scheitel bis zur Sohle prüfte. Man konnte in dem schmucken, elegant toilettirten Mann kaum den Dr. Klein von ehemals wiedererkcnnen. Auch Sophie konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, den der junge Mann hellte auf sie machte. Es waren ganz wundersam gemischte Empfindungen, die sie durchzitterten. Viel jünger, viel hübscher als sonst erschien er ihr. So wie er jetzt aussah, konnte man ihn nicht überseheil. Er war eine vornehme, interessante Erscheinung; dabei aber fühlte Sophie eii so dc , ge sic D N dl hc fu m ir dc al al dl d< H V ih d fr dr le 01 A F w L A ,fd lv h' dl A d. ir w fr zi n n