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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-11 · Heft 24 (11.6.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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dortigen Simultanschule auch eine jüdische Lehrkraft Anstellung finde, da das bei weit kleineren Gemeinden der Provinz auch der Fall ist.?. Breslau, 5. Juni. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte am 25. v. M. der Kantor und Inspektor der isr. Beerdigungsgesellschaft, Herr Rudolph Dresdner und dessen Ehefrau im Kreise ihrer Familie. Unter den zahlreichen Gratulanten fanden sich auch u. a. Deputationen des Vorstandes der jüd. Gemeinde und der „Isr. Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungsgesellschaft" ein sowie Herr Räbb. Dr. Rosenthal, der mit einer Ansprache im Namen des Kaisers dem Paare die Ehejubiläumsmedaille überreichte. — Bei der Vorstandsergänzungswahl der Israel. Krankenverpflegungsanstalt, welche am 30. v. M. unter zahlreicher Betheiligung stattfand, gingen aus der Wahlurne die Herren Jos. Deutsch mit rund 470, S. Scheye 450, Stadtrath F. ringsheim 370, Th. Oschinsky 370 Stimmen als gewählt hervor. ch. Hamburg, 4. Juni. Die allgemeine Gartenbau- Ausstellung, die, vom herrlichsten Wetter begünstigt, jetzt einen Monat eröffnet ist, erfreut sich vermöge ihrer einzig in der Welt darstehenden Pracht und Reichhaltigkeit eines ganz enormen Besuches; es lohnt sich auch wahrlich für Jeden, dieses herrliche Gelände, welches schon von der Natur so recht zu einer Gartenbau-Ausstellung geschaffen und welches durch künstlerisch schaffende Hände zu einem wahren Paradies umgeschaffen worden ist, zu besichtigen. Unter den mannigfachen Sonder- Ausstellungen befindet sich auch eine, die speziell für uns ein größeres Interesse erwecken sollte, und die auch gewiß viele Auswärtige zum Besuche der Gartenbau-Ausstellung veranlassen wird, es ist die Ausstellung der jüdischen Kolonien in Palästina. Das Komitee, das aus einer Anzahl hiesiger angesehener Bürger besteht, hat sich die Aufgabe gestellt, auf der hiesigen Ausstellung nur die ideale Seite in 'Betracht zu ziehen und auch aus diesem Grunde von einem Ausschank der palästinensischen Weine, wie solcher im vorigen Jahre in der Berliner Gewerbe-Ausstellung stattfand, Abstand genommen. Es soll mit dieser Ausstellung der jüdischen Kolonien in Palästina hauptsächlich auch gezeigt werden, daß unsere Glaubensgenossen im Stande sind, sich dem Ackerbau, der Landwirthschaft und dem Weinbau zu widmen, und daß alle Angriffe unserer Gegner, wir seien nur ein Volk des Handels und Schachers, nichtig und unhaltbar sind. Das von einem renommirten hiesigen Architekten für die Aufnahme der palästinensischen Ausstellung entworfene und künstlerisch schön errichtete Gebäude ist die getreue Nachbildung eines Wohnhauses eines dortigen Kolonisten und zerfällt in drei Abtheilungen: einen Garten und zwei Wohnräume. Die Ausstellung wird folgende Abtheilungen umfassen: lebende Bäume: Palmen, Oliven, Citronen, Mandeln rc. Früchte: Diese Abtheilung enthält alle Kernfrüchte, wie auch Weizen, Gerste rc.; auch die dortige Bienenzucht wird dem Beschauer durch zwei lebende Bienenstöcke verschiedener Systeme vorgeführt werden. Hieran schließen sich in einer weiteren Abtheilung Oele, Essenzen, Weine und Cognac. In dieser Kategorie wird hauptsächlich das Rosenöl, das sich bereits lange Zeit siegreich auf dem Weltmarkt behauptete, eine hervorragende Stellung einnehmen. Ferner wird sich daselbst eine sehenswerthe Abtheilung von Holzschnittarbeiten befinden, die ausschließlich von dortigen Kolonisten verfertigt sind. Durch ungünstige Witterungsverbältnisse war es nicht möglich, die Erzeugnisse früher nach hier zu schicken, ein größerer Theil der Pflanzen rc. ist bereits eingetroffen, so daß voraussichtlich in den nächsten Tagen die Eröffnung der palästinensischen Ausstellung stättsinden wird. Wir werden noch auf die Einzelheiten dieser Ausstellung, zurückkommen; dieselbe wird bis zum 1. Oktober dauern, und werden während dieser Zeit stets neue Erzeugnisse aus Palästina eintreffen, um der gewiß sehenswerten Kollektion ein frisches und wechselreiches Gepräge zu verleihen. g.. Dortmund, 4. Juni. Am 27. v. M. tagte hier der Verein zur Förderung der Ortho doxie in der Provinz Westfalen. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war wohl die Einführung des gewählten Vereinsrabbiners, des Herrn Rabbiner Dr. Gerson Lange, der seinen Sitz in der Gemeinde Marburg nehmen wird. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Herr Levertof-Höxter, denselben in herzlichen Worten begrüßt hatte, wandte sich der Herr Rabbiner in längerer Ausführung an die versammelten Gesinnungsgenossen und richtete an sie Worte der Ermunterung zur rüstigen, thatkräfligen Arbeit auf religiösem Gebiete, der auch er seine volle Kraft widmen werde. Seine Ansprache fand allgemeinen Widerhall und zeugte von einer würdigen Auffassung seines unter den obwaltenden Umständen gar schwierigen Berufes. Wird , Dr Lange in seinem ferneren Wirken so maßvoll bleiben, wie seine Ausführung erhoffen läßt, so kann seine amtliche Thätigkeit für die ... Vereinsmitglieder eine segensreiche werden. Auch die übrigen Redner, deren gar viele das Wort ergriffen, folgten ihrem nunmehrigen Führer und hielten sich fern von jeder Provokation, die in der vorjährigen Generalversammlung bei den Gegnern solche Erregung verursacht chat. Nur eine bedauerliche Ausnahme machte ein auswärtiger Herr, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß nun auch bald in Westfalen Separatistengemeinden entstehen möchten, wie in Köln, Mainz, Frankfurt, Berlin re. „zum Segen des Judenthums (?)" zu finden seien. Aber die Westfalen hallen Gott sei Dank noch fest und unerschütterlich an dem alten bewährten Grundsatz: „Trenne dich nicht von der Gemeinde." Ein eigenthümliches Schlaglicht auf den Verein wirft die Wahl eines Mannes in den Vorstand, der nach eigener Versicherung nicht auf dem Boden 1 der Orthodoxie steht und aus diesem Grunde die Wahl ablehnett zu müssen glaubte; seine Ablehnung wurde trotzdem abgelehnt, und die .gewiß nur scherzweise gegebene Versicherung, „er werde sich bessern", half den leitenden Persönlichkeiten über den Mißgriff glücklich hinweg. Trotz der Begeisterung über den -unerwarteten Erfolg der bisherigen Bereinsbestrebungen, die in den Reden der Herren Rabbiner und Anderer zum Ausdruck kam, hatte ich und andere passive Anwesende den Eindruck, daß die bisherigen Resultate noch sehr bescheiden zu nennen sind. Die Anstellung des Vereinsrabbiners ist gewiß nicht durch das allgemeine Interesse der Westfalen, noch durch ihre Opferwilligkeit für die Sache ermöglicht worden, ist vielmehr auf die rührige Agitation in den orthodoxen Zirkeln der süddeutschen Großgemeinden, aus deren Mitte der Vereinskasse reichliche Mittel zugeflossen sind, zurückzuführen. a. München, 6. Juni. Das am 1. d. Mts. verkündete Urtheil in der Berufungssache des Redakteurs Wenng und des Gärtners Posch wegen groben Unfugs, begangen durch Verbreitung bezw. Vertheilung des Flugblatts Talmudauszug, lautete: „Die Beweisanträge des Vertheidigers werden abgelehnt. Die Berufungen Poschs und Wenngs werden kostensällig verworfen." In der Begründung heißt es: Das .Flugblatt war geeignet, Haß und Verachtung gegen die Juden zu erregen und die Möglichkeit ihres friedlichen Zusammenlebens mit Angehörigen anderer Konfessionen zu gefährden. Dadurch wurde Beunruhigung und Belästigung einer unbestimmten Menge von Personen hervorgerufen. Es muß bezweifelt werden, daß die Angeklagten überzeugt waren, daß die angeführten Gesetze des Talmuds noch giltig seien. Denn das thatsächliche Verhalten der Juden gegenüber den Gesetzen und der bei ihnen gebrauchten Religionslehrbücher widerspricht dem. Jedenfalls aber wurde die nur subjektive und sehr bestrittene Ansicht der Angeklagten in einer Weise verbreitet, daß der mit der Sache nicht vertraute Leser sie für unumstößliche Wahrheit halten mußte. Wenng hat selbst zugegeben, daß durch Verbreitung des Flugblattes ein Zwang auf die Regierungen zur Herstellung einer amtlichen Talmudübersetzung ausgeübt werden und so das Volk den Parteizwecken des Angeklagten dienstbar gemacht werden sollte. Das ist, wenn es in der Form leidenschaftlicher Verhetzung und in gehässiger Sprache geschieht, als grober Unfug zu betrachten uüd zu bestrafen. Das Urtheil des Schöffengerichts, wonach Wenng zu 100 Mark, Posch zu 26 Mark Geldstrafe verurtheilt worden war, ist hiernach bestätigt. Orstrrrrich-Ungarn. LH Wien, 8. Juni. Am 6. d. Mts. fand unter zahlreicher Betheiligung der Bereinsmitglieder die siebente ordentliche Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. Im Verlaufe der Versammlung wurde dem Verein wiederholt die Anerkennung für seine bisherige Thätigkeit ansgesprochen und der Wunsch daran geknüpft, daß die Erfolge ihres Wirkens mit den Bemühungen des Vorstandes und der Bereinsmitglieder gleichen Schritt halten mögen. Mit einem warmen Nachruf für das verstorbene Pereinsmitglied Rudolf Grafen Hoyos eröffnete der Präsident Freiherr öon Suttner die Versammlung und erstattete den Vereinsbericht. Die Hoffnung, die an dieser Stelle von Jahr zu Jahr ausgesprochen wird,

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