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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 304 (sequence 4)
Language
German
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r •’siü'S! 304 mittelloser Eltern und hatten sich unter Schwierigkeiten, von welchen der-Außenstehende sich kaum einen Begriff machen kann, zu den ehrenhaften Stellungen emporgerungen. Der Sinn für das Höhere und Bessere ist bei den polnischen Juden-weit ausgebildeter, als wie man sonst anzunehmen Pflegt, und unter einer rauhen Kruste äußerer, von den Verhältniffen zurückgehaltener, daher veralteter Anschauungen birgt sich eine Auffassung der Ideenwelt, die nicht selten der des ausgebildeten Kulturmenschen gleichkommt. Dabei die immenseste Begabung hinsichtlich des Fassungsvermögens. Wir haben hier besonders Gelegenheit, solches -an den Kindern wahrzunehmendie uns von jenseits der Grenze herübergekommen sind. Nicht blos, daß sie beim jüdischen Religionsunterrichte die Schwierigkeiten des ganz und gar entgegengesetzten Lehrsystems und Läuterung des deutschen Ausdrucks aufs Schnellste überwinden, bekommt man auch zu hören, daß sie in den christlichen Schulen mit zu den begabtesten Schülern zählen. .Man thut überhaupt Unrecht, den polnischen Juden als einen solchen von geringerem Werthe zu betrachten, und wir nehmen hier gern Gelegenheit, zu seiner Rehabilitation zu konstatiren, daß er im Punkte der Ehrenhaftigkeit und Bewahrung der Menschenwürde seinen Übrigen Glaubensgenossen nicht nachsteht. Die Gesammtheit der Juden des Zarenreiches ist durchaus nicht verantwortlich zu machen für die moralischen Defekte und den Mangel an ästhetischen Lebensäußerungen, die dem Einzelnen anhaften. Und dann haben wir ja noch in Betracht., zu nehmen das gänzliche Fehlen einer zeitgemäßen Erziehung der Jugend, welche in der breiten Masse der Juden in Rußland noch lange, auf sich warten laffen wird. Dafür sorgen schon zum großen Theil die Chassidim, die in Südrußland noch einen kaum geahnten Anhang besitzen und mit ihrem Rebben an der Spitze noch einen weitreichenden Einfluß auf den „kleinen Mann", besonders auf den Handwerker habender keinen Anstand nimmt, den schwer und mühsam erworbenen Groschen als sogenannten Pidjon hinzutragen, um von ihm eine Belehrung zu empfangen, die für alle möglichen Jahrhunderte, nur nicht für das jetzige geeignet wäre. Dort zeichnet sich der Chassid — was uns bis jetzt ganz unbekannt war — neben wielein anderen von seinen übrigen Glaubensgeuoffen dadurch aus, daß er die Zizis nicht herabhängen läßt, sondern sie quer übergelegt trägt mit der Motivirung, weil geschrieben steht ^22 bv, sie auf den Ecken der Gewänder zu tragen. Und da sollte man sich noch wundern, daß die Sonne der Aufklärung nur in so spärlichem Maße nach den russischen Gefilden hindringen kann. Und — fügen wir hinzu — wo ein Stück Unglück ausbricht, dürfen unsere unglücklichen Glaubensgenossen von jenseits der Grenze schon nicht fehlen, wie aus folgenden zwei traurigen Berichten zu erehen ist. Nach dem Dorfe L ei bi t sch bei Thorn kam vor einigen Wochen ein jüdisches Ehepaar und mit ihm noch ein Jude aus Rußland und logirten sich da in einem Gasthofe ein. Man kennt ja die Scherereien, welchen die nach Rußland Gehenden und von dort Kommenden ausgesetzt sind, und so fanden auch diese Reffenden bei ihrer Ankunft in Leibitsch die Grenze schon gesperrt und mußten nolens volens mit ihrer Weiterfahrt innehalten. In der Nacht brach plötzlich in einem Schuppen Feuer aus, der an das Hauptgebäude sich lehnte, in welchem unsere Reisenden ihr Nachtquartier in einer Dachstube genommen hatten. Man kann sich leicht den Schrecken denken, welcher die armen Leute erfaßt, als sie, von dem Feuerruf aus dem Schlafe geweckt, ihr Logis von den Flammen grell erleuchtet sahen uüd sie die Gefahr erkennen ließ, in welcher sie sich befanden. Aber ihr Schrecken steigerte sich bis zum Entsetzen, als sie, nach der Thür eilend, dieselbe von außen verschlossen fanden. Man versuchte, dieselbe zu erbrechen, allein es gelang nicht. Die Unglücklichen riefen vom Fenster aus nach dem Wirth, und dieser, endlich von den Umstehenden auf das Jammergeschrei der dem Feuertode Ausgesetzten aufmerksam gemacht, eilte nach oben, vergaß aber unglücklicherweise, daß er die Dachstube verschlössen, und unterließ es, den zum Oeffnen nöthigen Schlüffe! mitzubringen.. Statt nun aber in anderer Weise durch Einschlagen der Thür die Befreiung der Eingeschloffenen zu ermöglichen, kehrte er um, um den Schlüssel zu holen, konnte ihn aber in der Verwirrung nicht finden. Und nun geschah das Entsetzlichste. Der in dem Raum, in welchem die drei bezeichneten Insassen sich befanden, sich immer mehr verdichtende Rauch und Quasm führte schließlich den Erstickungstod derselben herbei, und als es . endlich gelungen war, in das Zimmer zu dringen, fand man nur deren Leichen vor. Wohl eilte man schnell nach dem Arzte, und unternahm dieser noch Belebungsversuche, die indeß ganz und garerfolglos blieben. Von einer anderen Seite wird Folgendes gemeldet: Bei Schirwind, das in Verbindung mit dem benachbarten schon russischen Städtchen Neustadt, auch Wladislowo genannt, durch eine über den Fluß erbaute Brücke steht, versuchten es zwei jüdische Auswanderer, weil ihre mangelhafte Legitimation sie veranlaßte, die Grenzstation za umgehen, den Fluß zu durchwaten, geriethen dabei in eine Untiefe und ertranken. Dergleichen Unglücksfälle werden hier von den Zeitungen mit einer Gleichgiltigkeit rubrizirt, als ob sie 31t den täglichen Erscheinungen gehören müßten. Man hat hier schon viel davon gesprochen, und wurde solches auch von den öffentlichen Blättern berichtet, daß hinsichtlich des Grenzverkehrs eine Erleichterung eintreten werde. Allein bis jetzt waltet noch die alte Nothwendigkeit fort, fein bischen Habe, wenn man solches hat, durch künstliche Manöver über die Grenze zu bringen. Will z. B. eine sich hier verheirathende Landestochter ihre Aussteuer nach Rußland schaffen, so kann sie dies nur dadurch ermöglichen, daß sie jedes Kleid, jeden Mantel oder Umhang wie zum gewöhnlichen Ansgehen umnimmt, über die Grenze geht oder fährt, dann zurückkehrt, um alles Uebrige in dieser Form und auf diese Weise von Deutschland nach Rußland zu expediren. Zuweilen geschieht es auch, daß eine Anzahl von Hochzeitsgästen, um es den Neuvermählten zu erleichtern, es unternimmt, ihnen diesen Liebesdienst zu leisten. Die Schulinspektion des Ostpreußischen Gemeinde- Verbandes, welche von dem sel. Doktor Bamberger ins Leben gerufen und während ihres Bestehens von demselben mit so regem Interesse gehegt und gepflegt wurde, scheint jetzt, wo sie ohne leitendes Haupt sich befindet, und wie wir es seinerzeit an dieser Stelle vorausgesagt, ihrer -Auflösung entgegen zu gehen. Ja, der Verband überhaupt scheint in Frage gestellt zu sein, was daraus ersichtlich ist, daß die jährlich einzuziehenden Beiträge, wozu schon früher am 1. April laufenden Jahres von Seiten des Ausschusses die Aufforderung ergangen, bis jetzt noch nicht eingeqangen sind. Es wäre im höchsten Grade zu bedauern, wenn neben dem reichen Verlust, welchen sonst schon, der Tod dieses so vielseitig thätig gewesenen Mannes erzeugt, auch noch eine Schöpfung von ihm in Gefahr gerathen sollte, welche der leider jetzt auf religiösem Gebiete vorwaltenden Lethargie zu begegnen verstanden hat. Es ist doch durch den Ostpreußischen Gemeindeverband schon manches geschehen, was -die kleineren Gemeinden in der Provinz in ihrem Fortbestand erhalten, der bei dem Fortzuge der reichen und bemittelten Mitglieder, der fast in jedem Jahre sich vollzieht, zur Unmöglichkeit geworden wäre. . des ma! tuen lese lich die Pri hat Hel wel -diel Pri Hei wer uni das ma das sich der sein eini heb len an Sp das grö pur hat We ein zun in Fu ein me der seit Sö Ho vor reli we! der sch' Un hin Re MS

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