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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-18 · Heft 25 (18.6.1897) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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gehörten anderen Religionen' an, unter den Schülern aller höheren Lehranstalten waren die Evangelischen mit 69,7 'pCt.; die Katholiken mit 22,1 pCt.> die Juden mit 8 pCt., Andersgläubige mit 0,2 pCt. vertreten. Die jüdischen Schüler sind nicht etrva, wie man allgemein vermnthet, mit dem höchstes Satze auf den Gymnasien vertreten, sondern auf den Realschulen mit 88 v. T., hierauf mit 86 auf den Realgymnasien, dann erst mit 63 auf den Gymnasien. Auf den Progymnasien sind 71, den Ober-Realschulen 60, den Prorealgymnasien 42 unter 1000 mosaischer Religion. Man darf eben nicht von den Verhältnissen in Berlin und einigen 'anderen Großstädten auf die allgemeinen Verhältnisse im ganzen preußischen Staate schließen. Gegen 1893 haben die evangelischen Schüler im Prozentsatz, das heißt: thatsächlich, zugenommen nur auf den Realschulen und Prorealgymnasien/ die katholischen überall mit Ausnahme der Realschulen und Prorealgymnasien, die jüdischen nur auf den Realschulen, sonst haben sie überall Iheilweise bedeutende Verluste erlitten. Wir Wen diesem-Zahlenmaterial und den daraus von konservativer Seite gezogenen Schlüffen nichts hinzuznfügen. Esredet eine Sprache, die beredter ist als die eingehendsten Darlegungen von unserer Seite. ' ■ ■ •$' Wie wir bereits in Nummer 23 berichtet Haben, war mit dem 2 5jähr i g e n In bil ä u m der Le hr an st a l t fü r d i e M i s senschaft des Indenthums auch das" 25jährige Dozentenjubiläum des Herrn Prof. Steinthal verbunden. Seinen zahlreichen Schülern, den früheren und den gegenwärtigen, bot dieser Umstand willkommene Gelegenheit, den aufrichtigen Gefühlen des Dankes gegen den allverchrten Meister gebührenden Ausdruck zu verleihen. Wir erhalten darüber folgenden Bericht, der als Nachtrag zu den Festen der. Hochschule wohl "won allgemeinem Interesse sein dürfte: . Eine Deputation der Hörer, bestehend aus den Herren DDr. Warschauer, Joseph, Lewit und Kand. phil. Cohen erschien am 26. v. M., einen Tag Wr, der offiziellen Feier, im Hause des Jubilars. Dr. Warschauer hob in seiner Ansprache hervor, daß der Jubilar durch seine ein weites Gebiet umspannende wissenschaftliche Thätigkeit, durch. die Gründlichkeit und Schärfe seiner Kritik die Bewunderung seiner Jünger im höchsten Grade erregt habe. Dann schilderte der Redner den tiefen Eindruck, den der hehre sittliche und religiöse Ernst des Jubilars bei jedem seiner Schüler hinterlasse, und wie er diesen allezeit als das Vorbild einer lebendigen, persönlichen Religiosität erschienen sei. Darum hätten seine Schüler auch für angemessen erachtet, ihm eine Nachbildung. jenes Rauch'schen Kunstwerks, das den betenden Mose darstellt, als Ehrengabe zu überreichen und in das silberne Schild am Sockel, das die Widmung tragt, jene Worte des Psalmdichters eingräben zu lassen, die der verehrte Meister selbst als den Ausdruck des höchsten religiösen Standpunktes bezeichnet habe, die Worte: 2D. 'b DTI^N fD^lp *0^1 („Die Nähe Gottes ist mein höchstes Gut"). Der Jubilar dankte in bewegten Worten. Es sei nun schon das dritte Mal, daß die Hörer der Lehranstalt bei ihm erschienen seien, um den Gefühlen, die sie für ihn hegen, Ausdruck zu verleihen. Er wolle nicht untersuchen, ob das Bild, das der Redner von ihm entworfen, zutreffend sei, aber es sei sein Wunsch und seine Hoffnung, daß alle seine Schüler in ihren Gemeinden im Sinne dieses Bildes wirken mögen. Dem Festkommers, den die Hörer am Abend des nächsten Tages veranstalteten, konnte Herr Professor Steinthal leider nicht beiwohnen, weil sein Alter und seine körperliche Schwäche Schonung und Vorsicht nothwendig erscheinen lassen. Dagegen zierten die Gattin und die Verwandten des Jubilars am Abend des Festes die Ehrentafel. Sämmtlichen Festtheilnehmern wurde ein künstlerisch ausgeführtes Bild aller Dozenten der Lehranstalt, der verstorbenen sowohl wie der lebenden, überreicht. Am meisten vermißt wurde auch beim Feste der Geheime Regierüngsrath Dr. Lazarus, der die größten Verdienste um die Gründung der Lehranstalt besitzt und 23 Jahre hindurch Vorsitzender des Kuratoriums derselben gewesen ist. Durch Unwohlsein ferngehalten, hat er jedoch auf ein Gratulationsschreiben der-Hörer mit einem herzlich gehaltenen und in' vielen. Beziehungen interessanten! Briefe;' geantwortet, einem Briefe, der leider erst am Tage nach der ' Jubiläumsfeier eintraf ' und daher am Abend des Festkommerfes! nicht verlesen werden konnte. Die Veröffentlichung dieses Briefes wird allen Freunden der Lehranstalt willkommen sein. Er lautet : An den Verein der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin? Geehrte Herren! Mit großer Genugthüung habe ich au^Jhrer soeben erst empfangenen Zuschrift ersehen, daß Sie meiner bei der Jubelfeier der Lehranstalt liebevoll gedenken. — Habe ich doch seit Jahren schon die Gründung und den Bestand derselben als den glücklichsten Erfolg der öffentlichen Thätigkeit angesehen, an welcher ich theilnehmen durfte. In Ihrem Kreise wie im Lehrerkollegium und Kuratorium habe ich oft dem Gedanken Ausdruck gegeben: die Lehrer und die Hörer, sie sind die Lehranstalt; was die Verwaltung dabei leisten kann, besteht wesentlich . nur. in Zweierlei: in der Wahl der Lehrer und in der strengen Enthaltsamkeit, auf die Richtung und Arbeitsweise derselben oder gar auf eine Leitung der Schüler irgend einen Einfluß üben zu wollen. Mit stolzer Freude gedenke ich an diesem Tage der einen Thatsache: daß ich damals, als es sich darum handelte,, für die Hochschule den Vertreter desjenigen Quellenstudiums/-welches immer den Mittelpunkt der Wissenschaft des Judenthums äusmachen wird, nämlich des Talmuds zu suchen, eine Rundreise über Filehne, Posen, Breslau, Wien und Prag (ohne jeden Auftrag des Kuratoriums) unternommen Habe, um durch direkte Erkundigung und persönliche Anschauung den rechten Mann zu finden. Infolgedessen hat das Kuratorium den Dr. Israel Lewy gewählt, den Mann streng positiver Richtung im Glauben und freien kritischen Geistes in der Forschung! Israel Lewy neben Abraham Geiger, und Abraham Geiger neben Israel Lewy, — und zwischen Beiden Steinthal und Cassel: das war die Signatur für den Geist, in welchem die Lehranstalt gegründet und geführt werden sollte; eine Signatur, für welche es kein Vorbild gab und welche wohl auch noch ihres Gleichen nicht hat. Möge dieser Geist strenger, freier, aber pietätvoller Forschung und religiöser Vertiefung sich wie bisher auch in der Zukunft der Hochschule bewähren! — Der Erfolg ihrer Leistung bleibt von den Fähigkeiten und dem eifervollen Streben der Jünger abhängig. So gedenke ich denn dankbar der früheren Schüler, — Ihnen aber, den gegenwärtigen und den zukünftigen Jüngern der Wissenschaft des Judenthums an unserer. .Lehranstalt, rufe ich zur festlichen Stunde, in welcher ich im Geiste theilnahmvoll bei Ihnen sein werde, Heil und Segen zu! Schönefeld bei Leipzig, zum 27. Mai 1897. Lazarus. ' *; . . - In dieser Woche ist der Landtag von Hinnländ geschlossen worden, und es wird nun wieder drei Jahre dauern, ehe die „'Stimme des Volkes" von neuem Gelegenheit hat, sich hören zu lassen. Auch die Judenfrage beschäftigte den Landtag, wie schon seit einer Reihe von Jahren. Den Juden gegenüber bestehen in Finnland eine Reihe Bestimmungen, die außerordentlich streng und entwürdigend sind. So dürfen sie keine Religionsgemeinde bilden und keine Synagoge besitzen, und wenn ein Israelit heirathet, muß er unweigerlich das- Land Verlässen; ebenso müssen Söhne , wenn sie aus dem' Elternhause ziehen, eine besondere Erlaubniß nachsuchen, daß sie im Lande bleiben dürfen. Einige im Landtage eingebrachte Anträge bezweckten die Aufhebung einiger dieser Bestimmungen. Der Bauernstand widersetzte sich jeder Aenderung, doch vereinigten sich wenigstens die drei anderen Stände zu einer Petition an die Regierung, in der u. a. für diejenigen Juden, die sich verheirathen, die Erlaubniß verlangt wird, im Lande bleiben zu dürfen?

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