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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-18 · Heft 25 (18.6.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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«I Hl. Solprgniig. »Ir. 25. Üerlin, 18. Lnni 1SS7. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes JuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. DrutschLan-. 8. Berlin, 13. Juni. Die heutige Repräsentanten-Bersammlung verlief wieder einmal recht stürmisch. — Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt der Vorsitzende, Herr Landsberger, der Versammlung davon Kenntniß, daß nach einem Schreibendes Polizeipräsidiums der Oberpräsident die Abänderung des § 15 des Statuts des Hospitals, wie sie in einer früheren Sitzung von der Versammlung beschlossen war, genehmigt habe; außerdem sei die Betätigung des Herrn Albert Ginsberg im Kultusdienste der Gemeinde gestattet worden. Von Herrn Dr. Jutrosinski ist ein Dankschreiben für die lebhafte Antheilnahme der Repräsentanten und des Gemeindevorstandes an der Jubelfeier des Reichenheim'schen Waisenhauses eingegangen. — Obwohl nicht auf-der Tagesordnung stehend, wird zunächst nach Annahme der Dringlichkeit die Angelegenheit der Kaiserstraßen- Synagoge zur Erörterung gestellt. Maurermeister Joseph Fränkel bringt den Bericht der Baukommission zur Verlesung. Von letzterer sei die Synagoge bezüglich ihrer Feuergefährlichkeit in allen ihren Einzelheiten auf das Eingehendste geprüft worden. Hiernach könne man die Synagoge als feuergefährlich nicht bezeichnen, zu Unzuträglichkeiten könnte nur im Falle einer Panik die für Frauen und Männer gemeinsame Benutzung der Vorhalle, welche noch durch die Garderobe eingeengt sei, Veranlassung geben. In der Sitzung vom 26. Mai sei man noch getheilter Meinung gewesen. Einerseits wollte man nur die' Garderobe in einen Vorbau verlegen und so die Vorhalle verbreitern, andererseits sollten jedoch getrennte Ausgänge für Männer und Frauen geschaffen werden. Es wurde nunmehr der Geheime Oberbaurath Professor Garbe vom Polizeipräsidium als Sachverständiger hinzugezogen. Letzterer habe zwar abgelehnt, offiziell sein Gutachten abzugeben, habe sich aber bereit finden lassen, an einer Besichtigung der Synagoge mit theilzunehmen. Er hält die Synagoge nicht für feuergefährlich, entschied sich jedoch auch für vollständige Trennung der Ausgänge für Männer und Frauen. Auf den Umbau der südlichen Treppe, die von der Baukommission ebenfalls in Anregung gebracht worden war, legte er keinen erheblichen Werth. Die Baukommission habe nunmehr beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, 15 000 Mark zu bewilligen für Schaffung getrennter Ausgänge und für den Umbau der südlichen Treppe, um dieselbe unter Abänderung der bisherigen mehrfachen Windungen nunmehr in gerader Linie in die Vorhalle einmünden zu lassen. Die Genehmigung zur Vornahme der geplanten Veränderungen soll, ehe mit den Arbeiten begonnen wird, von der Baupolizei eingeholt werden. Herr Dr. Lach mann bestätigt ebenfalls, daß nach diesen eingehenden Untersuchungen nicht die geringsten Bedenken vorlägen, die Synagoge weiter zu benutzen. Es gingen zwar durch die beschlossenen Abänderungen 100 Männerplätze verloren, doch dürfte man darauf keine Rücksicht nehmen, weil man ja die Angelegenheit in zweckmäßigster und bester Weise zur Erledigung bringen wollte. An der Debatte betheiligten sich noch Justizrath Tiktin, Dr. Lachmanu, der auch mittheilt, daß der Versammlung baldigst eine Vorlage zugehen würde, die sich mit der Beleuchtung in der Kaiserstraßen - Synagoge befasse, man sei sich noch nicht einig, ob man elektrisches oder Gasglühlicht einführen werde, — die Herren Bodenstein und Goldschmidt. Der Antrag des Ausschusses wird schließlich mit allen gegen eine Stimme angenommen. — Nachdem auf Antrag Blumenthal Punkt 2 der Tagesordnung an den Schluß der Sitzung verlegt wird, gelangen die anderen Titel mit Ausnahme der Punkte 2 und 7 ohne längere Debatte zur Erledigung. Zur Entsendung von Zöglingen in Ferienkolonien werden für das Reichenheimsche Waisenhaus 500 Mk., für die Waisenkommission 600 Mark bewilligt. — Die Miethskontrakte für die Betlokale in der Beuthstraße (auf 1 Jahr mit der Redaktion des Miethspreises von 800 auf 600 Mark) und Unter den Linden sind verlängert worden, womit sich die Versammlung einverstanden erklärt. Das Lokal in der Beuthstraße soll zum Jügendgottesdienst eingerichtet werden, es war deshalb noch ein neues Betlokal erforderlich, und wird dafür der Deutsche Hof in der Luckauerstraße (200 Mark pro Tag und 60 Mark an Garderobe für alle Feiertage) von der Kommission vorgeschlagen und von der Versammlung genehmigt. — Die Verpachtung des Ackerlandes in Weißensee ist nach einer öffentlichen Ausschreibung erfolgt. — lieber die Verlegung des Trausaales in der Neuen Synagoge referirt Herr Joseph Fränkel. Die Kommission ist zu dem Resultat gekommen, dem Vorstand zu empfehlen, den Versuch zu machen, den Trausaal in die kleine Synagoge zu legen und den jetzt bestehenden Trausaal zur kleinen Synagoge umzugestalten. Dazu seien 500 Mark erforderlich. Jedoch soll diese Verlegung auch nur probeweise stattfinden, um sich zu überzeugen, ob nicht etwa größere Uebelstände als - bisher — hauptsächlich bei der Auffahrt der Wagen — zu Tage träten. Der Ausschußantrag wird bewilligt. — Für einen Blitzableiter auf dem Friedhofsgebäude in Weißensee werden 400 Mark gewährt. — Dem Religionsverein Ahawas Reim werden laut Ausschußantrag 2000 Mark bewilligt. — Der Rechnungsabschluß über die diesjährige Mazzev ertheilung — 328Centner 2VPfund für 1589 Haushaltungen —/wird mit 7524 Mk., also gegen die bewilligten 8000 Mk. mit einem Minderverbrauch von 473 Mark, als richtig angenommen — Die nachträgliche Bewilligung der Kosten aus Anlaß der Centenarfeier wird nach der von Herrn Loewenberg gegebenen Spezialisirung ebenfalls von den Repräsentanten ausgesprochen. — Etwas lebhaftere Wellen schlug die Debatte über die Veranstaltung des Jugendgöttesdienstes, obwohl es sich eigentlich nur um die Entgegennahme der Mittheilung handelte, daß die Kommission zur Abhaltung des Gottesdienstes das Lokal in der Beuthstraße und die Aula der jüdischen Knabenschule gewählt habe. Herr Professor Lewin wünscht darauf zu wissen, aus welchem Grunde der Jugendgottesdienst nicht im vorigen Jahre bereits zu Stande gekommen sei. Er wandte sich dabei in einer geradezu unqualisizirbaren Weise gegen unser Blatt. (Wir halten aber allen indirekten Anzapfungen sowohl wie allen offenen Angriffen gegenüber an unserem Prinzip, ausschließlich die Sache', und zwar so objektiv wie möglich zu vertreten und alles Persönliche zu vermeiden, unabänderlich fest. Deshalb unterlassen wir auch jede Antwort auf die Herausforderungen, die von gewisser Seite gegen uns gerichtet wurden. Wir wollen wenigstens den draußen aufmerksam lauschenden gemeinsamen Gegnern nicht das fröhliche Schauspiel innerer Zwistigkeiten gewähren. Auch gestehen wir gern, unsere Ohnmacht ein, in demselben Kneipenton oder Radauniggen zu antworten, den man gestern uns gegenüber anzuschlagen beliebte.) Der Vorsitzende rügte daraus die Art und Weise, wie der Vorredner die Vertreter der Presse behandelt habe. Es sei Niemand da, um sich gegen derartige Angriffe wehren zu können. Er sowie Herr Goldschmidt vom Vorstandstisch geben dann als Grund an, daß keine Zeit mehr war, den Gottesdienst einzurichten. Nachdem noch Herr Rechtsanwalt Lilienthal ebenfalls den Mangel an Zeit als Grund für die Nichteinrichtung des Gottesdienstes bestätigte, blieb Herr Lew in dabei, daß er noch auf demselben Standpunkt des vergangenen Jahres beharre, da der Beschluß nicht mit -/g-Majorität gefaßt worden sei. Erst Justizrath Tiktin lenkte die Debatte wieder in das richtige Fahrwasser. Man habe nur den Antrag des Ausschusses zu genehmigen, daß der Jugendgottesdienst in einer bestimmten Lokalität stattfinden soll. — Bei Weitem lebhafter verlief noch die Debatte bei Gelegenheit der Erörterung über den Bericht der II. Religionsschule. Nach dem Referate von Herrn Leonhard Sachs verdient der Bericht eine eingehende Betrachtung, weil manche Punkte gestreift werden, die allgemeine Gesichtspunkte betreffen. Herr Sachs giebt dann die Einzelheiten des Berichtes wieder, die ja den

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