Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
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WM mr EW^ , Der Bund gedenkt wiederum in mehreren von -Freundeshand verfaßten Nekrologen seiner Heimgegangenen Delegirten. Wir umchen besonders auf-die von d?n Herren Rabbinern Dr. Rülf und Dr. Mnz^entworfenen Lebensbilder der Heimgegangenen Zierden, des Judenthunls: des Herrn Rabbiner Dr.Barnberger in Königsberg- und' Sanitätsrath Är. Freund in Gleiwitz, aufmerksam. , ~ Wenn erst die „Mittheitungen" vom D.-J. G.-B. die verdiente Verbreitung und Würdigung bei Vorständen und Privaten finden werden, dann wird es auch dem Bunde selbst an der ihm iiöthigen materiellen Unterstützung nicht mehr weiter fehlen. Hoffen wir, daß diese Wandlung, die nach unserer Ueberzeugung von den ' Großgemeinden zuvörderst ausgehen muß, zur Ehre und zum Nutzen der deutschen Judcnhe'it sehr bald vor sich gehen wird. - ' Berlin, 15.. Juni, ^ie Kreuzzeitung — wohlgemerkt: die Kreuzzeitung — brachte dieser Tage eine höchst interessante statistische Arbeit von Professor Dr. Gemß über die „Frequenz der höheren Lehranstalten Preußens im Schuljahr 18.95/96". Die Zahlen, die in dieser Artikelserie über die jüdischen Schüler an den höheren Lehranstalten Preußens angegeben werden, sind ein beredter Protest'gegen-die-antisemitischen Klagen,, die. von einem Ueberhandnehmen des jüdischen Elements in diesen Anstalten faseln. Professor Gemß berichtet: ...; Von den 138 803 Schülern zu Ostern 1893 waren 97 805 — 70,5 pCt. evangelisch, 28 836 — 20,77 pCt. katholisch, 341 — 0,2 pCt. dissideutisch, 11821 — 8,6 pCt. mosaisch. Für Ostern 1896 stellte sich das Verhältniß hingegen folgendermaßen: Wenn auch die Zahl der Evangelischen aus 98 589 stieg, so ist bei der Gesammtzahl von 141564 doch eine relative Abnahme festzustellen, da der Prozentsatz sich jetzt auf 69,7 beläuft, die katholischen Schüler sind von 28 836 auf 31 169, also von 20,77 pCt. auf 22,1 pCt. gestiegen, die Zahl und der Prozentsatz der Dissidenten ist fast gleich geblieben, sie betrug 1893 341 0,2 pCt. und ist nur auf 394 gestiegen, ebenfalls 0,2 pCt. Eine erhebliche Einbuße haben Hingegen die jüdischen . Schüler erlitten. Die Gesammtzahl sank seit Ostern 1893 von 11821 auf 11 432 zu Ostern 1866, der Prozentsatz von 8,6 auf 8 pCt.^Wenn nun auch die geringe Zunahme der jüdischen Gesämmtbevölkerung, die. am 1. Dezember 1890 372 059, am 2. Dezember 1895 379 716. Seelen zählte, eine ebenfalls geringe Zunahme in der Schülerzahl erwarten ließ, so ist doch dieses Zurücktreten des jüdischen Elements unter den Schülern der höheren Lehranstalten, denen unsere jüdischen Mitbürger doch mit Vorliebe ihre Söhne anzuvertrauen pflegen, weil sie den Bortheil höherer Bildung zu schätzen wissen, in hohem Grade auffallend, und dies umsomehr, als alle Schularten davon betroffen sind. Auf den Gymnasien sank der Prozentsatz von 8,75 auf 8,34, auf den Real- Gymnasien von 9,08 auf 8,66, den Ober-Realschulen von 8,2 auf 6,09, auf den Realschulen von 9,48 auf 8,80, den Prorealgymnasien von 5,8 auf 4,2 und ist nur auf den Progymnasien um eine Wenigkeit, von 7 auf 7,14 pCt. gestiegen, gerade auf den Anstalten, die ausschließlich in kleinen Städten, aber nicht blos im Osten der Monarchie, sondern auch am Rhein liegen. Wenden wir uns den einzelnen Provinzen zu, so stieg in Ostpreußen die Gesammtzahl der jüdischen Schüler von 394 auf 425, von 6,7 auf 7,1 pCt., und zwar ganz besonders auf den Progymnasien, nämlich von 3,9 auf 8,3 pCt., aber auch auf den Gymnasien von 7,5 auf 7,7 und den Prorealgymnasien von 1 pCt. auf 1,4 pEt., fiel aber auf den Realgymnasien von 6,6 auf 6,3 und den Realschulen von 6,7 auf 5-7 pCt. Westpreußen hat Abnahme auf den Gymnasien von 11 auf 8,9, den Realgymnasien von 3,8 auf 2,5, den Prorealgymnasien von 8,8 auf 6,6, den Realschulen vollends von 12,1 auf 9,4 pCt., daneben aber wiederum auf den Progymnasieneine^ Zunahme von. 13 auf 15 Prozent zu verzeichnen. In Berlin stieg auf den Gymnasien die Zahl von 1884 auf 1900, von 22,4 pCt? auf. 23-4 pCt.> und den Realgymnasien von 79ü ' auf 794, von 17,3 auf 18,2, blieb sich äuf deu Oberrealschulen, 109 und'110, gleichend ebenso, trotz der Vermehrung. der absoluten Zahl' von,297 auf 396, doch in der Prozentzahl von 8 sin beiden Jahren. In der Provinz Brandenburg hingegen sank wie fast.überall der Prozentsatz auf den Gymnasien von 316 (5,8) auf 276 (4,9), hob sich hingegen auf den Realschulen von 24 (2,7) auf 77 (4,2); auf -den Realgymnasien blieb beides sich gleich. In Pommern stieg ihr Prozentsatz nur auf den.Realgymnasien um eine Kleinigkeit, von 4,1 auf 4,6, sank hingegen äuf den Gymnasien von 6,2 auf. 6, den Prorealgymnasien sogar von 8,1 auf 3,3 und den Progymnasien von 9,5 auf 8. Von der Verminderung der jüdischen Schüler in Posen von 16,2 auf 16 pCt. sind alle in Betracht kommenden Schulgattungen betroffen, die Gymnasien mit einer solchen von .17,77 - auf 15,9, die Progymnasien von 26 auf 18,5 was besonders bemerkenswerth ist, und die Realgymnasien von 18 auf 17, ebenso in. Schlesien,' wo die Ziffer für die Gymnasien 13,9 und 12,2, für die Progymnasien 9,3 und 7,5, für die Realgymnasien 11,3 und 11,2, für die Prorealgymnasien 8 und >7,3, für die Realschulen 13,6 und 12,2, für die Gesammtheit l3,25und! 1,85pCt.betragen In Sachsen und Schleswig- Holstein sind nur geringe Differenzen zu verzeichnen, in den Gesammtzahlen zwischen 2,6 und 2,3, bez. 2,1 und 1,76 pCt., in Hannover hingegen die starke Zunahme in den freilich schwach besuchten Progymnasien von 4 auf 7,29, der eine Abnahme auf den Realgymnasien von 4 auf 3, auf den Realschulen von 6 auf 3,9, auf den Gymnasien nur von 3 aus 2.9 pCt. gegenübersteht. In Westfalen ist eine Zunahme des jüdischen Elements hauptsächlich auf den Progymnasien zu bemerken, wo die Zahl von 14 auf 31, d. i. von 5,8 auf 6,37 pCt., stieg, sowie auf den Gymnasien, die eine Steigerung von 228 auf 242, von 3,64 auf 3,84 pCt. aufweisen, und desgleichen stieg auf den Realschulen die Zahl der jüdischen Schüler von 36 auf 42, von 3,4 auf 3,81 pCt. Dagegen sank sie auf den Realgymnasien von 162 auf 140, d. i. von 7,39 auf 6,15 pCt., ilen Realprogymnasien von 15 auf 5, d. i. von 3,2 auf 1,5 pCt., und aufde^Oberrealschulen von 35 auf 29, von .8,33 auf 6,74 pCt., im Durchschnitt von 09 auf 00. Hessen-Nassau verzeichnet zwar eine Zunahme der jüdischen Schüler auf den Gymnasien von 313 auf 368, also von 8,33 auf 8,82 pCt., auf den Oberrealschulen von 106 (6,6 pCt.) auf 154 (7,58 pCt.) und auf den Realschulen gar von 36 pCt. auf 39 pCt.; hingegen ist auf den Progymnasien der Prozentsatz von 9,33 auf 9, den Realgymnasien von 17 auf 15 und den Prorealgymnasien von 11,3 auf 9,13 gesunken, und wenn in der Rheinprovinz.die Progymnasien und Realschulen einen Zuwachs zu verzeichnen habey, so wird derselbe durch den Verlust auf den übrigen Schulen völlig ausgeglichen, er sank im Durchschnitt von 000 auf 000. Dieser Niedergang der jüdischen Schüler ist. in den letzten vier Jahren ein sich gleichbleibend er gew esen und beruht nicht blos etwa auf besonderen Eigenthümlichkeiten der beiden herangezogenen Jahre. Während 1892/93 der Prozentsatz 8,6 betrug, sank er 1893/94 auf 8,4 und 1894/95 auf 8, und selbst die absolute Gesammtzahl verminderte sich von 11821 auf 11432. Dieselbe Erscheinung läßt sich auch an der Zahl der jüdischen Abiturienten beobachten. 1892/93 waren unter den 3825 Gymnasialabiturienten 315 8,2 pCt. mosaisch, im folgenden Jahre zwar 326, aber bei der Geammtzahl von 4143 nur 7,8 pCt., 1894/95 312 ----- 7,5 pCt. unter 4169, 1895/96 285 — 6,8 pCt. unter 4168 Abiturienten. Aehnlich ist es bei den Abiturienten der Realgymnasien und Oberrealschulen, die bei großen Schwankungen in den einzelnen Jahren doch mit einem Minus abschließen. Wir heben diese Erscheinung deshalb hervor, weil aus der Thatsache, daß die Zahl der jüdischen Abiturienten in Berlin zunimmt, falsche Schlüsse auf die Gesammtmonarchie gezogen werden können und wirklich gezogen sind,, denen entgegenzutreten wir. für unsere Pflicht halten. Auch die Frage, wie sich die Schülerzahl ihrem Glaubensbekenntniß nach auf die einzelnen Schularten vertheilt, erörtert Prof. Gemß in interessanter Weise: Nach der Zählung 1895 waren unter den Einwohnern Preußens 63.9 pCt, evangelisch, 34,5 pCt. katholisch, 1,5 pCt. jüdisch, 0,1 pCt.