Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 2 :—— ' - ' ■: ’ ■ v: Lesern aus unserer vorigen Nummer bekannt sein dürften. Die Beschwerde des Herrn ^Dr. Apolant, daß man ihm nicht gestattet.habe, sein Religionshuch einzuführen, sei erledigt. Der Beschluß des Gemeindevorstandes sei von Herrn Dr. Apolant mißverstanden worden. Ueber den sehr eingehenden und sehr günstigen Bericht habe man allen Grund, Herrn Dr. Apolant recht dankbar zu sein. Sanitätsrath Jastrowitz giebt ebenfalls seiner Freude Ausdruck'über das gute Gedeihen der Schule. .Früher wurden die Schüler kurz vor der Einsegnung in die Schule geschickt, das habe sich erfreulicherweise geäußert. Dem Wunsche Dr. Apolants über die Verweigerung des Segensspruches bei Denjenigen, die sich nicht als genügend vorgebildet erwiesen, glaube er, könne man nur beistimmen. Es wäre gut, wenn das auch, von maßgebender Seite direkt ausgesprochen würde. Der Redner legt ferner Nachdruck auf die obligatorische Erlernung des Hebräischen; denn das hebräische Wort wirke wie ein Talisman. Es sei doch wohl nöthig, daß die Gemeinde eine Oberaufsicht habe über die Führung einer Religionsschule. Wir haben ja allerdings Rabbiner, dieselben vertreten aber einen ganz verschiedenen Standpunkt. Es können hier dann Meinungsverschiedenheiten entstehen, deren Ausgleich dringend nothwendig sei. Analog der Aussicht auf den Gymnasien rc., wo die Direktoren dem Unterrichte beiwohnen, müsse es möglich sein, für die von der Gemeinde unterhaltenen Religionsschulen eine Nevisionsbehörde zu schaffen. Herr Justizrath Meyer ist gegen die Einrichtung einer Revisionsbehörde, da man gar nicht wisse, wer.denn eigentlich über die Lehrer gesetzt werden soll. Der Minister habe ein Jnspektorat in Gymnasien, Volksschulen auch nicht zugestanden. Herr Sanitätsrath Blumenthal beantragt darauf, von der I., III. und IV. Religionsschule ebenfalls einen eingehenden Bericht einzufordern, um einen festen Plan zum Unterricht zu gewinnen. In gemischter Kommission soll dann der Lehrplan für alle Neligionsschulen berathen werden. Nach Herrn Justizrath Meyers Ansicht würde es in der Gemeinde unendliches Aufsehen erregen, wenn die Verweigerung des Segensspruches eingeführt würde. Zunächst müßte dann auch sestgestellt werden, worin die Prüfung bestehen solle. Der Schulvorstand habe beschlossen, die Angelegenheit der Schulen zu vertagen, man solle erst, bevor man einen Beschluß hierüber fasse, zusehen, welche praktischen Erfolge der ministerielle Erlaß habe. Sanitätsrath Jastrowitz erwiedert, daß er durchaus auf dem Prinzip Gleiches Recht für Alle stehe. Eine bestimmte Marschroute in Sachen des Gewissens wolle er nicht vorschreiben oder gar eine Staatsreligion einrichten. Er wolle nur nicht haben, daß eine einseitige Richtung vorwalte. Darum begrüße er recht sehr den Antrag Blumenthäl. Vielleicht wäre es auch erwünscht, von den Knaben- und Mädchenschulen Berichte, soweit sie sich auf den Religionsunterricht erstrecken, einzufordern. Professor Lew in ist der gleichen Ansicht und giebt derselben mit den schärfsten Angriffen gegen den Vorstand Ausdruck. Justizrath Meyer beklagt in lebhafter und mehr als berechtigter Erregung zunächst, daß ein Mitglied der Versammlung solche schwere Anklagen erhoben hätte, und bittet um Beispiele von Fällen. Auf diesem Wege werde man nie ordentliche Lehrer bekommen. Man solle mit Thatsachen kommen, dann könne man auch Remedur schaffen. Mit großen Redensarten, die nicht einmal schön klingen, komme man doch nicht weiter. Er halte sich für verpflichtet, die Anklagen, die hiergegen die Religionsschulen erhoben worden seien, auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Justizrath Ti kt in hält es für höchst bedenklich, einen Bericht zu benutzen, um derartige Anklagen zu erheben, die gar nicht zur Sache gehören. Er glaube nicht, daß in Berlin sich eine Repräsentanten- Versammlung sinden werde, welche die Verweigerung des Segensspruches seitens des Rabbiners beschlösse. Es wäre das ein Akt der höchsten Intoleranz. Man würde diejenigen Eltern, welche ihre Kinder nicht so viel lehren lassen wollten, davon ab halten, den Segensspruch über die Kinder sprechen zu lassen. Erst müsse man die Berichte sämmtlicher Religionsschulen haben, dann könne man erst entscheiden, was zu thun sei. Herr Frankel ist im Gegensatz dazu für dieNothwendigkeit eines solchen Beschlusses. Sanitätsrath Jastrowitz meint, es gebe überall ein gewisses Maß von Unterricht, das verlangt werde. Da der Vorstand gefordert hatte, man solle genau festsetzen, worüber man einen Bericht haben wolle, so geht folgender formulirter Antrag von Herrn Sanitätsrath Blumenthal ein: „Die Leiter der Religionsschulen der jüdischen Gemeinde und die Direktoren der Gemeindeschulen werden aufgefordert, über die Einrichtung, Lehrplan und Ertheilung des Religionsunterrichtes Bericht zu erstatten". Mit der Annahme dieses Antrages schloß die lebhafte Sitzung. Daß dieser Antrag auch ohne Jnvektiven und Redestürrüe angenommen worden wäre, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. 22 Berlin, 14.. Juni. In den beiden Synagogen der Lindenstraße und Oranienburgerstraße fand gestern die Konfirmation der Mädchen statt. In der Synagoge der Lindenstraße hatte sich zu diesem Akt ein überaus zahlreiches Publikum eingefunden. Herr Rabbiner Dr. May bäum vollzog den Akt der Konfirmation. 18 Mädchen wurden nach zweijährigem Unterricht (im ersten Coetus Biblische Geschichte, im zweiten jüdische Geschichte und systematische Religionslehre) eingesegnet. Dem Konfirmationsakt ging eine Rede voran, in der der Prediger mit gewohnter Meisterschaft die Bedeutung des Festes und die Pflichten, welche den Konfirmandinnen aus ihrer Zugehörigkeit zum Judenthum erwachsen, in beredten - Worten auseinandersetzte. Dann folgte das Glaubensbekenntniß, ein Schlußgebet des Predigers und die üblichen Gesänge des Synagogen-Chors. Die ganze Feier hinterließ einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer, und dieser Eindruck läßt bestimmt hoffen, daß die jungen Mädchen unserer Gemeinde in immer größerer Zahl dem Unterricht und der Konfirmation selbst werden zugeführt werden. — In der Synagoge der Oranienburgerstraße hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig zum ersten Male den Konfirmationsakt ab. Derselbe legte seiner Festrede das Wort zu Grunde, das Esra, der Schriftgelehrte, dem bangenden Volke zugerufen: „Die Freude an Gott sei eure Kraft!" als Heilsgruß für das Leben. In diesem Worte liegt die Bedeutung Israels, es hat die Freude an allem Guten als die alles überwindende Kraft hingestellt. Nicht die Weisheit Griechenlands, nicht die Macht Roms vermochte die Kraft der Menschen zu wecken. Israels Wort von der Freude an Gott allein brachte solches zu Stande; es giebt Antwort auf alle Fragen, es schafft Ruhe in allem Zweifel und reicht Trost in allem Leid; es hat nicht blos den Weg zum Himmel gezeigt, sondern auch den Weg des Menschenherzens zum Menschenherzen gebahnt; es hat dem Menschen nicht blos den Einen Gott, sondern der Einen Menschheit auch die Eine Liebe gegeben. Mit wenigen Strichen wurde sodann der Humanitätsgedanke des Judenthums behandelt und hieran die Mahnung geknüpft: Erhaltet euch die Freude an Gott und wahret Treue dem Glauben der Väter! Mit dem Hinweis auf die Gestalten unserer Erzmütter und Prophetinnen schloß die Rede, die einen tiefen Eindruck auf die zahlreich versammelten Zuhörer machte. Sodann sprach eine der Konfirmandinnen ein längeres Gebet, das dem Dank der Kinderherzeu für Gott und der Eltern Liebe Ausdruck verlieh. Hierauf folgte das Glaubensbekenntniß, das seinem Lehrinhalt nach in verschiedene Stücke zerlegt war, so daß jede der Konfirmandinnen einen Theil des Lehrinhaltes besprach, z. B. die erste den Glauben an Gott, die zweite den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele u. s. w. Nachdem die Mädchen die von ihnen gewählten Sprüche vorgetragen hatten, folgte seitens des Predigers eine Mahnung an die Ellern, die in dieser Stunde aufgegangene Saat nicht verdorren zu lassen, mit ihren Töchtern öfter das Gotteshaus aufzusuchen und auch im Hause dem Glauben eine Stätte zu bereiten. Auf den Segen folgte der Schlußgesang. Die Konfirmandinnen sprachen sämmtlich mit Innigkeit und Verständniß ihre Themata. Der ganze Akt gewann eine besondere Bedeutung dadurch, daß Herr Dr. Rosenzwerg auch seine Tochter einsegnete. Z. Aus Westprenfien, im Juni. Der Fabrikbesitzer und Beigeordnete Gold färb aus Pr. Stargardt hat zur Gründung eines Altenheims der Stadt 20 000 M. geschenkt und weitere 10 000 M. für verschiedene wohlthätige Zwecke. — In Verbindung mit der Provinzial- Lehrerversammlung in Graudenz hielt der Verein der israelitischen ReligionslehrerWestpreußens seine Generalversammlung ab, in der Lehrer Geisenberg-Marienwerder über die definitive Anstellung sämmtlicher israelitischen Lehrer, ihre Penfionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen referirte. Daran schloß sich eine Besprechung über die Einrichtung einer Wittwen- und Waisenkaffe für israelitische Religionslehrer. £ Glogau, 8. Juni. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte heute in vollster körperlicher und geistiger Frische das Rentier Wolf und Bertha Jttmann'sche Ehepaar. Eingeleitet wurde die Feier Morgens 81/2 Uhr durch ein Ständchen der gesammten 58er Kapelle vor der Wohnung des Jubelpaares, dem „Deutschen Hause". Um liya Uhr fand Zeuj paar freu: mit unte schie Rep des Jub Hier an schil Frö Als; aller dies fröh Mit die Blu reich des gieb die! Mit lich relic gehr ner Syri däch Dr. schrr aus, erfri Abi Dr. trag hebr Mu Kuli Ami sünf Dr. Feie der ersch Grc wir' lehr die der gehe wöh so s dan^ Hof ftän' auch der End jiibi begr lebh /