Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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durchdrmgen toetben.- Schon heute steht die Notwendigkeit einer Äenderung außer Fracke. Dos Ansehen des jüdischen Lehrers m n ß in der Gemeinde gehoben, sein Einkommen Verbeffert, seine Stellung gesichert werden/ damit derselbe nicht Hinter - feinennichtjüdischen Kollegen zurückstehe. Für die Erörterung all dieser, noch mehr aber derdringenden Fragen des Religionsunterrichts n. s. w. sind die Lehrerkonferenzen von höchster Bedeutung. Wir begrüben dieselben daher mit aufrichtiger Genugthunng und mit den besten Wünschen für den Verlauf ihrer Verhandlungen und Arbeiten! - , Der Schulchan Aruchist nun auch in der württembergischen Kammer erledigt. Am 21. m M. fand die Sitzung statt, in der der Berichterstatter der Kommission, Eckarh in sehr intereffanier Weise den Uebergang zur Tagesordnung motivirte. Hierauf sprachen ein Geistlicher und der Kultusminister zur Sache. Wir citiren ihre Reden hier nach dem uns zugegangenen Berichte: Prälat v. Schwarzkopf: Man könne dem Berichterstatter nur dankbar sein für seinen durchaus sachlichen und klaren Bericht. Er selbst habe sich mit einem der ersten Kenner des Talmuds in Württemberg ins Benehmen gesetzt, und auch dieser habe sich mit dem Bericht einverstanden erklärt. In Württemberg habe man umsoweniger Grund, sich auf den Antrag der Petenten eiuzulassen, als sich bei uns die Synagoge durchaus angemessener und würdiger Unterrichtsbücher erfreue, die nur edle, echt religiöse Lehren enthalten. Sein Gewährsmann habe ihm auch mitgetheilt, daß er in Württemberg noch nie auf Spuren des Schulchan Aruch gestoßen sei. Derselbe sei von Anfang an ein importirtes Produkt gewesen, hervorgegangen aus unchristlicher Unterdrückung der Juden seitens der Christen. Es sei eine absterbende Sache, der durch Veranstaltung einer staatlichen Uebersetzung nur künstlich neues Leben zugeführt würde. Die Synagoge in Württemberg habe seit Jahren das Glück, unter trefflicher oberhirtlicher Leitung zu stehen. Er empfehle auch, seinerseits den Antrag der Kommission zur Annahme. Staatsminister Dr. v Sarwey: Was die Herren Vorredner über die Bedeutung des Schulchan Aruch für Württemberg gesagt haben, kann ich auf Grund der von mir aus Anlaß der vorliegenden Eingabe eingezogenen Erkundignngen durchaus bestätigen. Der Schulchan Aruch hat in die Lehrbücher zum Gebrauch für den israelitischen Religionsunterricht in den Schulen keinen Eingang gefunden, ebenso wenig'ein Auszug aus demselben.- Wie bekannt, können Lehrbücher für den israelitischen Religionsunterricht in Gemeindeschulen und in den jüdischen Konfessionsschulen nach der Verfügung des Ministeriums vom 8 Mai 1859 nur mit Genehmigung des Ministeriums für Kirchen und Schulwesen eingeftthrt werden, und außerdem können zum freiwilligen Gebrauch Lehrbücher in dem jüdischen Religionsunterricht nur mit Genehmigung der israelitischen Oberkirchenbehörde benützt werden. Die Behörden sind daher in steter Kenntniß von den in dem israelitischen Religionsunterricht im Gebrauch befindlichen Lehrbüchern. Von keiner Seite noch ist nur. irgend eine Einwendung gegen dieselben erhoben worden, und insbesondere von den Oberschulbehörden ist mir mitgetheilt, daß auch bezüglich des Betriebes des Religionsunterrichts'nicht die geringsten Bedenken zu erheben sind. Der Uebergang zur Tagesordnung wurde, selbstverständlich angenommen. . Seit einiger Zeit war Südafrika ein beliebtes Nnswanderungsziel für die russischen Juden, welche meist nach Transvaal gingen, aber wenn die' neuerdings in dieser Republik eingeführte Paßvorschrift weitess.so gehandhabt wird, so ist auch dieser Zufluchtsort ihnen versperrt. Scholl sind eine Anzahl von ihnen voll Transvaal sowie von dein Oranje sreistaat zurückgewiesen und den Wohlihätigkeitsgesellschaften von Port Elisabeth in Natal und Capstadt zur Last gefallen. - Diese Gesellschaften haben' sich in einem langen Telegramm an dell Oberrabbiner Adler. gewendet, damit er allen seinen Einfluß änfbiete, um die jüdischen Auswanderer von Südafrika fernzuhalten. Man wird äbwarten müssen, ob diese Praxis fortdanert; es wäre überaus traurig. wenn so die armen russischen Inden wieder einer Hoffnung beraubt würden, denn heute ist es der Trost so manches Leidenden, daß ihm im fernen Welttheil die Hoffnung ans eine bessere Zukunft winkt. Das Jubelfest der Lehranstalt für die Wissenschaft des Indrnthums. Berlin, 23. Mai. ine Versammlung, wie sie sich gestern im Saale des „Bruder- Vereins" zusammengefunden, - hat das „jüdische Berlin" lange nicht gesehen. Die ganze Elite unserer Gemeinde hatte sich zum Jubiläum unserer Hochschule (denn das ist und bleibt die Lehranstalt, gleichviel, ob sie jenen offiziellen Titel führen darf oder nicht) versammelt. Um 12 Uhr wurde die Feier durch einen Choral stimmungsvoll eröffnet. Der Männerchor der Synagoge Lindenstraße sang unter Leitung seincs bewährten Dirigenten, Herrn William Wolfs, Psalm 19 in der bekannten Lewandowski'schen Komposition. Hierauf hielt Sanitätsrath Dr. Neumann als Vorsitzender des Kuratoriums der Lehranstalt die einleitende Rede, welche auf die ganze Versammlung einen nachhaltigen Eindruck hervorbrachte. Knapp, streng sachlich und. inhaltsreich wie alle Redess dieses Mannes, faßte sie in einem engen Raum alles zusammen, was zur Geschichte der Hochschule, seit die Idee zum ersten Male durch Ludwig Philippson und Abraham Geiger verkündet wurde, zu sagen-war. Die tiefe Rührung, welche den greisen Redner zuweilen mächtig übermannte, theilte sich auch der Versammlung mit. Nunmehr bestieg Herr Professor Dr. Steinthal, der Jubilar des Tages, die Kanzel und hielt die Rede, die wir, avknüpfevd an diesen Bericht, unseren Lesern im Wortlaut mittheilen. Sollen wir noch ein Wort über diese.Rede hinzufügen, so müßten wir vor allem den liefen . Ejndruck konstatiren, den die Worte des verehrten Mannes, der hier wie ein Patriarch vor dem Kreise seiner Hörer stand, ausübten, und dessen Worte sicherlich ihren Weg zum Herzen seiner Hörer rasch gefunden. Hierauf sprach Rabb. Dr. Hochfeld Namens der ehemaligen Zöglinge kräftige, herzerfreuende Worte, die dem Gefühl der innigen Verehrung für die Anstalt weihevollen Ausdruck gaben. Es war ein schöner Abschluß der wahrhaft würdigen Feier, die jedem Theilnehmer unvergessen in der Erinnerung fortleben wird, daß nach diesen drei Reden noch Herr Justizrath Meyer die Kanzel bestieg, um den Epilog zu diesem Feste zu sprechen und in kurzer, aber gediegener Ryde die Gedanken zusammenzufassen, welche als leitende Ideen durch die ganze Feier hindurchgegangK wären, die Gedanken nämlich, daß die Lehranstalt eine Stätte der freien Forschung sein und bleiben soll, in der eine objektive Erkeniitniß der religiösen, sittlichen und geschichtlichen Wahrheiten Judenthums zu erlangen sei, daß sie deshalb unabhängig von allen staatlichen und Gemeindebehörden, daß sie aber gleichwohl durch die Ausbildung der Rabbiner wieder -mit dem Leben des. Jndenthums in einen bestimmten Zusammenhang gelangt und dadurch die innere Einheit/ zwischen den Hetzheiligten Faktoren herstellt. Mit einem zusannnenfassenden. SchfrMlsrt des'Sanitäts raths Dr. Neumann und dem Schlußgesang des ShmMtzenchors endete Ine Feier. Der wirkungsvolle Eindruck/den dieselbe hervörgerufen, begleitete uns hinaus in das fluthende Leben des Festtages. Wir haben bereits berichtet, daß die Anstalt anläßlich ihres Jubiläums einen Rückblick auf ihre ersten 25 Jahre (1872 bis 189.7) veröffentlicht hat, der in vielen Beziehungen interessant und nach jeder Richtung hin lesenswerth ist. Einer der'^Dozenten der Lehranstalt,. Dr. Martin Schreiner, erzählt die innere Geschichte derselben seit 1835, den ersten Aufrufen Geigers und Philippsons. Wir ersehen daraus, daß die Lehranstalt die Aufgaben, die ihr gestellt worden sind, von ihrer Begründung bis auf den heutigen Tag redlich zu erfüllen bestrebt war. Es heißt dort: „Die Gebundenheit des'Geistes, sowohl die, welche aus äußeren Rücksichten, als auch diejenige, welche aus dogmatischen Annahmen stammt, ist von unserer Anstalt immer fern