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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-04 · Heft 23 (4.6.1897) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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•2.72' lichterer konimender Tage in sich trug, und von denr er nnr> wenn es ihn unaufhaltsam ergriff und der Drang nach Gestaltung M' innerlich Erlebten ihn überwältigte,' vereinzelte Töne niederschrieh. : Auf dürftigen Paprerblättchen, ohne ein Wort der Aufklärung über Ziel- und Zusammenhang der gleich Flammen seines Geinüthes hervorlodemden Aeußerungen haben sich diese Fragmente in seinem .- Nachlasse gefunden. Aber sie bedurften auch keiner erklärenden Beksätze, sie sind mit dem großen Erkennungszeichen ihrer Zugehörigkeit zu den echten Familienpapieren aus seinem Geiste emporgestiegenjedem Kenner seines. Buches ein trauter, süßer Klang. Zu viel der Trauer für das hohe-Fest, wenn wir denken sollen, daß diese heiligen Trümmer der einzige Ueberrest von dem Plane bleiben werden, der als vollendetes Denkmal in' seiner Seele lebte und noch in den letzten Jahren im Wachen und im Träumen ihn ausfüllte. Der.^zweite Theil der Familienp.apiere, das hohe Lied vom Leben im Judenthum, von seiner unüberwindlichen Macht über die Gemüther, von. dieser ewigen Quelle alles Lichtes und aller Wärme in den Faimlien, es wird ungeschrieben bleiben, bis es wieder einmal nach langen Zeiträumen dem Weltengeiste gefallen wird, ein Dichterhaupt unler uns erstehen zu lassen, wie Wilhelm Herzberg eines gewesen «ist.. Allen aber, hie seines Geistes letzten Hauch erschauernd in diesen Worten fühlen werden, möge die Mahnung daraus entgegentöneu, daß wir eine,Versäumniß gut zu machen, eine Ehrenschuld gegen den tobten-Dichter abzutragen haben. Schneidend mischt sich in die Klage, daß wir ihn verloren haben, das Bewußtsein, daß so Viele ihn noch gar nicht zu besitzen angefangen. Der Titel seines Lebenswerkes, ein wahrer Rechtstitel auf Unvergänglichkeit, die jüdischen Familienpapieresoll, in einem Sinne sich erwahren, der ihm von Hause aus nicht eigen war; wo es eine Familie giebt, die zum 'Judenthum steht, soll dieser Sendbote mit den Flammeuznngen und den wuchtigen Worten, die wie Hämmer niederfallen, tun zu stählen * und zü härten, aber auch zu strafen und 311 züchtigen, nicht fehle». ' Die - SeelenfänKerei ist uns ein Greuel, aber jede Seele, die in Israel geboren ist, um unsere Fahne zu schaaren, soll uns Sehnsucht sind Bedürfniß sein. Dazu aber ist Keiner unter uns so gut Me' der tobte Dichter, von dem inan dereinst wie vom Erzvater sagen wird, daß er Seelen erworben, Seelen unter uns gebildet und erschaffen hat. ' •: Warum gönnst Du mir keine Ruhe, 0 Herr, warum schrecken mich Deine Gesichte Nacht für Nacht? Bin ich nicht gewandelt vör Dir in Gradheit seit meiner Jugend, bot ich nicht meine Brust den Bösewichtern; und meine Wänge den Schlagenden? Jetzt hast Du mich geschickt^Uuter * die Nichtigen, Unter die eitlem Tand Nachjagenden, ich stehe allein und wage nicht, den Mund äufzuthun, wie kann ich lehren die, welche weise sind in ihren eigenen Augen, wie Friede verkünden den Kindern der Gewalt und des Raubes? Aber Du hetzest mich auf wie ein gescheuchtes Wild und bedrohest mein Leben, wenn ich nicht gehorche. — Sie haben gekämpft mit dem Widersacher, sie sind groß und mächtig, wie Stränge ihre Muskeln, zerfleischend ihr Zahn, Niemand kann ihnen widerstehe^. ■ Sie haben die Welt erobert, sie lachen auf Recht und Gerechtigkeit, wer auf dich vertraut, heißt ein Träumer. Ach, daß du dich gürten wolltest für das Recht Ord in den Kampf eintreten für die Unterdrückten! Daß du die Wahrheit sprächest in deinem Herzen und mit strenger Liebe einträtest für deinen Bruder, daß du mit ddm Dürftigen theittest Hein verliehenes Brod und nicht leere Schätze häuftest für die Nachkomme^, denn sie werden es nicht genießen. Sorge für deine Zeit, erfülle deÄ Willen des Ewigen, 0 Haus Israel, sorge für. deine Zeit. . Denn wenn du eingehest in die Gruft, wirst du nicht gerettet werden, deine Bosheit hastet dir an und wird dich in der Nachwelt verderben. Sie wird dir Verderben bringen. Sie wird sich an dich heften und dich schlagen mit allen Gebrechen des Leides und Dualen des Herzens. Du wirst keine Ruhe finden. Bis daß du gebüßt deinen Trotz und deine unbändige Gier zu genießen;, deinen dumpfen Hochmuthdeine Eitelkeit und Narrheit. Dann wirst du leiden mehr als Höllenqualen, du wirst schreien wie ein Wahnwitziger, woher kommen mir diese ewigen Schmerzen? Ah, du bist ja nicht verantwortlich, Haus Israel, wälze dich nur vorwärts im Pfühl der Sünde, die die Heiden dir gelehrt haben — aber ich werde dir zeigen an deinem Fleisch und am Fleisch deiner Kinder,, daß ich dich zur Verantwortung ziehe in dieser und in jener Welt. ' -;Y . *; ■ r' In Liebe höre ich Deine süße Stimme, ö Ewiger, in Liebe flüstert sie Koseworte in mein träumendes Ohr. Warum zagst du, meine Seele, und warum zitterst du vor dem Dräuen des . Gewaltigen? Er umfängt, er beherrscht meine Seele mit ewiger Wonne, ich sehnte mich nach Dir und Du bist mir gewärtig. Was klagst du, mein Herz, wie ein hilfloser Wurm, warum bängst du um das Elend deiner Kinder? Ist der Ewige nicht bei dir? Leere Schatten sollen dich nicht peinigen, das unendliche Wesen hat Erbarmen mit dir. Ex ist und er trägt dich in seinen Armen, alle Noth ist Schein, alles Leiden eine Brücke zu deinem Freunde. Ja, auch in deinem Abschied werde ich pich nicht verlassen und ich hebe dich in die Höhe mit starkem Arm, weM du hinsinkest und wenn die Schatten dich umringen, wenn-eine Ktäste brechen, wenn die letzten Trostesworte um dich verhallen, wenn du in das Dunkel stürzest. -77 fiehe du Licht! und Grausen und ewige Nacht wandelt.sich in die süßeste Freude dem Ueberraschten. Die Schatten ziehen herauf aus den Gründen und legen sich dicht um mein Herz und die gefesselten Geister erheben ihr Haupt, ein Jeder der Freiheit gewärtig, bereit zu schweifen im Lande des Lebens, ich aber werde ruhen in dunkler Nacht. Und doch wankt mein Vertrauen nicht, denn ich weiß, daß Du mir eine Stätte bereitet hast. Und ich wandelte vor Dir alle meine Lebcnstage und empfing meine Wunden auf dcr Brust Nicht verhandelte ich mit den Schlauen und den Schlechten, um meinen Weg zu sichern, denn ich rechnete auf meine Gerechtigkeit. Nun hat meine Einfalt mich gestürzt, ich liege am Boden, und die Uebelthäter lachen. Aber weil ich über den Tod hinaus Dir vertraue, wie sollte ich für den Rest des kurzen Laufes verzagen? Die.feilen Sklaven entweichen, aber Du wirst die herrliche mir vereinen. Und so lange ich schwach bin Und muthlos und von den Menschen verlassen, rufe ich laut: Ha, der vertraut in den Tod, wie sollte er des Lebens nicht vertrauen? Denn Du bist ein Gott des Lebens, nie werden zu Schanden, die auf Dich bauen.; Ach, ich irrte — Nachts auf meinem Lager hungert meine Seele nach Dir, doch Dü läßt mich Deine süße Stimme nicht vernehmen. Ach, ich irrte, den Kampf zu wagen mit den Hunden und Füchsen, statt mich , in Dir zu bescheiden. Ich irrte, auf meine Kraft zu vertrauen und meiner Einsicht zu folgen — ich bin herausgefallen aus dem Wege, die Schatten des Todes ersuche ich. — Müde bin ich, verletzt ist mein Fuß auf dem steinigen Pfade, gebrochen ist mein Stab, und doch hast Du mich eingesetzt. Deinen Namen zu verkünden. Ist denn ein Gott des Todes der Ewige? Ja, denn wenn er Tod giebt, so giebt er Leben. Leben, zu büßen Deine Schuld, und Tod, Dich zu reinigen — wenn er wegjagt wie Wolken Dein Vergehen, hast Du durch Schmerzen gebüßt Deine Fehler — Du zürnest, nicht. Ewiger^ denn Deine Wunden sind Wonnen — Du zürnest nicht, denn unsere Sünden sin-'Wahnsinn, denn Schlag antwortet auf Schlag, Stich auf Stich, und Fluch entgegnet den Fluch — es bleibt nichts ohne Ausgleich , in Deinem ewigen Reiche — aber ein Trost sind mir Schmerzen, denn sie sind . Zeugen, des Ewigen Weil er hat ausgespannt das Irdische zum Schein und zum Ruhm seiner Majestät das Weltall, führt mich an sein Herz mein Kummer, zeugen von ihm meine Thränen. Im Ewigen will ich ruhen und mich trösten, er hat mich gebrochen und er wird mich heilen — Du Ewiger bist meine Zuversicht und ich jauchze auf der wüsten Erde. ■ ,/■ /• Wenn ich stöhne, wenn ich seufze, lacht meine Seele ihrer Wunden. Die Fluthen gehen über-mein Haupt, ich halte mich an wurmdurchnagte Trümmer. Ich halte mich und harre unverzagt und zittere nicht vor dem Leben, noch vor dem Tode. Dem Ewigen, dem ich eigen, lächle ich entgegen, wenn-meine Füße im Kothe straucheln. Ich strauchle mit den Blödsinnigen und Thoren, denn Deine Gnade führt-aus dem Abgrund auf lall den ger Op gef. Mi den für, der wir den sei» Ra Br des Ge rva sch we nie lös Er we bei erf za. t»ei Tr W mi vei du G, un di. sie da vo wi ni G sä m di m »v R ni fr se F E ft n, E tr v.

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