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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Festprcdigt. Nach den: V ortrage des Chötgesanges „Harre meine Seele" folgte der Konfirmationsakt. Dem Gesänge „Vater Du in Himmelshöhn" folgte das Schlußgebeti- / Am Sonntag Abend 7 Uhr. fand wiederum Gottesdienst statt, welcher der Thoraweihe galt. Der Andrang zu demselben war ein großer. Derselbe vollzog sich in eindrucksvoller Meise. Auch hier wirkte der Synagogenchor mit. Eine der Konfirmandinnen sprach ein auf die Weihe bezügliches Gebet. Nach dem Chorgesang „Herr, Deine Güte" hielt Herr. Friedländer die Predigt, welche ebenf o wie die Ansprache bei dem Morgengottesdienst -auf alle Zuhörer tiefen Eindruck machte. Mit Gebet schloß auch diese Feier. Bemerkt sei noch, daß die Damen der Gemeinde' süre den Aufbewahrungsschrein der Gesetzesrollen einen werthvollen Vorhang in schwerem blauen Sammet mit prachtvoller Goldstickerei gestiftet Haben. Der' Abend dieses Tages -war der weltlichen Feier -Vorbehalten. - Für Abhaltung derselben war der Saal von Klein-Tivoli gewählt. Die Herren Landrath von Breuning und Bürgermeister Klotz beehrten das Fest durch ihr Erscheinen. - Die Spitze des Vorstandes-der israelitischen Gemeinde, Herr Alexander Vendixr-chegrühte in warmempfundenen Worten die Gäste und brachte ein Hoch auf unseren Kaiser aus, das mit Begeisterung ausgenommen wurde. . Herr Landrath von Breuning hielt mne An-, spräche, in welcher-er auf die Pflicht .der Treue zum Vaterlande hin wies, welche allen Konfessionen in gleicher Weise obliege, in der er hervorhob, daß die hiesige israelitische. Gemeinde dieser Pflicht stets nachgekommen sei. Der Herr Landrath schloß mit einem Hoch auf die Gemeinde. Auch Herr Bürgermeister Klotz nahm das Wort, um das Zusammenwirken aller Bürger Dürens zum Wohle der Stadt zu feiern und die israelitischen Bürger der Förderung ihrer Bestrebungen zu versichern. Das Programm, das für den Abend aufgestellt, war außerordentlich reich und fand in allen, seinen Theilen eine vorzügliche Erledigung. Einen Glanzpunkt der abwechslungsreichen Aufführungen, bildeten die Klaviervorträge einer sehr talentvollen jungen Künstlerin aus Köln, Fräulein Sophie Herzberg, welche , in der freundlichsten Weise ihr künstlerisches Können in den Dienst des-Festes -gestellt hatte. Mit großem Interesse wurden auch die Gesangsvorträge' des Fräulein I. L. von hier ausgenommenwelche die Zuhörerschaft ebenfalls zu lebhaftem Applaus Hinriffen. An dem den Schluß des Festes bildenden Balle betheiligte sich Jung und Alt. . < Weilburg, im Juni. Am 20. v. Mts. feierten hier Herr Gotischalk 'Reifenberg und Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. Beide, der Jubilar wie die Jubilarin, erfreuen sich noch großer Rüstigkeit und Geistessrische. Herr Reifenberg war während eines Dezenniums erster Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, welches Amt er mit Rücksicht auf sein Alter im Jahre 1893 niederlegte. Während seiner Amts Verwaltung machte sich Herr Reifenberg recht verdient um das israelitische Gemeinwesen; besonders ist es ihm zu verdanken, daß der jüdische Friedhof mit einer festen Mauer umgeben wurde. Von der Achtung, die das Jubelpaar genießt, zeugen die zahlreichen Gratulanten aus allen Gesellschaftskreisen unserer Stadt. Der Herr Bürgermeister undein Mitglied des Magistrats überbrachten die Glückwünsche der städtischen Behörden. Am Nachmittag fand die Einsegnung des Jubelpaares durch den Bezirksrabbiner Dr! Landau statt, worauf der Landrath Freiherr von der Golz die Medaille zum goldenen Ehejubiläum unter einer herzlichen Ansprache überreichte und die Gratulationszuschrift aus dem kaiserlichen Civilkabinet vorlas. Möge es dem Biederpaare vergönnt sein, auch die diamantene und eiserne Hochzeit in voller Frische zu feiern. Großbritannrrn. London, 16. Juni. Der südafrikanische Minenspekulant Barney Barnato, der auf der Reise von der Kapstadt nach London Selbstmord beging, indem er über Bord sprang, war am. 2. d. Mts. auf dem Dampfer „Seot" 'vom Kap abgereist. Barnato war schwer krank, und die Aerzte hatten ihm völlige Ruhe angerathen. In ihm ist eine der seltsamsten Erscheinungen unter den südafrlkanischen Millionären dahingeschieden. Barney I. Barnato ist im Londoner Distrikt Whitechapel geboren. Dort, erinnern, sich noch Biele, wie er Gehilfe im Laden seines Vaters war. .1873 wanderte er nach Südafrika aus. Zuerst gab er öffentliche Schaustellungen. Wie er es zum Millionär brachte, hat er erst kürzlich selbst beschrieben. Kaum war er in der Kapstadt gelandet, so traf er im „Masonic Hotel" einen Diamantengrubenbesitzer. Der alte Herr rieth ihm, nur sofort wieder nach England zurückzureisen, was esran Diamanten gegeben'habe, sei längst ausgebeüteM Barnato traf denselben Herrn in Johannesburg, nachdem er die De.' Beers-Gruben entdeckt hafte. -Haben Sie -jetzt Ihr Glück gefunden?"- Ja> indem ich'Jhren Rath, Hurückzureisen, nicht befolgt habe." Das Feld, wo sich jetzt'-die De Beers-GruNn befinden, hat Barnato bei einem Ritt in der Uiügegend von Kimberley selbst aufgesunden. Er fand dort Spuren ' von Diamanten und zeigte sie einem praktischen Bergmann, mit dem er Anfangs in >,Partnership" ging. Er wußte das Geheimniß gut zu bewahren und hatte schon die halbe Gegend angekauft, ehe er es enthüllte. Als die Goldfelder entdeckt würden, war Barnato auch rechtzeitig auf dem Platze. Lange stritt sich die von ihm geleitete Gruppe mit der Rhödesschen Gruppe um die Gruben in Kimberley. Es schien zweifelhaft, wer den Sieg davontragen werde, bis'- es zur Verschmelzung kam. In Kimberley zeigt man noch :jetzt ein Facsimile des auf 5 5OO O00 Lstr. laütenden Checks, den die De Beers-Gescllschaft dem Eigenthümer der KiMberley-Grube ansstellte. 1888 wählte die Stadt. Kimberley Barnato inüdas Parlament der Kapkolonie. Bon den Diamantgruben wandte fich'Barnato den Goldbergwerken zu und würde darin eiüe kapitalistische Macht/ Die Barnato-Bänk, die Barnato-Konsolsüt/s. w. kennt Jeder, der-auf dem Minenmarkt spekulirt. Als Alderman Reryals Lordmayor der - City von London war, gab er Barnato ein amtliches Festmahl, weil dieser durch sein energisches Ginschreiten eine große Finanzkrisis verhindert - habe. Die Sache erregte damals viel Aussehen und war eiüd der Ursachen, weshalb der Board der Aldermen dem Lordmayor nicht, wie üblich, beim Scheiden aus dem Amte seinen Dank bezeugte. Äarttato war ein vielseitig begabter Mann. Sein Ehrgeiz war u. a. auch, Theaterstücke zu schreiben. Seine Lebensweise war überaus einfach. Barnato hinterläßt zwei Kinder. Der Tochter gab er nach seinem ersten Bergwerk den Namen Leah Primrose und dem Sohn den Namen Ladas Rosebery. Barnato beabsichtigte, zu Ehren des Regierungsjublläums dör Königin ein großartiges Fest in seinem erst kürzlich vollendeten palastähnlichen Hause in Park Laue (London) zu veranstalten. Barney BStnato — oder vielmehr Barncy Jsaacs, denn den Namen"Barnato nahm er erst in Afrika an, wo sein Bruder schon unter demselben als - Zauberkünstler bekannt war — besuchte die/ jüdische Freischule in Whitechapel. Wie er diese verließ, gab ihm sein Lehrer, der ihn" sehr gern hatte, seinen Segen und einen '-Penny zum Abschied. Als halb London in Aufregung über die Gründung der Barnato-Bank war, wollte Barney durchaus seinen alten Lehrer Wiedersehen. Nach vieler Mühe fand er ihn und sagte ihm: „Erinnern Sie sich noch des kleinen Barney, dem Sie vor dreißig Jahren einen Penny gaben, als er die Schule verließ? Hier bringe ich Ihnen denselben mit Zins und Zinseszrnse» . wieder." Dabei händigte er dem alten Mann einen Check für hundert Guineas ein. Seine eigentliche Karriere begann er mit Handel alter Kleider in Middlesex Street, besser unter dem Namen „Petticoat Lane" bekannt. Nie hat er seine alten Bekannten und Verwandten aus dem Viertel vergessen, noch sich gescheut, wenn er einem alten Kameraden'in her Straße begegnete, seinen Wagen halten zu lassen und ihm-die Hand zu reichen.- Seit mehr denn zwölf Jahren war es ihm zur Gewohnheit geworden, den Vorabend des jüdischen Osterfestes in Petticoat-Lane, im Hause eines Herrn Barnett, Provianthändler daselbst, zu verbringen Stets brachte er erste Sänger, Musiker und Schriftsteller seines Glaubens Mit, und mit Ungeduld erwartete man jährlich dieses Fest. Hunderte seiner ärmeren Glaubensgenossen wurden dann' von ihm unterstützt, und er ließ keinen mit leeren Händen fort. Als ihm vor Kurzem mitgetheilt wurde, daß großes Elend im Petticoat Lane-Distrikt herrsche, sandle er einem dort ansässigen Kaufmann 500 Pfund Sterling mit der Messung, diese Summe unter die Bedürftigsten zu vertheiltzn. Zu diesen-Osterfesten wurden nur streng jüdische Gerichte gereichtda Barnato eine Vorliebe für diese bewahrt-. Einen/besonderen Spaß machte es ihm, dem Menu seiner großen Galadiners stets ein echtes jüdisches Gericht einzuverleiben. Amerika. C. H. New-Aork. Anfang Juni. . In Little Rock, Arkansas, fand pom 7. bis 9. Mai die Einweihung der prächtigen neuerbäuten-Synagoge statt. Die^Weiherede hielt der. aus Cincinnati gekommene verehrte Rabbiner Dr. Wise. — Eine ganz besonders interessante Einweihung fand hier am 22. Mai statt. Die Gemeinde Shearith Israel in New- Fork, die älteste Gemeinde des Landes, um -die Mitte des 17. Jahr-

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