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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 308 (sequence 8)
Language
German
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308 Und als der Schlachtruf nach der Väter Weise Der Krieger einig Herz bewährt. Da schlich ein Einziger aus dem Männerkreise, Sin Einziger fort, den düstrer Gram verzehrt. Ein Feiger? nein! Muth flammt das Antlitz dir. Und doch, dein Antlitz giebt die Antwort mir. — Du bist ein Jude — undsie haben Dein Blut gewittert wie ein Aas die Raben, Das jüdisch fremde Blut soll mit dem ihren Den deutschen Boden nicht berühren. Du bist ein Jude — hohngeneckt Um des Erlösers blut'gen Mord, Aus trautem Freundesarm geschreckt Durch böser Rede giftig Wort,-. Bist du im trüben Morgengrauen Der Erste auf dem Schlachtgefild zu schauen. Und sieh, wie fernes Waffenblitzen Durchleuchtet es den Wald. In euren Reihen, Ihr Brüder! Heute gilts, ein zweites Lützen Dem Geist der Freiheit und des Rechts zu weih'n. Die jungen Preußen stehn, geschaart zum Streite, Lautlos vor ihrer ersten Wahlstatt da. Glück auf! Die Geister kämpfen euch zur Seite, Die Sanherib im wüsten Traume sah. Den Blücher schaut, der keck zu Rosse stieg, . Wie gießt sein Wort in jedes Herz den Sieg! „Ob Satan knurrt, 's nicht so bös gemeint. Laßt euch durch Teufelsspuk nicht äffen." Muth, Brüder, Muth! tönt es von Freund zu Freund, Der Alte spricht: „Nicht alle Kugeln treffen". Die erste traf. Ohnmächtig, todtenblaß. Sinkt Hauschild nieder. Schnell erlischt der Haß In Blutes Lethe. Die Gefährten dringen Hastig herbei, ihm Hilfe darzubringen. Das Blut zu stillen und mit weichen Binden Den wunden Arm dem Wackern zu umwinden. Da Plötzlich sammelt sich der irre Geist, Er blickt um sich, erkennt und reißt Sich den Verband vom Arme, den Genossen Den Grimm zuschleudernd, den er läng verschlossen. „Halunken! weicht von mir! Mit seinem Strahl Hat mich der Herr getroffen. Eure Wege Sind nicht wie meine. Nicht an eurer Pflege Verharrscht dies heilige Wundenmal. Ihr weichen Seelen, habet Dank, Ihr laßt mich nicht für Recht und Freiheit sterben — Ach Gott! — um Freiheit werben, Es war mein Erbtheil all mein Leben lang. Ich bin ein Jud', ich suche nicht den Tod, Ich harre seiner, wie mir Gott gebot. Doch was ich suche, Ehr und Ruhm, Der Väter uralt Eigenthum, Ist im Spitale nicht, wo meine Kraft Verdorren soll, wie Ihr gemeint." Er sprichts und hat sich mühsam aufgerafft. Er schwingt sein Schwert und stürzt sich in den Feind. Die Schlacht verrauscht. Als Mitternacht genaht, Durchspäh'n die Freunde noch das blut'ge Feld, Beim späten Werk der Liebe, wird ihr Pfad Von zweier Dörfer grausem Brand erhellt. Verblutet auf dem Schlachtgefilde Liegt Hauschild da auf seinem Sparterschilde. Ein kaltes Grau'n erstickt die Klagen, Nur Todtenpfleger durften sie ihm sein. Jedweder eine große Frage An Gott im Herzen, bei des Mondes Schein Im Weidenschatten senken sie ihn ein. •. Vielleicht hat Varnhagen, der.den Befreiungskrieg mitmachte, einen Vorgang, wie den hier geschilderten, miterlebt. Jedenfalls verstand es Veit, den Vorgang poetisch eigenartig zu gestalten. Leider ist ja das hier Beklagte nicht geschwunden: noch heute haben jüdische Soldaten ihres Glaubens wegen- Zurücksetzung genug zu erfahren. Sie erfüllen trotzdem ihre Pflicht, wie sie sie früher erfüllt haben. Aus vergilbten Blättern kommt dem Betrachter manch weh-, müthiger Gedanke. Doch auch-tröstende stellen sich ein. Zu diesen gehört das Zusammenwirken vorurtheilslos Denkender aus verschiedenen Konfessionen, innige Gemeinschaft Edler, die in ihrem schönen Wirken keine Schränken kennen, Schranken, die nur der Fanatismus aufgerichtet hat und die währe Aufklärung niederreißen muß. " -—1 1-1 | -:--=-—I i—> H--? 1 | FEUILLETON | J ^1 miimmmn, ImllMmw -1 1-1 i---1 1:-1 MMMMW uTPmiDimlTiöS |-* Andere Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der jüngsten Vergangenheit von Gotthard Deutsch. Achtu nddreißigstes Kap itel. Die Todtenfeier- ••:■- <MDm Montag Nachmittag war die Stadt in. einer noch nicht dagewesenen Aufregung. Böllerschüsse verkündeten von dem Schloßberge den Beginn der Feier., Das Ratyhaus, die Sparkasse und die Fabrik hatten schwärze Fahnen" ausgesteckt, und eine für einen Wochentag ungewöhnlich große'Menschenmenge wogte auf dem Marktplatze auf und ab. Vom Rathhause bis zur Synagoge bildeten die uniformirten Vereine Spalier, und ein lautes „Habt Acht" erschallte durch die Reihen, als die Trauergäste sich von ihrem Versammlungsplatze nach dem Rathhause begaben; voran die Stadtvertretung, hierauf die.Beamten der Stadt,' der Sparkasse und der Zuckerfabrik, Deputationen einzelner Vereine und die Vereine und die Vertreter der jüdischen Gemeinde, darunter der Rabbiner in seinem Talare und Ignaz Rosenfeld im feierlichen Salonanzug, an dessen jedem Knopfe man sehen konnte, wie dessen Besitzer überzeugt sei, daß er die Ehre des gesummten Judenthums zu retten berufen sei. Die Froinmen, wie Reb Bär, Scholem Hirsch und der alte Mordche, hatten es vorgezogen, bei der Synagoge zu warten. Sie wollten in der Gegenwart einer Leiche nicht mit entblößtem Haupte dastehen. Der Kreisphysikus Doktor Kohn war unter den Tranergästen, doch die Abwesenheit der Wittwe erregte allgemeines Aufsehen, und kopfschüttelnd nahm man die Nachricht entgegen, daß sie gerade an dem Todestage ihres Gatten eine Reise an die See angetreten habe.j Die Feierlichkeit nahm ihren Programmmäßigen Verlauf. Nachdem der Männergesangverein „Harmonie" „Es ist bestimmt in. Gottes Rath" gesungen hatte, trat der amtirende Gemeinderath vor und hielt oder richtiger gesagt, las aus den Notizblättern, die er in der linken Hand hielt, eine .Rede vor, in welcher er der Trauer der Stadtvertretung um den Verlust ihres Oberhauptes Ausdruck gab.; Er rühmte des Dahingeschiedenen echten Bürgersinn, hob hervor,

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