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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-25 · Heft 26 (25.6.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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61. Jahrgang. Ar. 26 Berlin, 25. Juni 1897. Mn unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. r ß ' Begründet von; Natibinrr 8*. Ludwig Philippson-Borkn. Verlags-GrpeLitiov: Grrlin, Lerusalemerftr. 48/49 Alle' Zusendungen für RedEon. und Expedition sind an die Adresse: Verlag der »Allgem.Zeitung deS JudenthumS", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. Diese Zeitung..erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Postoder direkt von der Expedition in Berlin' unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Nedaeteur: Gustav Karpeiest. 3ll!)ltlt. Leitartikel: Rxrniniscenzen. — Die Woche. — Aus Ostpreußen. Von Mvritz Scherd'ef. — Eine Prinzessin als Hebraistin. Von Dr. M.-Katzserling.— Michael Sachs und Moritz Veit an Varnhagen von.Ense. I. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Andere Zeiten. Erzählung von Gotthard Deutsch (Schluß). — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Aus der Provinz Posen, Stolzenau- Dresden, Düren, Weilburg, London, New-York. — Bon Nah und Fern. — Miscellen. Reminiseenren. Berlin, 22. Juni. (§^^irhaben schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, daß nunmehr gerade vor 50 Jahren der preußische Landtag zum ersten Male sich mit der „Judenfrage" beschäftigt habe. Also eine Art Jubiläum, das wir zu feiern allerdings kaum Aulaß haben. Aber bei den Verhandlungen jenes vereinigten Landtages im Jahre 1847 über die Emanzipation der Juden wurde von den Freunden ihrer bürgerlichen Gleichstellung doch eine Menge interessanten Materials zusammengebracht, so daß sich einige Reminiscenzen immerhin. lohnen. Vach der Berechnung eines Abgeordneten der Städte auf dem rheinischen Provinzial-Landtage im Jahre 1843 waren in den Befreiungskriegen 6000 Israeliten auf den Schlachtfeldern geblieben. Bon den Berliner jüdischell Freiwilligen erhieltell mindestens sechs das eiserne Kreuz: der Prennerlieutenant S. A. Benda und die Lieutenants H. Fließ, Fr. Epenstein, Ferd. Oppert, M. Löbel und Manelic. Lieutenants wurden weiter: N. Mendelssohn, Jos. Henoch, Anker, Jsard, M. Burg u. A. in. D. A. Benda fungirte, als Mangel an Wundärzten eintrat, selbst als solcher uttb richtete nach der Schlacht von Dennewitz in seiner Wohnung, Stralauerstraße 45, ein Lazareth von 12 Betten ein. Das erste eiserne Kreuz erhielt ein Jude Günzberg. M. Burg wurde später Major und Lehrer an der Artillerie- und Jllgenieur-Schule. Kurz nach dem Kriege war die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden eine' Thatsache. Der Minister des Innern erklärte in seiner Denkschrift über die Ausdehnung der Militärpflicht auf die Juden, daß die Inden des. preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im Allgemeinen - nicht erkennbar unterschieden seien, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt und im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden hätten, und daß insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgend als ein Hinderniß im Kriegsdienste hervorgetreten seien. Eine königliche Kabinetsordre erkannte auch das Recht der jüdischen Freiwilligen auf Anstellung im Staatsdienste an. Der Staatskanzler Fürst Hardenberg schrieb aus Wien-, 24.- Mai 1815, an den Bankier Jacob Levy in. Berlin: „Auf, ,Ihre Vorstellung üom 9. d. Mts. erwiedere ich. Ihnen, daß Ihr Sohn, da er erst 17 Jahre alt wird, umsoweniger verpflichtet ist, in den aktiven Militärdienst zu treten, als er bereits den Feldzug 1813/14 im Leibhusaren-Regiment mitgemacht hat. Seine Anstellung bei dem Kriegs-Kommissariat hat daher gar kein Bedenken, und da er im Kriege wider Frankreich gedient hat, so ist mit Bezug auf die allgemeine königliche Zusicherung, nach welcher sämmtliche Freiwillige, ohne Rücksicht ans ihr Glaubens-Bekenntniß, einen Anspruch auf die Anstellung nn Dienste des Staates haben, insofern sie sonst dazu gualifizirt sind, kein Hinderniß zu seiner Ansetzung vorhanden. Sie können sich deshalb mit Vorzeigung dieser Resolution bei der Behörde legitimiren." Selbst unter Friedrich Wilhelm II. wurde 1792 S. Sachs als Ober-Hofbauamts-Eleve ausgenommen; derselbe wurde später Ober- Hofbauinspektor und hatte außerdem als Regierungs-Bauinspektor die gesammte Baupolizei seines Departements sowie den Vorsitz bei der Prüfung der Baugewerks-Meister. Von 1799 bis 1808 war er auch Lehrer an der königlichen Bauakademie. Eine interessante Zusammenstellung von Juden in hohen Staatsdiensten im Jahre 1843 gab der Abgeordnete der Städte auf' dem rheinischen Provinzial-Landtage. Der Sherif von London war ein Jude; ebenso , der Kabinets-Sekretär des'Königs von Holland, Boas. Fernere jüdische Beamte waren: Asser, Direktor im Justizministerium, Asser juu., Staats-Prokurator, der Friedensrichter von Amsterdam U. A. nt. In Frankreich waren Cremieux, Wormser, Cerfbeer und- Fould Mitglieder der Deputirtenkammer; Wolff Generallieutenant, Cerfbeer^ und Worms Colonels. Als in Frankreich die Kosten des jüdischen Kultus im Jahre 1830 als Schlußstein der Gleichstellung auf die Staatskasse übernommen wurden, sagte der Minister Merilhou in der Pairskammer: „In den öffentlichen Aemtern, zu welchen man sie berufen hat, unter den Fahnen unserer unsterblichen Phalanxen, in den Wissenschaften, den Künsten, der Litteratur und Industrie haben sie während eines Vierteljahrhunderts unter uns das edelste Dementi gegenüber den Verleumdungen ihrer Gegner gegeben." V Der Prinz von Preußen stellte auf dem vereinigten Landtage von 1847 cm. den Kultusminister Eichhorn auch die Frage, ob an jüdischen Schulen in Berlin auch christliche Lehrer angestellt seien. Der Minister konnte oder wollte die heikle Frage, welche ihm in die Parade fuhr, nicht beantworten. Andere besorgten dies indeß nachträglich. An den fünf jüdischen Schulen Berlins lmterrichteten vier christliche Lehrer : Hinze am jüdischen Seminar, an Schulen und Erziehungsanstalten: Delz, Schanir und Tilge, Letzterer bereits seit 20 Jahren. An der Privatschule des Dr. Stein unterrichteten mehrere christliche Lehrer. Ferner unterrichteten an dem Rabbiner-

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