Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61. Jahrgang. Ar. 23. ffitrlin, 4. Juni 1897._ Weikage zur „Mlgemeinerr JeiLung des IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Drutschlan-. 1. Berlin, 31. Mai. Am letzten Sonntag fand unter überaus starker Theilnahme der Gemeindeangehörigen die Einsegnungsfeier in der Neuen Synagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Weisse leitete die heilige Handlung, die in ihrem ganzen Verlaufe einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte. Nachdem die kräftigen Klänge desfeierlichen Einleitungsliedes'verrauscht waren, ergriff Dr. Weisse zu einer innigen, zu Herzen gehenden Predigt das Wort, die in ihrer Schlichtheit, gerade der junger»,. Schaar sich tief in die Seelen graben wird. Der Redner legte sinnig seiner Predigt den Vers aus Hosea zu Grunde: „Du sollst mir verbunden sein durch Gerechtigkeit und Recht, durch Liebe und Erbarmen und durch einen festen Glauben, damit du erkennest den Ewigen." Nicht Sitte und Herkommen, nicht Vorschrift und Gesetz, führte der Redner aus, vereinigt uns. hier zur Uebung eines uralten Brauches, sondern der Drang des Herzens, was in tiefem Verlangen die Verbindung mit Gott sucht. Ein dreifaches Gelübde legen die Mädchen, die nach langer Vorbereitung heute in die Gemeinschaft der Frauen Israels eintreten, ab : Sich dem Ewigen zu verbinden durch Strenge und Gerechtigkeit gegen sich selbst, durch Liebe, Nachsicht und Erbarmen gegen die Mitmenschen und durch unwandelbare Treue gegen die Religion ihrer Väter. Nach der Predigt sprach eine Konfirmandin einen Dank für Gottes Huld und Gnade und für der Eltern und Lehrer Mühen um ihre Erziehung, während eine andere ein längeres Glaubensbekenntniß mit tiefer Empfindung ablegte. Daran reihten sich Bibelsprüche, deren jedes Mädchen einen gewählt hatte, und der stets von einer erläuternden Erklärung begleitet war. Ein Schlußgesang beendete die harmonisch ausklingende Feier, die eine bleibende und nachhaltige Wirkung auf die Gemüther hinterließ. L2 Berlin, 1. Juni. Soeben ist das Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes für 1897 erschienen, und zwar in zwölfter Auflage,, die wieder mancherlei Verbesserungen aufweist. So sind im geographischen Verzeichniß der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich bei jeder Provinz und selbst bei jeder Ortschaft die Ergebnisse der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 mit verwerthet. Etwa 100 bisher noch nicht aufgeführte Ortschaften mit jüdischer Bevölkerung sind diesmal ermittelt. Eine andere Neuerung ist die Angabe des prozentualen Verhältnisses zwischen den Staats- und Kultussteuern in den verschiedenen Gemeinden. Das Ergebniß ist freilich noch ein lückenhaftes,- große Gebiete fehlen gänzlich, weil stch nach dem dort herrschenden Besteuerungsmodus die Verhältnißzahl gar nicht feststellen läßt. Gleichwohl sind die Angaben so wichtig, daß das Büreau des Gerneindebundes auf dem betretenen Wege weiterzuschreiten beabsichtigt. Wir machen besonders auf die Liste der Litteraturvereine aufmerksamderen bereits mehr als 80 hier verzeichnet sind. Auch das Verzeichniß wichtiger Anstalten, Vereine u.s. w. ist ansehnlich erweitert. Zum Schluß ist auch diesmal wieder eine Reihe sehr interessanter behördlicher Entscheidungen gegeben. Das Jahrbuch ist durch das 'Büreau des D -I. G.-B. in Berlin W., Sigismundstraße 5, für den Preis von M. 1,60 zu beziehen. — Von den Mittheilungen des'Deutsch-israelitischen Gemeindebundes ist soeben die sehr reichhaltige Nr. 45 erschienen, die einen ausführlichen Bericht der „Abtheilung für Handwerk" enthält, der geradezu vorzüglich genannt werden darf. Es folgen. Aufrufe, Nekrologe, der Rechnungsbericht für 1896/97, verschiedene Kassenberichte und Verzeichnisse. Wir kommen auf den Inhalt der Mittheilungen in nächster Nummer zurück. . ex» Berlin, 1. Juni. Am 30. v. Mts. hat die seit 1813.. bestehende Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden in der Aula der jüdischen Gemeindeschule ihre Generalversammlung abgehalten. In dem Rechenschaftsbericht wurde mitgetheilt, daß 71 Lehrlinge in Pflegschaft seien, vierzehn weniger als im Vorjahre infolge der Einrichtung des jüdischen.Lehrlingsheims in Pankow. Unter den Lehrlingen befinden sich Maschinentechniker, Zahntechniker, Bildhauer, Maler, Lithographen, Musterzeichner, Stuckateure, Vergolder, Uhrmacher, Friseure, Goldarbeiter, Juweliere und vor "allem viel Schlosser. Mangelhafte, selbst gar keine Schulbildung, die Weigerung zum Besuch der Fortbildungsschulen und das Fehlen von.Lehrkontrakten haben wiederholt Veranlassung zur Ablehnung der Gesuche ergeben. Endlich sind, wie in der. Berichterstattung hervorgehoben wurde, auch solche Gesuchsteller abgewiesen worden, welche keine ausreichende Werkstattlehrzeit im Sinne hatten oder ohne solche überhaupt stch den technisch-wissenschaftlichen Fächern ausschließlich widmen wollten. Für Bekleidung der Pfleglinge wurden 3802, für Religions-und Fachunterricht 532 Mark verausgabt. Bon den Unterstützungsgesuchen zum Geschäftsetablisseinent ist nur eins bewilligt worden, die übrigen mußten abgelehnt werden, theils wegen zu jugendlichen Alters der Bewerber, theils wegen des ungenügenden Ausweises über hinreichende Thätigkeit im Handwerksberuf, theils endlich wegen Mangels selbst geringer eigener Ersparnisse während der Gesellenzeit. An Vermögen besitzen der Verein und seine Stiftungen 95 000 Mark. — Berlin, 31. Mai. Am 29. d. M. fand in der Wohnung der Frau Cicilie Friedländtr eine Sitzung des Kinder-Sparverein s statt. Herr Rentier Behrens erstattete Bericht über die Eingänge, welche die stattliche Summe von 8200 Mark erreicht haben. Das Komitee bestimmt aufs Neue für Unterstützungen bis Ende Oktober dieses Jahres die Summe von 3000 Mark. Ferner bewilligt das Komitee: dein Verein „Jüdisches Kinderheim" 300, der israelitischen Taubstummenanstalt in Weißensee für das lausende Jahr ' 200, der' Frau Julie Neumann für drei Kinder aus der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule zu einer Ferienreise 100 Und für eine durch das Ableben'des Familienhauptes in Noth gerathene Familie 500 Mark. Für die Schaffung eines eisernen Fonds überwies Herr Moritz Mänheimer dem Komitee 200, und für eben denselben Z weck anläßlich ihrer 'silbernen Hoch zeit Herr Kommerzienrath Julius Jsaac 300 und Herr Emil Latz 500 Mark. Der geschäftsführende Ausschuß ist vom Komitee mit der Ausarbeitnng eines Berichtes über die bisherige Thätigkeit des Vereins betraut'worden, der zugleich ein Verzeichniß der Namen ohne Angabe der Beträge enthalten und kurz vor dem jüdischen Neujahrsfeste zum Versandt gelangen wird. ^2 Berlin, 30. Mai. Wir erhalten den siebenten Bericht der „Darlehnskasse der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschäft des Judenthums. Dieser sehr empfehlend werthe Verein hat auch im letzten Jahre wiederum eine eifrige Wirksamkeit entfaltet. Bedauerlich ist es nur, daß die Kasse noch immer nicht allen Ansprüchen genügen konnte, welche durch die vorjährige Uebergabe derselben an die gesammte Hörerschaft beträchtlich gewachsen sind. Jndeß lassen männigfache Beweise der Anersinnung von maßgebender Seite hoffen, daß diese humane' Institution auch in Zukunft . .sich stets wachsender Sympathien erfreuen und dadurch in die Lage versetzt wird, allen Anforderungen gerecht zu werden. Das Kuratorium selbst, sowie der Deutsch-Israelitische Gemeindebund bethätigen ihr Interesse für die Kasse durch namhafte Jahresbeiträge. Das Vereinsjahr begann am 1. Juni 1896 und endete am 11. Mai 1897. . Es wurden in dieser Zeit an 17 Hörer Darlehen im Gesammtbetrage von 415,00 Mark gewährt, zurückgezahlt wurden 327,40 Mark. . Der eiserne Fonds wurde vermehrt um 560,86 Mark. Das Guthaben hei der Sparkasse wurde gelöscht und für 520,90 Mark . 3l/a proz. preußische Konsols (500 Mark) angeschafft, der Rest wurde der Dresdener Bank in Berlin äüs monatliche Kündigung übergebem Ter,eiserne Fonds hat jetzt die Höhe von 2418,15 Mark (im Vorjahre. 1857,29 Mark) erreicht. Der Bericht, schließt mit herzlichem Dank für Alle, die ihr Wohlwollen der.