Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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M | des jüdischen Handwerkervereins, der allgemeinen Poliklinik rc.-er- ' -möglichen, und endlich das Legat von 200 000 Kronen wird die Mle des Aböle Brody - Kinderspitals wesentlich fördern. Die Errichtung eines jüdischen Blindeninstitutes und eines jüdischen Gymnasiums würde durch das Legat von 400 000 Kronen möglich gemacht, -r Ein großes Legat fiel auch dem Landes - Rabbinerseminar zu. Frau Bachan- Csillag testirte demselben ein mit 400 000 Kronen bewerthetes Haus. — Rabbiner Pollak, der in Jnowrazlaw thätig war, feierte die 25. Jahreswende seiner hierortigen segensreichen Wirksamkeit. Die israelitische Religionsgemeinde, die Chewra Kadischa, das Rabbinerseminar, das Beamtenpersonal der Gemeinde und der Chewra, die Religionslehrer u. a. m. brachten dem greisen Jubilars herzliche Ovationen dar. — Eine prinzipielle Entscheidung des Kultusministeriüms wirft auf die Stellung der status guo-Gemeinden ein schiefes Licht. Der Schulstuhl der Debrecziner status guo-Geineinde setzte für die jüdische Volksschule die deutsche Sprache als obligatorischen Gegenstand an und war hierdurch mit dem Verwaltungsausschuß des Komitates in Kollision gerathen, der sich als Vorgesetzte Behörde des Debrecziner jüdischen Schulstuhles erklärte und diesen anwies, sich an die ministerielle Verordnung vom Jahre 1876 zu halten. Die Gemeinde rekurrirte gegen den Bescheid, der Minister verwarf den Rekurs Und bestätigte die Kompetenz des Verwaltungsausschusses. Motivirt Mrd dieser Bescheid damit, daß die Debrecziner Gemeinde, welche weder die Kongreßnoch die orthodoxe Organisation acceptirte und auf der sogenannten status guo-Bafis bleibe, der Ansicht sei, daß der Rezeptionsgesetzartikel das Recht verleihe, ihre konfessionellen Angelegenheiten autonom zu erledigen. Diese Ansicht fei. aber eine irrige, denn düs Gesetz beziehe sich nur auf die staatsrechtliche Stellung der israelitischen Konfession, berühre aber nicht die bei der Verwaltung maßgebenden Autonomie-Normen. Für die israelitische Konfession gebe-es' kein anderes Statut als das von dem Kongresse und den Orthodoxen acceptirte. Nachdem die Debrecziner Gemeinde keiner dieser Organisation angehört, so ist der Verwaltungsausschuß das kompetente Forum für die Debrecziner jüdische Schule. i> Asten. 0. Jeknsalem, im Juni. Seit Herbst vorigen Jahres etwa wird der Boden in der Umgebung von Bet Dschibrin von Fellachen fleiM nach Alterthümern durchstöbert. Nach dem Bericht meines Gewährsmannes ist aus den aufgefundenen Gräbern und Höhlen bereits eine erkleckliche Zahl Antiquitäten zu Tage gefördert worden. Daß He Leute in dieser Arbeit mit gierigem Eifer vorgehen, alle Ueberreske, Knochen rc. gewissenhaft durchsieben, läßt sich begreifen, wenn man erfährt, daß sie durch den Verkauf des Gesuchten manche Lira verdienen. Die Käufer, welche die Alterthümer nach England und Frankreich senden, sind meist Juden aus Jaffa, er-Ramle und Hebron. Ein Christ aus Medschda, der sich lediglich mit diesem Handel abgiebt, hat unlängst eine mäßig gtoße Kistemit 50 Stücken um den Preis von 22 Napoleons erstanden und glücklich hinaus geliefert, d. h. ungeöffnet durch den Zoll in Jaffa geschmuggelt.- Die Ausbeute erstreckt sich in erster Linie auf Gläser, ferner auf Ohrringe, Fingerringe, Münzen und Reliefs auf Bein, menschliche Wesen darstellend. Auch ein 70 Centimeter großer Steingötze wurde gefunden. Die Gläser, Kelche und Karaffen sind von verschiedener Größe, Form und Farbe; ausgezeichnet sind sie vor allettr durch einen wie Gold und Silber glänzenden Ueberzug, der sich in der Länge Ht Zeit ähnlich wie der Rost am Eisen gebildet hat. Der genannte christ- Eiche'Händler hat z. B. zwei Gläser, welche liegende Gazellen darstellen, um 12 Napoleon erstanden. — Das neue englische Hospital, auf dem Sanatorium von der englischen Judenmisflon erbaut, wurde am 13. April eingeweiht und eröffnet. Zu dieser Festlichkeit wurden Engländer und Deutsche eingeladen. — Am 1. Mai wurde die.„Deutsche, Palästina-Bank" in Jerusalem errichtet. Sie ist eine Zweigniederlassung der deutschen Palästina- und Orient-Gesellschaft in Berlin. Der Zweck des neuen Unternehmens ist der Betrieb von Bank- und Handelsgeschäften sowie Errichtung und Unterstützung von gewerblichen, dem Verkehr dienenden Anlagen. Diese Bankeinrichtung wird mit Freuden besonders von den Deutschen begrüßt und wird, wie zu hoffen ist, eine große Wohlthat für Jerusalem und das Land sein. Diese Bank ist eine christliche, mit der Mission, in .Verbindung ^stehende - Unternehmung. — Infolge des griechisch-türkischen Krieges mußten alle griechischen Unterthanen abreisen. Die Meisten, etrvü 1000, zogen am Ostermontag mitsammt ihrem Konsul aus Jerusalem aus und begaben sich in der Mehrzahl nach Cypern, wo sie das Weitere abwarten wollen. Die Ausgewiesenen hatten Frist bis zum-10. Mai. Die Bauthätigkeit in Jerusalem war bis jetzt sehr gering. Außer der Erlöser¬ und Stephankirche wurde sehr wenig gebaut. Es wäre zu wüüschen, das nun die Bauthätigkeit reger würde (Notre Dame de France fängt an), damit es den Arbeitslosen nicht mehr an Beschäftigung fehlt. Non Nah und Fern. Rabbijrer Dr. Stier und dessen Gemahlin feierten am 25. v. M. das Fest ihrer silbernen Hochzeit. —Der Großindustrielle Fritz Friedländer hat den österreichischen Orden der EisernenKrone III. Klasse erhalten.— In Charlottenburg ist am 22. v. M. der Justizrath Dr. Moritz Herrmann, Ritter des Rothen Adlerordens, im 66. Lebensjahre gestorben. — Der antisemitische Reichstagsabgeordnete für Neustettin, Professor Dr. Paul Förster, ist aus der Fraktion der antisemitischdeutsch-sozialen Reformpartei ausgeschieden. — An der Huldigungsfeier, welche die Stadt Bielefeld am 18. v. M. dem Kaiser und der Kaiserin bei deren Anwesenheit auf dem Sparenberge veranstaltete, nahm auch neben der evangelischen und katholischen Geistlichkeit der Prediger der Synagogen - Gemeinde, Herr Dr. Co blenz. infolge einer an ihn ergangenen offiziellen Einladung theil. — Am 3. Juli dieses Jahres feiert der auch in weiterem Kreise beliebte und geachtete Lehrer S. Roths child in Worms a. Rh. das 25jähr.Jubiläum seiner Thätigkeit als Religionslehrer daselbst. Es sind bereits Vorbereitungen getroffen, diesen Tag in würdiger Weise zu feiern. — ,Der für August geplante „Zionistenkongreß" in München wird nach einer Mittheilung des Führers der Zionisten, Dr. Th. Herzl, dort nicht stattfinden. — Ein Berliner Student Bruno Magnus ist bei Kufstein abgestürzt und tödtlich verunglückt. Er war der Sohn des 'im vorigen Jahre verstorbenen Fabrikdirektors Magnus und ein Enkeb des Stadtraths Magnus.— Frau Baronin Hirsch hat der philantropischen Gesellschaft in Paris das fürstliche Geschenk von 2^ Millionen Francs gemacht. — Der Lordmayor von London, Faudel-Philipps, befindet sich unter den aus Anlaß des Jubiläums der Königin Victoria neu ernannten Baronets. Einer Beschreibung des Festes entnehmen wir folgende Notiz: „Ein unbeschreiblicher Anblick war es, als der Lordmay or Philipps barhäuptigem wallendem Purpurmantel mit Hermelin, das Cityschwert in der Hand, auf einem prächtigen Rappen bei der Abfahrt dem Wagen der Königin voransprengte." — Der Major Julian Leverson wurde zum Ritter des St. Georgsordens und der Arzt Dr. W. M. Haffkine zum Ritter des Ordens des indischen Reiches ernannt. — Der unermüdliche Feind der fremden, das heißt in erster Linie jüdischen, Einwanderung, Sir Hobart Vincent, hat wieder einmal bei der englischen Regierung angefragt, wie sie sich zu der steigenden Immigration armer Fremder stellen wolle. - Der Vorsitzende des Handelsamtes, in dessen Ressort die Frage fällt, erwiederte darauf, daß er die Dinge immer im Auge behalte, aber eine gesetzgeberische Aktion auch für die nächste Session des Parlamentes nicht in Aussicht stellen könne. — Der Kampf um das Millionen-Erbe Barnatos dürfte ein ziemlich heißer werden, da sich in Nordamerika, wo Barnato zahlreiche Verwandle hat, bis jetzt schon vierzehn angeblich Erbberechtigte gemeldet haben. Dieselben befinden sich sämmtlich in dürftigen Vermögensverhältnissen, darunter zwei Cigarrenmacher und zwei Schneidergesellen, welche Halbbrüder des Verstorbenen zu sein erklären. — In Bessarabien haben die Juden die Absicht, landwirthschaftliche Kolonien anzulegen, deren Kosten von wohlhabenden Glaubensgenossen getragen werden sollen. — Die Gesellschaft Trud in Odessa beabsichtigt, 12 neue landwirthschaftliche Schulen in Rußland einzurichten. — Fräulein Ethel Rebekka Benjamin hat das Examen als Rechtsanwalt und Bertheidiger beim höchsten Gerichtshof von Neuseeland glänzend bestanden. Sie wird dort der erste weibliche Rechtsanwalt sein. — E. Salomon ist für South Fremantle wieder in das Parlament von Westaustralien gewählt worden. ------..'.Druck--und»Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.