Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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die Gegner des Antrages von",,religiösen" Bedenken geleitet werden; sie j bringen dem beim Verband, mitwirkenden Gememdebund in dieser Hinficht Mißtrauen entgegen. Die/Behauptung: die Selbständigkeit der Lehret sei durch das dem Vorstände des Gemeindebundes. zugestandene-Recht (im Vorstände des Verbandes durch ein Mitglied vertreten zu sein) gefährdet, wurde wiederholt, aber vom Antragsteller treffend zurückgewiesen. Der langen Reden kurzes, aber erfreuliches Ergebnis wat^ daß mit 36 gegen 32 Stimmen der Antrag angenommen würbet Die nun folgenden Versuche der. Minorität, den Beitritt doch' noch z « vereiteln, sowie die Vermittelungsvorschläge verschiedener Herren der Majorität, blieben erfolglos. Die Minorität hatte, sich zur Berathung zurückgezogen; ihr Wortführer wollte den Austritt in eorpore erklären; er brachte es in der Versammlung nicht zur Ausführung; 28 Herren unterschrieben eine .Austrittserklärung, die . dem Vorsitzenden heute zugegangen, ist. . . v.v ■"■■o a. München, 30 Mai. Ich mache Ihnen' heute die erfreulich^ Mittheilung, daß auch hier fast sämmtliche Wohlttzätigkeitsvereine E einem C e nt r a l v er b a nde zus ammengetreten sind. Dies er Centralverband hat/den Zweck, daß die Vereine gegenseitig Erfahrungen auM tauschen und danach ihre Maßnahmen treffen; ferner zahlt jeder Vereins einen entsprechenden Beitrag zur Verbandskasse, der in diskreter Weise von dem Vorstande des Centralverbandes zu guten Zwecken verwandt, werden soll; Vorsitzender des Verbandes ist unser Rabbiner Dr. Werner? auf-dessen Initiative die erhöhte Regsamkeit der Gemeinde in den letzter^/ Jahren zurückzuführen ist; ferner gehören zum Vorstand Rechtsanwalt Ofner, Kommerzienrath Kirchdörfer und Frau Dr. P erl es. M Von der hiesigen Bnei - Brith - Loge aus wird die Heranbildung vprt jüdischen. Kranken Pflegerinnen in Baiern. vorbereitet. Zu dieseck Zwecke wendet sich dieselbe an die sämmtlichen Kultusgemeinden Vaierns. Die Loge.übernimmt die Kosten für die Ausbildung. — Anmeldungen sind gleichfalls an Rabbiner Dr. Werner zu. richten. Am vergangenen Dienstag fand vor dem hiesigen Landgerichtedie Verhandlung gegen den Antisemitensührer Weng statt, der. wegen Verbreitung des bekannte^ Talmudflugblattes für groben Unfug in erster Instanz zu 100 Mark- Geldstrafe verurtheilt wurde. Die Urtheilsverkündigung findet an§i 1. Juni.statt. ' , ' Oesterreich-Ungarn. kH Wien, 31 Mai. Hier und da beginnt bei unseren jüdisches Mitbürgern allgemach das Gefühl der Erbitterung Platz zu greifen, nutz es werden Beschlüsse gefaßt, um den Angriffen, denen die WienlE Judenheit in allen ihren-Rechten ausgesetzt ist, entgegenzutreten, alleiD zumeist scheitern alle Beschlüsse an der Indolenz der besser situirte^ Glaubensgenossen.; u> a.,hat der Verein- „Union" gleichfalls, folgendes / Beschluß gefaßt: Die Versammlung erhebt entschieden'ProtestwiW : das den jüdischen Staatsbürgern gegenüber, beobachtete Verhalten,dex Majprstäten des: niederösterreichischen Landtages, des Wiener. Gemeind^. - rathes und Stadtrathes, Dieses / Verhalten,welches sichinsbesöndeM, gegen die Armen und/Wehrlosen kehrt, stellt sich als eine fortgesetzt^ Reihe planmäßiger RechMerletzungen und Rechtsverhöhnungen daH? Die Versammlung erwartet, daß alle gerecht denkenden.Mitbürger ürtz Widerstande gegen diese Mißachtung von Recht und .Gesetz thatkrästidr zusammenstehen werden.". —. Der Appell an die ^j^effentlichkeit/ senerß! armen israelitischen Schülern des LeopoldstWerKommunal-, Real-,und^ Obergymnasiums, denen-der Wiener Stadtrath die SchulgeldbefreiünM großmüth.ig — verweigert hat, durch freiwillige -Beiträge-'zu -.helfvtMtz f so den beabsichtigten Schukhoykott der Armen jüdischer Konfession zu^ hinrertreibey^ war / von einem überaus günstigen Erfolge begleitet^ Nun veröffentlicht Gemeinderath Dr. Alfred Stern das Ergebniß dev< Sammlung und die. Vertheilung der Spenden an die armen Schüler. In der Schiffgaffe^und den. umliegenden Rayons,- dem Hauptquartiers der hiesigen Orthodoxie, , herrscht große - Freude: Der Oberrabbiner, der/; orthodoxen Gemeinde zu . Eperies, Herr Sigmund Für Mist dieser LaM zum Rabbiner, .der Synagoge Jn der Schiffgaffe, der sogenannten Schiffschuld erwählt Morden., — Am 23, d. Mts. fand die Generalversammlung^ der ^Jsraelistj.sch.en Mliayp-e,":patt Der Präsident,des Vereins! Herr DavidRitter von Gutmann. begrüßte Namens des Vorstandes f die Versammlung und erstattete, sodann ' den Rechenschaftsbericht, 'beträ i die Mubyentronen an Krjltnsge.rneind.en, beziehungsweise KultusvereinH § und -Anstalten, die BildunMwecke verfolgen. Das Defizit der Gesellschaft beträgt in diesem Jahre 2626 fl. Dieselbe verfügt im Ganzen nur über Einnahmen von ea. 17 000 fl., und die Berwaltungskosten allein betragen 6000 fl.- Das ist für^Men-recht charakteristisch! Zum Schlußwurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Em. 'Baumgarten, Dr. Kuranda/ Bernh^c-Pallak: undi'-JNl: Reitlinger - wiederynd die Herren Emtt Horner und Leop.'Trebitsch mit Stimmeneinhelligkeit neugewählt. — Schon in nächster Zeit soll hier eine neue , jüdische Wochenschrift begründet werden mit dem Titel: „Die Welt", Dieselbe ^steht unter den Auspizien Dr. Theodor ' Herzls, und ' der Redakteur wird Dr. S. R. Landau sein. Das Blatt soll die Interessen des Zionismus mit Entschiedenheit vertreten. — Um die Aerztekammer gleichfalls antisemitisch zu gestalten/ hat der antisemitische Stadtrath Dr. Räder 425 Aerzte, größtentheils Juden, aus den Wählerlisten der Aerztekammer gestrichen, worauf diese den. Rekurs ergriffen, dem von der Statthalterei - Folge geleistet wurde. —' Nach kurzer Krankheit ist hier der in der Wiener Gesellschaft und Journalistik wohlbekannte Herausgeber des „Salonblatt", Herr Moritz Engel, gestorben. - ■' Von Nah und Fern. — In einerhiesigen sozialdemokratischen' Studentenversammlung hielt Rechtsanwalt Wolfgang Heine einen'Vortragi Heine wurde dafür von den Antisemiten zum Juden gestempelt mit/Hch'-'^Dtzmexk^r.^Mn ' - neuer Beweis dafür, daß das Judenthum das J-ermeyt .der Zersetzung ist und seine subversive Thätigkeit überall, ausübt, wohin es dringt."' - Nun ist aber Rechtsanwalt Heine der Sohn des konservativenkirchlich- > frommen Direktors der Ritterschafts-Akademie in Brandenburg. Pro-; fessöv Dr. Paul Ehrlich, der Direktor des Instituts für Serumkontrole, übersiedelt mit diesem Institut nach Frankfurt s. M. Der ihm ertheilte Lehrauftrög an der Universität — spezielle Pathologie und Therapie — ' ist dem Professor Dr. Ludwig Bri eger übertragen worden^ ÄrHger war seinerzeit gleich Ehrlich Assistenzarzt von Frerichs'jetzt leitet er die Krankenabtheilung des Instituts für Infektionskrankheiten. — Der Privatdozent in der medizinischen Fakultät zu HeidelbergDr. Juliüs S chottländer ist zum außerordentlichen Professor ernannt wörden. In Köln brachte ein Bazar zu Gunsten der jüdischen Berbahranstalt und Kochschule den Betrag von 12 000 Mk. Der Verein hat nunmehr für den Preis, von 53 000 Mk. ein eigenes Grundstück erivorbenj Für den beabsichtigten Neubau des Hauses des „Vereins'zur Förderung des' Handwerks-unter den Juden" wurden bisher 40 000 Mk. gespendet. Wie man aus Brünn meldet, wurden der Verlassenschaft des Freiherrn , Moriz v. Hirsch-Gereuth an Staatsgebühren für die Vermögens-Üebertragung 890 000 fl. und als Schulbeitrag für das Land Mähren eine Summe von 170 715 fl: vorgeschrieben. — Im Gouvernement Wilna beständen 1895 im Ganzen 1461 Schulen, davon find 994 jüdische, also! 67,03 Prozent. Für die Erhaltung dieser Schulen wurdest 1'027 000'Rubel i ausgegeben, davon entfallen auf die Juden 280 000 Rubel. — Die Gesellschaft „Arbeit" in Odessa hat von der Baronin. Hirsch zur Erweiterung ihrer Zwecke 50 000 Rubel erhalten. -- Petersburger Blätter bringen interessante Daten über die Auswanderung der Juden. Darnach /sind innerhalb der letzten drei Monate "aus Rußland 1032 jüdische ^FamWn stach Amerika ausgewändert. — Madame Jules P orgs \ in i Paris, i>ie: sich bei den Rettungsarbeiten anläßlich der. letzten Brandkatastrophe so ausgezeichnet, hat die goldene Medaille II. Kläffe erhalten.! — Diefranzösifche Akademie hat den Saintour-Preis von 500 Frcs. Herrn , Mo;se WHwab für sein „Wörterbuch der^jüdischen'Angelologie nach den in der' Nationalbibliothek befindlichen Manuskripten" ertheilt. s Rabbinet'Dr. Groß in Augsburg erhielt für sein Werk Gällia Judaica ' eine ehrenvolle Erwähnung — In der. Stadt O ran ist'jetzt'alles ruhig. In Fortassa sind erneute Unruhen vorgekommen; dott ' plünderten! 300 Araber die jüdischen Magazine; es wurden mehrere^ Derhästungen; vorgenommen. In der französischen Kammer wird übritzens' eine Jnter- ' pellation betr. die Unruhen in Algier vorbereitet. - i - - -- -Druck und-Berlag von Rndols Mosse in Berlin.' ' " Berantwoxtlich für die Redaktl0il: M lir B »rüch witz in Berlin.