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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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330 die kleinen Gemeinden zu leistungsfähigen Gebilden umzugestalten!resp. zu vereinen, und ferner durch die in Aussicht genommene CentrMaffe für die Pensiönirung und Wittwenversorgung der jüdischen Lehrer,rüber deren Plan er eine vorläufige Mittheilung gab. Als Resultat seiner Darlegungen stellte der Vortragende Thesen zur Debatte, die nach 'recht anregender Erörterung von der Versammlung in folgender Form angenommen wurden: 1. Die Förderung des jüdischen Schulwesens hat zur Voraussetzung die soziale und materielle Hebung des jüdischen Lehrerstandes,-vor allem die Herbeiführung geordneter Amtsverhältnisse für sämmtliche jüdische Lehrer und Lehrerinnen. 2. Zu diesem Zwecke ist zu erstreben: a) die lebenslängliche Anstellung der jüdischen Lehrpersonen' nach höchstens dreijähriger provisorischer Beschäftigung; b) die Gewährung eines den örtlichen Verhältnissen entspechenden Grundgehaltes mit regelmäßigen Dienstalterszulagen sowie einer Dienstwohnung; c) die Gewährung eines auskömmlichen Ruhegehaltes und im Falle des Ablebens einer , entsprechenden Versorgung der Hinterbliebenen. 3. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg erwartet von den neu begründeten Provinzialverbänden, daß diese die Erfüllung der ad 2 erwähnten Forderungen in erster Reihe sich zur Pflicht machen werden; er empfiehlt zur leichteren Durchführung derselben: a) die^mwandlung privater jüdischer Schulen in öffentliche; b) die Vereinigung mehrerer kleiner Schulverbände zu einem größeren leistungsfähigen Verbände; c) den Anschluß sämmtlicher Lehrpersonen des Bezirkes an die Pensions- und Wittwenkasse, die der Verband der jüdischen Lehrervereine für seine Mitglieder begründen wird. 4. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg wiederholt die Forderung, die er in seiner letzten Sitzung am 16. November vorigen Jahres aufgestellt hat, durch eine Eingabe die Staatsregierung zu veranlassen, fortan keine anderen als staatlich geprüfte Lehrer zu Lehrern an jüdischen Religionsschulen zu beschäftigen, mit Ausnahme derer, die bereits im Amt sind und Nachweisen, daß sie bei Erlaß der Verfügung ein Lehramt in einer jüdischen Schule bekleidet haben resp. zur Bekleidung desselben berechtigt waren. * Nach Annahme dieser Thesen wurde dem Herrn Vortragenden für seine so lichtvollen und interessanten Ausführungen von Seiten der Versammlung der lebhafteste Beifall gezollt; Alle erkannten an, daß. hier Herz und Sachkenntniß in gleicher Weise gewaltet hatten. Jetzt wurden noch einige Vorschläge für die nächste Sitzung, welche am 17. November' dieses Jahres in Berlin stattfinden wird, gemächt, und mit einem donnernden Hoch auf den Verein sowie seinen wackeren Leiter schloß die so erhebende Versammlung um 7a7 Uhr Nachmittags. Ein gemüthliches Beisammensein vereinigte die Genossen noch längere Zeit, bis sie der Abgang des Zuges in ihre Heimath rief. Unvergeßlich aber wird die Versammlung dem Herzen Aller, die daran theilgenommen, sein. Remack, I. Schriftführer. w Zum 25 jährigen Jubiläum der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums. ” Ansprache des Vorsitzenden des Kuratoriums, Dr. S. Neumann zur Eröffnung der Festfeier im Saale des Brüdervereins am 27. Mai 1897?) rv_ Alt und Jung, den wahren Jubeltag unserer Lehranstalt dereinst erleben. Sie werden Derer gedenken, die dann auch schon abberufen sein werden. - Hochgeehrte Festversammlung! Seien Sie mit einem herzlichen und dankbaren Willkommen- Namens unserer Lehranstalt begrüßt! Ich bin überrascht und tief bewegt von der gar stattlichen Versammlung, die ich vor mir sehe, und muß rufen: Gelobt sei, der die Zeiten verändert! Während der 60 Jahre, auf die ich in dieser Stadt zurückblicke, hat Berlin eine solche, der Wissenschaft des Judenthums gewidmete Versammlung nicht gesehen! —Das Fest, das wir feiern, ist und soll sein ein Ehrenfest für die Wissenschaft, für die Wissenschaft des Judenthums, welcher unsere Lehranstalt gewidnret ist. Sie hat mm 25 Jahre gelebt, d. h. 25 Jahre ist an ihr gelehrt und gelernt worden. Darum gebührt das Wort an diesem Feste den Trägern der Wissenschaft, und im Namen der Lehranstalt, insbesondere auch des Lehrerkollegiums, wird der hochverehrte Senior desselben zu Ihnen sprechen von der Wissenschaft des Judenthums an unserer Lehranstalt. Mir liegt es ob, Namens des Kuratoriums, das lediglich als Sachwalter des Volkes bei dieser der Wissenschaft gewidmeten Institution seines Amtes zu walten hat, an die geehrte Versammlungodäs Wort zu richten. Der Schritt, den wir mit Eröffnung unserer Hochschule vor 25 Jahren gewagt haben — was ist seine Bedeutung und wie ist er gelungen? Diese Fragen — sie sind etwas psychologischer Natur — würde Jhneu gewiß besser als ich es vermag der Meister der Seelenkunde beantworten, der heute unter uns zu sein verhindert ist. Der Rückblick auf das halbe Jahrhundert vor unferer Hochschule hat uns nicht beirrt und uns nicht wankend gemacht in dein Vertrauen, daß in der jüdischen Glaubens- und Stammesgenossenschaft die schaffende Kraft für ihre höchsten Sittlichkeitsideale noch lebendig sei: aus diesem Vertrauen ist die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums geboren worden und ins Leben getreten. Und war dieses Vertrauen nicht berechtigt? Bekundet doch die lebendige Wirklichkeit, wie das Sittlichkeitsideal „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" in unserer Mitte eine schöpferische Kraft hat, die uns zur freudigen, ja zu stolzer Genugthuung gereichen darf! Vor wenigen Monaten erst war ich — nicht ohne Rührung und Dankbarkeit — Zeuge, wie bei der Einweihung eines der schönsten Humanitätsinstitnte Berlins von dem Festredner — einem einfachen Bürger — darauf hingewiesen wurde, daß unsere jetzige humane Kultur beruhe auf dem Satze „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", und daß „dieser Saß zu lesen gewesen sei, früher als irgend wo anders, in dem dritten Buche Mosis, Kapitel 19, Vers 18". Unser Sittlichkeitsideal von der Nächstenliebe kennt, Gott sei Dank, keine konfessionellen Grenzen und seine Popularität erfreut uns umsomehr und ist um so verständlicher in einer Zeit, in welcher man bemüht ist, unser uraltes und dem Judenthum ureigenes Ideal uns abzustreiten! (Sri Ehi die Tot dei als Pri Wi lebt das gar Vo spr jüd geki der als Da De län mü opf des schc wei hie gel Ja W un die Gl W we! voi UN! gel Ml un Lu th Ju stä erf seii dai wr 25 Jahren ist in denselben Räumen, mit denselben feierlichen Gesängen und denselben weihevollen Klängen „die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums." eröffnet worden. Wir danken Gott, daß er uns den heutigen Tag hat erleben lassen. Geschlechter kommen und Geschlechter gehen dahin. Wir gedenken in Pietät und Dankbarkeit Derer, die abberufen worden sind. Mögen viele, viele von Ihnen, 0 Die Eröffnung der Feier und Begrüßung der Festversammlung Namens des Kuratoriums sollte in einer kurzen gedrängten Ansprache erfolgen: aus derselben ist auf der Tribüne, unter Anregung des Augenblicks, eine etwas längere Rede geworden, welche, da eben eine Niederschrift nicht vorhanden war, in dem Festbericht ihre Stelle nicht finden Und noch ein anderes höchstes Sittlichkeitsideal — wie ist es den Juden von ihrer Lehre und ihrer Geschichte überliefert worden? Ich will reden von dem Studium der Lehre und von der Verehrung für das Wissen und für die Wissenschaft. Aus dem täglichen Morgengebet der Kindheit mag es Ihnen noch erinnerlich sein — nicht zwar als ein formulirter, ethischer konnte. Inzwischen hat ein aus der Mitte der Zuhörer mir freundlichst dargebotenes Stenogramm den Abdruck der Rede ermöglicht. Dieselbe bildet nun einmal, so wie sie gehalten worden, einen tatsächlichen Bestandtheil der Festfeier und ihre Veröffentlichung mag zugleich als Antwort auf die mehrfachen deshalb an mich gelangten Wünsche und Anfragen dienen. sie Vc an sch un wi ge, au ge! bei in

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