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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-02 · Heft 27 (2.7.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Wohlthätigkeitsstnn eine größere Spende übersandt- Einen weiteren Erfolg hat der Verein insofern zu verzeichnen, als die königliche 'Regierung zu Wiesbaden verfügt hat, daß die hiestge königliche Badeverwaltüng den. Klienten eine vom Vereinsarzt zu bestimmende Anzahl von Freibädern und Inhalationen gewähren darf, wenn das erforderliche Dürftigkeitsattest beigebracht wird. Durch den am 26. Oktober erfolgten Heimgang des Herrn Rabbiners Dr. Bamberger in Königsberg hat der Verein den schmerzlichen Verlust seines ersten Ehrenmitgliedes zu beklagen, der zusammen mit dem seligen Ehrenpräsidenten, Professor Dr. Derenbourg. zu den Gründern des Vereins gehörte. Ebenso beklagt der Jahresbericht das Hinscheiden der Frau Dr. Aronsohn im Alter von 33 Jahren, der Gattin des Vorsitzenden, die sich große Verdienste um den Verein erworben hat. Das Kuratorium besteht aus den Herren prakt. Arzt Dr. Aronsohn, Vorsitzender, Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, Schriftführer und Kassirer, Gemeindevorsteher I. Thalheimer, Hotelier H. Löwenstein, Revisoren, I. A. Ettliyger-Halpern in Frankfurt a. M., Schatzmeister. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahre 3712,82 M., die Ausgaben 2307,57 M., der Vermögens bestand beläuft sich gegenwärtig auf 7019,88 M. x Hachenburg, 25. Juni. Am 11. d. Mts. wurde hier durch Bezirksrabbiner Herrn Dr. Landau-Weilburg die neue Synagoge eingeweiht. Unsere Stadt war festlich geschmückt, und Ehrenpforten winkten den Gästen den Willkommengruß entgegen. Um 4 Uhr versammelte sich die Gemeinde in der bisherigen Synagoge zum Abschiedsgottesdienst. In der Ansprache nahm im Namen der Gemeinde der Rabbiner Abschied von dem bisherigen Gotteshause und ermahnte die Zuhörer, den alten Glauben auch ferner zu bewahren und mit hinüberzunehmen in das neue Heiligthum. Dann wurden die Thorarollen ausgehoben und den dazu bestimmten Trägern übergeben. Nun ordnete sich der Festzug. Voran schritt die Kapelle des 80. Infanterie-Regiments unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Münch-Wiesbaden, dann folgten die israelitische Schuljugend, die Schlüsselträgerin Fräulein Seewald mit den Schlüsseln des neuen Gotteshauses, die weißgekleideten Festjungfrauen und die Träger mit den Thorarollen unter himmelblauem Baldachin. Dann kamen der Rabbiner und der Kantor,' die Spitzen der Behörden, die Ehrengäste, darunter auch der evangelische und katholische Geistliche von hier und viele andere Gäste von hier und auswärts. Vor dem neuen Gotteshause wurde mit einer Ansprache seitens der Trägerin der Schlüssel an die Behörde und von dieser an den Rabbiner überreicht, der an die Gemeinde wieder eine Ansprache hielt. Während die Gemeinde in die Synagoge einzog, intonirte die Kapelle einen Choral. Die Weihe wurde mit einem Chorgesang eingeleitet, welcher durch den von Herrn Lehrer Görz dirigirten israelitischen Sängerchor ausgeführt wurde. Nach der Festpredigt folgten Gebet und Chorgesang. Um 7 Uhr war Abendgottesdienst und von 9 Uhr beginnend Konzert, ausgeführt von Mitgliedern des Synagogenchores, unter Mitwirkung der Militärkapelle. Am anderen Morgen um 7 Uhr wurde Frühgottesdienst und um 9 Uhr Hauptgottesdienst abgehalten. Der Nachmittag und Abend war den Festlichkeiten gewidmet, und fand Nachmittags Konzert und Abends Ball statt. Sämmtliche Festlichkeiten wurden in dem eigens dazu erbauten und schön geschmückten Saale des Herrn Friedrich abgehalten. Bei der allgemeinen Betheiligung .war . der große Saal an, den beiden Abenden bis auf den letzten Platz gefüllt; ein Beweis, daß Hierselbst konfessionelle.Eintracht herrscht. 8t. Frankfurt a. M., 24. Juni. Selten wohl ist ein Familienfest zum Gegenstand so allgemeiner und herzlicher Kundgebungen geworden wie die heutige Feier der silbernen Hochzeit des Rabbiners Dr Horovitz. Aus Anlaß des Festes hatte sich ein eigenes Komitee gebildet, und dieses überreichte dem Jubilar, welcher seit 19 Jahren in der Gemeinde wirkt, in Werthpapieren eine sehr bedeutende Sum-re. Das Kapital wird zu Gunsten der Kinder des Herrn Dr. Horovitz festgelegk Der Montefiore- Verein ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten. Eine ganze Reihe anderer Vereine ließ Adressen überreichen, Logen hatten Delegirte gesandt, und Vereine sowohl als auch Privatpersonen ehrten das Jubelpaar mit sinnigen Geschenken, welche zum' Theil einen recht bedeutenden Werth repräsentiren. L. München, 26. Juni 1897. Der hiesige antisemitische Redakteur Wenng hatte im Briefranzel seines „Deutschen Volksblatts" (Nr. 13 v. 16. .Sept. 1896) geäußert, das richtige. Wanzenmittel gegen die Juden sei noch nicht gefunden; das einzig wirksame, Aushungerung dvv Juden durch strenge Befolgung des Grundsatzes: „Kauft nicht bei Juden!" scheitere noch immer an der Indolenz der meisten christlichen Hausfrauen. Hierin wurde ein grober Unfug erblickt und Wenng .durch Strafbefehl zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt;'auf erhobenen Einspruch bezw. eingelegte Berufung bestätigten Schöffen- und Landgericht diesen Strafausspruch. Heute kam die Sache vor dem Oberlandesgericht als Revisionsinstanz zur Verhandlung. Die Revisionsschrift rügt Verletzung des § 360 Ziffer 11 R -St.-G.--B.; diese Gesetzesbestimmung erfordere eine unmittelbare Gefährdung oder, Belästigung des Publikums in seiner Allgemeinheit; die Juden seien nicht die Allgemeinheit, sondern nur eine Gruppe von politischen und wirthschaftlichen Gegnern der Antisemiten, eventuell enthalte der Artikel eine Beleidigung der Juden, aber keinesfalls groben Unfug Der Staatsanwalt führt aus : Es kann der Revisionsschrift gegenüber zugegeben werden, daß der fragliche Artikel eine Beleidigung und Herabwürdigung der Juden enthält; damit ist aber der strafrechtliche Komplex des Artikels nicht erschöpft. Der Begriff des groben Unfugs wurde in der Vorinstanz richtig aufgefaßt; die thatsächliche Feststellung,/daß der Artikel geeignet war, die Allgemeinheit zu belästigen und zu beunruhigen, unterliegt nicht, der Nachprüfung der Revisionsinstanz. Die Revision ist. Häher kostenfällig zu verwerfen. Dieser Auffassung schloß sich das Gericht an und verwarf die Revision. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 28. Juni. In der vorigen Woche hatte der antisemitische Abgeordnete, der ehemalige Kellner Mittermayer wieder einmal Gelegenheit, im Gerichtssaal zu erscheinen, diesmal aber als Kläger gegen den Arbeiterführer Schuhmeier; selbstverständlich wurde Schuhmeier freigesprochen. — Der Ministerpräsident hat den Privatdozenten an der Wiener Universität Dr. Ernst Wertheim zum ordinirenden Arzte im Status der Wiener k. k. Krankenanstalten und zum Vorstande der Abtheilung für kranke Frauen im Bettina-Stiftungspävillon des Kaiserin Elisabeth-Spitals in Wien ernannt. — Ein älterer Bruder Adolph Fischhofs, der Hydropath Dr. Wilhelm Fischhof, ist in Budapest gestorben. Fischhof erfreute sich wegen seines biederen Charakters und seiner Wohlthätigkeit allgemeiner Beliebtheit in Budapest. Sein Vermögen hat er zu wohlthätigen Zwecken ohne Unterschied der Konfession bestimmt. — Der bekannte Schriftsteller Dr. Adolf Kohut aus Berlin wurde vom Kaiser in Adienz empfangen, um für die doppelte. Auszeichnung durch Verleihung des goldenen. Verdienstkreuzes mit der Krone und des, Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens zu danken. Du. Kohut hatte diese Auszeichnungen einerseits für seine litterarische Thätigkeit, andererseits für seine Verdienste um das Ungarthum im Auslände erhalten. Der Monarch empfing den Schriftsteller überaus huldvoll und sprach ihm die Anerkennung für seine patriotische Thätigkeit, die er im Auslande, entwickelte, . aus. — Mit Ihrer Stadt im Zusammenhänge stand die Gerichtsverhandlung vom 26. d. Mts., in welcher der Redakteur des antisemitischen Volksblatt, H. A. Schwerzu einer. Geldstrafe verurtheilt wurde. Es handelte. sich dabei um die Klage der früheren liberalen Majorität des Wiener Gemeinderathes gegen das Volksblatt, das einen Artikel über die Berliner Reise des gewesenen Bürgermeisters Strobach brachte, und in dem Schmähungen gegen die ganze damalige Majorität enthalten waren. — Die Badener Antisemiten haben es nun doch zuwege gebracht, daß der Gemeinderäth aufgelöst und ein Regierungsvertreter aufgestellt wurde (Bezirkskommifsar Dr. I. Ritter v. Galatti). -!. B. Budapest, 26. Juni. Zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen, die ihren Schöpfern zum Ruhm und der Menschheit zum Glücke gereichen, und mehrere der edlen Menschenliebe und humanen Wissenschaft zu widmende Anstalten haben in einem schlichten Kaufmann, der schon seit zwei Jahrzehnten in stiller Zurückgezogenheit lebt, einen warmen Förderer, einen edlen Schöpfer gefunden. Der erst vor Kurzem verstorbene Juwelier Salomon Taub s. A. testirte für humane und gemeinnützige Zwecke 1 100 000 Kronen, ein Legat, das ohne Beispiel dasteht in unserem Vaterlande; 120 000 Kronen werden die schwere Aufgabe der jüdischen Waisenhäuser erleichtern; 40 000 Kronen werden dem jüdischen Landes - Taubstummeninstitute zu gute kommen, 200 000 .werden die Erweiterung der Thätigkeit des jüdischen Frauenvereins,

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