Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-11 · Heft 24 (11.6.1897) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228227--53760-3267702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

—- 279 letzte Telegramm aus Ormr vom 4. d. Mts. lautet: In der vergangenen Nacht brannte die Synagoge in Ain el Arba nieder. In dem Schutt wurde eine aus Blech hergestellte und mit Pulver und Eisenstücken gefüllte Sprengbombe gefunden. — Man sieht, welche Fortschritte die Araber und Kabylen unter europäischer Herrschaft gemacht haben. Sie verlassen sich nicht mehr auf Lanze und Flinte, sondern greifen zu mit Pulver gefüllten Sardinenbüchsen und Sprengbomben wie gelehrige Schüler der französischen Ravachols oder der spanischen Anarchisten. Aus der Berliner Gemeinde. Berlin, 8. Juni. egen über der Klage, die wir in den letzten Jahren so oft gehört, daß unsere Religionsschuleu nur wenig für den Unterricht der Jugend leisten, bietet der Bericht über die Entwickelung und Wirksamkeit der II. Religio ns schule der jüdischen Gemeinde, vom Oktober 1891 bis Ende des Jahres 1896, den der vortreffliche und bewährte Dirigent dieser Anstalt, Dr. S. A pol aut. dem Borstande erstattet hat, ein durchaus erfreuliches Bild. Und schon darum erscheint es wünschenswerth, daß dieser Bericht weiteren Kreisen zugänglich gemacht werde. An der Spitze dieses Berichtes darf Herr Dr. Apolaut mit Recht das Urtheil aussprechen, daß die Anstalt einen erfreulichen Aufschwung genommen und sich durch die Thätigkeit des gesummten Lehrkörpers immer mehr das Vertraueil des Publikums erworben hat. Während sie Oktober 1891 mit nur 80 Schülern in die neuen Räume übersiedelte, hat das 4. Quartal 1896 einen Bestand von 261 ergeben. Die Gesammtaufnahme betrug in den ersten fünf Jahren (vom Oktober 1886 bis Oktober 1891) 329, im Durchschnitt jährlich 65 Kinder, in den letzten 5V* Jahren 709, im- Durchschnitt jährlich 135. Das erste Tausend ist bereits überschritten, und die letzte Aufnahme im Jahre 1896 wurde unter Nr. 1038 vollzogen. Die Einführung des Religionsunterrichts in die höheren Schulen hat keine Verminderung der Schülerzahl zur Folge gehabt. Oktober 1895 zählte die Anstalt 236 Kinder, April 1896 betrug die Zahl 255, und Oktober 1896 erhöhte sie sich auf 261. Die Maßnahmen der Behörde veranlaßten im Allfang zwar mehrere Abmeldungen, sie wurden illdeß schon nach wenigeil Monaten zum Theil wieder zurückgezogen, weil der eins itige Unterricht den Anforderungen der Eltern nicht genügte. Die Zunahme der Schüler machte Oktober 1892 in der Knabenabtheilung die Errichtung der III. L-Klasse erforderlich. Der Lehrplan erlitt dadurch keine Aenderuilg. Mit dieser Aeilderung ist gleichzeitig die Bestimmung getroffen und in die Schulordnung ausgenommen worden, nur diejenigen Knaben an dem. Barmizwa-Unterricht theilnehmen zu lassen, die mindestens die Reife für IIIA. erreicht haben, was vor der Theilung der Klasse nicht ausführbar war. Es kommen allerdings noch Fälle vor, daß Killder selbst der untersten Stufe (Klasse IV) privatim zum Aufsagen der Berocho vorbereitet werden und dann die Anstalt verlassen. Gegen solches Verfahren der Eltern ist die Schule machtlos. „Eine durchgreifende Hilfe dürfte sich nur durch Mitwirkung des Rabbinats ermöglichen lassen, wenn dieses mit Ermächtigung des Gemeindevorstandes den Beschluß faßte, das Einsegnungsgebet nur für diejenigen Kinder zu sprechen, die ihre Reife durch Bescheinigung der Leiter der Gemeindeschulen oder anerkannter Religionslehrer anderer Schulen Nachweisen event. sich durch eine Prüfung als genügend vorgebildet ausweisen. Es bleibt den Eltern dann immer noch Vorbehalten, ihren Kindern eine Barmizwa-Feier zn bereiten, ohne daß der Rabbiner in die Täuschung versetzt wird, der Knabe habe sich wirklich irgend welches religiöses Wissen angeeignet." Ein erheblicher Fortschritt zeigt sich darin, daß die Zahl frühzeitiger Abmeldungen wesentlich in der Abnahme begriffen ist. In den ersten fünf Jahren waren unter 249 ausgetretenen Kindern nur 72, die länger als IV- Jahre die Schule besucht hatten, dagegen 177. die sie vor IV2 Jahren verließen; in den letzen 5V* Jahren standen den 293 Kindern, die nach höchstens V/2 jährigem Schulbesuch allstreten, 241 mit längerem Schulbesuch gegenüber. Das Verhältniß war demnach früher wie 4 : 2Vs, das jetzige wie 1:1,2. Der Fortschritt ist so bedeutend, daß die Annahme begründet zu sein scheint, es habe sich im Publikum das Verlangen nach einem schulgemäßen Religionsunterricht gehoben. Zur besseren Orientirung ist dem Berichte eine statistische Liste über Alter, Schulgeld, Abgang und Dauer des Schulbesuches beigelegt, die den ganzen 10V* jährigen Bestand der Anstalt umfaßt. Sie bietet ein klares Bild von der bisherigen Entwickelung der Schule. Das Lehrerkollegium besteht augenblicklich aus den Herren: Aron Auerbach, Gustav Remack, Moses Worms, Dr. Max Fiegel. Dr. Malwin Warschauer, Dr. Max Joseph und dem Dirigenten. Der Lehrkörper hat eine festere Gestaltung angenommen, und das gemischte System, neben den seminaristisch gebildeten Lehrern, die den bleibenden Kern des Kollegiums bilden und mit wöchentlich 22 Stuilden beschäftigt sind, auch theologisch gebildete Hörer der Lehranstalt mit wöchentlich 15 Stunden anzustellen, hak sich durch die Erfahrung-genügend bewährt. „Die Vorzüge der einerseits mehr theologischen, andererseits mehr pädagogischen Ausbildung haben einen Ausgleich im Lehrkörper bewirkt, in welchem eine erfreuliche Kollegialität herrscht. Die Anstalt ist gewissermaßen zu einer Pflanzstätte für die Theologen geworden, die hier die günstige Gelegenheit haben, sich die praktische Tüchtigkeit für ihren späteren pädagogischen Beruf anzueignen. Die Herren haben sich in ihrer neuen Lebensstellung als treffliche Schulleiter bewährt und vielfach ihre Anhänglichkeit der Anstalt zu erkennen gegeben. Das verständnißvolle Zusammenwirken des Kollegiums, die gesammelten Erfahrungen erleichtern die Handhabung der Disziplin, die allen berechtigten Anforderungen entspricht, namentlich,, wenn man die in Religionsschulen eigenartige Zusammensetzung der Klassen aus Kindern verschiedenartiger Altersstufen und allgemeiner Bildung in Erwägung zieht, sowie die noch immer nicht ausreichende Unterstützung der Eltern, die ganz unbegründete Versäumnisse entschuldigen und häufig sogar pflichtschuldige Abmeldungen unterlassen." Der Lehrplan ist unverändert geblieben. Eine vollständige Abschrift desselben befindet sich in jedem Schulzimmer, so daß der Lehrer stets in voller Kenntniß der gesummten Pensa bleibt, und die einheitliche Behandlung des Stoffes sichergestellt ist. Für den hebräischen Unterricht hat Dr. Apolant eine umfangreiche Arbeit: „Ausgewählte Gebete und 40 Psalmen", angefertigt, sie in der Schule niedergelegt und dem Kollegium sur Verfügung gestellt. Sie umfaßt eine Übersetzung, eine präzise Inhaltsangabe und Ausführung der leitenden Gedanken, eine Erklärung außergewöhnlicher sprachlicher Bildungen, Phrasen und Formen und bei den Gebeten außerdem einen Nachweis der Bibelsätze, denen viele Ausdrücke nachgebildet wurden. Die Arbeit, auf 250 Quartseiten niedergeschrieben, ist für Schulzwecke bestimmt; sie soll dem Lehrer eine Handhabe bieten, die Gedanken der Stücke klarzulegen, den Inhalt zu vertiefen und als Mittel zur Förderung religiöser Erkenntniß wie sittlicher Grundsätze zu verwerthen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.