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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 uiid Lehrer-Seiniiiar imd an her damit verbundenen ElementaoschM des Vize-Qberlandrabbiners Wefll vier christliche Lehrer: Hirschelmann; ' Mathae, Ringleb und Dr.Pyllemann,-Letzterer sogar Geschichte und Geographie. ' . Der allgenreine Landtag lehnte damals, wie bekannt,- nach lruxg? athmigen Debatten die völlige Emanzipation der Juden mit 213 gegen 184 Stimmen ab. Aber schon das nächste Jahr, 1848, brachte dieselbe. °. , '• lasr Die Msche^; ■‘ Berlin. 23. Juni. (cSSfcte Zahlen, welche die..,,,Kreuzzeitung" über, die.Schulstatist'ik.,in Preußep jüngst veröffentlicht und die wir in der vorigen Nummer mitgetheilt haben, werden von den Antisemiten mit. Stillschweigen /übergangen. Natürlich! Seit Jahremist die Ueberstillung der höheren Lehranstalten durch das jüdische. Clement ein stehender Artikel ihrer Klagen und. Anklagen^ Nun soll ihnen-dieser rührende Vorwand, um etwaige Beschränkungen zu beantragen oder durchzusetzen, entzogen werden, weil er einfach gegenstandslos ist. Das geht ihnen wider den Kram. Für uns hat die Sachen freilich noch eine ganz andere Bedeutung. Seit Jahren haben wir davor gekvarnt, das Bildungsproletariat der Berufe zu vermehren, die den Juden in Preußen noch offen stehen, seit Jahren haben wir die jüdischen Eltern gemahnt, ihre Kinder in dieser trüben Zeit und unter den gegenwärtigen Verhältnissen mehr den praktischen.Berufen zuzuführen. Es scheint nun -im der That,' als ob. die Einsichten die Lage in.immer weitere Kreise dringf. Das Zurücktreten des jüdischen .Elements in den Gymnasien, hie hyher.e . Schülerzahl in den Realschulen, beide Erscheinungen sind Symptome. dieser mit innerer Naturnothwendigkeit aus den g^ gebenen Verhältnissen resultirenden Erkenntniß, die für uns aber nichts Beunruhigendes, nichts Niederdrückendes hat. Denn wjr wissen sehr wohl, daß keine Beschränkung, kein Assessorenparagraph, keine Zurückweisung jenen mächtigen. Bildungsdrang' ertödten wird, der pun . einmal, in der jüdischen Jugend.lebt und diese stets erfüllen wird, gleichviel welchen Berufen sie sich auch in der Mehrzahl tfx? wenden wird.. ’ , ■ * ■;; lieber die Exzesse in Schodnica, von denen wir schon. gesprochen, erhält die „Gazeta Lwowska" nachstehenden ausführlichen Bericht: In Schodnica bestand schon seit einiger Zeit zwischen den Arbeiters und den dort ansässigen Juden ein gespanntes Verhältniß. Die Arbeiter haben Wohnungen inne, die ihnen von ihren Arbeitgebern eingeräumt wurden; beköstigt werden sie von ihren Bekannten oder in christlichen Garküchen. Mit den Juden kommen sie blos in den Schänken oder beim Einkäufe'von Maaren zusammen, und da die Preise der Maaren infolge der Konkurrenz ziemlich'niedrig und den Arbeitern genau bekannt sind) kann von einer Ausbeutung und daher auch von einer Rache der Arbeiter für eine etwaige Ausbeulung nicht die. Rede sein. Dke Lohnverhältnisse der Arbeiter in den Schodnicaer Naphthagruben sind günstig; die Arbeiter sind dort im Allgemeinen hochfahrend und streitsüchtig; Schänken besuchen sie gern und häufig, Sonn- und Feiertage verbringen sie müßig und wohnen keinem Gottesdienste bei. Es wurden zwei Agitatoren eruirt, welche die angeheiterten Mazuren gegen die Juden aufgereizt haben. Zwischen Arbeitern und jüdischen Jünglingen kam es schön wiederholt zu Zusammenstößen, das letzte Mal vor zwsi Wochen; unter' den- Arbeitern wurden jedoch Stimmen laut, ' es müsst Rache genommen werden. In der Vorwoche kursirten Gerüchte, daß die Arbeiter einen Uebersall auf die Juden für die Pfingstfeiertage' vorbereiten. Die hiervon benachrichtigte Bezirkshauptmannschaft in Diohobyez verstärkte den dortigen Gendarmerieposten und ordnete entsprechende' Vorsichtsmaßregeln an. Der Sonntag verlief ruhige Abends hat zwar eine Arbeitergruppe mit Juden anzubinden versuchtallein -sie wurde von-der Ortspolizei, sofort vertrieben Montag Nachmittags überfiel eine Anzahl von Arbeitern das vor Schodnica gelegene. Gasthaus des Jojne Ofen und prügelte den. Schankwirth. Ditz PoWi vierdrängte die Exzedenten von dort gegen Schodnica.' Vor dem Hropinationsgebäude, das. in Befürchtung von Ruhestörungen schon um 3 Uhr Nachmittags geschlossen wurde, versammelten sich ungefähr 600. Arbeiter, und' als. die von rd.en Polizei-Organen zürückgedrängten Exzedenten -ort.eintrafen, versuchte-ein gewisser Michael Kuku.lski, die verschlossenen Thüren des Propinationsgebäudes zu erbrechen, wobei er Rufe gegen die Juden aüsstieß. Die Gendarmerie, eilte herbei und forderte die Arbeiter zum- Auseinandergehen auf.: Die Ermahnungen blieben jedoch wirkungslose (Kukulski stürmte unter unablässigem .Schreien die Thür, so daß sich ein Gendarm-''gezwungen sah, ihn zu verhaften. Die Arbeiter wollten Kukulski befreien und drängten sich an die Gendarmen heran. Ein Bruder des Verhafteten, Stanislaus Kukulski, faßte einen der-Gendarmen am Kragen und erhielt deshalb von diesem einen Bajonettstoß. Kukulski siel schwer verwundet nieder und wurde in das Gemeindeamt getragen, woer nach Verlauf einer halben Stunde verschied. Während des Transportes des Verwundeten durch die Postgasse stieß die Menge fortwährend Drohungen gegen die Gendarmen aus. denen sie folgte und hart an den Leib rückte, so daß die Gendarmen jeden Augenblick.stehen bleiben und mit der Waffe schußbereit sich zur Abwehr der Rotte anschicken mußten/ Plötzlich machte die Rotte Kehrt, zerstreute sich nach verschiedenen Richtungen und begann, die Häuser der Juden zu überfallen. Anfangs wurden die Fensterscheiben durch Steinwürfe zerschmettert, dann wurde in die Häuser und Kaufläden eingedrungen, Tische, Sessel und Spiegel wurden zerschlagen, Maaren vernichtet und das Vorgefundene Baargeld geplündert. Die erschreckten Juden versteckten sich in den Kellern und auf den Böden oder flüchteten in die Wälder. Die Gendarmen rannten herbei und drängten allmälig die Rotte nach Piasedzki zurück, worauf dieselbe um 7 Uhr Abends endlich zerstreut wurde. Bon den jüdischen Häusern wurden 30 geplündert. Der Schaden übersteigt den Betrag von 3300 fl. Getödtet wurde Stanislaus Kukulski, ferner wurde ein Arbeiter, der fortlief/von Gendarmen verwundet und mehrere Arbeiter von der sich wehrenden Ortspolizei verletzt. Fünf Juden erhielten Verletzungen. Eine Jüdin, die einen Säugling aus dem Arm trug, wurde von einem Arbeiter derart geschlagen, daß ihr die Hand brach; der Säugling wurde lebensgefährlich verwundet. '■ * Es hat eine Zeit gegeben, wo Rumänien eine stehende Rubrik bildete in den jüdischen Zeitungen. In dem letzten Jahrzehnt ist es dagegen von dem „interessanten Lande" einigermaßen still geworden. Das ärgert die dortigen Politiker und Patrioten, und sie fangen mm wieder an, durch allerlei Judenhetzen von sich reden zu machen. Namentlich ist ihre Hetze gegen die jüdischen Schulkinder gerichtet. Nachdem sie diese von den öffentlichen Schulen so gut wie ausgeschloffen, geht die Regierung jetzt gegen die jüdischen Schulenvor. Man schreibt darüber von unterrichteter Seite: Unter dem Vorwände, den .Unterricht in den Privatschulen der „Fremden" zu kontroliren, hak sie eine Verordnung erlassen, laut welcher die Schulräume übertriebenen, fast undurchführbaren hygienischen Forderungen unterworfen sind. Die Lehrer jener Anstalten müssen dieselben akademischen Würden besitzen wie die Lehrer der gleichartigen.Staatsschulen und noch andere Bedingungen,-deren wichtigste die ist, daß die Schüler jener Privatschulen am Schluffe eines jeden Schuljahres eine Prüfung vor den-Professoren einer Staatsschule derselben Kategorie, ablegen müssen. Für diese Prüfung haben die jüdischen Schüler im Voraus eine Taxe von 30 Frs. zu bezahlen, und nach gutem Erfolge erhalten sie gegen Erlegung einer ferneren Taxe von 1 Frs. 50 Cent, ein Zeugntß, kraft welchem sie in eine höhere Klasse der jüdischen Schule aussteigen. Die Chikanen und Ungerechtigkeiten, welche bei Ausführung

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