Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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der allseitigen Unterstützung,, die der Verein gefunden hat, und des Wohlwollens, dessen er sich zu erfreuen hat. An Beiträgen und Geschenken gingen von 326 hiesigen und 482 auswärtigen Mitgliedern i1.1t Ganzen 7581,90 Mark ein; an Zuschüssen für die Unterhaltung der ZöoMge 7652 Mark; cs wurden sechs neue Jahrzeitsstiftungen errichtet, die dem Verein 2970 Mark zuführten. I! dem neuen Jnternatsgebiiude wurden zeitweilig 40 Schüler verpflegt, für deren Beköstigung und Verpflegung sowie für Heizung und Beleuchtung der Räume insgesammt 11245,90 Mark verausgabt wurden; die Gesammtausgaben belaufen sich auf ca. 22 725 Mark. — Der Verein zur Förderung des Gartenbaues und Handfertigkeitsunterrichts inder jüdischen Volksschule zu Hannover, dem durch Allerhöchsten Orlaß vom 4. Novem er 1693 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden sind, berichtet über seine Thätigkeit in den Jahren 1893/94, 1894/95 und 1895/96. An die Stelle des früheren Seminar- Direktors, jetzigen' Kirchenrathes Herrn Dr. Kroner, der sechs Jahre bis zu seiner Uebersiedelung nach Stuttgart am- 4. April 1894 mit voller Hingebung das Amt des Vorsitzenden innegehabt hatte, wurde in der Generalversammlung vom 24. November 1894 Heir Direktor Dr. Knoller zum Vorsitzenden gewählt; in der Zwischenzeit hatte der stellvertretende Vorsitzende, Herr Konsul M. A. Simon, der für alle Bestrebungen des Gartenbaues und der Handfertigkeit das regste Interesse trägt, die Geschäfte geführt. Der Verein besitzt ein eigenes Grundstück an der Ohestraße, nahe der Lehrerbildungsanstalt und dem neugebauten Jnternatsgeüäude; die Einnahmen beliefen sich auf 598,85 Mark und die Ausgaben auf 1000,79 Mark, so daß das Jahr mit einem Ueberschuß von 1598,06 Mark abschließt. Im Unterricht wird immer mehr Bedacht genommen, die Handfertigkeit für allgemein unterrichtliche Zwecke nutzbar zu machen, indem di Schüler zur Anfertigung von Gegenständen, die als Lehrmittel Verwendung finden, wie Wagen, Hebel, Lineale, Notenständer, auch die für die Bienenzucht erforderlichen Kasten, angeleitet werden und der praktische Nutzen in die Erscheinung tritt. Auch der im Sommerhalbjahr ertheilte Unterricht im Gartenbau ist systematischer und darum fruchtbarer gestaltet worden, die Schüler werden angehalten, ihre Abtheilungen rationell, der Jahreszeit angemessen, zu bearbeiten; sie lernen, was zum Düngen, Säen, Pflanzen, In standhalten,. Ernten erforderlich ist, u erden mit der Kultur der Nutz- und Zierpflanzen vertraut gemacht und theoretisch und praktisch in allem Erforderlichen unterwiesen. Die wieder aufgenommenen Versuche der Bienenzucht haben zu einem erfreulichen Resultate geführt, und aus den bereits vorhandenen drei Zuchtstöcken sind 32,44 Pfund Honig gewonmn worden. Die hiesige Bildungsanstalt ist wohl die einzige, in welcher Gartenbau und Handfertigkeit so gründlich betrieben werden, wie aus dem Lehrplan hervorgeht, und deren Zöglinge bei ihrem Abgänge nach sechsjährigem Kursus mit allen für den Gartenbau nöthigen Kenntnissen ausgerüstet sind. — Das Komitee für Ferienkolonien armer kränklicher Schulkinder aus Hannover .und Linden, dessen Vorsitzender der Herr Oberpräsident Dr. von Bennigsen ist, hat auch im abgelaufenen Jahre das bisherige Vertragsverhältniß mit Herrn Landrabbiner Dr.. Gronemann wegen der Unterbringung israelitischer Kinder erneuert, und es wurden 15 Knaben unter Führung eines Seminaristen nach Gestorf und 6 Mädchen in bezahlte Familienpflege nach Barsinghausen entsendet; 5 Kinder, für welche das Komitee nur das Reisegeld bezahlte,.genossen Freiquartiere, die zu beschaffen den Lehrern auf dem Lande nicht allzu schwer fallen würde. Dankbar anzuerkeunen ist in dieser Beziehung das Bemühen des Herrn Lehrers Vorsänger in Neuenkirchen bei Gütersloh und die Gastlichkeit einiger dortigen Familien, die schon seit mehreren Jahren Ferienkolonistinnen in liebevoller Weise bei sich aufnehmett. — Die Bestätigung der Wahl des Herrn Leopold Fischer zum unbesoldeten Senator der Stadt Linden ist eingetroffen und dessen Einführung in sein neues Amt bereits erfolgt. Der Bürgermeister sowohl wie der Bürgervorsteher-Wortführer anerkannten in ihren Ansprachen die Verdienste des Gewählten um die Stadt in seiner Stelluni als Bürgervorsteher und gaben ihrer Freude über diese Wahl voll und ganz herzlichen Ausdruck. — An die Stelle des sei. Lehrers Speyer ist Herr Levysohn aus Hamburg gewählt, der sein Amt im nächsten Quartal antreten wird. Der Wahl eines Nachfolgers des Herrn Dr. Lange haben sich aus einer Kompetenzfrage hergeleitete Schwierigkeiten entgegengestellt, deren Klarlegung jetzt noch nicht für die Oeffentlichkeit angezeigt erscheint. ol. Hainbnvg, 31. Mai. Das alte und vielbewährte Krankenhaus der deutsch-israelitischen Gemeinde, znm Andenken an Betty Heine erbaut von Salomon Heine 1841, versendet seinen Bericht für 1896. In diesem Jahre wurden 1066 .Personen ausgenommen. Die Anstalt war zeitweilig dergestalt stark besucht, daß 95 Personen die nachgesuchte Aufnahme nicht gewährt werden konnte. Von den aufgenommenen Kranken waren 22 pCt. (24pCt.) jüdischer, 78pCt. nicht jüdischer Konfession. Die Totalausgaben beliefen sich im Ordinarinm auf 89 679,05 Mark. Die Einnahme an Kostgeld betrug 57 300,26 Nt. Die Verwaltung bilden folgende Herren: Louis Levy, Vorsitzender, M. Beith, Kassirer, Julius Seeler, Krankenaufnahme, Dr. Blumenfeld, Schriftführer, Julius Lewandowsky, Hausinspektor, Dr. Albert Alsberg, Oberarzt der chirurgischen Station. Dr. Siegfried Korach, Oberarzt der medizinischen Station. Oberin des Krankenhauses ist Frau Amalie Wertheimer, als Assistenzärzte fungiren z. Z. Herr Dr. Jacoby und Herr Dr. Oettinger. Als Prosektor fungirt Herr Dr. Iwan Michael. Im Laufe des Jahres 1896 erhielt das Hospital über 40 000 M. an Legaten und Gaben zugewendet. Eine langjährige Gönnerin des Hanfes, Frau Cecile Heine in Paris, durch deren Gaben es wiederholt möglich gemacht war, die Anstalt zeitgemäß auszugestalten, ist in diesem Jahre gestorben. Die Anstalt wird weder von Staat noch Gemeinde subventionirt. , Die Poliklinik hat auch 1896 ihre Thätigkeit sehr erheblich ausgedehnt. Der dahingeschiedene Dr. I. Michael hat seit ihrer Begründung sein reiches Wissen zur Verfügung gestellt. Sein Nachfolger ist Dr. B. Engelmann. R. Nuhrort a. Nh., 1. Juni. Am 25. v. M. verschied nach kurzem, schwerem Leiden der in jüdischen wie in christlichen Kreisen allverehrte Dr. med. Max Marcus. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein Mann zu Grabe getragen worden, den wir mit Stolz den unseren genannt, der eine Zierde nicht nur der israelitischen Gemeinde, sondern auch unserer Stadt gewesen ist. Durch sein edles Leben und selbstloses Wirken, seine geadelte Gesinnung und Rechtschaffenheit, wahre Herzensgüte und wohlwollende Freundlichkeit hat sich der Verstorbene ein dauerndes Denkmal in den Herzen seiner Mitbürger gesetzt. Von der allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung dieses biederen Menschenfreundes gab auch die überaus große Zahl von Leidtragenden aus allen Schichten der Bevölkerung bei der Ueberführung der Leiche nach Burgsteinsurt, der Heimath des Verstorbenen,' das beredteste Zeugniß. : Alle folgten betrübten Herzens und thränenden Auges dem schlichten Sarge, der dem letzten Wunsche des theuren Entschlafenen gemäß weder Blumennoch Kranzschrnuck trug; Alle wollten dem Manne, der ihnen so oft ein Netter, ein aufopfernder Helfer und ein stiller Wohlthäter gewesen, die letzte Ehre erweisen. Frankfurt a. M., 1. Juni. Am 27. d. M. fand hier die Generalversammlun g des israelitischen Lehre rvereins statt, welche sehr zahlreich besucht war. Aus den sechsstündigen, oft stürinischen Verhandlungen heben wir nur das für einen weiteren Kreis Wichtige hervor. Punkt 3 der reichhaltigen Tagesordnung war „die Behandlung der biblischen und nachbiblischen Geschichte in der Volksschule". Die Ausführungen des Referenten Herrn Krämer-Friedberg, gipfelten in 8 Thesen, die nach kurzer Debatte angenommen wurden. Einige gelegentliche Bemerkungen des Referenten, wie die, daß nicht in allen jüdischen Seminarien Methodik der jüdischen Religionsfächer gelehrt werde, was sehr nachtheilig für die jungen Lehrer sei und im Interesse der Rabbiner zu bedauern sei, erregten eine lange Debatte, in welcher schon die Gegensätze in Erscheinung traten. — Dann referirte Herr Dr. Goldschmidt-Offenbach über sein „Itizur berinoh“. Die verehrlichen Gäste, die Herren Dr. Horwitz-Frankfurt und Dr. Munk- Marburg, stellten der neuen Methode ein günstiges Horoskop, aus der Mitte der Versammlung äußerte man sich weniger optimistisch. Nach dem Sprichwort: „Probirt geht über studirt", wurde anheim gegeben, wenn möglich, die Sache zu probiren. Der Antrag Wertheimer- Heldenbergen: Schaffung einer Rechtsschutzkommission und eines Ehrenrathes, fand auf Antrag des Herrn Marx-Alsheim dahin seine Erledigung, daß der Vorstand die den beantragten Institutionen zügedachten Aufgaben übernimmt und eventuell einen Juristen zuzieht. Bei dem folgenden Antrag Marx-Alsheim: „Anschluß an 'den Verband deutsch-israelitischer Lehreroereine" wurde die Debatte mehr wie lebhaft. Als Thatsache kann festgestellt werden, daß