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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Hunderts ^urs portugiesischen Einwandererndie von Holland und' Hmstlien kamen, gebildet, hat ihA,sechste Synagoge eingeweiht, indem^sie dem allgemeinen Zug der Stadt nach Norden folgte. Die Gemeinde folgt dem orthodoxen portugiesischen Ritus trotz eines vor dem BawIer neuen Synagoge unternommenen Reformsturmes. Die Opponenten fühlen, daß sie den Konservativismus ihrer historischen Stellung schulen. Portugiesisch ist die Gemeinde durch ihren Rabbiner Henry Pereira Mendes und ihren Chasan Jakob Nieto. Im Uebrigen findet man außer anglisirten Namen und solchen, die, wie Cohen und Levin, iben Ursprung nicht feststellen lassen, unter den Vorstehern: Louis Heymann, Mankiewitz, Steinberg u. s to.^ Auch,, ein früherer Minister Jsaac B. Seixas ist mütterlicherseits ein' Enkeb von Heymann Levy und Slove Meyers. Ein großes Verdienst hat sich der „American Hebrew" -erworben, indem er in einer Festnummer eine, treffliche illustrirte Geschichte dieser historischen Gemeinde giebt. Die Festnummer ist separatem für 25 Cents erhältlich. —Eine-allgemeine Ueberraschung hat der RiMer Mayer Sylzberger in PhiladeUhict^ hervorgerufen. In einem Schreiben an^ das 'vielgelesene JargM-Blatts,/Jüdische Gasetten" riÄH er zur Erhaltung des. .Judenthums unter den russischen Juden, die Feier des — Sonntags, welchen er Sabbath scheni nennt. Sulzberger, ein Freund Jsaac Leesers, dessen Blatt Occident er nach dessen Tode herausgab, galt als ein Orthodoxer!—Die Gemeinde Kenesseth Israel in Philadelphia hat das zehnjährige Jubiläum der Einführung des Sonntags gottesdien stes gefeiert. Bei dem Anlasse wurden Reden Md > Aufsätze in einer Broschüre gesammelt herausgegeben. — Juda Wistenetzki, ein auch in Deutschland bekannter Gelehrter, kehrt nach seiner Heimath zurück, nachdem er fünf Jahre hier mit Noth gerungen hat, ohne sich auch nur eine kümmerliche Existenz gründen zu können. — Die New-Porker Schneider sind trotz der Ungunst der Zeiten Md trotz des; Widerrathens ihres Führers Mayer Schoenfeld in einen Streik eingetreten. Sie behaupten, daß ein geschickter Arbeiter bei elfstündiger Arbeit nicht mehr als 3 Dollars wöchentlich verdiene. Für die Wotzlthatigkeirsgesellschaft Newyorks ein neuer Schlag. — Der bekannte Schriftsteller-und Politiker Simon Wolf in Washington hat eine Biographie Mordecai Manuel Noahs, des amerikanischen Gesandten in Marokko, herausgegeben. Die Biographie des Mannes, welcher das erste Projekt eines , jüdischen Nationalstaates praktisch in Angriff nahm, ist heutzutage besonders zeitgemäß. — Das Michael Reese-Hospital in Chicag o erhieft durch die Munificenz des Herrn Jakob Rosenberg einen Erweiterungsbau, welcher 20 Betten faßt. Bei der Einweihung des neuen Flügels spendete : Herr Moriz Rosen feld 1000 Dollars für zwei Bettstiftungen. — Die jüdische Litteraturgesellschaft hielt ihre Jahresversammlung am 23. Mai in Philadelphia. .Sie hat 4101 Mitglieder und ein Einkommen von IS 700 Dollars. Ihre letzte Veröffentlichung: „Vorträge, gehalten auf dem Frauenkongresse in New-Iork", hat übrigens verschiedentlich Mißbilligung hervorgerufen. — Am 25. v. M. fand die Jahresversammlung der New-Dorker Waisenhausgesellschaft statt. Dem Berichte des Präsidenten Emauuel Lehmann entnehmen wir die recht bezeichnende Tbatsache, daß die Gesellschaft bei ihrer Gründung 1860 für 30 Waisen sorgte und im letzten Jahre 823 Zöglinge beherbergte. Das Einkommen des letzten Jahres betrug 171874, die Ausgaben, welche größere Baulichkeiten einschließen, 225793 Dollars. Die zinsbaren Obligationen der Anstalt belaufen sich auf 307100 Doll. Das bedeutendste Ereigniß des Jahres ist die Schenkung von 100000 Dollars von Seiten des Präsidenten Lehmann. Dr. H. Baar, der Direktor der Anstalt, welcher kürzlich sein 71. Lebensjahr vollendete, erhielt ein enthusiastisches Vertrauensvotum, .in welchem die Hoffnung ausgedrückt wurde, daß er seinem 'Berufe noch lange erhalten bleibe. — Ein Bild der unter den Arbeitern herrschenden Noth giebt folgender Fall, der sich am 3. Mai in New- Iork ereignete: der Anstreicher Juda Liebkopelowitz, ein Familienvater von vier Kindern, legte Tallith und Tephillin an und stürzte sich vom Dache eines dreistöckigen Hauses auf die Straße hinab, wo er zerschmettert liegen blieb. — In der Sammlung: Our Palpit, welche die Sonntagspredigten, gehalten in der Kenesseth Israel-Gemeinde in Philadelphia, enthält, ist. erschienen: „Sehet zu, daß die Republik, keineü Schaden erleide. Eine Rede über die Uebel der Schutzzollpolitik, wenn sie einseitig auf Einfuhrzölle angewendet wird." Von Rabbiner I. Leonard Levy. Von Dr. Krauskopf, dem ersten Rabbiner derselben Gemeinde ist kürzlich erschienen: Gute und böse Einflüsse des Romans, eine Rede, gehalten in der Synagoge Kenesseth Israel am 7. Februar 1897. Non Nah und Fern. ----- Im das - Centralkomitee zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem wurde an Stelle des leider so' früh Heimgegangenen Herrn Theodor Hamburger, der sich um-das Liebeswerk sehr verdient gemacht hat, Herr Hermann Lehmann in Stettin einstimmig gewählt, der sich bereits als eifriger Förderer auch dieses Werkes der Wohlthätigkeit ausgezeichnet hat. — Zum Generalkonsul in Berlin ist seilens der Vereinigten Staaten von Nordamerika der frühere Generalkonsul in Wien, Julius Goldschmidt, ernannt worden. Goldschmidt ist in Deutschland geboren; in seiner früheren Thätigktzit in Wien erfreute er sich großer Beliebtheit. — Das österreichische Ministerium des Innern hat der in Berlin erscheinenden Zeitschrift Der moderne Völkergeist" das Postdebit für die im Neichsrathe vertretenen Königreiche und Länder entzogen. „Der moderne Völkergeist" pertritt bekanntlich die antisemitischen und antichristlichen Anschauungen Eugen Dührings und ist ein Organ des „Sozialitären Bundes." — In Braunschweig ist Kommerzienrath Albert Oppenheinier im 82. Lebensjahre gestorben. Er war einer ..der angesehensten Männer der Stadt und lange Jahre Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde. — In Erlangen hat Professor Dr. Rosenthal auf seine Professur verzichtet. Diese Amtsniederlegung steht mit den hinlänglich bekannten Vorgängen im Kolleg zusammen, in dem der berühmte Physiologe durch eine unpassende Bemerkung das Mißfallen seiner Zuhörer erregte. — In der konstituirenden Ausschußsttzung des „Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes" wurde Rabbiner Dr. Wern er in München zum Schatzmeister gewählt, und sind alle Beiträge an ihn zu senden. — Anläßlich der Enthüllung des Denkmals für den -Kaiser Wilhelm i in Köln war Herr Rabbiner Dr. Frank vom Oberbürgermeister zu allen Festlichkeiten, Enthüllung des Denkmals, Festmahl im Gürzenich und Paradefahrt auf dem Rhein, eingeladen'. — Nach Mittheilung des königlichen Generalkommandos des XIV. Armeekorps an den badischen Oberrath der Israeliten sind die demselben unterstellten Kommandobehörden und Truppentheile ein für allemal. aNangewiesen, dem Ansuchen der israelitischen Mannschaften um Beurlaubung bezw. Diensterleichterung an den hohen israelitischen Feiertagen, nämlich : an den beiden ersten und letzten Tagen des Pessachfestes, beiden Tagen des Wochenfestes, beiden Tagen des Neujahrsfestes, am Versöhnungstage, an den beiden ersten und letzten Tagen des Hüttenfestes, jeweils mit dem Vorabend beginnend, soweit es die dienstlichen Interessen bezw. die Führung der Mannschaften gestatten, Folge zu geben. — Der Bildhauer M. Antokolski hat den Auftrag erhallen, für das russische Nationalmuseum in Petersburg eine Büste Alexanders III. in Marmor zu modelliren. — Die Auswanderung in Kurland nimmt nach der letzten Volkszählung, sehr überhand. Besonders gehen jüdische Handelsleute und Handwerker unter dem Druck der gegen die nicht kurländischen Israeliten gerichteten Verwaltungs- Maßregeln nach wie vor in beträchtlicher Anzahl über See, um sich meistens Transvaal zuzuwenden, wo sie mehr Erwerbsgelegenheiten finden als in ihrer litthauisch-polnischen Heimathszone. In Johannesburg giebt es heute so zahlreiche russisch-jüdische Geschäftsleute, daß man dort ein russisches Konsulat errichten.mußte. — Schlecht geht es den Juden von Arta, welche von dort nach Corsu geflüchtet sind und die bitterste Noth leiden^ Ein Komitee, aus den angesehensten Mitgliedern der Corfuer Gemeinde gebildet, hat einen Aufruf , für diese Armen nach England gesendet, der hoffentlich Erfolg haben wird. — Die jüdischen Sä)ulen in London haben sich zu einer Jewish Voluntary Schools Association organisirt, wodurch ihnen der Anspruch auf eine ergiebige Staatsunterstützung gesichert wird, wie solche die Schulen der anderen Konfessionen nach dem neuen Gesetz ebenfalls beziehen werden. Präsident der neuen Vereinigung ist Lord Rothschild. — Dr. Joseph Senner, der Einwanderungskommissar von N ew-I ork, schätzt die Gesammt-Einwanderung in den Vereinigten Staaten auf ca 100 000 Seelen, wovon die Juden etwa den vierten Theil ausmachen. — In Siona City ist eine jüdische Dame, Mrs. I. M. Cohen, Gemeindevorsteher geworden. Es dürste wohl das erste Mal fein, daß eine jüdische Gemeinde eine Frau an ihre Spitze beruft. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: M ax Bauch Witz in Berlin.

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