Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1897)
- Date
- 1897-06-25
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Verordnung über die Namen deL. Juden, die . preußische und die österreichische, beide vom Jahre 1838, bezieht. Jene erstere ist in der jüdischen Litteratur 'bekanntlich dadurch merkwürdig geworden, daß sie Zunz Veranlassung zu seiner merkwürdigen Schrift „Namen der Juden" gab. , Wenn Sachs bei Erwähnung dieser für die Juden bestimmten Verordnung „beileibe .nicht. Israeliten" hinzufügt, so kann, dieser Zusatz wohl ironisch gefaßt werden. Er würde dann besagen,- daß nicht blos ein Unrecht dadurch begangen würde, daß der einzelne Jude in der Wahl seines Namens gehindertsondern nuch dadurch, daß der ganzen Glaubensgemeinschaft, eine bestimmte Bezeichnung aufgezwungen werde?) \ . Die 20 Briefe Veits an Varnhagen, die in. der Varnhagenschen Sammlung der Verl. Bibl. sich befinden, sind meist Begleitbriefe zu Büchern, die im Veit'schen Werlage in Berlin erschienen und Barnhagen entweder gur Rezension oder zur Lektüre übersendet wurden. Auf keinen Brief dieses Inhalts kann in unserem Zusammenhänge eingegangen werden. Wohl aber.verdient ein Brief, vom 24. September 1852 eine Erwähnung und zwei Lei sehr verschiedenen Gelegenheiten geschriebene Gedichte eine wörtliche Mittheilung. Jener Brief bezieht sich auf die von Sachs und Veit herausgegebene Sammlung von Uebersetzungen jüdischer Gedichte, die endgiltig bekanntlich den Titel „Stimmen vom ^Euphrat und Jordan" erhielten. Aus dem Veit'schen Briefe nun geht hervor, daß Veit damals als Herausgeber jener Sammlung neben diesem Titel noch die folgenden zwei 4 „Poesie-und Weisheit der Rabbiner" und „die Schüler der Weisen" in Vorschlag brachte. Den erstercn bezeichnte er als zu gelehrt, zwischen dem letzteren und dem wirklich gewählten Titel schwankte er. Es scheint, daß für den letzteren Varnhagens Beifall den Ausschlag gegeben habe. Von den Gedichten führt das erste das Datum 17. August 1833. Es ist eine stimmungsvolle Klage beim Tode der Rahel (Levin), der Gattin Varnhagens, und lautet: O weine nicht! Denk an die namenlosen Millionen* Schmerzen, stumm verseufzte Klagen - Um dunkle, spurlos Heimgegangene Lieben. Dein Schmerz gehört der Welt, sie hilft Dir tragen. Und stehe nur :, des Lebens frische Rosen Hat schon Dein dürres Dulderkreuz getrieben, - Dir ist ein Wort geblieben. Ein Laut von jenem Worte, das gewesen Bei Gott dem Herrn, dem Anfang aller Dinge, Ein erstes Glied im großen Wesenringe, Jung wie die Urwelt, klar und auserlesen. Und dieses. Wort, die Saat zu künftigen Zeiten, Darfst Du es nicht, apostelgleich, verbreiten? Und meine doch! Dir war es. ja zu eigen, Du hast, es als Dein Eigenstes genossen; . Was uns als Geistesheldenthum entzückte, ~ Die Lippen, die von Weisheit Überflossen,?) Bei der Gelegenheit sei folgende Anregung gegeben: Könnte nicht Jemand, der kundiger-ist und . mehr Zeit besitzt qls ich, zeigen, wie die Begriffe/ Jude, Israelit, jüdisch, israelitisch, mosaisch -in. Deutschland allmählich aufgekommen, bald der eine< bald der andere voy den Bekenner» deZ Glaubens vorgezogen oder von den Regierenden als amtliche Bezeichnung bestimmt worden ist? Die großen deutschen Wörterbücher lassen bei dieser Frage völlig im Stich. - Zu verschiedenen Zeiten protestirten Manche gegen den . Namen „Jude" als einen -zum Schimpf gebrauchten und erbaten einen anderen; man denke nur an David Frtedlaender. Sie mochten Dir sich lieb und mild erzeigen. Das Weltenauge, das der Erd'entrückte. Das.rück-und vorwärts bliöne, , Schon, fühlen wir's im Geist, und Herzen tagen Bor der prophetisch rücksichtslosen Wahrheit; —" Und das Verworrene lichtet sich zur Klarheit — Dir sprach es Lieb' und menschliches Behagen. Drum weine Du aus angstgepreßtem Herzen, Denn gleich vor Gott sind alle edlen Schmerzen. Ich habe Deine Stille unterbrochen Ein Recht zu wahren, das die> Spätgeborenen An Jener haben, die uns so entzückte; Wir dürsten nach dem Worte der^Erkornen, , Denn wir sind Nachwelt, der. ihr Mund gesprochen. ■ #i.,Die Weisheit, die der Herr in ihr gegründet, 7 Sie werde laut verkündet, ■ ■ ■ ■ Dem Menschenwitze ist sie nicht verpflichtet. : - Die das Orakel der Prophetin deuteln, ’ n. - ‘ Die kleinen Seelen, die befangenen, eiteln, ' <}!■' Sie Wissens nicht, sie haben sich gerichtet. ■:t Sibyllas Blätter mußten früh verderben, }. Die Zeit ist reif, und wir sind Rahels Erben. Für mich, vielleicht nicht für alle Leser, ist vorstehendes Gedicht, dessen sprachlicher und metrischer Ausdruck an manchen Stellen bemängelt werden kann, von großer Wichtigkeit. Rahel war am 7. März 1853 gestorben. Wenige Monate später gab Varnhagen einen Auszug ans ihren Briefen heraus, dem er auf Grund mannigfacher Aufforderungen am Anfang des nächsten Jahres das dreibändige Werk „Rahel.. - Ein Buch des Andenkens" folgen ließ. Die geisteskräftige, eigenartige Frau jüdischen Ursprungs, die stets dem Jndenthum Bewunderung zollte, .erschien der .jungen Generation, Christen und Juden, wie eine Prophetin. Ihre Offenbarungen, die sie nur in Briefen und Tagebüchern niederlegte, wurden begierig erwartet. Als Ausdruck dieser Begierde,, als Echo .der allgemeinen Hochschätzung, nicht Ueberschätzung, wie man sich jetzt häufig, aber fglsch ausdrückt, erscheinen mir diese Verse außerordentlich merkwürdig. 7 Das folgende Gedicht darf andieser Stelle Lewiß auf allgemeinen Beifall rechnen. Veil sandte es an Varnhagen mit einigen Zeilen vom 16. März 1842, in denen es heißt, daß. Veit den Stoff Varnhagen verdanke; das Kolorit darin wird erklärt „durch die trüben Stimmungen, in welche die gegenwärtigen Bedrängnisse mich gesetzt haben". 'Zum Verständniß dieser Worte und des-Gedichtes überhaupt muß daran erinnert werden, -daß man damals-fürchtete, das Recht und die Pflicht der Juden, im preußischen Heere ihrer Vürgeripidjfc zu genügen, würde ihnen genommen werden. ■ r Das Gedicht selbst lautet?) ' * , '?; Das Lager schallt von nmtHig frohen Liedern- '; Als gält's ein lustiges Turnei, / Doch ist's ein Wettkampf, den ein Volk von Brüdern Begonnen wider Frankreichs Tyrannei'. ' 7 ') Ich lasse das Gedicht hier folgen/trotzdem es bereits einmal veröffentlicht ist,, übrigens mit einigen kleinen Aenderüngen, die hier Unbeachtet geblieben sind. Aber die Veröffentlichung findet sich nur in der Schrift „Andenken an Moritz Beit, für Freunde als Manuskript gedruckt, Berlin 1870, Druck von Gustav Schade", ' ist daher nur einem kleinen Freundes- und Berwandtenkreise des Dichters bekannt, geworden. Während es in der mir vorliegenden Originalhandschrist keinen Titel .führt, führt es in dem Druck, Seite 83 bis 86, den Titel „Nach einer ^Erzählung Varnhagens 1842", also eigentlich einen Nebentitel, der nur 'die Quelle, nicht aber den Inhalt angiebt. Durch die von mir zuerst ^nntgetheilten Beziehungen des. Gedichts wird, sein Verständniß'wesentlich gefördert: