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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-04 · Heft 23 (4.6.1897) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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■■ . -• S*'”- wirken und nicht auf außerordentliche Glücksfälle sein Leben einzurichten, wird die Größe Gottes darin finden, daß er nie gegen die' Gesetze der Natur, sondern stets mit" den Gesetzen der. Natur das Große und Gewaltig/ schafft.. Gottes Allmacht besteht'darin, daß; er. Wunder>thiui;kann, Gottes Weisheit darin,' daß er keine. Wunder zu thun braucht. - Diese allgemeine Betrachtung scheint von vornherein im scharfen Widerspruch mit dem Festtage der Offenbarung; denn giebt es ' etwas Wunderbareres, als daß Gott sich offenbart? Aber der Sänger der Psalmen macht in dem. 29. Psalm, in dem Liede, welches wir in jeder' Woche zur Begrüßung des Sabbaths anstimmen, uns deutlich, was unter dieser. Offenbarung zu verstehen sei. Schon die Men beziehen diesen SanL auf die Offenbarung am Sinai. Uiib was schildert der Dichter? Ein gewaltiges Erbeben der Erde, eine Erschütterung, tvelche die arabische Wüste, das heilige Land, kurz, den ganzen Erdstrich rings um den Sinai in seinen Grundvesten' erregte, eine Naturerscheinung, wie - sie seitdem' so oft, zumal in der Gegend des Mittelmeeres, sich. wiederholt hat, das war „die Stimme, Gottes mit Macht, die Stimme Gottes mit Hoheit", In den Augen' Mancher schrumpft die Offenbarung zusammen, wenn sie als ein Naturereigniß sich darstellt, das, so gewaltig es j. immer auch war; sich einreiht in die natürliche Ordnung der Dinge,' aber in den Augen Derer, die Gottes Größe vor allem in seiner. Weisheit sehen, in jener unübertrefflichen, undurchbrechlichen Ordnung > des unendlichen Weltalls, verliert darum die Erinnerung des Sinais nichts von ihrer Würde, und es wächst die Bedeutung des Mosel),; des'großen Gottesmannes, der in dem .Aufruhr der Elemente seinem' Volke den Gott zeigte, der es aus'Aegypten geführt hatte. Di/ gedankenlose Menge wird mehr erregt, wenn ein sternkundiger Manii^ sie auf den Sonnenball weist, und er ihr sagt : In einem Momentwird er sich verdunkeln, und es geschieht. Dagegen wird der Ver-- ständige mit größerer Verehrung vor dem Gottesgeiste und vor. dem 'Menschengeiste, der den Spuren des göttlichen folgen kann,^ erfüllt, wenn irdische Weisheit den Gang der Gestirne auf Jahr'/ hunderte voraus berechnen kann, wenn sie. in der Vergangenheit Ereigniffe der Menschengeschichte nach der Zeit, und dem Raunt genauer bestimmen kann durch Naturerscheinungen,^ deren dabei vom den Schriftstellern des Alterthnms Erwähnung geschieht. Es ist bemerkenswerth, wie-jeder Fortschritt der Wissenschaft jeder'natürlichen Erklärung der in der heiligen Schrift berichtetes erstaunlichen Thatsachen zu Hilfe kommt. Wunderscheue Männer haben' manche der bekannten Plagen, die über Aegypten kamen,, auf vulkanische Erscheinungen zurückgeführt, die Spaltung des Schilf/ meeres wurdeähnlich erklärt, sehr nahe , lag diese.Deutungbei denv Aufruhr der Natur, der uns bei der Offenbarung des Sinai berichtet wird, und endlich wirddie Heimsuchungdie Mer dje-Rott/ Korahs kam, daß nämlich die Erde sich aufthat. und die Sünder verschlang, als eine vulkanische Eruption aufgefaßt. Alle diM Ereigniffe liegen der Zeit nach nicht weit aus einander,■ und es schient nicht sehr weise, so viele ans Wunderbare streifende Erscheinungen: immer wieder auf ähnliche Ursachen zurückzuführen. Dieser? Vulkanismus schien 31t oft hervorzubrechen. Aber sorgfältige Untersuchungen, die in der Gegenwart unternommen worden sind, Habens das Resultat ergeben, daß, wenn erst einmal eüic Gegend von vul< kanischen Erscheinungen heimgesucht wird, diese Beunruhigung so rasch, nicht aufhort, daß sie sich fast immer in mehrere!! Mwstrophen ent/, ladet; also daß in einer kurzen Zeitspanne von kaum zwei Jahren aus. denlfölbeli Erdstrich nrehrece Ereigniffe'sich zntrugen, die am einfachste!!-- als vulkanische sich erklären ließen, vermindert nichtsondern erhöhü die Glaubwürdigkeit dieser Erklärung.; ' Darin bestand die Größe des Moseh und des von ihm geleiteten Israel, daß sie dein Außerordentlichen gegenüber nicht stumpf blieben, sondern daß esihnen eine Offenbarung.Gottes wurde. In. diesem Sinne ist der fromme Spruch wahr: Es geschehen täglich; Wunder, .aber cs achtet Keiner darauf. Wahrlich. Gott; verbirgt sichüicht, in . jeder Sekunde offenbart sich sein gewaltiges Wirken; wir aber müssen unsere Augen öffnen, um ihn zu-schauen, der über Wolken , thronet und in jedem Grashalmseine-Größe, kündet. Der Zweifler fragt: wo ist Gott? der Gläubige antwortet mit der.Gegenfrage: wo ist er nicht; droben über den Ster.nen, hier unten in jedem Blatt, in jeder Blüihe, draußen im Weltgetümmel, drinnen iiu Menschengem üth, überall vernimmt, wer nur hören will, wie-dereinst die Väter am Sinai, „die Stimme Gottes mit Macht, die Stimme Gottes in - Hoheit und Herrlichkeit". Die Mache. ey Berlin, 1. Juni. ÄM^us der Kölnischen Zeitung haben viele deutsche Blätter eine Jwtfe Notiz übernommen, wonach hauptsächlich vor! jüdischen Xj Kreisen in Amerika die Begründung eines „Ko n ig re i chs Juda in Palästina unter Oberhoheit des Sultans" angestrebt werde, und da diese Bestrebungen auch in Kreisen deutscher Juden Sympathien fänden, so solle, am 25. August in München eine könstituirende Versammlung für das neue Reich abgehalten werden. Unsere Leser kennen bereits den Zusammenhang der Sache. Aber es ist mehr als trauÄg; daß .solche Mittheilungeu-. in. politische Blätter kommen können. Thatsächlich findet in München allerdings eine Versammlung statt, welche aber ■, hauptsächlich nur jüdischen Ackerbaukolonien in Palästina eine bessere materielle Grundlage schaffen will. Was hat das mit jenem phantastischen - Unsinn eines neuen Reiches, dessen Nationalpanier, blauer. Grund mit einer weißen Taube, nach anderen Blättern schon in Chicago in einer Mischen Loge feierlichst geweiht sein soll, zu. thun? Angeblich soll das neue, jüdische Reich allen Israeliten, die aus irgend einem Grunde irgendwo verfolgt werden, eine Zufluchtsstätte bieten. Selbst wenn ein solches Asyl denkbar wäre, fehlte in jener Nachricht, die ernsthaft politische Blätter ihren Lesern auftischen, noch immer jede Mittheilung darüber, weshalb diese.Zufluchtsstätte ein eigener suzeräner Staat sein werde; ebenso wie es an irgend einer thatsächlichen Grundlage hierfür fehlt, wird auch die Nennung irgend eines Namens, bei der sensationellen Ente vermißt. Man könnte lachen, wenn-wir nicht erlebt hätten, daß die lächerlichsten Wahnbilder, schon auf unsere Kosten Verbreitung und Glauben gefunden haben. Darum möchten-wir an jene schwärmenden Phantasten, die sich mit Emphase Zionisten nennen, die Mahnung richten, sich anläßlich des Wochenfestes daran zu erinnern, daß das Jndenthnm . der Welt einen neuen Gottesgedanken geoffenbart hat, daß aber alle vom Nationalitätenschwindel getragenen Phantastereien den Juden schweren Schaden bringen. . 1 In der nächsten Woche finden überall die Jahresversammlungen jüdischer Lehrervereine statt. Wir möchten es auch diesmal nicht Unterlasten,-auf die hohe Bedeutung dieser Konferenzen hinzuweisen, in denen die wichtigsten Fragen des Lehrerstandes und.des Unterrichts zur Erörterung gelangen. Wir zweifeln nicht daran, daß die energischen Forderungen unserer Lehrer in Bezug auf Stellung, Gehalt, Pension u. s. w. schließlich auch in allen jüdischen Gemeinden

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