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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-18 · Heft 25 (18.6.1897) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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W 300 y ' :u sein. Würde es von &o8ßog (Phöbus) herstammen, so würde der Endlaut og wohl unverändert geblieben sein, da in den griechischen Wörtern, welche ins Rabbinische übergegangen sind, diese Endung entweder beibehalten ist oder ganz fortbleibt, aber nicht verändert zu werden pflegt. Als Beispiele von solch griechisch-jüdischen Namen führe ich Theodoras Alexander an. Einige Etymologiendie vielleicht dem Einen oder Anderen- Interesse abgewinnen dürften, gestatte ich mir noch anzufügen.. — Das, Wort Kaulisch, der Name für den großen Kuchen (N^N), über welchen bei Familien-Festlichkeiten der Segen' gesprochen wird, ist wohl rein hebräisch. Da nämlich jeder Mann ein Stück dieses Gebäcks erhält, führt dieses den Namen — Hier in der Rheinprovinz heißt im Jargon das Wort schlafen — dormen, das Wort weinen ---- planjenen, ersteres kommt wohl von äoimire oder äormir, letzteres von plangere oder plaindre. Das Wort Schlemihl wurde vielfach von dem hebräischen Schlumiel, dem Stammfürsten, abgeleitet. Sollte es nicht,'wie das Wort Schlim-Mafsol (Unglück), vom deutschen „Schlimm" herstammen und so viel heißen wie ein Mensch, der Schlimmes im Leben erfahren hat? Wesel. S. Frankfurter. Sehr geehrter Herr Redakteur! <5^ie dankenswerthe Anregung des Herrn Professor Steinthal zur Sammlung alter Synagogen-Gesänge hat bislang leider keinerlei Verwirklichung gefunden, dagegen aber (in Nr. 20 d. Ztg.) eine „Angriffi nahme" gezeitigt, die Niemand befriedigt, jedoch bei vielen Kantoren Entrüstung hervorgerufen. Ihre Bemerkung, daß Sie mit dem Aufsatz des Herrn Rosenhaupt-Nürnberg die Debatte über die qu. Angelegenheit für Ihr Blatt schließen, hindert mich, Herrn Rosenhaupt eine Antwort zu geben auf seinen Angriff all derjenigen Kantoren, die anderen Geschmack und änderen Anforderungen zu entsprechen haben, als er dies für Süddeutschland vorschreibt. Herr Rosenhaupt hat als Süddeutscher das gemein mit vielen Süddeutschen, alles, was in Nord- 'und Ostdeutschland - ist oder gar von Polen und Rußland herrührt, als verächtlich und verwerflich zu qualifiziren. In Bezug auf Tradition, Synagogal-Melodie und Vortragsweise der Kantoren in Nord- und Ostdeutschland hörte ich von Süddeutschen genau so urtheilen. Zum Glück ist dieses (Vor-)Urtheil kein allgemeines. Die Glaubensgenossen außerhalb Süddeutschlands haben andere Ansichten über den Stil der altjüdischen Synagogen-Melodien, die Herr Rosenhaupt falsch mit „slavisch" zu bezeichnen beliebt. Daß 99pCt. aller Kantoren und diejenigen in den großen Gemeinden fast ausschließlich aus dem Osten stammen, beweist wohl zur Genüge, daß Herr Rosenhaupt mit seinem Urtheil über sie im Jrrthum sich befindet. Die ganze Angelegenheit aber ist mit ein Beweis dafür, wie sehr Recht Herr Professor Steinthal hat, daß es höchste Zeit ist, diese Melodien zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen. Ist doch dieser altjüdische Stil des Synagogen-Gesanges in den verflossenen Jahrzehnten oft selbst von unseren berufenen Komponisten, auf synagogal-musikalischem Gebiete vernachlässigt worden. Später haben Sulzer wie Lewandowski noch einige Piecen im altjüdischen Charakter Hinzukomponirt. Seit deren Ableben aber ist die synagogalmusikalische Litteratur mit stil- und. geschmacklosen Machwerken überschwemmt worden, die ganz dazu angethan sind, auch noch die wenigen sabbathlichen Tempelbesucher zu vertreiben. Nun möge aber endlich die ins Unerquickliche gerathene Erörterung aufhören und statt dessen an die Ausführung gegangen werden. Diese aber ist nach der von mir vieserhalb gepflogenen Berathung mit berufenen Kollegen nur zu ermöglichen, wenn selbstlose Fachgenossen (sowohl Kantoren wie Chordirigenten) und von diesen für die gute Sache zu gewinnende hochherzige Synagogen-Vorsteher und Private sich zu einem Verein nach der Art des ÖW)3 zusammenschließen behufs Sammlung, Sichtung und Herausgabe von Synagogen - Gesängen (Chöre, a capella Gesänge und Recitative) ausschließlich altjüdischen Gepräges. — Wenn vorerst ca. 200 Mitglieder gewonnen würden mit einem Jahresbeiträge von ca. 3—6 Mark (nach Selbsteinschätzung) pro Mitglied, so würden die nöthigen Kosten der Herausgabe vorerst eine.s Jahrgangs (monatlich ein Heft) gedeckt werden können. Jedes Mitglied bekommt allmonatlich - nach Fertigstellung ein Heft gratis zugestellt. Dadurch würde jedes Mitglied auf beispiellos billige Weise in den Besitz wirklich guter, brauchbarer Synagogen-Gesänge gelangen. Denn das würde Aufgabe einer zu wählenden Sachverständigen-Kommission sein. nur gute und, trotz des altjüdischen Stils, brauchbare Gesänge (mit oder ohne Pianobegleitung) für Synagoge und Haus in Druck zu geben. Ich selbst besitze durch jahrelanges Sammeln sehr viele Kompositionen in altjüdischer Weise von zum Theil berühmten Chasanim für fast alle einschlägigen Gebete des ganzen Jahres, Kasualien und sonstigen Gelegenheiten (für viele Gebete mehrere Kompositionen) u. s. w. Ich bin ficher, viele derselben werden allgemein gefallen, und ich stelle dieselben gänzlich unentgeltlich dem gedachten-Zwecke zur Verfügung. Auch andere mir bekannte Kollegen werden gleicherweise ihre Sammlungen diesem Zwecke überlassen, und wäre somit für einen Jahrgang brauchbares Notenmaterial wohl genügend vorhanden, und ich darf wohl die Erwartung aussprechen, daß bei Zustandekommen dieses Projektes auch andere selbstlose Sammler brauchbares Material unentgeltlich beisteuern werden. Weiteres bezüglich der Ausführung würde bei etwaiger Konstituirung berathen und festgestellt werden. — Damit diese Angelegenheit der Verwirklichung cntgegengehe, bitte ich hiermit höfischst alle Diejenigen, denen obiges Ziel erstrebenswerth erscheint, und die geneigt sind, als Mitglieder beizutreten, mir zunächst baldgefälligst ihre Zustimmung mitzutheilen. Sollte dies in aussichtsvoller Anzahl geschehen, so wird ein Komitee eine konstituirende Versammlung einberufen. Simon Dubowsky, Berlin, Weinbergsweg 8. Kantor I. d. Syn.-Gem. A. I. - ' * Sehr verehrter Herr Redakteur! 7 ^^eit einigen Jahren amüsirt hier die Vudapester Operettengesellschaft ein großes Publikum mit recht grotesken Possen aus dem jüdischen Leben Galiziens. Diese Vorstellungen haben den Antisemitismus durchaus nicht geschürt. Sie waren harmlose, recht amüsante Ulkereien und für die Theaterbesucher dasselbe wie jede andere Posse. Als man nun sah, daß diese Aufführungen ziehen, kam eine zweite derartige Gesellschaft, die vor einigen Tagen ihr Gastspiel im „Reichshallen- Theater" eröffnet hat. Gegen das Auftreten dieser Truppe muß man aber Protest erheben. Da auch die „Reichshallen" stets voll sind, muß man befürchten, daß diese Possen hier in Berlin Schule machen und sich noch mehr Bühnen erobern; dann würde aus dem harmlosen Scherz ein recht grober Unfug werden. Aber abgesehen von den wahrscheinlichen Folgen verdienen die Aufführungen der „Orpheum-Gesellschaft" an und für sich einen scharfen Tadel. Zunächst hat ein Theil ihrer Leistungen den Mantel des spezifisch Jüdischen gär nicht nöthig. Ungetreue Gatten, die heimlich auf den Maskenball gehen, sind keineswegs eine Eigenthümlichkeit des jüdischen Familienlebens, und um eine Tarantelle zü parodiren, braucht man nicht Koupletverse, die Juden lächerlich Machen. Dann trägt ein Mitglied der Gesellschaft „jüdische Witze" und Geschichtchen vor, über die man ja herzlich lachen muß, die aber nicht vor das große Publikum gehören und auf viele anwesende Juden sicherlich einen recht unangenehmen Eindruck machen. Diese Geschichtchen sind von vielen Ausdrücken belebt, die Christen im Allgemeinen nicht verstehen und daher eine vielleicht recht argwöhnische Neugierde Hervorrufen. Aber alles dieses könnte allenfalls noch hingehen. Das Schlimmste bringt die sogenannte Operette „Freund Fritzl". Die Gestalt des Rebb Dowid ist geradezu eine Verhöhnung unserer Rabbiner. Hier sollte der Spott Halt machen! Nie würde eine derartige Verhöhnung eines evangelischen oder katholischen Geistlichen gestattet werden. Gerade weil unsere christlichen Mitbürger mit Rabbinern nicht in Berührung kommen, wirkt das Zerrbild des Rebb Dowid um so gefährlicher. Was gegen diesen Unfug zu machen ist, kann man schwer sagen. Eine staatliche Abhilfe ist wohl schwerlich zu erwarten, und private Unterhandlungen würden wohl kaum den erwünschten Erfolg haben. Jedenfalls müssen wir gegen diese Verunglimpfung energischen Protest erheben, damit unsere christlichen Mitbürger wenigstens sehen, wie wir über diese Aufführungen denken. Hinter dem Schreiber dieser Zeilen sagten zwei offenbar christliche Herren: „Wir verstehen gar nicht, daß die Juden sich das gefallen lassen und sich sogar hier noch köstlich amüsiren!" Hochachtungsvoll und ergebenst 8. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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