Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228229--53803-3267747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

312 wird nur am Sabbath für die spärlichen Besucher geöffnet; un^ter denen jetzt Rosenfeld den ersten Rang unbestritten einnimmt. ■ | Die Zuckerfabrik ist, Dank den vereinigten Bemühungen Dr. Kohns und des Buchhalters zu neuer Prosperität gelangt. Der Buchhalter fnngirt als Direktor und Dr. Kohn ist der EigenthüMer von zwei Dritteln des Aktienkapitals. Der plötzliche Tod. des Präsidenten des Verwaltungsrathes hatte versöhnend auf die Gemüther gewirkt. Die eigentlichen Feinde des Unternehmens wurden von Denjenigen überstinnnt, welche sie früher geleitet hatten, und mußten für die Weiterführung der Fabrik stimmen, da sie auf den Antrag Dr. Kohns, ihre Aktien znm Einzahlungskurse zu verkaufen, nicht eingehen mochten. Der Major resignirte gegen das Versprechen, daß man dem Gerichte keine Anzeige über die von dem flüchtigen Kassirer belehnten Wechsel machen und Herrn von Aspernfelds Auslieferung nicht verlangen wolle. Walter hatte dem Kreisphysikus den bltttbefleckten Brief übergeben, den er bei der Leiche des Bürgermeisters gefunden hatte, und ihm von dem Telegramme des Polizeichefs Mittheilung gemacht. Der Kreisphysikus legte ihm Verschwiegenheit auf, denn der Verdacht eines Selbstmordes würde der Rekonstruktion der Fabrik schaden, nur follteii die Gegner es als eine Konzession betrachten, wenn man von der Verfolgung des Flüchtigen Itöftanb nehme. Und das gelang vollkonunen. Der Major resignirte, und der Kreisphysikus, der unter Pensionsverzicht seine amtliche Stellung niederlegte, wurde in den Verwaltungsrath gewählt, in welchen auch der Bankdirektor Zimmermann eintrat. Auf dem Grabe Awroms, das ein einfacher Marmorobelisk zierte, fand man eines Tages einen Kranz aus dürren Blumen. Eine verschleierte Dame, die im Gasthofe abgestiegen war, hatte ihn dort niedergelegt. Sie hatte sich sonst Niemandem gezeigt. Im Fremdenbuche hatte sie ihren Namen als „Frau L. Rosenbaum, Sprachlehrerin" eingetragen. Wer sie war, wußte Jedermann, obwohl sie Niemand erkannt hätte. Ihre Gestalt war gebeugt, ihr Haar gebleicht, ihr. Gesicht hohlwangig, ihre Kleidung ärmlich und nachlässig. Sie hatte schwere Tage durchgemacht. Aspernfeld hatte in kurzer Zeit nicht nur seinen Raub," sondern auch ihre Baarmittel durchgebracht, ihre Juwelen verpfändet nnb behandelte sie mit empörender Rohheit, während sie durch Nähen sich kümmerlich ernährte. Eines Abends, als Aspernfeld trunken nach Hause kam, bedrohte er sie mit einem Revolver. Schreiend entfloh sie nach dem Hausflur, wo die herbeigelaufenen Nachbarn einen Schuß hörten. Der Verbrecher hatte sein Strafgericht an sich selber vollzogen. Jetzt erinnerte sich Leonore ihres Judenthums. Eine jüdische Wohlthätigkeitsgesellschaft gab ihr die Mittel zur Rückkehr in die Heimath, wo sie sich unter ihrem Mädchennamen niederließ und, ihren Verwandten sorgfältig aus bem Wege gehend, als Sprachlehrerin ihr Dasein fristete. Von den ersten Ersparnisien, die sie sich abgedarbt hatte, brachte sie das Sühneopfer auf dem Sarge ihres treulos verlassenen Gatten dar. gpvedjTäaL Sehr geehrter Herr Redakteur! (Z^err Dr. P. sagt in Nr. 24, S. 288: „Bei Gott ist ein Tag wie der andere. . ." Hierzu bemerke ich, daß die „Sabbathfrage" schon in Sirach 36, 7 erörtert wird. „Warum hat ein Tag vor dem anderen einen Vorzug, da doch das Licht eines jeden Tages im Jahre von der Sonne kommt?. Nach der Einsicht Gottes sind sie gesondert worden; er hat verschiedene Zeiten und Feste eingesetzt. Einige hat er erhöht und geheiligt; die anderen setzte er als gewöhnliche Tage an. Auch die Menschen stammen alle von der Erde; aus Staub ist Adam gebildet worden. Aber nach der Fülle seiner Einsicht sonderte?sie> der Herr und ließ sie verschiedene Wege Anschlägen. Einige von ihnen segnete und erhöhte er; einige näherte er sich und heiligte sie." . . Cassel, Apokryphen S. 76. In ähnlicher Weise Synh. 65b. R. Akiba wurde von Rufus gefragt: „Was ist denn ein Tag (Sabbath) anderes als alle anderen Tage?" Dieser entgegnete: „Was ist denn ein Mann (du) anderes als alle anderen Männer?" Rufus sagte: „Mein Herr (der Kaiser) will es so (mich auszeichnen)." Worauf R. Akiba sprach: „Den Sabbath will auch mein Herr bevorzugen." Siehe noch Lerseebitb rabba, Abschnitt 11. Bezüglich der Anführung Beza 16a bemerke ich, daß „Alles, was Hillel that, geschah im Namen Gottes". Sein Wahlspruch war: „Gepriesen sei der Herr Tag für Tag." Hillel hat auch den Sabbath geehrt, weil er aber, wie bekannt, eine lange Zeit in großer Armuth sich befand, so war er auf das, was ihm ein jeder Tag brachte, angewiesen. Die Wochentage darben, um nur den Sabbath zu ehren, hielt er in seinem großen Gottvertrauen nicht für gottgefällig. „Wer aber ein nöthig Gebot will aus dem Sabbath machen, als ein Werk von Gott erfordert, der muß den Sonnabend halten und nicht den Sonntag, denn der Sonnabend ist den Inden geboten und nicht der Sonntag." Luther, Th. III, S. 643. Zur geistreichen Bemerkung des Herrn Dr. P., qv Pf. 19, 3, führe ich Vers 4 an: 2^2^ ptfl ‘“lÖN TK- Hochachtungsvoll Dresden, 15. Juni. M. Auerbach. Geehrte Redaktion! Mn Ihrer Nummer 22, Seite 258, forschen Sie nach dem Ursprung des Wortes Tatscher (wie es richtig in Mitteldeutschland, nicht Taascher, heißt). Dieses Wort ist deutsch. Es wird in der Rhön für eine Art flachen Weißbrodes gebraucht,, und zwar bei den Christen, von welchen es, wie so manche Worte aus Unterfranken und Südthüringen, auf die Juden übergegangen ist. Diese Worte sind aus eben benannten Gegenden bis an das rechte Rheinufer gedrungen. Daß das Wort Tatscher oder auch Tätscher namentlich in Süd- und Westthüringen und (bair.) Unterfranken gebräuchlich ist, habe ich bestätigt gefunden in der Kaplan und später Kapuziner Bauers Schrift über das Kloster auf dem heiligen Kreuzberg vom Jahre 1816, der zugleich eine Beschreibung von Land und Leuten der Gegend zwischen Fulda und Bischofsheim vor der Rhön giebt, in dessen Centrum der historisch sehr merkwürdige heilige Kreuzberg liegt. Vielleicht giebt dies Anregung zur Besprechung über andere Worte, deren Ursprung darauf hindeutet, daß die Juden sehr viele derartige Ausdrücke von Provinzialismen entlehnten, worüber ich vielleicht Auskunft geben könnte. Hochachtungsvoll Frankfurt a. M, 17. Juni. Salomon Levy. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mn einem Artikel der heute erschienenen Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" wird von meinem Vater, dem Rabbiner der Posener Gemeinde, gesagt: er habe sich im Laufe der Jahre zu einem Führer der Orthodoxie — sollen wir nun sagen — entwickelt oder verwickelt. Da diese Redewendung die Vorstellung erweckt, als ob mein Vater während der Zeit seiner Amtsthätigkeit Wandlungen in seiner religiösen Ueberzeugung durchgemacht oder gar sich halb widerwillig in eine-orthodoxe Richtung habe hineinziehen lassen, so muß ich gegen eine solche Insinuation entschieden Verwahrung, einlegen. Wer meinen Vater kennt, weiß seine echte, unentwegte Ueberzeugungstreue zu würdigen, und gerade diese ist auch von den namhaftesten Vertretern der Posener Gemeinde ohne Unterschied der Parteistellung bei dem diese Woche unter allseitiger Theilnahme.gefeierten Amtsjubiläum meines Vaters am meisten hervorgehoben worden. Billigerweise' sollte aber ein solcher Mann auch vor Fernerstehenden nicht in ein falsches Licht gesetzt werden. Hochachtungsvoll. Hamburg,. 18. Juni.. Dr. A. Feilchenfeld, Realschullehrer. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.