Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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'■ - - ’ ■ ' -- - ' l ) t t i 6l. Lchrg°ng. ör. 27. Jß?V iöerlln, 2. Aul: 1897. /ZSerkcrge zur „Attgemeinen Zeitung des IuöenLHums". c c e rr i\ n >, d n d 8 t. s :s n ch ls ef >n he, ch re m rn )1. in lebe fie he tft 8en cht ts F. Korrespondenzen und Nachrichten. Drutschland. 8. Berlin, 27. Juni. Die heutige letzte Repräfentanten- Versammlung vor den Ferien erledigte in ca. zweistündiger Sitzung ihre nur aus 5 Punkten bestehende Tagesordnung. — Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt der Vorsitzende, Herr Landsberger, zunächst der Versammlung Kenntniß von der Konstituirung des Kuratoriums vom Erziehungshaus in Pankow. Es sind gewählt zum Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Breslauer, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Emil Masse, zum Schriftführer Herr Rechtsanwalt Felix Makower. Als Rendant wird alsdann von der Versammlung der neugewählte Herr Heinrich Eisner bestätigt — Durch ein Schreiben vom 17. er. bittet der Gemeindevorstand die Repräsentanten-Versammlung, in der Zeit vom 18. Juli bis 1. August eines ihrer Mitglieder oder, wenn das nicht möglich, den Gemeindesekretär, Herrn Budwig, zur eventuellen Benutzung des Kontrolschlüssels zur Depositalkasse bevollmächtigen zu wollen. Diesem Wunsche wird durch die Wahl des Herrn Professor Baginsky entsprochen. — Zu Punkt 1 der Tagesordnung ist von der Versammlung die gewünschte Kommission betreffend den Handel mit Koscher-Fleisch zu bestätigen. Von den Repräsentanten sind nach dem Referat des Herrn Sanitätsrath Blumenthal dazu vorgefchlagen die Herren: Neufeld, Isidor Sachs, Löwenberg und Leonhard Sachs. An Stelle des Herrn Neufeld wird Herr Maurermeister Joseph Fränkel von der Versammlung genehmigt. — Alsdann werden 4258,64 Mk. zur Renovirung des früheren Siechenhauses nachbewilligt. Für diese Summe sind für das Krankenhaus zwei neue Säle gewonnen worden; die äußere und innere Poliklinik ist erweitert und auch Räume für das Personal des Krankenhauses hergestellt. Von allen Seiten, von den Repräsentanten sowohl wie vom Vorstandstisch, wird darüber lebhafte Klage geführt, daß ohne Befragen der Gemeindevertretung Veränderungen getroffen werden, zu deren Kostendeckung dann die Nachbewilligung von zum Theil hohen Summen verlangt wird. Zwischen dem Herrn Professor Baginsky und dem Kommissar Herrn Geh. Sanitätsrath Boas erhebt sich noch bei diesem Punkte eine kleinere Debatte über die medizinische Frage, ob es zweckmäßig sei, den Masern- und Scharlachsaal in demselben Hause zu belassen. Für Abstellung dieses Uebelstandes wird nach Mittheilung des Herrn Manheimer insofern Sorge getragen, als in letzter Zeit Scharlachkranke von der Aufnahme zurückgewiesen ^.werden. Herr Boas verspricht, vor der Vornahme von Veränderungen stets erst den Rath der Sachverständigen in der Repräsentantenversammlung einzuholen, und auch Herr Manheimer will dafür Sorge tragen, daß derartige Vorlagen in Zukunft der Versammlung früher zugehen sollen. Herr Louis Sachs war in der Sitzung nicht anwesend. — Für die Herstellung eines elektrischen Personenaufzüges im jüdischen Krankenhaus wird die Bewilligung einer Summe von 12 000 Mk. laut Ausschußantrag von der Versammlung ausgesprochen. Die Anlage hat sich als nothwendig herausgestellt für den bequemeren und ungefährlicheren Transport der operirten Kranken. Einen warmen Vertheidiger fand diese Vorlage außer in dem Referenten Herrn Maurermeister Joseph Fränkel noch in Herrn Manheimer. — An nächster Stelle steht die Vorlage betreffs Einführung von elektrischem Licht in der Kaiserstraßen-Synagoge zur Berathung. Die Einreichung dieser Vorlage war bekanntlich noch für diese letzte Sitzung von der Versammlung gewünscht worden. Das Referat hat Herr Leonhard Sachs. Die Baukommission hätte dem Gemeindevorstand einen Anschlag eiugereicht, der bei oberirdischer Kabelzuleitung mit 3158 Mk., bei unterirdischer mit 3400 Mk. abschlösse. Sie hätte empfohlen, die drei Kronen zu beseitigen, das Mittelschiff durch Bogenlicht zu erleuchten, aber unten herum die Gasglühlichtbeleuchtung bestehen zu lassen. Der Ausschuß sei zu einem anderen Resultat gekommen, in Rücksicht darauf, daß, wenn überhaupt Aenderungen getroffen werden, alles zu thun, um nach jeder Richtung hin Sicherheit zu bieten. Der Ausschuß empfiehlt, die Synagoge durchweg elektrisch zu erleuchten und hierzu eine Summe bis zu 3 500 Mark gewähren zu wollen. Die Baukömmission hätte auch gegen diesen Plan keinerlei Bedenken und hätte nur aus Sparsamkeitsrückfichten den ersten Plan dem Gemeindevorstand unterbreitet. Während Herr Dr. Lach mann die größere Sicherheit der elektrischen Beleuchtung im Vergleich zur Gasbeleuchtung bestreitet, hält es Herr Justizrath Tiktin nach seinen Erfahrungen, die sich auf Gutachten von Sachverständigen stützen, für sehr bedenklich, beide Beleuchtungsarten in einem Hause zu vereinigen. Der Einwand des Herrn Leonhard Sachs, daß Gasbeleuchtung eine weit größere Hitze verbreitet als elektrische, wird von Herrn Justizrath Tiktin zurückgewiesen. Von dem Ausschuß war noch ein Zusatzantrag gestellt, auch eine namentlich angeführte jüdische Firma zur Konkurrenz aufzufordern. Herr Jacoby sowohl wie später auch Herr Dr. Lachmann halten die Verantwortlichkeit für die Installation einer solchen Anlage in einer Synagoge jedoch für viel zu groß, um sie einer bei öffentlichen Gebäuden noch nicht so bewährten Firma übertragen zu dürfen. Der Einwand, der.von Herrn Leonhard Sachs dagegen ins Feld geführt wurde, daß die Elektrizitätswerke nur eine korrekte und tadellose Anlage genehmigen, wird vom Vorstandstisch zurückgewiesen, da die Kontrole der Elektrizitätswerke nur eine formelle sei; ja, Herr Jacoby stellt sogar in Aussicht, daß bei Annahme dieses Antrages die Anlage der geplanten Veränderung ganz unterbleiben würde. Nachdem noch Herr Justizrath Tiktin ausführt, daß die Wahl der Handwerker einzig und allein der Kompetenz des Gemeindevorstandes unterstehe, wird dieser Zusatzantrag vom Ausschuß formell zurückgezogen und dahin modifizirt, auch andere Firmen außer der vom Vorstande erwählten zur Betheiligung an der Konkurrenz aufzufordern. Mit dieser Modifikation wird der ganze Antrag einstimmig von der Versammlung angenommen. — Es folgen dann noch mehrere Rechnun gsabschlüsse in einigen Spezialverwaltungen, welche alle von der Versammlung als richtig bestätigt werden. Die Lindenstraßen- Synagoge hat einen Minderverbrauch von 1096,86 Mark aufzuweisen, die Alte Synagoge eine Mehrausgabe von 32,40 Mark, welche nachbewilligt werden. Der Minderverbrauch in der Kaiserstraßen-Synagoge beträgt 909,64 Mark, der in der Neuen Synagoge 2091,05 Mark. Die Einnahmen für Liot sind geringer geworden. Herr Manheimer regt bei dieser Gelegenheit an, z. B. dem Vater, der seinen Sohn zur Barmizwa bringt, ferner dem jungen Ehemann, der mit seiner Frau den ersten Synagogenbesuch unternimmt, nach vorheriger Meldung diese Vergünstigung kostenlos zugänglich zu machen. — Das Quellbad hat eine Minderausgabe von 141 Mark zu verzeichnen; der Abschluß der Koscherfleischverwaltung wird bis zur Erledigung der Berathungen der Koscherfleisch-Kommission zurückgestellt. — Im Erziehungshaus zu Pankow beträgt die Minderausgabe 48,08 Mark bei einer Einnahme von 34 051 Mark. — Der Bestand der Friedhofsverwaltung ist 1031 Mark. — Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt. Wir wollen zum Schluß noch einen Jrrthum in unserem vorigen Bericht klar stellen. Es hieß da: „Die Beschwerde des Herrn Dr. Apolant, daß man ihm nicht gestattet habe, sein Religionsbuch einzuführen, Jei erledigt. Der Beschluß des Schulvorstandes — nicht des Gemeindevorstandes — sei von Herrn Dr. Apolant mißverstanden worden." Dem ist nicht so. Denn Herrn Dr. Apolant ist auf seinen Bericht die Erwiederung zugegangen, daß es jedem Dirigenten überlassen werden soll, das ihm geeignet erscheinende Religionsbuch für die Lehrer einzuführen. Es ist hierdurch festgestellt, daß der Vorstand von der Einführung des Apolant'schen Buches Abstand genommen und nach Maßgabe der Worte „für die Lehrer" zwar die Direktive des Dirigenten vorschreibt, für die Kinder aber ein Religiönsbuch als Schulbuch nicht existirt. Es liegt somit kein Mißverständniß seitens des Herrn Dr. Apolant vor.